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Leser-Reporterin Kathrin Paulsen München-Marathon: Wie der Vater so die Tochter

Kathrin Paulsen hatte als Sportmuffel lange nichts fürs Laufen übrig. Von ihrem Vater mit dem Lauffieber angesteckt, lief sie in München ihren ersten Marathon.

Leserreporterin Kathrin Paulsen +
Foto: privat

Leserreporterin Kathrin Paulsen mit Freundin und Laufpartnerin Vanessa auf der Marathonstrecke.

Ich kann mich immer noch an das eine Mal erinnern, als mein Papa vor Jahren den Kölner Marathon gelaufen ist. An verschiedenen Stellen wartete ich mit meiner Schwester und meiner Mama auf ihn, um ihn ein paar Sekunden an uns vorbei laufen zu sehen. Ich kann mich auch noch erinnern, dass im Ziel das Lied "Its the final Countdown" lief, das mich bis heute an diesen Moment erinnern lässt.

Es dauerte allerdings ein paar Jahre, bis mich das Lauffieber selber erwischte. Als Sportmuffel hatte ich immer wieder eine On-/Off-Beziehung zum Laufen. Bis ich endlich Spaß daran hatte und ziemlich schnell mit dem Gedanken gespielt hatte einen Marathon zu laufen. Irgendwann saß ich vor dem Computer, hatte meine Daten in das Anmeldeformular eingegeben und drückte festentschlossen auf "Anmelden". Anmelden? Was habe ich getan? Okay, ruhig atmen und...laufen gehen!

Es war allerdings erst Frühjahr und der Münchner Marathon findet immer erst im Oktober statt. Ich hatte also noch genügend Zeit. Doch die Zeit läuft manchmal etwas schneller als ich. Habe ich zumindest immer so das Gefühl. Aber es lief. Mit meiner Freundin und Laufgenossin Vanessa, die sich ebenfalls für diesen ersten Marathon angemeldet hatte, lief ich gemeinsam die vorgegebenen Trainingsläufe. Mit den sommerlichen Temperaturen stiegen auch die Kilometer unserer Trainingsläufe. Immer liefen wir gemütlich, schweigend vor uns hin und freuten uns danach riesig, was wir eigentlich geleistet haben.

Und dann kam er doch ganz schnell auf uns zu. Der Marathon-Tag!
Leserreporterin Kathrin Paulsen +
Foto: privat

Leserreporterin Kathrin Paulsen hatte nach dem Zieleinlauf wie ihr Papa Krokodilstränen vor Freude.

Münchener Marathon-Herausforderung mit Happy End

Nach einem gemeinsamen Frühstück ging es los zum Olympiapark, wir gaben unsere Sachen ab und reihten uns mit den anderen Starten im Startblock ein. Obwohl ich wusste, was ich in den nächsten Stunden vor mir hatte, war ich total relaxed und konnte es kaum erwarten zu starten - perfekte Bedingungen im Zusammenspiel mit blauem Himmel und Sonnenschein. Nachdem die Elite gestartet ist, kam unser Startschuss und wir fanden ziemlich schnell unseren Rythmus, den wir auch die Strecke über gut beibehalten konnten. Irgendwo zwischen Kilometer 10 und 20 fungierten wir sogar als Pace-Maker für einen Läufer. Leider konnte ich nie sehen, was für ein Name auf seiner Startnummer stand.

Wir liefen schneller als geplant, was aber kein Problem war. Wir fühlten uns gut, hatten keine Probleme und die Sonne schien uns ins Gesicht. Mein Freund begleitete uns fast die komplette Strecke mit dem Fahrrad und versorgte uns mit Energieriegeln und Getränken. Es war fast wie ein Sonntagsspaziergang. Bei der Halbmarathonmarke trafen wir sogar auf den 4:15 Pace-Maker, den wir allerdings schnell wieder aus den Augen verloren. Die Strecke verlief an meiner Arbeitsstelle vorbei und meine Kollegen standen mit selbstgebastelten Schildern in der "Kate-Fankurve". Auch mein Papa war da, um mich anzufeuern, so wie ich Jahre zuvor.

Wie bei unseren Trainingsläufen liefen wir schweigend nebeneinander und lächelten uns immer wieder an – passiert das hier gerade wirklich? Laufen wir gerade wirklich einen Marathon?

Bei Kilometer 30 wurden die Beine schon schwerer und bei Kilometer 36 kam dann der Einbruch. Ich blieb stehen und sagte zu meiner Freundin "Ich kann nicht mehr!" Sie spielte sofort unseren Power-Song auf ihrem Handy ab. Erst am Abend zuvor haben wir herausgefunden, dass wir beide das gleiche Lied auf Dauerschleife hörten. Nach ein paar Strophen war ich wieder motiviert! Ich dachte mir nur "Diese verdammten letzten 6 Kilometer wirst du jetzt auch noch schaffen". Also lief ich wieder los, die Schmerzen in den Beinen verdrängte ich. Am Rand standen Zuschauer, die uns auf den letzten Kilometern anfeuerten. Dank der Namen auf den Startnummern konnte man uns namentlich ansprechen und auf den letzten Kilometern anfeuern. Höchstmotivierend. Und dann ging es wieder in den Olympiapark. Vorbei an dem Start, wo vor ein paar Stunden die 42,195-Kilometer-Reise durch München begann. Nach einer Kurve konnten wir das Olympia-Stadion sehen. Immer wieder hatte ich Tränen in den Augen und immer wieder sagte ich "Wir haben es gleich geschafft! Nur noch ein Kilometer! Nur noch 300 Meter! Da vorne ist das Ziel!" Wir packten uns an den Händen, rissen sie hoch, liefen zusammen durch das Ziel und lagen uns in den Armen!

Freudentränen im Ziel des Münchener Marathons

Ganze elf Minuten schneller als geplant zeigte uns die Uhr 4:34:33. Der ganze Schmerz und der viele Schweiß war vergessen. Der Stolz überwiegt! Und wie mein Papa mir noch verraten hatte, hatte ich, wie er, dicke Krokodilstränen in den Augen vor Freude, Stolz und Glück!
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Autor: Kathrin Paulsen 07.04.2014

Hier finden Sie weitere Informationen zum München-Marathon 2019.

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