Über 55.000 Läuferinnen und Läufer starteten 2025 beim Berlin-Marathon – ohne Ordnung im Startbereich wäre es zum blanken Chaos gekommen, zumal bei den meisten große Vorstartnervosität herrscht. Und auch nach dem Startschuss wäre kaum ein Rennfluss möglich, wenn die Aufstellung wahllos erfolgt wäre. Startblöcke minimieren Stau, Gedrängel und blank liegende Nerven. Welche Bedeutung und Vorteile sie genau haben, was sie von Startwelle und Startgruppe unterscheidet und wie du dich richtig einsortierst, erfährst du hier.
Warum es Startblöcke gibt
Bei einem Marathon ist das richtige Tempo für ein erfolgreiches Finish entscheidend. Zu schnelles Loslaufen wie auch eine viel zu langsame Pace auf den ersten Kilometern erschweren es massiv, die anvisierte Zielzeit zu erreichen. Deshalb teilen Marathonveranstalter das Teilnehmerfeld in Leistungsgruppen ein. Die Schnellen stehen vorn, während die Langsameren hinten starten. So bewegen sich alle im Idealfall in einem Umfeld, das in etwa ihrem Tempo entspricht – das hat etliche Vorteile:
- Kennen am Start alle ihren Platz, lassen sich große Teilnehmerfelder kontrollierter und pünktlich auf die Strecke schicken.
- Die geordnete Aufstellung reduziert die Staugefahr auf den ersten Kilometern: Du kannst von Beginn an dein geplantes Tempo laufen, ohne ständig abbremsen zu müssen.
- Umgekehrt fühlst du dich nicht von hinten „überrollt“ und lässt dich womöglich zu einem zu hohen Anfangstempo verleiten.
- In beiden Fällen sparst du wertvolle Energie für die zweite Rennhälfte.
- Es kommt zu weniger Rempeleien, Drängeleien und Sturzgefahren in engen Passagen – ein wichtiger Pluspunkt für die Sicherheit.
- Das Laufen in einer passenden Gruppe erleichtert dir das Einhalten des geplanten Renntempos und unterstützt dich mental.
- An den Verpflegungsstationen bilden sich weniger Schlangen und du kommst leichter an Getränke, Gels und Co.
Startblock, Startwelle, Startgruppe – die Unterschiede
Diese drei Begriffe werden häufig synonym verwendet, haben aber genau genommen eine unterschiedliche Bedeutung. Damit du deine Startunterlagen richtig verstehst, findest du in folgender Übersicht die genaue Abgrenzung:
Viele große Marathons kombinieren alle drei Konzepte: Du gehörst zu einem Startblock, der wiederum einer bestimmten Startwelle zugeordnet ist. Innerhalb dieses Blocks orientierst du dich zusätzlich an deiner Startgruppe, um Läuferinnen und Läufer mit ähnlicher Zielzeit um dich zu haben.
So wird dein Startblock typischerweise vergeben
Am häufigsten bekommst du einen Startblock anhand deiner angestrebten Zielzeit zugeteilt. Diese gibst du bei der Anmeldung an, der Veranstalter ordnet dich dann in eine passende Pace-Struktur ein. Willst du zum Beispiel ca. 3:45 Stunden laufen, entspräche das einer Pace von 5:20 min/km. Startblock C umfasst alle, die mit einer Zeit von 3:30 bis 4:00 Stunden ins Ziel kommen möchten, was 4:58 bis 5:41 min/km entspricht. Mit deinen 5:20 min/km wärst du also in diesem Startkanal genau richtig.
Schätze deine Zielzeit realistisch ein. Eine zu schnelle Angabe bringt dir meist keinen Vorteil. Wirst du dauernd überholt, ist das ein Bummer für den Kopf. Außerdem ist es unfair, weil du andere behinderst. Dass du durch einen späteren Start Zeit verlierst, brauchst du nicht zu befürchten. Deine persönliche Zeitmessung wird immer erst ab dem Überqueren der Startmatte ausgelöst, es gilt also die Nettozeit, nicht die Bruttozeit.
- Nettozeit vs. Bruttozeit
- Die Bruttozeit läuft bei einem Marathon vom offiziellen Startsignal bis zum Überqueren der Ziellinie. Die Nettozeit beginnt dagegen erst beim Überqueren der Startlinie beziehungsweise der dort platzierten Zeitmessmatte. Gerade bei großen Marathons kann die Nettozeit deshalb deutlich kürzer ausfallen als die Bruttozeit. Welche Zeit für Wertungen zählt, legt der jeweilige Veranstalter beziehungsweise das Regelwerk fest. Im Normalfall ist es die Nettozeit.
Schnelle Läuferinnen und Läufer müssen bei begrenztem Platz in den vorderen Startblöcken auch manchmal einen offiziellen Zeitnachweis vorlegen. Ein solch bestätigtes Ergebnis aus einem früheren Wettkampf soll gewährleisten, dass es fair zugeht und niemand behindert wird. Kannst du keinen Beleg erbringen, wirst du weiter hinten einsortiert. Bei manchen Marathons kannst du deine Zeitangabe noch nach der Anmeldung aktualisieren. Ob und bis wann das möglich ist, hängt vom jeweiligen Veranstalter ab.
Wo finde ich meinen Startblock?
Sämtliche Informationen zu deinem Startblock und deiner Startzeit stellt dir der Veranstalter über die offiziellen Startunterlagen zur Verfügung. Du bekommst sie rechtzeitig vor dem Rennen per E-Mail zugeschickt bzw. kannst sie online abrufen und/oder erhältst sie bei der Abholung von Startnummer und Zeitmesschip.
Zusätzlich ist dein Startblock auf deiner Startnummer abgedruckt, meist in Form eines Großbuchstabens, einer Zahl oder auch als Farbcode. Die Startnummer identifiziert dich während des Rennens und ist mit dem Zeitmesschip verbunden, der später deine offizielle Laufzeit erfasst. Ohne sie kommst du gar nicht erst in den Startbereich, vergiss sie also keinesfalls im Hotel oder zu Hause. Auf einem Plan des Startbereichs siehst du, wo sich dein Aufstellbereich befindet, wie du dorthin kommst und in welchem Zeitkorridor du das erledigt haben musst. Vor Ort leiten dich außerdem die Hinweisschilder und Helfer in den richtigen Kanal.
Wichtig: Je größer der Marathon ist, desto mehr Zeit solltest du für den Weg in den Startblock einplanen. Kalkuliere immer einen gehörigen Puffer ein, etwa für lange Schlangen vor den Toiletten. Ich selbst habe das mal grandios unterschätzt und hatte unnötig Zeitdruck, der mein Stresslevel schon vor dem Start in den roten Bereich getrieben hat.
Falscher Startblock: Was ist realistisch – und was nicht?
Zu einer Einsortierung im falschen Startblock kann es aus diversen Gründen kommen. So könntest du bewusst oder unabsichtlich eine nicht zu deinem Leistungsvermögen passende Zielzeitangabe bei der Anmeldung gemacht haben. Vielleicht bremst dich eine Verletzung aus oder du kannst wider Erwarten doch viel schneller laufen als geplant. So oder so stellt sich die Frage: Was tun, wenn der Startblock nicht mehr passt?
Möchtest du weiter hinten starten, ist das überhaupt kein Problem. Das Ordnungspersonal im Startbereich interessiert nur, ob sich jemand unberechtigt vorne aufstellen will. In diesem Fall wird allerdings genau kontrolliert: Läuferinnen und Läufern ohne den entsprechenden Startblockvermerk auf der Startnummer wird der Zutritt verwehrt, um einen fairen Rennverlauf und die Sicherheit zu gewährleisten. Mogelst du dich trotzdem irgendwie rein, droht dir die Disqualifikation! Wer kurzfristig im vorderen Teil des Feldes starten möchte, sollte das immer nur mit Genehmigung des Veranstalters tun.
5 Tipps zur Startblock-Strategie am Renntag
Selbst wenn du im goldrichtigen Startblock stehst, gibt es noch einiges zu beachten, um den Marathon optimal ins Ziel zu bringen. Sehr wertvoll kann zum Beispiel ein Pacemaker sein: Er läuft eine festgelegte Zielzeit mit möglichst konstantem Tempo und trägt dafür meist einen gut sichtbaren Luftballon oder eine Fahne mit der Zeitangabe. So kannst du ihn oder sie im Feld gut erkennen und einfach folgen, ohne dich dauernd um die Tempokontrolle zu kümmern.
Auch die folgenden Tipps helfen dir, Pace, Position und Gedränge in deinem Startblock leichter zu handhaben:
Wärme dich vor dem Betreten des Startblocks auf
An kühlen Tagen solltest du dein Warm-up unbedingt vor der Aufstellung erledigen, denn im Startblock ist das meist kaum möglich. Hier stehen alle dicht gedrängt, lockeres Traben ist unmöglich. Und auch für sonstige Aufwärmübungen wirst du kaum Platz haben, wenn du die Mitlaufenden nicht mit ungewolltem Körperkontakt belästigen willst.
Positioniere dich richtig im Startblock
Begib dich spätestens 20 Minuten vor dem Start in deinen Startbereich, denn auch hier solltest du dich entsprechend deinem Leistungsvermögen vorn, in der Mitte oder am Ende positionieren. So vermeidest du Abbremsen bzw. Zickzacklaufen oder Druck von hinten. Die Zeit spielt hier noch gar nicht mal so eine große Rolle, aber es schont deine Nerven und Energiereserven, wenn du dich optimal platzierst.
Kalkuliere Stau auf den ersten Kilometern ein
Selbst mit perfekt organisierten Startwellen kommt es anfangs immer zu einem kleinen Stau: Das Feld rennt mit dem Startschuss los und plötzlich stehen wieder alle. Oft ist es besser, zügig loszugehen statt zu laufen, dann kommst du ohne Vollbremsung leichter in einen Rhythmus. Hektische Überholmanöver bringen in dieser Phase wenig – spare dir die Körner lieber für die letzten Kilometer, anstatt jetzt unnötig Kraft zu verschwenden. Sobald sich das Feld weiter auseinanderzieht, kannst du dein Tempo laufen.
Bewahre Ruhe und laufe deine Pace
In kleineren Startblöcken zischen oft alle adrenalingeladen los, als ginge der Lauf über 5 und nicht über 42,195 Kilometer. Lasse dich davon nicht mitreißen und bleibe konsequent bei deinem geplanten Renntempo. Durch einen zu schnellen Start büßt du später Zeit ein – insbesondere bei einem Hitzelauf rächt sich ein solches Vorpreschen. Fällt es dir schwer, in dem Rummel ruhig zu bleiben und andere wegziehen zu lassen, stellst du dich besser ganz hinten auf. So entgehst du auch dem Gedränge an den ersten Kurven und Engstellen nach dem Start.
Bleibe im dichten Feld hochkonzentriert
Die Auflauf- und Sturzgefahr ist kurz nach dem Startschuss hoch. Lasse dich hier nicht von Fotografen, dem Publikum oder sonstigen äußeren Umständen ablenken, sondern achte wirklich darauf, wo du hintrittst. Besondere Vorsicht ist am Rand geboten: Ein Stolperer über die Standfüße der Absperrgitter hat schon so manchen Marathon beendet, bevor er richtig begonnen hat.
Checkliste: 60–0 Minuten vor dem Start
Die letzte Stunde vor dem Marathonstart entscheidet darüber, in welcher Verfassung du an den Start gehst. Mit unserer Checkliste hakst du die wichtigsten Punkte so ab, dass du ohne Hektik und Hypernervosität ins Rennen gehst.
60–45 Minuten vor dem Start:
✅ Startnummer, Startblock und Startwelle checken
✅ Aktuelle Veranstalterhinweise beachten (Wetter, Streckenänderungen etc.)
✅ Kleidung, Schuhe und ggf. Verpflegung kontrollieren
✅ Letzten Toilettengang einplanen (bei großem Andrang)
✅ Kleiderbeutel abgegeben, falls vorgesehen
45–30 Minuten vor dem Start:
✅ Flüssigkeitszufuhr und ggf. kleiner Kohlenhydratsnack
✅ Gewohntes, erprobtes Warm-up durchführen
✅ Weg zum Startblock und Schließzeit noch einmal prüfen
30–15 Minuten vor dem Start:
✅ Zum Startblock gehen, dabei Beschilderung und Anweisungen der Helfer folgen
✅ Entsprechend Zielzeit und Renntaktik Position innerhalb des Blocks wählen
✅ Zeit bis zum Start ggf. mit Übungen aus dem Mentaltraining überbrücken
15–0 Minuten vor dem Start:
✅ Uhr für GPS-Signalsuche anschalten
✅ Zeitmesschip und Startnummer ein letztes Mal auf festen Sitz überprüfen
✅ Auf den Countdown und das Startsignal achten
✅ Zügig und mit Abstand zu Vordermann oder -frau losgehen
Fragen und Antworten zum Startblock beim Marathon
Einen Wechsel in einen Startblock mit schnellerer Zielzeit kannst du vor dem Marathon in der Regel über deinen Teilnehmerzugang im Event-Portal vornehmen – ggf. gegen Vorlage eines entsprechenden Zeitnachweises. Am Renntag selbst ist das nur in Ausnahmefällen möglich, dann musst du direkt Kontakt mit dem Organisator aufnehmen. Möchtest du in einem langsameren Bock starten, ist das fast immer ohne Rücksprache möglich. Prüfe aber vorsichtshalber die Wettkampfregeln des Veranstalters bzw. frage vor dem Start am Infoschalter nach, ob das einfach so erlaubt ist.
Bis auf wenige Ausnahmen zählt die Zeit ab der Startlinie, also deine persönliche Nettozeit. Die Messung beginnt, wenn du mit deinem Chip die Matte überquerst. Lediglich bei sehr kleinen Teilnehmerfeldern gibt es nur eine Bruttozeitmessung. Auch bei der Elite, die ganz vorne startet und bei der die Netto- somit gleich Bruttozeit ist, wird oft ab dem Startschuss gemessen.
Ja, ein Pacer startet in dem Startblock, der seiner ausgewiesenen Zielzeit entspricht. Möchtest du dem Zugläufer folgen, solltest du also auch in diesem Block starten. Übersichtstafeln zeigen meist an, wo die Pacemaker im Feld stehen. Schließlich kann ein Startblock bei großen Marathons wie Berlin mit einer fast fünfstelligen Zahl an Menschen gefüllt sein.
Hat dein Startblock schon geschlossen, lässt dich das Ordnungspersonal je nach Strenge nicht mehr hinein. Dann musst du dich in einem hinteren Block einreihen oder in die letzte Startwelle. Dank der Nettozeitmessung ist das aber kein Beinbruch, du verlierst höchstens Zeit beim Überholen und weil du dich nicht an gleichschnelle Läuferinnen und Läufer halten kannst.
Am besten trägst du an kühlen Tagen alte Kleidung über deiner Laufbekleidung und ziehst sie kurz vor dem Start aus. Viele Veranstalter sammeln die zurückgelassene Kleidung anschließend ein und führen sie einer Wiederverwendung oder einem wohltätigen Zweck zu. Nutze dafür die vorgesehenen Sammelstellen oder lege die Kleidung dort ab, wo der Veranstalter dies erlaubt.












