Einen Marathon zu laufen, ist hart. Sechs davon zu laufen – und die World Marathon Majors zu absolvieren – ist noch härter. Aber das als völliger Anfänger zu schaffen, während man gleichzeitig an Morbus Crohn leidet, ist noch einmal etwas ganz anderes. Genau das hat Jai Gohil gerade geschafft, indem er Anfang dieses Jahres in Tokio die Ziellinie seines sechsten und letzten Majors überquerte.
Jais Laufreise begann mit einem brutal anspruchsvollen London-Marathon im Jahr 2021. Dem Marathon ging eine Trainingsphase voller Verletzungen und durch Morbus Crohn verursachter Erschöpfung voraus. Am Wettkampftag hatte Jai so starke Krämpfen, dass ihm Nurofen gegeben werden musste, nur damit er überhaupt bis zur Ziellinie gehen konnte. „Ich wusste nicht, was auf mich zukommt, als ich mich angemeldet habe“, gibt er zu. „Aber ich dachte mir: Warum nicht die Herausforderung annehmen?“ – eine Haltung, die treffend zusammenfasst, was ihn seitdem dazu gebracht hat, sich immer weiter zu steigern und immer ehrgeizigere Ziele zu verfolgen.

Hier berichtet er von den Höhen und Tiefen, die er durchlebt hat, und von den wichtigsten gelernten Lektionen auf dem Weg. Egal, ob du selbst mit einer chronischen Erkrankung lebst oder einfach ein Ziel verfolgst, das dir früher unmöglich erschien – aus Jais Erfahrungen lässt sich viel lernen.
Laufen mit einer chronischen Erkrankung ist unberechenbar
Mit Morbus Crohn zu leben bedeutet, sich täglich mit Erschöpfung, Krankheitsschüben und Unvorhersehbarkeit auseinanderzusetzen. Um seine Symptome zu kontrollieren, passt Jai ständig Dinge an – von Ernährungsstrategien bis hin zu Medikamenten. In Tokio, seinem zuletzt gelaufenen Rennen, lief Jai zum ersten Mal unter Einnahme von Steroiden. „Ein großer Teil des Kampfes findet vor dem Lauf statt“, erklärt er.
„Erschöpfung ist ein riesiges Thema für mich … ich muss genau überlegen, wie sich alles auf meinen Körper auswirkt. Außerdem esse ich vor einem Lauf nicht viel, was bedeutet, dass ich manchmal das Risiko eingehe, nicht ausreichend Energie zu haben – aber das ist mir lieber, als dass während des Laufs etwas passiert.“ Letztlich musste Jai die Vorstellung völliger Kontrolle aufgeben und sich damit abfinden, die Dinge so zu nehmen, wie sie kommen – besonders am Wettkampftag. „Du kannst eine perfekte Trainingsphase haben, und am Tag selbst geht trotzdem etwas schief.“

Deine Ziele wachsen mit dir
Zu Beginn seiner Reise lief Jai den London-Marathon zweimal – einmal für Crohn’s and Colitis UK und dann für St John’s Ambulance – und entdeckte dabei, wie gut es sich anfühlt, für einen bestimmten Zweck zu laufen. Erst, als er einen gesponserten Startplatz für Berlin erhielt, kam Jai überhaupt der Gedanke, alle sechs Majors abzuhaken.
„Es fühlte sich größer an als London“, sagt er und erinnert sich an die überwältigende Energie der rhythmischen „Viking-Clap“-Tradition an der Startlinie. Doch selbst nachdem er in Deutschland seine Medaille gewonnen hatte, fühlte er sich noch nicht wie ein „richtiger Läufer“. Bis er in New York antrat. „Für beide amerikanischen Rennen [New York und Boston] ist es so schwer, überhaupt einen Startplatz zu bekommen – das war ein echter ‚Ich kann nicht glauben, dass ich hier bin‘-Moment.“ Von da an weiterzumachen fühlte sich einfach wie der nächste logische Schritt an.

Die richtige Ausrüstung trägt ins Ziel
Die meisten Läufer merken schnell, dass es keine Einheitslösung bei der Ausrüstung gibt – und Jai war da keine Ausnahme. „Wenn ich nicht genau weiß, was ich anziehen werde, macht mich das nervös“, sagt Jai. „Es muss etwas sein, das ich im Training ausprobiert habe. Du willst nicht am Wettkampftag feststellen, dass es nicht funktioniert.“
„Ich mag nichts, was zu einengend ist“, fügt er hinzu. „Laufkleidung, die atmungsaktiv und locker sitzt – wie die Teile, die ich aus der lululemon Fast-and-Free-Kollektion habe – gibt mir ein richtig gutes Gefühl beim Laufen. Je wohler du dich fühlst, desto befreiender fühlt sich der Lauf an. Außerdem mag ich farbenfrohe Sachen – etwas farblich Leuchtendes zu tragen, kann deine Stimmung in wirklich harten Momenten heben.“

Resilienz bringt dich überall hin
„Das Laufen hat mir gezeigt, was ich überwinden kann – nicht nur im Sport, sondern im Leben“, sagt Jai. Wenn es hart wird, hält er sich an zwei Leitsätze: das berühmte Zitat von Eliud Kipchoge „No human is limited“ („Kein Mensch ist begrenzt“) und – vielleicht noch wichtiger – „Immer weiter lächeln“. Diese Botschaft trägt er buchstäblich bei sich – auf seine Laufshirts gedruckt, um sich selbst und andere zu motivieren. „Ich hatte schon Leute, die mir auf die Schulter getippt und gesagt haben, dass ihnen diese Botschaft geholfen hat“, erzählt Jai. „Das bedeutet mir viel.“
Selbst nach all dem, was er in so kurzer Zeit erreicht hat, stehen noch einige Punkte auf seiner Lauf-Bucket-List. „Das Einzige, was ich noch nicht geschafft habe, ist, den London-Marathon verletzungsfrei zu laufen“, führt er aus. „Ich habe das Gefühl, da ist noch ein richtig guter Lauf in mir. Und da jetzt neue Majors dazukommen, habe ich darüber nachgedacht, wie es wohl wäre, alle neun in einem Jahr zu laufen. Vielleicht sogar als erste Person mit Morbus Crohn.“ Daran, dass Jai genau das schaffen wird, wenn er sich wirklich dazu entscheidet, hat man indes nicht.












