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Skatstadtmarathon Altenburg 2018 Einmal Altenburg, immer Altenburg

RUNNER'S-WORLD-Leser Günter Schmidt nahm am Skatstadtmarathon Altenburg teil. Hier berichtet er über seine 42,195 Kilometer von Altenburg, die für ihn in gewisser Weise mit dem New York City Marathon mithalten kann.

Skatstadtmarathon Altenburg 2018 (1) +
Foto: Günter Schmidt

2018 fand der Skatstadtmarathon Altenburg zum zehnten Mal statt.

THEMEN

Marathon

Alles begann mit einer Lüge – Gott sei Dank! Denn im Jahre 2009 konnte man in der Ausschreibung zum ersten Marathon in Altenburg lesen, dass es sich dabei um eine einmalige Veranstaltung handeln sollte. Hätten es sich die Veranstalter vom Kanu- und Laufverein Altenburg-Windischleuba nicht doch noch anders überlegt, mir würden neun Höhepunkte in meinem Leben fehlen, mein Leben wäre langweiliger, ärmlicher. Das mag übertrieben klingen – ist es auch. Aber nur ein bisschen…

RUNNER'S-WORLD-Leser Günter Schmidt ging beim Skatstadtmarathon Altenburg 2018 an den Start. Seine besten Fotos finden Sie in einer Bildergalerie über und unter diesem Artikel.

Nun also, neun Jahre und neun Marathons später fährt pünktlich 6.40 Uhr mein Chauffeur Andreas Gäbler mit seiner Limousine vor, um mich zum 10. Skatstadtmarathon zu bringen. Zu wichtigen Läufen lasse ich mich gern fahren, um mich seelisch und moralisch auf den Lauf vorbereiten zu können. Andreas meint, das rettet auch nichts mehr, ich sollte lieber etwas mehr trainieren…

Unschlagbares Startgeld beim Skatstadtmarathon Altenburg

Eine reichliche Stunde später fahren wir in die Tiefgarage der Mehrzweckhalle „Goldener Pflug“ in Altenburg ein. Eine Treppe weiter oben gibt es das, was es bei jedem Marathon gibt, den Beutel mit Startnummer und einigen Zetteln mit Werbung drauf. Aber in Altenburg gibt es auch noch ein großes Handtuch. Und auch noch ein Paar edle Socken. Zumindest für alle treuen Seelen, die wie ich zehn Mal dabei waren. Und nur mal so nebenbei erwähnt, das alles für unschlagbare 30 Euro Startgebühr. Für München habe ich 85 Euro bezahlt. Wenn die auch so freigiebig wie die Altenburger sind, sollte ich vielleicht lieber einen Handwagen für die Geschenke mitnehmen…

Schon hier im „Goldenen Pflug“ trifft man auf viele bekannte Gesichter. Viele Läufer sind Wiederholungstäter. Wären wir hier unter Fußballfans, würden wohl alle grölen: Einmal Altenburg – immer Altenburg! Auf den 13 Strecken zwischen 400-Meter-Lauf und Marathon, die inzwischen angeboten werden, gibt es 84 Läufer die seit 2009 ununterbrochen dabei sind!

Apropos Fußball. Selbst auf die Gefahr hin, dass ich mich mit dieser Aussage nicht überall beliebt mache, ich bin Fan von RB Leipzig. Davon gibt es auch in Altenburg viele, daher gibt es in der Stadt auch den Fan Club „Skatstadtbullen“. Und der hat hier im „Goldenen Flug“ einen Stand. Da gibt es auch ein Geschenk. Ein T-Shirt. Aber nicht für jeden. Nur für die, die für den Fan Club RB Leipzig laufen.

Die Marathon-Wette des Skatstadtmarathons Altenburg

Und da bin ich schon bei der Marathon-Wette. Die gibt es jedes Jahr zum Skatstadtmarathon. Dieses Jahr geht es darum, welcher Verein die meisten Läufer an den Start bringt. Unsere stärksten Konkurrenten sind der SV Lerchenberg und das Klinikum Altenburg. Und um es vorwegzunehmen, die beiden bringen mehr Läufer an den Start als wir. Das allein ist schlimm genug, viel schlimmer ist, das nur einer an dieser Niederlage schuld ist – nämlich ich…
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Foto: Günter Schmidt

Auf der Strecke wurden die Läufer erstklassig unterstützt.

Beim Leipzig-Marathon hatte ich mir so gedacht, da brauchst du keine Flyer mitnehmen, die dazu aufrufen, nicht nur am Skatstadtmarathon teilzunehmen, sondern dann auch für den Fanclub zu laufen. Das wird schon jemand anders machen. Wäre nicht schlimm gewesen, hätten nicht alle so gedacht…

Das wollte ich wieder gut machen und habe beim Oberelbe-Marathon in Dresden Flyer ausgelegt, um wenigstens in Dresden Leute zu finden, die hier in Altenburg für den RB-Fanclub laufen. Weil ich sehr klug bin, habe ich die Flyer in Dresden nicht selbst ausgelegt und habe das Andreas machen lassen. Der ist mutiger als ich. RB-Flyer in Dresden auszulegen ist so, als würde man in Düsseldorf beim Karneval „Kölle alaaf“ rufen. Und wie erwartet brachte das Auslegen von Flyern in Dresden das Gleiche wie das Nichtauslegen von Flyern in Leipzig – also nichts…

Um 9:00 Uhr fällt in Altenburg der Startschuss

Jetzt will ich aber mal zum Kern meines Berichtes kommen, zum eigentlichen Lauf. Start für die Marathonis ist 9 Uhr auf dem Markt. 400 Meter vom „Goldenen Flug“ entfernt. Da kann man sich das Einlaufen ersparen…

Der Altenburger Markt mit seinem Renaissance-Rathaus ist auch ohne Marathon einen Besuch wert. Heute gibt es zudem ein Unterhaltungsprogramm, schon vor dem Start heizt Moderator Stefan Bräuer Läufer und Zuschauer mächtig ein. Er ist auch zum zehnten Mal dabei.

Am Start läuft mir noch Nils Schumann über den Weg, der 800 Meter-Olympiasieger. Der hat am Vorabend vor reichlich Publikum über seine Laufbahn berichtet und viele Fragen beantwortet. Diese Veranstaltungen haben Tradition, Waldemar Cierpinski war schon da, Heike Drechsler, Jens Weißflog – um nur einige zu nennen.

Keine 20 Meter nach dem Start muss ich schon wieder stehen bleiben. Nein, mir ist nicht die Puste ausgegangen, ich muss fotografieren. Die Zuschauerkulisse, die uns anfeuert, ist einfach überwältigend.

Durch den Stopp sind meine ohnehin nicht allzu großen Chancen auf den Gesamtsieg dahin. Die grausame Erkenntnis, als ich den Markt verlasse – ich bin letzter. Das hat aber auch einen Vorteil. Während ich noch bergab laufe, sind die Läufer vor mir schon dabei, den ersten Berg zu erklimmen. Als es dann Richtung großer Teich wieder bergab geht, gebe ich Gas und rolle das Feld von hinten auf. Gut, das ist etwas übertrieben, klingt aber besser als würde ich schreiben: Mir gelingt es mit Müh und Not zwei Läufer zu überholen und auf einen dritten aufzulaufen.

Der Dritte ist mein Freund Peter Then. Wir laufen ein Stück gemeinsam, aber einige Fotostopps später ist er wieder weg. Der wartet nicht auf mich – ich habe vielleicht Freunde! Wobei ich bekennen muss, dass der Sinn eines Marathons nicht darin besteht, Freundschaften zu pflegen, sondern so schnell wie möglich zu laufen. Das habe ich noch nicht so richtig verinnerlicht…

Entlang des Großen Teiches, vorbei am Stadtbad und an einer Kleingartenanlage vorbei. Von Kilometer eins bis drei ist die Strecke flach und die Welt in Ordnung. Aber dann haben die Veranstalter bis zur Überquerung der Zwickauer Straße einen Berg hingesetzt, der wohl dem letzten Läufer klar macht: Die Strecke ist alles, aber nicht bestzeitentauglich.

Nachdem es schon eine Getränkestelle gab, werden wir bei Kilometer fünf das erste Mal verpflegt. Da macht man sich schon so seine Gedanken. Als ich heute Morgen frühstückte, saß ich allein am Tisch, musste mich vom Radio und schlechten Nachrichten unterhalten lassen, dass Brötchen selbst lustlos belegen. Während meine Frau Anita noch in den Federn lag.

Hier gibt es ein abwechslungsreiches Frühstück, portionsgerecht zubereitet und vielseitig. Gesundes wie Melone und Gurke liegt auf dem Tisch, dazu Sättigendes wie Kekse und glücklich machende Schokolade. Und unterhalten werde ich von lustigen, Stimmung machenden Helfern. Da kann sich meine Anita mal ein Beispiel nehmen!

25 Grad Celsius beim Skatstadtmarathon Altenburg 2018

Bis Kilometer sieben etwa laufen wir im Wald, also im Schatten. Ich glaube, die Sehnsucht nach Sonne hält sich heute bei allen Läufern in Grenzen. Das Thermometer hat garantiert schon die 25-Grad-Marke überschritten.

Gerade da überhole ich einen Läufer mit etwas dunklerer Hautfarbe. Der hat wahrscheinlich nicht die Probleme mit der Hitze, ist sie gewöhnt. Denke ich, sage ich ihm auch. Er guckt etwas eigenartig – habe ich ihn jetzt verärgert. Ach nein, er hat mich nicht verstanden. Ich versuche es mit Spanisch. Er mit Englisch, das wird nichts mit uns beiden. Aber ich erfahre zumindest, dass er aus Indien kommt. Mein Gott, was für lange Reisen die Leute auf sich nehmen, nur um in Altenburg einen Marathon zu laufen…

Irgendwann treffe ich dann auf den Erfurter Roland Berner. Ein Bruder im Geiste! Auch er ist kein Streber nach Bestzeiten. Ankommen ist alles, meint er. Dem stimme ich zu. Denn es ist eine Umschreibung der Tatsache, dass wer nicht fleißig trainiert, auch keine Wunder erwarten darf.

Jetzt kommt ein Abschnitt entlang einer Bundesstraße und einer Bahnlinie. Klingt schlimmer als es ist, es bieten sich schöne Blicke in die hüglige Landschaft mit Feldern, Wäldern und Dörfern. Ist aber immer noch schlimm genug, denn die Sonne prasselt erbarmungslos auf die Rübe. Ich schwächle und denke darüber nach, dass ich gemeinsam mit Andreas im vergangenen Jahr nicht nur hier gelaufen bin, sondern am gleichen Abend in Berlin auch noch den Vollmondmarathon drangehangen habe. Helden sind so…

Dann endlich Schatten, 20 Meter, in einem Tunnel. Dort beschallen uns Mitarbeiter eines Autohauses mit Musik. Unglaublich, wie das aufbaut - „Highway to Hell“…

Vorbei an der Spielkartenfabrik und durch den Schlosspark

Es ist nach wie vor ein auf und ab. Inzwischen freuen wir uns auf jeden Berg, da können wir uns etwas ausruhen, also gehen. Teilweise sind es nur Hügel, es sind aber auch richtige Knaller dabei. Dann führt die Strecke durch ein Gewerbegebiet, wir erreichen wieder die Stadt. Vorbei an der Spielkartenfabrik kommt nicht weit danach der Schlosspark.
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Foto: Günter Schmidt

Nie gingen in Altenburg mehr Läufer an den Start als in diesem Jahr. Folglich wurden etliche Medaillen benötigt.

Der steile Anstieg im Park ist wohl das Highlight der Strecke. Schon von der Lage im Park her, kommt aber dazu, dass hier zahlreiche Schilder am Streckenrand aufgestellt sind. Mit klugen Sprüchen wie: Du schaffst das! Ich frage mich nur wie…

Bis zum Ziel kann man nun die Schönheit von Altenburg genießen. Vorbei am Theater, hinauf zum Schloss, der Markt, endlich das Ziel. Von den vielen Zuschauern auf dem Markt werden wir förmlich zum Ziel getragen, „Die Unkomplizierten“ bieten die musikalische Umrahmung dazu. Das alles hat nur einen einzigen Schönheitsfehler. Kurz vor dem Zielstrich müssen wir abbiegen – in die zweite Runde…

Ich glaube, vor einem Jahr war ich im Ziel nicht so kaputt wie heute nach der ersten Runde. Ich will nicht mehr! Und in diesem Moment mache ich noch einen Fehler, der auch nicht zum seelisch-moralischen Aufbau beiträgt. Ich drehe mich um und was sehe ich da hinter mir? Eine Frau! Ich habe nichts gegen Frauen - aber die hält einen Besen in der Hand…

Unterstützung der freundlichen Zuschauer

Über die zweite Runde muss ich nicht viel schreiben, sie ist mit der ersten identisch. Aber etwas möchte ich nochmal erwähnen. Da sind einerseits die Helfer. Was ich vorhin über die Verpflegungsstelle bei Kilometer fünf geschrieben habe, trifft auf alle Verpflegungsstellen zu. Wahrscheinlich sind alle Altenburger von Geburt an hilfsbereit, aufgeschlossen und nett. Aber auch die Passanten auf den Straßen finden ein Mut machendes Wort, klatschen uns zu. Hausbewohner stehen mit dem Gartenschlauch an der Straße, haben Wasserschüsseln zur Abkühlung aufgestellt. Da fällt mir nur ein Wort ein: Danke!

Vielleicht ist es auch diese Stimmung, die dazu beiträgt, dass ich mich immer besser fühle. Und das trotz steigender Temperatur. Wir sind inzwischen jenseits der 30 Grad. Und die Sonne prasselt nach wie vor erbarmungslos auf die Rübe. Das Gehirn nimmt Schaden…

Mal ehrlich, welcher vernünftige Läufer kommt denn auf die Idee, bei Kilometer 41 zum Friseur zu gehen? Keiner! Nur wir! Der Hammer wäre gewesen, wenn wir auch noch dran gekommen wären. Aber dafür waren entweder unsere Haare zu fettig oder wir waren zu spät. Um einige Jahre, denn dieser Friseursalon hat schon seit 2009 geschlossen, ist ein Museum mit Friseurutensilien aus den 20er Jahren und unbedingt einen Besuch wert. Wie übrigens auch das Lindenau-Museum oder das Spielkartenmuseum. Wer Wert auf eine gute Zeit legt, sollte die Museen vielleicht lieber nach dem Lauf besuchen. Das ist in Altenburg perfekt geregelt, am zweiten Sonnabend im Juni ist nicht nur Marathon, nein, da ist auch Museumsnacht!

Besenwagen und Friseur

„Wollen wir auf den Besen warten?“ Als ich Roland kurz vor dem Ziel diese Frage stelle, schaut er mich doch etwas verwundert an. Oh, die Sonne – denkt er wahrscheinlich. Ich kann ihm das nicht verdenken. Er war noch nie Letzter in Altenburg. Ich schon – es war nicht mein erster Friseurbesuch. Und ich weiß, es gibt nichts Schöneres in Altenburg als letzter zu werden. Vom Sieg vielleicht mal abgesehen - aber auf dem Gebiet kenne ich mich weniger aus…

Am Ende pfeifen wir also auf eine gute Zeit und warten auf Anne und ihrem Besen. Einiger Helfer stehen schon vor dem Markt, um die Bummelletzten ins Ziel zu begleiten. Ich gebe zu, die Zahl der Zuschauer ist nach sechs Stunden Laufzeit nicht mehr ganz so gewaltig. Aber die noch da sind, lassen uns hochleben. Und als krönenden Abschluss bekomme ich nicht nur eine Medaille, diesmal sogar eine goldene, für zehnmalige Teilnahme.

Altenburg ist etwas ganz Besonderes: Diese Stimmung – wie in New York! Diese Landschaft – wie beim Swissalpine! Diese Organisation – wie sie es nur in Altenburg gibt! Das mag übertrieben klingen – ist es auch. Aber nur ein bisschen…
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Autor: Günter Schmidt 15.06.2018

Hier finden Sie weitere Informationen zum Skatstadtmarathon Altenburg 2018.

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