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Transalpine Run 2018 260 Kilometer, 16.500 Höhenmeter und restlos blanke Nerven

Asics-Frontrunnerin Juliane Ilgert lief den Transalpine-Run. Tränen flossen dabei aus Verzweiflung und vor Freude. Ihr Erfahrungsbericht. Plus: Ausführliche Video-Reportage.

Asics-Frontrunnerin Juliane Ilgert beim Transalpine-Run 2018 +
Foto: Andy Astfalck

Asics-Frontrunnerin Juliane Ilgert schreibt über ihre Erlebnisse beim Transalpine-Run 2018.

Der Transalpine-Run ist ein 260 km langer, sieben Tage dauernder Extremwettkampf, bei dem zwei Läufer im Team die Alpen überqueren und dabei 16.500 Höhenmeter bewältigen. Rund 300 Teams stehen jährlich im September an der Startlinie.

Tag 1 - Garmisch-Partenkirchen nach Nassereith - 45 km: Lang, grau, matschig und zäh. Der Start: Hellgraue Nebelschwaden verhindern die Sicht auf die imposanten Bergriesen hinter ihnen. Um mich herum gut trainierte, motivierte Sportler; alle ausgestattet mit Laufrucksack, in dem ich das vom Veranstalter kontrollierte Pflichtequipment vermute. Jeder Teilnehmer muss bergtaugliche Trailrunningschuhe tragen. Regen- und warme Bekleidung, Handschuhe, Mütze, Minimum 1,5 Liter Wasser, Personalausweis, Lebensmittel, deren Verpackungen mit der Startnummer beschriftet sind, Erste-Hilfe-Set, Navigationsuhr und Handy mit der darin gespeicherten Medical Crew-Nummer.

Mein Körper sträubt sich vor der Anstrengung durch die extrem steilen Berganstiege. Der zuckerwattedichte Nebel hängt tief in den Bergen. Ein paar Mal durchfährt ein stechender, krampfender Schmerz meine Oberschenkel. Im Ziel fallen wir unseren ASICS Teamkollegen glücklich in die Arme. Der erste Tag ist geschafft.

Tag 2 - Nassereith nach Imst - 27 km: Erfrischend kurz.

„Nur“ 27 km? Ja super. Regenerationsläufchen. Die Sonne kämpft sich an den immer noch dichten, weißen Wolken vorbei, die Mitläufer sind gut drauf, es läuft locker.

Tag 3 - Imst nach Mandarfen - 54 km: Die Königs- bzw. die Todesetappe.

Wecker klingelt um vier Uhr. Jeder Schritt schmerzt. Muss mich am Treppengeländer stützen. Startschuss um sieben Uhr. Von Kilometer zu Kilometer lockern sich die verkrampften Oberschenkelmuskeln. Auf einmal läuft es doch. Irgendwie. Allerdings sind bei einem 54 km-Lauf die Muskeln irgendwann sekundär. Der Körper tut seinen Dienst, in einer zombieähnlichen Manier. Schritt für Schritt. Warum das geht? Weil der Kopf es so will.

Mein mentales Problem: Exakt diese Strecke bin ich 2016 schon einmal gelaufen. Ich weiß, was nach 35 km noch auf mich zukommt - nämlich ein abartig steiler Downhill sowie ein langes, zähes, schier nie endendes Stück Flachstrecke. Meine Reaktion? Heulen. Das tut gut. Dabei aber weiter machen. Jetzt drängt sich unweigerlich die Frage auf: Warum? Wofür das Quälen, körperlich wie mental? Ich zwinge mich, meinen Blick vom grau-braunen Trail zu heben, mich umzuschauen und beobachte nun von oben herab eine imposante Gipfelkulisse. Das Gras an den Hängen ist von der Sonne ausgedörrt und gelb geworden. Das suggeriert ein herbstliches Feeling. Lässt alles mystisch und noch wilder wirken.

Ich habe einen so weiten und erhabenen Blick über die Gipfelspitzen, dass ich mir bewusst mache: das habe ich allein mit meiner Körperkraft hier hoch geschafft. Auf einmal bin ich stolz statt überfordert, selbstbewusst statt ängstlich und dankbar statt pessimistisch. Danke lieber Körper, dass du mir das ermöglichst. Die Tränen versiegen. Ich mache Fotos, dann stöpsele ich mir Musik in die Ohren und lasse mich von meinen Lieblingsmetalsongs den Downhill runterpushen.

Tag 5 - Sölden nach St. Leonhard - 40 km: Tribut des TAR.

Knack! Mein Laufstock bricht nach 140 km. Es liegen noch über 120 km vor mir. 120 km überladen mit unendlich vielen Höhenmetern. Ich kriege einen Heulkrampf. Hinter mir meine Laufkollegin Judith, die aus Solidarität auch ins Heulen mit einstimmt. Mit blank liegenden Nerven und nach Luft ringend quälen wir uns weiter den nie enden wollenden, steinigen Trail Richtung Berggipfel hoch – ich mich linksseitig auf meinen noch intakten Laufstock stützend.

Tag 7 - Sarnthein nach Brixen - 36 km: Das Ende der Mission.

Ein perfekt sonniger, warmer Sommertag in den Bergen mit Gleichgesinnten. Freier Blick auf die Dolomiten. Genießen, Fotos machen. An einer hölzernen Berghütte gönnen wir uns eine Bierpause, am letzten Check- und Verpflegungspoint einen Schnaps. Nach 51:41 Stunden, 267 km und 16.500 Höhenmetern erreichen wir heute die Finishline in Brixen. Geballte Emotionen.

Die komplette Reportage von Juliane Ilgert lesen Sie auf der ASICS-Frontrunner-Seite.
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Autor: Juliane Ilgert 11.12.2018

Hier finden Sie weitere Informationen zum Transalpine-Run 8. Etappe 2019.

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