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Erfahrungsbericht vom Mega Marsch So weit die Füße tragen

Leserreporterin Melanie Schubert nahm mit ihrer Freundin Kirsten Weber beim Mega Marsch in Düsseldorf teil. Auf dem 50 Kilometer langen Weg ließen sie sich durch nichts aufhalten.

Melanie Schubert (links) und ihre Freundin Kirsten Weber nahmen beim Mega Marsch in Düsseldorf teil +
Foto: Kirsten Weber, privat

Melanie Schubert (links) und ihre Freundin Kirsten Weber nahmen beim Mega Marsch in Düsseldorf teil.

Endlich war es so weit: Der Tag des Mega Marsch in Düsseldorf war gekommen. 50 Kilometer in 12 Stunden. Um 4 Uhr klingelte bereits der Wecker. Von Koblenz ging es mit dem Auto nach Düsseldorf. Unser Plan war, das Auto am Ziel abzustellen und mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zum Start zu fahren. Auf der Fahrt ging dann erstmal alles schief. Das Navi hat sich auf der Fahrt verstellt und wir kamen am falschen Platz raus. Dadurch verpassten wir den ersten Bus und die anschließende Straßenbahn und waren somit eine Stunde später dran als geplant.

Also hieß es zum Start rennen, kurz mal die sanitären Anlagen aufsuchen und dann wieder rennen, um den Anschluss wieder zu bekommen. Nach knapp 2 Kilometern holten wir die letzte Startergruppe ein. Jetzt konnten wir zum ersten Mal die schöne Landschaft genießen. Als wir das Tempo wieder etwas anzogen, ließen wir auch flott ein paar Leute hinter uns. Eine Gruppe junger Männer konnten es gar nicht glauben, dass wir sie noch vor der ersten Verpflegungsstation (nach 10 Kilometern) überholen.

Die jungen Männer hatten uns zuvor kurz erklärt wo wir zum Start hin rennen mussten. Die ersten zehn Kilometer vergingen wie im Flug und fühlten sich viel weniger an. Am ersten Verpflegungspunkt wurde dann erst mal Wasser aufgefüllt und reichlich Essen eingepackt. Es gab aber auch leckere Sachen, wie Schokohörnchen, verschiedene Riegel, mehre Sorten russisch Brot, Bifi, Obst usw.

Leider mussten wir feststellen, das meine Freundin Kirsten jetzt schon die erste kleine Blase hatte. Aber trotzdem ging es voll motiviert und voller Freude weiter. Auch die nächsten zehn Kilometer vergingen wie im Flug. Da wir nun mitten in einer der Startergruppen gingen, kam man immer wieder mit verschiedenen Leuten ins Gespräch. Zwei Kilometer liefen wir in einer kleinen gemischten Gruppe, die wir verließen, weil wir das Tempo etwas anziehen wollten. Genau in diesem Moment kam die Gruppe junger Männer vom Start mit zügigen Tempo vorbei. Da haben wir uns doch einfach mal mit dran gehangen.

Mit flotten Schritt und lustigen Gesprächen über Gott und die Welt ging es dann weiter. Kurz vor dem zweiten Verpflegungspunkt haben wir uns aber leider verloren. An der zweiten Verpflegungsstation füllten wir Wasser auf und wechselten die Socken. Ich persönlich bin übrigens mit Laufschuhen und kurzen Laufsocken gestartet. Auf Wechselschuhe hab ich verzichtet, dafür aber Wechseleinlagen und zwei Paar zusätzliche Socken eingepackt.

Im Vorfeld habe ich mir über Komoot die Strecke angeschaut und wusste: Die Strecke ist für meine Laufschuhe geeignet. Der Boden war, wie in der App angegeben, überwiegend befestigt. Auch die Waldböden waren gut zu gehen, ohne großartig viel Profil an den Schuhen zu haben.

Als wir dann die Blasen von Kirsten verpflegt hatten, marschierten wir motiviert weiter. Zwischen Kilometer 20 und 30 musste ich dann Kirsten allerdings schon hin und wieder mal ein bisschen aufmuntern, da die Blasen langsam anfingen weh zu tun. Ich kann jedem empfehlen, vorher mal mit den Schuhen und Socken auf einer längeren Strecke zur Probe zu laufen. Ich habe meine zuvor auf einer Wanderstrecke von 30 Kilometern und beim Strongman Run ohne Probleme getestet.

Leider konnte sich Kirsten nicht so gut vorbereiten und das hat sich schnell gerächt. Aber trotzdem hat sie sich weiter tapfer durchgebissen. Dafür hat sie auch meinen größten Respekt verdient. Ich weiß schon, warum ich den Marsch mit ihr machen wollte. Wir sind auf einer Wellenlänge, beide Kämpferinnen, können uns gut gegenseitig motivieren und über viel unsinnigen Kram schwätzen, was die Zeit schneller vergehen lässt.

Die nächsten zehn Kilometer fingen jetzt schon langsam an, etwas anstrengender zu werden. Aber wir lagen immer noch immer super in der Zeit. Durch den dritten Verpflegungspunkt sind wir einfach durchgewandert ohne Pause, da ich gelesen hatte, das zwischen Kilometer 30 und 40 eine Tankstelle liegt. An diesem Tag war es ja nun gut warm und wir hatten Lust auf Eis, also war der Plan, bis dahin durch zu laufen und dort Pause zu machen und ein Eis zu essen.

Ganz ehrlich, die Strecke von Kilometer 30 bis 40 war am schlimmsten, da es sich so gezogen hat. Man muss dazu sagen, das wir uns verlaufen haben. Aber nicht nur wir, sondern auch die Leute vor uns und hinter uns. Leider waren die Markierungen manchmal kaum erkenntlich bzw. es gab teilweise auch einfach zu wenig. Dieser Meinung waren nicht nur wir, sondern auch einige andere Mega Marschler. Die Wegweiser und die Angaben von der App wichen immer wieder mal ab.

Nach einem Umweg von rund zwei Kilometern waren wir aber wieder auf dem richtigen Weg. Auch wenn sich diese 10 Kilometer so gezogen haben – die Umgebung war wirklich sehr schön. Ein bisschen Wald, ein paar Kühe und Enten, ein lustiges Schild für einen Ponyhof. Endlich erreichten wir auch die Tankstelle. Dort legten wir eine halbe Stunde Rast ein. Die Zeit nutzen wir, um die Schuhe auszuziehen und mit dem Wasserschlauch die Beine zu kühlen. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie gut das tat.

Die Beine waren gefühlt erst mal wie neu. Ganz wichtig ist aber, das ihr Beine und Füße gut danach abtrocknet, um Blasen zu verhindern. Mit frisch gekühlten Füßen und Beinen und einem leckeren Eis ging es wieder auf die Strecke. Zwischen der Tankstelle und dem vierten und letzten Verpflegungspunkt ging allerdings die Laune etwas runter, da es sich einfach nur noch gezogen hat und wir etwas knatschig waren.

Kirsten hatte mittlerweile schlimme Schmerzen wegen ihrer Blasen und meine Waden schmerzten plötzlich. Das habe ich zuvor noch nie erlebt, zumal ich auch ernährungstechnisch gut vorbereitet war. Aber wir zwei Powergirls haben uns trotzdem nicht unterkriegen lassen und uns zum letzten Verpflegungspunkt durchgekämpft. Zum Glück gab es zwischendurch nochmal eine Eisdiele und wir konnten uns erneut eine kleine Motivation holen.
Melanie Schubert nach dem Mega Marsch mit Medaille +
Foto: Kirsten Weber, privat

Die Mühe hat sich gelohnt: Melanie Schubert mit ihrer Medaille.

An der letzten Verpflegungsstation legten wir nochmal eine etwas längere Pause ein. Da wir immer noch gut in der Zeit lagen, konnten wir uns die auch zum Glück leisten. Also erst mal ein bisschen Kniebeugen, Anfersen und Dehnen, um die Beine wieder locker zu bekommen. Auch die Socken haben wir nochmal gewechselt. An den Waden musste ich einen leichten Ausschlag feststellen. Nachdem wir noch mal gut gegessen und getrunken haben und unsere Wasservorräte aufgefüllt wurden, ging es weiter auf die letzten 10 Kilometer.

Kirsten tat mir so unendlich leid mit ihren Blasen und den Schmerzen. Ich habe auch immer wieder gefragt, ob ich sie mal ein bisschen tragen soll. Schließlich sind wir ja ein Team und wollen zusammen das Ziel erreichen. Aber sie wollte selber weiter kämpfen und somit konnte ich nur versuchen, sie weiterhin aufzumuntern und sagen, dass wir angeblich gleich da sind.

Kurz nach Kilometer 40 lernten wir noch einen lieben Herren und eine ganz goldige Dame kennen. Mit den beiden sind wir gut fünf Kilometer gegangen. Es ist wirklich toll, was für nette Menschen man kennen lernt und was für interessante Geschichten diese so erzählen. Leider haben wir sie irgendwann verloren. Die beiden wollten nochmal ein Päuschen machen, während wir weiter durchziehen wollte, um in der Zeit zu bleiben. Den letzten Kilometer versüßte uns nochmal eine weitere Mitwanderin mit ihrer lieben Art.

An dieser Stelle hätte ich übrigens noch einen kleinen Tipp: Holt euch Wanderstöcke oder irgendwas, was ihr festhalten könnt. Das verhindert, dass die Finger dick werden. Ich hatte die ganze Zeit die Wassertüten in der Hand und dadurch keine Probleme. Ich habe Kirsten dann auch eine in die Hand gedrückt und ihre geschwollenen Finger wurden wieder besser.

Irgendwann war es endlich soweit: das Ziel war zu sehen. Was ein tolles Gefühl, endlich über die Ziellinie zu gehen. 50 Kilometer in 11 Stunden und 30 Minuten. Trotz, dass wir zu spät am Start angekommen waren, Kirsten sich mit den Blasen quälen musste und ich mittlerweile mit einem extremen Ausschlag an Waden und Füßen zu kämpfen hatte, haben wir es geschafft.

Uns konnte nichts aufhalten, unser gesetztes Ziel zu erreichen. Stolz ging es mit der Medaille zur Urkundenausgabe. Mit einem alkoholfreien Bier ruhten wir uns dann erstmal aus. Wobei ich noch total energiegeladen war, als wir ins Ziel kamen. Aber nach einer halben Stunde sitzen, Nachrichten schreiben, fleißig posten bei Instagram usw. war ich dann auch zur Ruhe gekommen.

Das Aufstehen danach und das Humplen zum Auto waren dann aber irgendwie am schlimmsten. Ich konnte die Schuhe aufgrund des Ausschlags nicht mehr anziehen und Kirsten quälten die Blasen. Auf den Weg zum Auto kam uns dann auch noch die Gruppe mit den jungen Männern entgegen. Ich gebe zu, ein wenig Schadenfreude kam auf, da sie immer wieder meinten, dass sie weit vor uns ins Ziel kommen würden.

Trotz einiger Tiefpunkte war es ein genialer Tag und eine Super-Veranstaltung. Die ganzen Mitwanderer waren echt so toll. So viele verschiedene nette Menschen und interessante Geschichten. Und mal ein ganz großes Dankeschön an die ganzen Volunteers: Ihr wart einfach nur super. Alles ganz liebe Menschen, die immer ein paar motivierende Worte für einen hatten. Ohne euch wäre es nicht so ein toller Tag gewesen.

Nächstes Jahr stehen auf jeden Fall noch ein paar andere 50-km-Märsche an und vielleicht ja auch endlich der 100-km-Marsch.
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Autor: Melanie Schubert 13.12.2018
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