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Leichtathletik-EM Berlin 2018 Richard Ringer steigt aus

Der Franzose Morhad Amdouni siegte im 10.000-m-Finale der EM in Berlin nach einem starken Schlussspurt in 28:11,22 Minuten. Der Deutsche Richard Ringer stieg aus.

Das Feld der 10.000-m-Läufer in Berlin. +
Foto: Kiefner

Das Feld der 10.000-m-Läufer in Berlin. Richard Ringer (2.v.l.) stieg später aus, Amanal Petros (10) erreichte als 16. das Ziel.

Morhad Amdouni wurde am ersten Finaltag der Leichtathletik-Europameisterschaften in Berlin zum ersten französischen 10.000-m-Gewinner in der Geschichte dieser kontinentalen Titelkämpfe, die bereits 1934 begann. Der Franzose siegte nach einem starken Schlussspurt in 28:11,22 Minuten vor dem Belgier Bashir Abdi, der nach 28:11,76 im Ziel war, und dem Italiener Yemaneberhan Crippa (28:12,15). In einem Hitzerennen mit Temperaturen von über 30 Grad Celsius im Berliner Olympiastadion folgten der Spanier Adel Mechaal (28:13,78) und der Brite Andy Vernon (28:16,90) auf den Rängen vier und fünf.

Während der deutsche Medaillenkandidat Richard Ringer (VfB LC Friedrichshafen) das Rennen nach rund 6.800 Metern vorzeitig beendete, war Amanal Petros auf Rang 16 mit 29:01,19 Minuten stärkster deutscher Läufer. Auf Platz 24 lief Sebastian Hendel (LG Vogtland) in 29:53,45. Kein guter Abend war es in der Hitze auch für die türkischen Langstreckler, die in den letzten Jahren auf europäischer Ebene immer wieder dominierten. Der aus Kenia stammende Kaan Kigen Özbilen musste sich mit Platz zehn in 28:32,93 zufrieden geben.

Vor wenigen Wochen hatte Richard Ringer krankheitsbedingt bereits seinen Start bei den Deutschen Meisterschaften absagen müssen. Am Dienstagabend ging er in Berlin an den Start, doch der aktuelle 10.000-m-Europacupsieger, der im Mai in London mit 27:36,52 Minuten auch die europäische Jahresbestzeit gelaufen war, war offensichtlich nicht in Topform. Nach rund 6.800 Metern ging Richard Ringer vorzeitig aus dem Rennen, nachdem er zuvor bereits den Kontakt zur großen Spitzengruppe verloren hatte.

„Ich bin nicht völlig entkräftet rausgegangen. Es wäre eine Quälerei geworden und sehr langsam, wenn ich noch ins Ziel gelaufen wäre“, sagte Richard Ringer. „Ich muss jetzt erst einmal in die Eistonne zum Regenerieren. Dann werden wir sehen wie es weitergeht. Ich muss wieder locker werden, es muss Sauerstoff in die Beine kommen. Ich werde mich mit Amanal Petros und dem Bundestrainer zusammensetzen und schauen, wie es über 5.000 Meter ausschaut. Einer von uns wird sicher laufen. Das sind wir dem Publikum schuldig.“

Amanal Petros lieferte am Dienstag ein mutiges EM-Rennen ab. Obwohl knapp 20 Läufer im Feld von der Bestzeit her schneller waren als der Langstreckler vom SV Brackwede, sortierte er sich von Beginn an etwa an Position zehn ein und folgte bei seiner ersten großen Meisterschaft den Spitzenläufern. Eine Taktik, die sich auszahlen sollte. Nach Rang sieben zu Rennhälfte verlor der Bielefelder auf den letzten 1,5 Kilometern zwar noch einige Plätze. Doch als 16. schlug er sich mehr als achtbar, auch wenn die letzten Runden sehr hart waren. „Auf den letzten Kilometern war wirklich die Luft raus. Mein Hals war so trocken“, sagte Amanal Petros. „Klar wollte ich unter die Top Ten laufen. Aber am Ende haben einfach die Körner gefehlt.“

Morhad Amdouni, der beim Europacup im Mai knapp hinter Richard Ringer Zweiter war, lag eingangs der letzten Runde mitten in einer fünfköpfigen Führungsgruppe. Der 30-jährige Franzose, der bisher noch keine Medaille bei einer bedeutenden internationalen Meisterschaft gewonnen hatte, trat dann an dritter Stelle laufend rund 150 Meter vor dem Ziel an und schob sich noch am Spanier Adel Mechaal und dem Belgier Bashir Abdi vorbei.

„Ich habe lange warten müssen auf so einen Erfolg und nie aufgegeben. Schon 2009 bin ich in diesem Stadion bei der WM gestartet - aber erfolglos“, sagte Morhad Amdouni, der nun auch noch über 5.000 m in Berlin antreten wird. Eine einzige Medaille hatte ein Franzose bisher bei einer EM über 10.000 m gewonnen: Der legendäre Alain Mimoun war 1950 hinter dem tschechischen Wunderläufer Emil Zatopek Zweiter.
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