Wer das adidas Headquarter in Herzogenaurach besucht, bekommt schnell den Eindruck, dass Innovation hier kein abgeschlossener Prozess ist. Sie ist vielmehr ein ständiger Kreislauf aus Fragen, Tests, Rückmeldungen und Verbesserungen. Genau das ist die Idee hinter dem „Home of Innovation“: ein „lebendes Labor“, in dem Erkenntnisse von Athleten in die nächste Generation von Produkten für den Leistungssport übersetzt werden.
Dabei geht es nicht nur um neue Materialien oder auffällige Designs. Ingenieure, Wissenschaftler, Biomechaniker, Produktentwickler und Designer untersuchen gemeinsam mit Athleten, wie sich ein Produkt unter realen Bedingungen verhält – und wie es die Leistung tatsächlich verbessern kann.

Vom Prototypen bis zum Wettkampf
Im „Innovation Lab“ werden Ideen zunächst geprüft, validiert und weiterentwickelt. Moderne Technologien unterstützen dabei alle Phasen des Entwicklungsprozesses: von der Materialforschung über die Herstellung von Prototypen bis hin zu umfangreichen Athletentests. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Frage, wie Athleten mit einem Produkt interagieren. Bewegungsabläufe, Laufstil, Kraftverteilung, Passform und Komfort werden ebenso analysiert wie die Auswirkungen auf die sportliche Leistung. Das Ziel ist dabei immer dasselbe: Produkte sollen nicht nur technisch funktionieren, sondern im entscheidenden Moment einen konkreten Vorteil bieten. Das gilt für unterschiedliche Sportarten.
In Herzogenaurach arbeitet adidas unter anderem an Lösungen für den Straßenlauf, die klassische Leichtathletik, Trailrunning, Fußball und Motorsport. Das Innovation Lab in Portland ergänzt diese Arbeit um Sportarten wie Basketball, American Football, Baseball, Softball und Volleyball. Rund 500 Profisportler besuchen die verschiedenen Labore jedes Jahr. Sie testen neue Konzepte, tragen Prototypen und geben Rückmeldungen, die unmittelbar in die weitere Entwicklung einfließen. Dazu kommen Einsätze direkt vor Ort – etwa in Trainingslagern. So arbeiten die Innovationsteams beispielsweise mit Athleten in Kenia und Äthiopien oder mit Teams und Universitäten in Nordamerika zusammen.

APEX: Produkte für einzelne Athleten
Eine zentrale Rolle spielt außerdem das „Athlete Product Excellence Lab“, kurz APEX. Die APEX Labs in Herzogenaurach, Portland, Los Angeles und Tokio konzentrieren sich besonders auf die individuelle Betreuung von Spitzensportlern. Bei den Athletenanalysen kommen unter anderem Fuß- und Körperscans, Laufanalysen, Bewegungs- und Kraftmessungen sowie Untersuchungen der Interaktion zwischen Athlet und Produkt zum Einsatz. Schuhe und Bekleidung können anschließend gezielt angepasst werden – von individuellen Änderungen an einem Schuh bis zu maßgeschneiderten Lösungen für bestimmte Bewegungsmuster oder Wettkampfanforderungen.
APEX verbindet dabei drei Bereiche: Athletentests, Produktanpassung und die Betreuung im Training und bei großen Wettkämpfen. Das Feedback der Athleten fließt in einem kontinuierlichen Austausch direkt zu den Produktentwicklern zurück.



Future of Fast: Geschwindigkeit ohne Kompromisse
Beim Rundgang durch das Home of Innovation wird deutlich, dass adidas seine Innovationsarbeit derzeit vor allem entlang dreier großer Themen strukturiert. Eines davon ist „Future of Fast“.
Im Zentrum steht die ADIZERO-Plattform, die ursprünglich für den Laufsport entwickelt wurde. Gewicht, Aerodynamik und Steifigkeit werden so abgestimmt, dass Athleten möglichst wenig Energie verlieren und ihre Geschwindigkeit besser umsetzen können. Technologien wie LIGHTSTRIKE Pro Evo sollen dabei leichte, aber dennoch funktionale Lösungen ermöglichen.
Die ADIZERO-Produktfamilie hat sich längst über den Straßenlauf hinaus entwickelt. Neben den bekannten Laufschuhen entstehen inzwischen auch Konzepte für American Football, Hybridtraining, Fußball, Trailrunning und die Leichtathletik.
Wie eng die Entwicklung mit dem Spitzensport verbunden ist, zeigen die aktuellen Erfolge der Athleten. Mit dem ADIZERO ADIOS Pro Evo 3 wurden herausragende Marathonleistungen erzielt. Sabastian Sawe und Yomif Kejelcha unterboten beim London-Marathon die Zwei-Stunden-Marke. Tigst Assefa stellte einen neuen Weltrekord in der Frauenwertung auf. Yomif Kejelcha lief später im Halbmarathon ebenfalls Weltrekord – im ADIZERO ADIOS Pro Evo 3.
Aktuell feiert adidas auch die herausragenden Leistungen beim BMW Berlin Marathon in einer eigenen Kollektion zum Hauptstadt-Rennen:

Future of Strength: Stabilität und Kontrolle
Das zweite große Themenfeld heißt „Future of Strength“. Hier geht es nicht ausschließlich darum, mehr Kraft zu erzeugen. Vielmehr sollen Athleten auch unter hoher Belastung stabil, kontrolliert und effizient bleiben.
Die TECHFIT-Plattform nutzt strategisch platzierte Verstärkungsbänder, um bestimmte Muskel- und Gelenkbereiche gezielt zu unterstützen. Dabei wird versucht, Stabilität und Bewegungsfreiheit miteinander zu verbinden. Der Athlet soll Unterstützung spüren, ohne in seiner natürlichen Bewegung eingeschränkt zu werden. Gemeinsam mit Spitzensportlern wurden unter anderem der TECHFIT+ Endurance Suit und die Pro TECHFIT+ Shorts entwickelt. Gezielte Unterstützungszonen sollen die Laufökonomie verbessern und einen effizienteren Schritt fördern.
Auch im Wettkampf wurde die Technologie bereits erprobt. Bei der „Chasing 100“-Herausforderung durchbrach Sibusiso Kubheka mit individuell angefertigten TECHFIT+ Shorts die Sechs-Stunden-Marke über 100 Kilometer. Beim London-Marathon kamen die Produkte außerdem bei Sabastian Sawe, Tigst Assefa und Yomif Kejelcha zum Einsatz.


Future of Cool: Wenn Temperatur zur Leistungsfrage wird
Das dritte Themenfeld ist „Future of Cool”. Die dahinterstehende Überlegung ist einfach: Steigt die Körpertemperatur unter heißen Bedingungen zu stark an, kann das die Leistungsfähigkeit und die Regeneration beeinträchtigen. Die CLIMACOOL-Plattform setzt deshalb auf Materialien, Bekleidungskonstruktionen und Kühlsysteme, die den Luftstrom verbessern und die Temperatur an besonders belasteten Körperstellen regulieren sollen.
Für den Wettkampf wurde beispielsweise das ADIZERO CLIMACOOL+ Singlet entwickelt. Seine besondere Konstruktion soll die Belüftung und Kühlung während des Rennens verbessern. Beim London-Marathon trugen Sabastian Sawe und Tigst Assefa das Singlet während ihrer Rekordleistungen.
Noch umfassender ist das „CLIMACOOL System“. Es besteht aus einer Kühlweste, einer isolierten Jacke, einem Nackenkragen und einem Überschuh. Ein spezielles Kühlgel in der Weste kühlt zentrale Bereiche des Oberkörpers, während die Jacke den Kühleffekt verlängert.
Innovation als permanenter Dialog
Was vom Besuch im Home of Innovation besonders bleibt, ist weniger ein einzelnes Produkt als vielmehr die Arbeitsweise dahinter. adidas versteht Innovation als Dialog zwischen Athleten und Entwicklungsteams. Ein Produkt wird nicht einfach entworfen und anschließend getestet. Es entsteht in vielen Schritten – durch Messungen, Prototypen, Praxiserfahrungen und immer neues Feedback.
Die Athleten stehen dabei im Mittelpunkt. Ihre Rückmeldungen helfen, technische Daten in konkrete Lösungen zu übersetzen. So entstehen Produkte, die nicht nur auf dem Papier leistungsfähig sind, sondern sich im Training und im Wettkampf bewähren sollen.
Das Home of Innovation ist deshalb keine Ausstellung einer bereits fertigen Zukunft. Es ist vielmehr ein Einblick in eine Zukunft, die gerade entwickelt wird – gemeinsam mit den Athleten, für die sie gedacht ist.












