Beim historischen Weltrekord in London blieb Sabastian Sawe als erster Läufer unter der magischen Zwei-Stunden-Marke im Marathon und siegte in 1:59:30 Stunden. Sein Schuh, der Adidas Adizero Adios Pro EVO 3, wiegt knapp 100 Gramm.
Sabastian Sawes Weltrekordzeit von 1:59:30 Stunden über die Marathondistanz ist ganze 65 Sekunden schneller als der frühere Weltrekord von Kelvin Kiptum. Damit nicht genug: In London blieb auch der Zweitplatzierte, Yomif Kejelcha (Äthiopien) mit 1:59:42 Stunden unter Zwei Stunden. – Auch er trug, wie Sabastian Sawe, den neuen Adidas Adizero Adios Pro EVO 3. Der Dritte, Jacob Kiplimo, blieb in 2:00:28 auch noch unter den alten Weltrekord und lief dabei im neuesten Nike Alphafly – mit dem (Vorgänger-)Modell war auch Kelvin Kiptum bei seinem Weltrekord in Chicago gelaufen (2023, 2:00:35 Stunden).
Zahlen zum Weltrekordlauf
Sabastian Sawe lief einen Kilometerschnitt von unter 2:50 Minuten, passierte die Halbmarathon-Marke nach 60:29 Minuten, so schnell wie beim Weltrekord. – Aber Sabastian wurde nach Kilometer 30 schneller, so dass eine Zeit unter zwei Stunden immer realistischer wurde. Die zweite Hälfte des Rennens lief Sabastian Sawe in 59:01 Minuten. Zum Vergleich: Amanal Petros stellte im April mit 59:22 min einen neuen Deutschen Rekord über die Halbmarathondistanz auf. Lauf-Experte Helmut Winter berichtet aus London, dass Sabastian für den 10-km-Abschnitt von 32 bis 42 km lediglich 27:19 Minuten benötigte (das wäre 2:43 min/km Pace); Dieter Baumann war am 5. April 1997 im spanischen Barakaldo die 25 Runden auf der Bahn in 27:21,53 Minuten gelaufen; ein Deutscher Rekord, der 29 Jahre hielt, bis zum Frühjahr 2026, als Mohamed Abdilaahi beim Läufermeeting „The Ten“ 26:56,58 Minuten lief.
Und noch ein Vergleich: Der letzte Weltrekord aus dem Vor-Carbonzeitalter, also mit normalen Wettkampfschuhen ohne Carbonplatte, stammt von Dennis Kimetto aus dem Jahr 2014 (Berlin, 02:02:57 h), Kimetto lief übrigens im Adidas Adizero Adios Boost 2, der damals 228 Gramm wog. Eliud Kipchoge lief bei seinem Weltrekord 2018 in Berlin bereits mit Carbonschuhen (02:01:39 Stunden). Und jetzt lief Sabastian Sawe mit 100-Gramm-Schuhen und einem Durchschnittstempo von 21,2 km/h, beziehungsweise einem Kilometerschnitt von rechnerisch unter 2:50 min/km.
Was angesichts der Sensationsleistung um Sabastian Sawe nicht in den Schatten rücken darf: Die Äthiopierin Tigst Assefa verteidigte ihren Titel mit 2:15:41 Stunden und verbesserte damit ihren vor einem Jahr in London aufgestellten „Women Only World Record“ um neun Sekunden, sie war im gleichen Schuh wie Sabastian unterwegs, dem Adizero Adios Pro Evo3. Zum ersten Mal fielen in einem Marathon gleich zwei Weltrekorde. Sicher auch ein Zeichen für die phantastische Vorbereitung des Elitefeldes und die idealen Laufbedingungen.

Fakten zum Adidas Adizero Adios Pro EVO 3:
Der neue EVO 3 ist eine Weiterentwicklung des Adidas Adizero Adios Pro EVO – mit dem 138 g leichten Schuh war Tigst Assefa 2024 in Berlin Weltrekord gelaufen und Amanal Petros zum Deutschen Rekord. Der Unterschied: Der neue Adizero Pro EVO 3 wiegt nur 97 g! Es ist der wohl leichteste derzeit erhältliche Marathonschuh. Und er ist damit etwa 30% leichter als der Pro EVO 1 von 2014!
Das ist eine große Gewichtseinsparung, und dafür wurde jede Naht neu gedacht! Die größte Änderung betrifft das Zwischensohlenmaterial, berichtet Stephan Scholten, der seit mehreren Jahren bei Adidas die Produktentwicklungen vorantreibt. Er erklärt, es handele sich hier um die nächste Generation des Litestrike EVO Foams – der in diesem Fall „fast 50% leichter als beim Vorgängermodell EVO 2 ist“. Diese quasi Halbierung des Gewichts wurde einerseits durch die Reduzierung der chemischen Dichte erzielt, wobei „der Energy Return sogar leicht erhöht werden konnte“, so Stephan, das resultiert in einer um 1,6% besseren Running-Economy.

Die zweite wesentliche Neuerung: Die Carbon-Konstruktion in der Mittelsohle ist ganz neu gedacht und besteht jetzt aus dem so genannten „Energy Rim“. Statt den früheren Energy Rods oder (wie bei anderen Herstellern) einer durchgängigen Platte in der Sohle ragen vom Mittelfußbereich des Adizero Adios Pro EVO 3 außen im Sohlenbereich zwei Carbonstreifen nach vorne in die Sohle. Die Energy RIM-Konstruktion hat zwei Effekte, beschreibt Stephan Scholten. Durch sie lasse sich mehr Schaumvolumen unter dem Vorfuß in der Push-Off-Area platzieren. Das sorgt für höhere Energierückgabe, „der Trampolineffekt kommt stärker zur Wirkung.“ Außerdem versteift der Rim die Rocker-Konstruktion. Die beiden nach vorne reichenden, außen in der Sohle platzierten Elemente sind breiter als bei der früheren Energy-Rod-Konstruktion. Auf die Konstruktion ist Adidas so stolz, dass am Fersenbereich eine kleine Spiegel-Konstruktion einen Blick auf die Carbonkonstruktion (inklusive „Energyrim“-Schriftzug) ermöglicht.

Die Leistenkonstruktion ist ansonsten im Vergleich zum Vorgängermodell EVO 2 gleichgeblieben. Die Bauhöhe der Sohlenkonstruktion beträgt 39 Millimeter unter der Ferse und 36 Millimeter unter dem Vorfuß (3 mm Sprengung). Die Rocker-Aufbiegung entspricht ebenfalls der des Vorgängermodells – und ist deutlich aggressiver als etwa beim Adizero Adios Pro 4, weil er weiter hinten platziert ist.
Obermaterial hauchdünn
Beim Upper handelt es sich um ein „Super Liteweight woven“-Material: Superdünn und superfest. Breite und Höhe in der Zehenbox sind jedoch ausreichend dimensioniert, bei normaler Fußbreite ist vorne genügend Platz. Und die schmalen Pölsterchen im Rückfußbereich innerhalb der Fersenschale sind (bei geeigneter Sockenwahl) vollkommen ausreichend, um den Fuß sich im Schuh zu halten.

Die Außensohle erhielt ein „effizienteres Design“, wie es bei Adidas heißt. Das im Vorfußbereich platzierte Continental-Gummi sorgt für gute Traktion bei hohem Tempo. Es ist fast profillos und auf den Einsatz auf Asphalt optimiert – eben da, wo die großen Stadtmarathons ausgetragen werden. Der Rest der Sohle ist ohne Verstärkung – bis auf eine kleine Aufsatzfläche unter der Ferse. Auch hier wurde wiederum auf Gewichtseinsparung geachtet.

Laufeigenschaften: Für die Elite
Die Laufeigenschaften zu beurteilen „konzentriert sich auf die Frage: Wie schnell ist der Schuh im Wettkampf?“, so formuliert es ein Testläufer. „Die Antwort wurde bereits am Wochenende des London-Marathons gegeben – mit den beiden ersten Athleten, die den Marathon in einem regulären Rennen unter zwei Stunden gelaufen sind“, so bringt es der RUNNER’S WORLD-Testläufer auf den Punkt.
Für wen geeignet?
Der Adidas Adizero Adios Pro EVO 3 wurde in der Entwicklungsphase mit Spitzenläufern unter anderem in Kenia und Äthiopien getestet, erklärt Patrick Nava, General Manager von Adidas Running. Das zeigt: Das Adidas-Modell ist interessant für austrainierte Top-Läuferinnen und -Läufer, die jedes Detail optimieren und ein hohes Tempo laufen können: Auch hier spricht man von „high-respondern“, die von der Konstruktion beonders profitieren – Läufer wie Sabastian Sawe oder Tigst Assefa. Für Hobbyläufer, die den Marathon „langsamer“ laufen und eventuell etwa schwerer sind, eignet sich meist der etwas „zahmere“ und halb so teure Adizero Adios Pro 4 besser (oder eines der anderen zahlreichen Carbonmodelle). Die „normaleren“ Carbonmodelle, die nicht so extrem konstruiert sind, bieten mehr Allround-Qualitäten – auf die beim Adidas Adizero Adios Pro EVO 3 allein aus Gewichtsgründen verzichtet wurde. Aber nach Komfort fragt niemand, wenn es um einen Weltrekord geht.
Was hier zählt: Über 30 Gramm Gewichtreduktion an jedem Fuß. Sabastian Sawe hat also über 60 Gramm weniger Gewicht an seinen Füßen gehabt als etwa bei seinen Marathons in London oder Berlin im letzten Jahr. Und gegenüber dem Weltrekordschuh von Kelvin Kiptum ist es ein noch größerer Gewichtsunterschied. Und dabei ist die Reaktivität der Mittelsohle noch nicht berücksichtigt. Das niedrige Gewicht des Wettkampfschuhs bei Spitzenleistungen im Elitebereich wiegt im sprichwörtlichen Sinne doppelt, denn der Schuh ist eine bei jedem Schritt beschleunigte Masse. Ob der Schuh - wie bei Tigist Assefa, Sawe oder Kejelcha - dabei 100 Gramm oder 150 Gramm wiegt, macht in diesem Bereich einen Unterschied. Das Laufschuhgewicht hat einen direkten Einfluss auf die Laufeffizienz, so das Ergebnis einer Studie von Forschern der Universität von Colorado.

Fazit: Weltrekord als Ziel – und erreicht
Sabastian Sawe lief den London-Marathon in 1:59:30 Stunden. Der Schuh, den er bei seinem Weltrekord trug, wiegt knapp unter 100 Gramm, ist damit etwa 30 Prozent leichter als das Vorgängermodell – und ist der derzeit leichteste Marathonschuh. Die minimalistische Konstruktion des Adidas Adizero Adios Pro EVO 3 empfiehlt sich nur für eine kleine Zielgruppe von Läufern: Das unisex-Modell wurde für Weltrekorde und für Rekorde von Spitzenläufern entwickelt. Adidas hat geliefert, Sabastian Sawe hat die Mission erfüllt, so lässt sich nach dem London-Marathon feststellen. Tigst Assefa lief bereits den zweiten Weltrekord: In Berlin 2023 war sie Weltrekord in einem gemischten Rennen in 2:11:53 Stunden gelaufen, damals allerdings in dem 30 Prozent schwereren Adidas-Vorgängermodell. Mal schauen, was auf der vermeintlich schnelleren Marathonstrecke von Berlin in diesem Jahr passieren wird!
Daten zum Adidas Adizero Adios Pro EVO 3:
Gewicht: 97 g
Sprengung: 3 mm*
Preis: 500 Euro
* Ursprünglich gab es abweichende Daten für die Sprengung; die Angabe ist jedoch rein technischer Art. Denn beim Laufen verändert sich die Geometrie des Schuhs aufgrund der weichen Mittelsohlenmischung schon bei der leichtesten Belastung.





