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Ragnar Relay Wattenmeer 2018 Deiche, Schafe, Sturzregen

Das erste deutsche Reebok Ragnar Relay führte von Hamburg nach St. Peter-Ording. 150 Teams erlebten Norddeutschland pur: Hamburg, Elbe, Deiche, Weiden und das Ziel am Nordseestrand.

Reebok Ragnar Relay Wattenmeer 2018 +
Foto: Heinrich Anders

Zwischen Schafen und Elbe führte die Strecke des Ragnar Relay am Deich entlang.

Fischmarkt Hamburg, den 25. August 2018: Punkt 9 Uhr fiel der erste Startschuss für 12 der rund 150 Teams des Reebok Ragnar Relay Wattenmeer. Die Staffel-Rennserie "Reebok Ragnar Relay" stammt aus den USA, das Event in Norddeutschland war die erste Austragung in Deutschland. Der bedeckte Himmel über der Hansestadt nahm den Läufern nicht die Freude. Im 30-Minuten-Takt starteten immer wieder neue Teams, einige bei Regen, einige bei Sonnenschein.

Das Wetter sollte an diesem Ragnar-Wochenende noch zu einer echten Härteprüfung werden, doch die Teams verfolgten dennoch das gleiche Ziel. Sie alle wollten die 250 Kilometer lange Strecke nach St. Peter-Ording und die damit verbundenen körperlichen, psychischen und organisatorischen Herausforderungen meistern.

Drei Etappen für jeden Läufer

In einem Team laufen bei einem Ragnar Relay in der Regel 10 Läufer, die sich die 30 Etappen aufteilen. Jeder darf also sowohl bei Tag als auch bei Nacht auf die Laufsrecke. In Ultra-Teams aus fünf Läufern läuft jeder sogar sechs der sogenannten "Legs". 29 Ultra-Teams nahmen so den Weg nach St. Peter-Ording auf sich. Doch auch die drei Legs für jeden Läufer eines Zehner-Teams stellen eine nicht alltägliche sportliche Herausforderung dar. RUNNER’S WORLD war beim Reebok Ragnar Wattenmeer live dabei und kämpfte sich mit zwei Teams durch das nasskalte Wetter, die zur Hälfte aus Mitarbeitern und zur Hälfte aus Lesern bestanden.

Erst urban, dann ländlich

Die Laufstrecke führte zuerst mitten durch die Hamburger City mit den Highlights Hafen, Binnen- und Außenalster. Die urbane Atmosphäre samt Wochenendverkehr machten die Etappen durch die City besonders erlebnisreich, das Finden der Hinweisschilder im großstädtischen Trubel kam zur läuferischen Aufgabe noch hinzu. Da die Laufstrecke beim Ragnar Relay nicht offiziell gesperrt wird (dazu sind zu wenige Läufer zeitgleich auf den einzelnen Abschnitten), hatten die Läufer zudem auf Verkehr, Fußgänger und Ampeln zu achten.

RUNNER’S-WORLD-Leserin Aurelie gefiel die Strecke durch Hamburg besonders gut. "Es war eine sehr schöne Strecke durch Hamburg und entlang des Wassers. Ich habe auch unmittelbar nach dem Start nette Begleitung gefunden. Wir haben uns bei der Streckenfindung gegenseitig unterstützt."

Nach den Legs an der Innen- sowie Außenalster und durch das Karolinenviertel ging es zurück zur Elbe, entlang am Strand und alten Fischerhäuschen nach Blankenese und weiter Richtung Wedel. Während ein Läufer immer auf der Strecke war, fuhren seine Teamkameraden in zwei Bullis auf Umwegen mit, um jeweils den nächsten Läufer zum nächsten Wechselpunkt zu transportieren. Immer elbabwärts führte der Kurs weiter nach Glückstadt, die Etappen wurden zunehmend ländlicher. Kühe und Schafe waren fortan vertraute Begleiter, die Läufer konnten den Blick zumeist schweifen lassen über saftige Wiesen und Felder. Auf den vielen schnurgeraden Deichetappen war die Streckenfindung dann auch entspannt.

Sturzregen und Regenbogen

Weniger entspannt präsentierte sich das Wetter und bot den Läufern alles vom strahlenden Sonnenschein über bedrohliche Wolkenformationen, einem Regenbogen bis hin zu gemeinen Sturzregenfällen, die von jetzt auf gleich losbrachen und Läufer wie wartende Teams des Öfteren überraschten. Wie im Comic schienen die kleinen Regenwolken dabei die Läufer zu verfolgen. Pünktlich zur festgelegten Nachtlaufzeit mussten alle Läufer ab Anbruch der Dunkelheit mit Stirnlampe, Rücklicht und Warnweste laufen. So ausgerüstet liefen sie teils ziemlich allein mit großen Abständen zu vorlaufenden und nachfolgenden Läufern an den Deichen oder durch die Feldflur – was in eine besonders abenteuerliche Stimmung versetzte.

Kälte, Nässe und viele Schafe

Eine Läuferin berichtete: "Zu laufen, wenn andere noch schlafen, war besonders reizvoll. Der Kälte, dem Regen und der Einsamkeit ausgesetzt zu sein, war außergewöhnlich. Die Schafe, die einen in der Dunkelheit beobachteten, versetzten einen in eine kurzzeitige Schockstarre. Gelegentlich musste man auch mal einem Schaf ausweichen, aber Grund zur Besorgnis gab es nicht. Die Tiere waren sehr friedlich und schienen sogar Begeisterung zu empfinden."

Die sogenannten "Exchange-Points", die zu jeder Zeit von fleißigen Helfern besetzt waren, nutzen die Teams zum kurzen Durchschnaufen. Bei der Gelegenheit hatte man auch die Möglichkeit, sich mit den anderen Teammitgliedern auszutauschen, von lustigen Erlebnissen zu berichten oder wieder einmal unter dem Pavillon Regenschutz zu suchen.

Während der Nacht fanden die meisten Teams nur wenig Schlaf in den Bullis oder in den an einem Wechselpunkt bereitgestellten Schlafzelten. Zu heftig tobte der Wind und zu viel war doch zu erledigen mit der permanenten Organisation der Laufreihenfolge, Berechnung der Wechselzeiten und der Navigation der Bullis zum nächsten Wechsel. Die Dämmerung und der Sonnenaufgang gaben dann am frühen Sonntagmorgen neue Energie für die letzten Etappen. Vom Vormittag bis zum Nachmittag liefen die Teams dann endlich im Ziel an der Seebrücke von St. Peter-Ording ein. Zuschauer und Läufer jubelten miteinander als dann zum Schluss sogar einmal die Sonne schien. Die meisten der Teilnehmer kamen beim Ragnar Wattenmeer aus Deutschland, 156 aus dem übrigen Europa und 148 reisten sogar aus den USA an. 60 Prozent waren Männer, 40 Prozent Frauen. Der Altersdurchschnitt lag bei 38 Jahren, sogar ein 80-jähriger Ragnarian machte mit.

"Ein Event voller Schweiß, Müdigkeit, Unterstützung, Ängsten, Kälte und Regen. Vor allem aber war es eine unvergessliche Lebenserfahrung, die mit neuen Freunden endete", so das Fazit einer der frischgebackenen Ragnarians.

Ergebnisse

Die „Westcoast Runners“ siegten in einer Zeit von 17:48 Stunden vor dem Team „SpezPiRgt 164“ und dem Team „Eastpower“. Schnellstes reines Frauen-Team war „Die Besten“.
Bei den Ultra-Teams, bei denen im Gegensatz zu den 10er-Teams nur fünf Läufer an den Start gingen, gewann das Team „Eastpower“ in einer Zeit von 18:34 Stunden die Männer-Wertung. Auch Ultra-Frauen starteten. Das Frauen-Ultra-Team „Heiße Scheiße“ gewann die Wertung „Open-Women-Ultra“ in 24:11 Stunden. Bei den gemischten Ultra-Läufern gewann das Team „Keller Sports Running“. Die fünf Läufer rannten die 250 km in 20:02 Stunden.
Die beiden RUNNER’S WORLD-Teams platzierten sich auf den Rängen neun und 68. RUNNER’S WOLRD #1 finishte in einer Zeit von 20:24 Stunden. Das Team RUNNER’S WORLD #2 war nach 23:48 Stunden im Ziel.
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Autor: Sarah Gemm 28.08.2018

Hier finden Sie weitere Informationen zum Ragnar Relay Wattenmeer 2018.

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