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Olympische Spiele 1972 Trotz Sturz zum Weltrekord

Im 10.000-m-Finale bei Olympia in München stürzte Lasse Viren, rappelte sich wieder auf und lief Weltrekord.

Der Langstreckenlauf genießt in Finnland seit jeher einen ganz besonderen Ruf, was vor allem mit den großen Erfolgen finnischer Läufer in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zusammenhängt, allen voran Paavo Nurmi, der zwischen 1920 und 1928 neun olympische Goldmedaillen gewann und darüber hinaus im Lauf seiner Karriere 24 Weltrekorde aufstellte. Umso ernüchternder war für die Finnen der Niedergang der einst so erfolgreichen Disziplin in den Sechzigerjahren: Die letzte olympische Medaille in einer Laufdisziplin für Finnland stammte aus dem Jahr 1956 (Marathon).

Schließlich holte sich der finnische Leichtathletik-Verband Rat bei einem ausgewiesenen Erfolgscoach: dem legendären neuseeländischen Trainer Arthur Lydiard. Dessen Athleten – von Murray Halberg bis Peter Snell – hatten olympische Goldmedaillen gewonnen und zahlreiche Weltrekorde aufgestellt. Zu seinen Trainingsprinzipien zählte vor allem der Aufbau einer soliden Ausdauerbasis, die das Fundament für enorme Tempoausdauer im Wettkampf bilden sollte. 1967 kam Lydiard nach Finnland und schulte dort zwei Jahre lang Läufer und Trainer. Einer der Trainer war Rolf Haikkola. Dieser betreute unter anderen einen talentierten jungen Läufer aus Myrskylä, einer 5.000-Einwohner-Gemeinde 80 Kilometer nordöstlich von Helsinki. Sein Name: Lasse Viren.

Als bei den Leichtathletik-Europameisterschaften 1971 der Finne Juha Väätäinen sowohl die 5.000 als auch die 10.000 Meter gewann, hatte dies mit Lydiard zwar nichts zu tun, denn Väätäinen wie auch der Hindernis-Spezialist Jouko Kuha (Weltrekord 1968) waren Einzelgänger in Sachen Training. Lasse Viren, der Polizeibeamte aus Myrskylä, belegte beim EM-Finale über 5.000 Meter den siebten Platz, über 10.000 Meter war er 17. Eine Woche später verbesserte er den Landesrekord über 5.000 Meter auf 13:29,8 – das Olympiajahr konnte kommen. Zunächst galt es jedoch, die entsprechende Form über den langen finnischen Winter hinaus aufzubauen, weshalb er das warme Klima von Brasilien und Spanien dem langen finnischen Winter vorzog.
26.07.2010
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