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Olympische Spiele 1968 Wie Keino Jim Ryun in die Knie zwang

Bei den Olympischen Spielen in Mexiko 1968 gewann Kipchoge Keino über 1.500 Meter vor Jim Ryun.

Keino gewann im 1500-Meter-Endlauf der Olympischen Spiele in Mexiko vor Jim Ryun. +
Foto: DPA

Das Risiko wurde belohnt: Kipchoge Keino riskierte im 1.500-Meter-Endlauf der Olympischen Spiele in Mexiko alles und gewann überlegen vor dem Favoriten Jim Ryun (Startnummer 300).

Jim Ryun hatte an diesem Oktobertag vor allem aus einem Grund nicht die besten Karten: Die Höhenlage von Mexiko-Stadt war ein Vorteil für Kenianer und Äthiopier, die im ostafrikanischen Hochland ähnliche Verhältnisse haben. Trotzdem waren sich die Fachleute einig: Wenn es zu einer Spurtentscheidung kommen sollte, war gegen den groß gewachsenen Amerikaner kein Kraut gewachsen. Das wusste aber auch der Kenianer Kipchoge Keino, zu diesem Zeitpunkt Weltrekordhalter über 3.000 Meter. Also legte er mit seinem Teamkollegen Ben Jipcho eine Strategie fest, bei der er alles riskierte, aber auch alles verlieren konnte. Jipcho opferte seine eigenen Chancen und stellte sich als Tempomacher zur Verfügung.

Die erste Runde lief Jipcho in 56 Sekunden. Keino lag dahinter, Ryun fast am Ende des Feldes. Nach 800 Metern (1:55,3) war Keino an der Spitze, und nach 1.200 Metern (2:53,4) lag Jim Ryun fast schon aussichtslos zurück. Er vermochte zwar noch die beiden Deutschen Bodo Tümmler und Harald Norpoth niederzuringen, doch an Keino kam er nicht mehr heran. Der Rennausgang war deutlich: Gold für Keino in 3:34,91 Minuten, Silber für Ryun in 3:37,89.

Das Ende einer Karriere

Für Keino war der Endlauf über 1.500 Meter das sechste Rennen in acht Tagen. Er war zuvor auch über 10.000 und 5.000 Meter an den Start gegangen und hatte schon eine Silbermedaille gewonnen. Wäh­rend Keino vier Jahre später noch zwei weitere Olympiamedaillen gewann, blieb es für Ryun, den talentiertesten US-Mittelstreckenläufer ­aller Zeiten, bei der einen silbernen: 1972 in München stürzte er im Vorlauf. Es geschah 550 Meter vor dem Ziel, als er sich ­innen durchzwängte, an seinem eigenen Bein hängenblieb und auf der Kunststoffbahn landete. Nach sieben bis acht Sekunden rappelte er sich auf und versuchte wieder aufzuschließen, aber ohne Erfolg. Es war das Ende seiner olympischen Träume und das Ende seiner Amateurkarriere. Zwei Jahre lang lief er noch, wie auch die Kenianer Kip Keino und Ben Jipcho, als Profi im ITA-Circuit, aber an seine besten Leistungen kam er nie wieder heran. Das jahrelange harte Training begann Spuren zu hinterlassen, denn schon als Schüler hatte Jim Ryun täglich zweimal trainiert und kam so auf circa 200 Kilometer in der Woche.

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15.11.2011
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