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Leser-Reporter Läuferische Leckerbissen beim Napf-Marathon 2012

Leser-Reporter Wolfram Brunnmeier war beim 24. Napf-Marathon dabei und hat auf der Strecke durch die Emmentaler Berge einiges erlebt.

Leserreporter Napf-Marathon 2012 +
Foto: Wolfram Brunnmeier

Die Emmentaler Berge verlangen mit 1.542 Meter Steigung den Läufern einiges ab.

Der Napf ist mit seinen 1.408 Höhenmetern der höchstgelegenste Aussichtspunkt im Emmental. Keine Straße und keine Bahn führen zum Gipfel, nur zu Fuß ist das Bergrestaurant zu erreichen.

Es ist Samstag, der 13. Oktober 2012. Marita und ich kommen in Trubschachen, einem kleinen Ort im Emmental an. Es gibt nur eine Straße, die den Ort in zwei Hälften teilt. Es ist nichts los, alles scheint zu schlafen, selbst am Bahnhof, wo morgen der Napf- Marathon gestartet wird, ist es wie ausgestorben. Links und rechts der Bundesstraße 10 stehen fast nur alte und verwitterte Holzhäuser. Die Bausubstanz, sogar der beiden einzigen Hotels des Ortes lassen zu wünschen übrig. Das modernste Gebäude ist der kleine Supermarkt, in dem wir uns für den Marathon mit Schnuppereien und Getränken eindecken. Wir sind aber auch die einzigen Kunden und werden von der Kassiererin wie Außerirdische bestaunt.

Sonntag, der 14. Oktober, Marita und ich sind seit über einer Stunde auf dem Bahnhofsvorplatz und schauen zu, wie jede ankommende Bahn Läufer aus ihren Abteilen spuckt. Umso näher der Start rückt, desto voller wird der Platz. Heute ist Leben im Dorf. Heute ist Trubschachen der Nabel der Schweiz, denn heute findet zum 24. Mal der Napf- Marathon statt. Er ist ein Landschafts-, Cross- und Traillauf der Extraklasse. Mit 183 anderen Läufern stehe ich unter dem Startbanner und zweifle, ob ich überhaupt Laufen kann, denn beim Anziehen meiner Trailschuhe im Hotel, hatte ich mir das Kreuz verdreht. Punkt neun Uhr gibt der Bürgermeister das Startsignal und nach einigen hundert Metern geht es auch schon bergan. In langen Serpentinen auf einer asphaltierten Fahrstraße müssen die ersten sieben Kilometer fast nur marschierend zurückgelegt werden.
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Foto: Wolfram Brunnmeier

Bei dem Napf-Marathon ging es wortwörtlich über Stock und Stein.

Mein 5. und 6. Lendenwirbel dankten mir, denn am Ende konnte ich den Napf-Marathon finishen. Umso höher es geht, desto schöner werden die Ausblicke über das Emmentaler Hügelland. Da es trocken ist und kaum Wolken am Himmel sind, hat man beim Erreichen der 3. Versorgungsstation bei Kilometer sieben einen fantastischen Ausblick ins Berner Oberland mit dem Dreigestirn Eiger, Mönch und Jungfrau. Hier an der Station endet auch das bequeme Laufen, denn ab hier geht es ins Gelände. Zuerst über eine feuchte Wiese kurz und knackig bergan, dann im Wald über Wurzeln und Steine. Ab hier laufen wir bis zum Napf ständig auf der Kantonsgrenze von Bern und Luzern. Im ständigen Auf und Ab geht es mal laufend, mal marschierend ständig über Wurzeln, Steine, Laub, kleine Brückchen und grüne Wiesen zur höchsten Erhebung des Emmentaler Landes bei Kilometer 20. Links und rechts der Strecke bekommt das Auge herrliche Ausblicke auf das Emmentaler Hügelland mit seinen saftig grünen Wiesen. Durch den vielen Regen der letzten Tage, ist die Laufstrecke nicht ohne, denn Ab und An wartet das eine oder andere Schlammloch auf noch nicht genug eingesaute Laufschuhe. Frei nach dem Motto: No Matsch, no Fun. Kurz vor dem Napf wartet dann noch eine besonders steile Rampe, die einen sogar zu Gehpausen zwingt. Dann ist es erst mal geschafft. Der 360°-Rundblick hier oben ist gigantisch, dem Wetter sei Dank.

Nachdem man sich an der hiesigen Versorgungsstation versorgen konnte, geht es im Anschluss sofort steil bergab. Dabei erfordert der Pfad höchste Konzentration, denn es geht über Steine, Wurzeln und schlammige Abschnitte. Hüpfen und springen ist oft erforderlich. Dann wechselt der Trailweg wieder auf einen Wiesenpfad am Hang, wo sogar über Holzbohlen gelaufen werden muss, die besonders sumpfige Stellen überbrücken. Auf der gegenüberliegenden Talseite erscheint dann der letzte steile Anstieg hinauf zum Höchenzi. Dieser Aufstieg ist stellenweise so steil, dass ich sogar mitunter nur auf allen Vieren vorankomme. Hinter der mittlerweile 10. Versorgungsstation ist die Laufstrecke recht angenehm zu laufen, denn es geht auf einem Wirtschaftsweg ziemlich eben daher. Dies ist aber nur von kurzer Dauer, denn der folgende steile Trailabstieg erfolgt sogar mit Seilsicherung. Im Gegenhang muss dann sofort wieder geklettert werden. Riesige, dicke Wurzeln strecken ihre Arme in den Weg und erschweren dem Trailläufer den steilen Aufstieg. Wurzeln sind schließlich dafür da, einem den Halt zu nehmen.
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Foto: Wolfram Brunnmeier

Auf der Strecke können die schönsten Aussichten der Emmentaler Berge genossen werden.

An der Versorgungsstation Lushütte wird es dann besonders laut, denn hier stehen jugendliche Treichler Spalier und schwingen riesige Glocken zwischen ihren Beinen. Je näher das Ziel rückt, desto angenehmer wird die Laufstrecke. Die Rampen sind nicht mehr so steil und die Crosspassagen werden moderater. Irgendein Scherzkeks hat dann mitten im Wald ein Postbus Halteschild an eine Tanne genagelt. Wer hier auf eine Mitfahrgelegenheit wartet, der wartet bis zum Sankt Nimmerleinstag. An der 12 Versorgungsstation Hohmatt gibt es dann sogar eine kühle Blonde, die den folgenden Anstieg auf unebenem Geläuf immens erleichtert. Keine drei Kilometer später an der Versorgungsstation Schynen stehen dann Helfer und preisen eine köstliche Sachertorte an. Immer moderater werden die Pfade, die Rampen sind kaum noch der Rede wert. Die Wege werden immer breiter und angenehmer zu laufen. Ein allerletzter schmaler Wiesenweg kurz vor dem Ziel erfordert noch einmal hohe Konzentration. Dann ist es geschafft. Der letzte Kilometer ins Ziel am Bahnhof von Trubschachen erfolgt dann wieder auf einer Teerstraße wie ganz zu Anfangs.

Fazit: Dieser Napf ist gefüllt mit allerlei Leckerbissen. In ihm findet der Landschaftsläufer von jedem etwas. Dieser kleine Bergmarathon braucht sich vor größeren Crossläufen nicht zu verstecken. 16 Verpflegungsstände auf der Strecke, kann kaum ein anderer Marathon bieten.



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Autor: Wolfram Brunnmeier 29.11.2012

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