Beim neuen Hyperboost Edge geht es Adidas um nicht weniger als eine Neudefinition von Dämpfung und Laufgefühl. Die Basis dafür liegt im Herzstück des Schuhs, der Mittelsohle aus „Hyperboost-Pro“-Schaum.
Neudefinition von Boost
Das „Boost“ genannte Zwischensohlenmaterial – das gleichbedeutend auch als Modellname eingeführt wurde – gibt es mittlerweile seit über 12 Jahren. Und was damals eine neue Dämpfungsqualität definierte, erlebt heute mit Hyperboost Pro dem Hyperboost Edge eine neue Ausbaustufe – und eine neue Qualität.

Viel Volumen: Der Adidas Hyberboost Edge baut 45 Millimeter hoch unter der Ferse
Technisch betrachtet ist das neue Mittelsohlenmaterial „Hyperboost Pro“ ein granuliertes Material auf PEBA-Basis, also einem sogenannten überkritischen Kunststoffschaum („supercritical foam“). Seine Besonderheit liegt im Herstellungsverfahren: Im Produktionsprozess wird ein Gas in das geschmolzene Polymer eingeleitet, der PEBA-Schaum (Polyetherblockamid) wird dadurch leichter, reaktiver und haltbarer.
Hyperboost-Pro hat eine wesentlich feinere Struktur als das ursprüngliche Boost-Material, das parallel etwa im UB 5 zum Einsatz kommt. Das ist ein eTPU („expandiertes thermoplastisches Polyurethan“), das in der ursprünglich verwendeten Form noch deutlich schwerer war und nicht die Elastizität erreichte wie das neue Hyperboost-Pro. Ähnlich sind sich die beiden Komponenten bei der sehr guten Witterungsbeständigkeit: Ob es draußen kalt oder warm ist, hat kaum Einfluss auf die Dämpfungseigenschaften. Flexibilität und Reaktivität bleiben ebenfalls erhalten. Allerdings hat PEBA eine deutlich geringere Dichte. Adidas kommuniziert den Wert zwar nicht, aber Schäume aus dieser Kategorie erzielen eine Dichte von 0,1 g/cm2 – deutlich geringer als bei herkömmlichen Mittelsohlen. Der Hyperboost Edge ist trotz der viel volumigeren Mittelsohle deutlich leichter als der Ursprungs-Boost.

Hoher Sohlenaufbau
Der „Hyperboost Pro“-Mittelsohle baut starke 45 mm hoch unter der Ferse. Aber der Schuh wiegt lediglich 262 Gramm (Männerversion, 247 Gramm in der Frauenversion), ein Testschuh in US-Größe 10 (Männer) wiegt 274 Gramm. Das geringe Gewicht bestimmt auch das Laufgefühl: „Eine Mischung aus komfortabel und agil“, so fasst es ein Testläufer zusammen. Wer noch keine Erfahrung mit den hoch aufbauenden Mittelsohlen hat – die Ferse steht immerhin viereinhalb Zentimeter hoch über dem Boden –, wird anfangs mit etwas Respekt loslaufen. Aber das Zutrauen in die Sohlenkonstruktion wächst schnell. Auch die geringe Sprengung von 6 Millimetern sorgt für ein agiles Laufgefühl.

Styisches und festes Obermaterial
Mindestens so (optisch) auffällig wie die neue Mittelsohle ist das Obermaterial. Durch die Farbübergänge verschmilzt es mit der Mittelsohle zu einer Design-Einheit. Das „Primeweave“-Obermaterial wirkt wie aus einem Guss. Verantwortlich dafür sind die überdeckten Schnürösen. „Das verschafft dem Schuh einen Hauch Eleganz“, lobt eine Testläuferin.
Beim Hyperboost Edge sorgen „Comfort Pods“ an der Innenseite der Fersenschale für den Fersenhalt im Schuh. Der Fuß sitzt sehr sicher. Im Test gab es allerdings von verschiedenen Testläufern Kritik an dem hohen Schaftabschluss, der am Fußgelenk reiben kann. Die Testläufer raten, bei der Anprobe auf den neuralgischen Punkt außen am Fußgelenk zu achten, ob der Schaftrand (vor allem außen) am Fußgelenk drückt. Insgesamt verleiht das Obermaterial einen festen Sitz. Die äußeren Besätze auf dem Primeweave-Material sorgen für große Formstabilität, aber auch geringe Elastizität. Es dehnt sich weniger als bei den Adidas-Trainingsschuhen Ultraboost 5 oder auch Supernova Rise 3.

Die Passform ist größengerecht, der Schuh fällt nicht kleiner aus als andere Adidas-Modelle. Stabilität ergibt sich durch die breite Plattform, die seitlich leicht hochgezogene Mittelsohle und die geringe Torsionsfähigkeit. Zwar ohne Platte in der Mittelsohle, lässt sich der Hyperboost Edge kaum verbiegen, „die Flexion erinnert mich fast an einen Carbonschuh“, urteilt ein Testläufer. Das dynamische Abrollverhalten entsteht durch die Reaktivität und die Aufbiegung der Sohle vorne.

Außensohle optimiert für Straße
Die Außensohle mit „Lighttraxion“-Besätzen ist gewichtsoptimiert: Die steife Grundkonstruktion bietet sehr guten Grip auf Asphalt. Für ebene Flur- und Waldwege ist sie okay, aber grobes Terrain ist nicht das Ding des Hyperboost Edge.

Zielgruppe im jungen, städtischen Umfeld
Der Hyperboost Edge eignet sich gleichermaßen für lockeres Dauerlauf- wie für flottes Tempotraining und lange Läufe. Der Schuh spreche modebewusste Läufer im urbanen Umfeld an, schätzt eine Testläuferin, „perfekt für die Zielgruppe der young urban runner“. Zwei Punkte unterlagen bei der Entwicklung des Hyperboost Edge offenbar dem Design-Diktat: der hohe Einstiegsbereich und die weit ausgeformte und zugleich wenig abgerundete Fersenpartie, die freilich nur beim Fersenaufsatz bemerkt wird. Ganz klar: Die Sohlengeometrie bevorzugt Mittelfußaufsetzer. Läuferinnen und Läufer, die prononciert mit der Außenkante der Ferse den Erstkontakt haben („Fersenläufer“), wünschen sich eine stärker abgerundete Fersenpartie an der Außen- und Mittelsohle, wo der erste Aufsatzpunkt ist. Das ideale Einsatzgebiet des Hyperboost Edge ist die Straße, hier spielt der Schuh seine Dynamik und Dämpfungsqualitäten aus. Sicher werden spätere Versionen und Modellvarianten das Hyper-Pro-Thema ausweiten. Adidas hat eine Reihe weiterer Neuvorstellungen angekündigt.

Vor- und Nachteile im Überblick
Positiv
✅ Sehr leichter Schuh mit hohem Dämpfungskomfort
✅ Reaktive Mittelsohle
✅ Dynamisches Laufgefühl
✅ Eigenständiges Design
Negativ
❌ Hoher Schuhkragen lateral
❌ Gering abgerundete Fersenpartie
Zahlen und Fakten
- Preis: 200 Euro
- Gewicht: 262 Gramm (M); 247 Gramm (W)
- Sprengung: 6 Millimeter





