Beim Laufen filmen: So gelingt die Selbstanalyse

Laufanalyse
Beim Laufen filmen: So klappt die Selbstanalyse

ArtikeldatumVeröffentlicht am 11.11.2025
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Foto: Getty Images

Mithilfe einer Laufanalyse kannst du deinen Laufstil im Detail auswerten, um Technikfehler zu erkennen und gezielt an ihnen zu arbeiten. Das sorgt nicht nur für ein effizienteres Laufen, sondern beugt auch Überlastungen sowie Verletzungen vor. Wer dafür nicht extra in ein entsprechendes Sportgeschäft fahren möchte, kann eine solche Analyse auch ganz einfach zu Hause durchführen: Auf dem Laufband oder auch an der frischen Luft, filmst du dich aus verschiedenen Perspektiven, schaust dir diese Aufnahmen wiederholt an und achtest auf einige bestimmte Details, um mögliche Unsauberkeiten zu erkennen.

Was bringt es, wenn man sich beim Laufen filmt?

Auch, wenn es sich vielleicht etwas seltsam anfühlen mag – aber sich selbst während des Laufens zu filmen, kann tatsächlich sehr hilfreich sein. Aufnahmen des eigenen Laufstils helfen dir nämlich dabei, diesen zu analysieren und gegebenenfalls zu optimieren. Prinzipiell sollten also alle Läuferinnen und Läufer einmal darüber nachdenken, eine Selbstanalyse durchzuführen, denn die eigene Technik zu kennen, schadet schließlich nie.

Ein unrunder Laufstil und eine unsaubere Technik können zudem zu muskulären Dysbalancen führen, die wiederum orthopädische Beschwerden und Verletzungen begünstigen können. Das Überprüfen deiner Laufbewegung dient also dazu, Verletzungen vorzubeugen. Hast du bereits Schmerzen beim Laufen oder bist anfällig für Überlastungen und Verletzungen, ist es spätestens jetzt an der Zeit, deine Technik einmal genauer unter die Lupe zu nehmen.

Fragen zur Selbstanalyse beim Laufen

Wie filme ich mich richtig? Ausrüstung, Kamera und Umgebung

Kurz vorweg: Um dich selbst beim Laufen zu filmen, brauchst du keine besonderen oder teuren Utensilien. Damit sich die Aufnahme für eine Analyse eignet, gibt es allerdings ein paar Dinge, auf die du achten solltest.

Heutzutage sind die meisten Handys oder auch Tablets mit qualitativ guten Kameras ausgestattet und eignen sich daher hervorragend für eine Selbstanalyse. Um das Video problemlos auswerten zu können, empfehlen wir, auch mal in Zeitlupe, auch „Slow-Motion“ genannt, zu filmen. Hierbei wird die Bewegung verlangsamt dargestellt, sodass du viele Details einfacher erkennen kannst. In der Regel bietet die Kamera-App des Smartphones diese Funktion standardmäßig. Daneben gibt es auch eine Reihe an Apps, die das Filmen in Slow-Motion ermöglichen. Probiere gern beides aus, um herauszufinden, was du persönlich besser findest. Damit das Bild möglichst ruhig und gleichmäßig ist, ist es hilfreich, ein Stativ zu verwenden. Hast du keins zur Verfügung, kannst du ganz einfach auch einen Freund oder eine Freundin fragen, dich zu filmen oder dein Handy an einem geeigneten Ort abstellen.

Bei der Wahl der Umgebung solltest du darauf achten, dass dein gesamter Körper stets gut zu sehen ist. Hierbei kann ein Laufband sehr hilfreich sein, da so dein Abstand zur Kamera immer gleichbleibt, wodurch die Analyse erleichtert wird. Hast du keinen Zugang zu einem Laufband oder ist das Training darauf zu ungewohnt, kannst du dich auch problemlos draußen filmen. In diesem Fall solltest du auf eine gerade, flache Strecke und einen möglichst neutralen Hintergrund achten. Positioniere deine Kamera in ausreichender Entfernung, damit du deine Technik mehrere Meter lang aufnehmen kannst.

Wofür du dich entscheidest, sollte auch immer davon abhängen, wo du für gewöhnlich dein Training absolvierst. So bleibt dein Laufstil nämlich natürlich und wird nicht durch ungewohnte Rahmenbedingungen verfälscht.

Die besten Perspektiven und Einstellungen fürs Laufvideo

Bei jeder guten Laufanalyse wird der gesamte Körper aus verschiedenen Perspektiven betrachtet. Bei deiner Selbstanalyse solltest du dich also aus unterschiedlichen Einstellungen filmen: von vorn, von hinten und von beiden Seiten. Somit fängst du deine Laufform aus allen Blickwinkeln ein und kannst eine umfassende Analyse durchführen. Daneben solltest du darauf achten, die Kamera frontal vor bzw. hinter oder auch parallel zu dir zu positionieren, um eine möglichst klare Aufnahme zu erzielen. Bei der Analyse achtest du sowohl auf den Gesamteindruck deines Stils als auch auf einzelne Details, wie beispielsweise das Aufsetzen deiner Füße oder auch deinen Armschwung. Um diese Feinheiten besser erkennen zu können, kannst du bei einigen Aufnahmen auch mit der Zoom-Funktion arbeiten.

Häufige Fehler beim Filmen vermeiden

Jetzt weißt du, worauf du bei der Aufnahme achten musst, um deine Lauftechnik ganz einfach selbst auswerten zu können. Dennoch schleichen sich schnell kleinere Fehler ein, die deine Selbstanalyse maßgeblich beeinträchtigen können. Damit auch wirklich nichts schiefgeht, haben wir unten noch einmal die häufigsten Fehler zusammengefasst:

1

Falscher Winkel

2

Ungenaue Aufnahme

3

Ungeeignete Strecke

4

Ungeeignete Kleidung

5

Ungleichmäßiges Tempo

Darauf solltest du bei der Video-Auswertung achten

Nachdem du deine Aufnahmen gemacht hast, geht es nun an die Auswertung. Hierbei schaust du dir die Videos aus den verschiedenen Perspektiven wiederholt an und versuchst, mögliche Technikfehler ausfinden zu machen, um diese später korrigieren zu können. Damit die Auswertung richtig gelingt, haben wir ein paar Tipps und Hinweise, auf die du achten kannst:

Körper

Zunächst einmal betrachtest du deinen gesamten Körper, um dir einen Gesamteindruck deines Laufstils zu machen. Achte hierbei auf deine Körperhaltung und, ob du beispielsweise deine Schultern hängen lässt oder deinen Oberkörper zu weit nach vorn lehnst – beides kann zu einem ineffizienten Laufstil führen.

Nachdem du dir ein allgemeines Bild deiner Laufbewegung gemacht hast, arbeitest du dich jetzt von unten nach oben vor.

Füße

In Hinblick auf deine Füße solltest du besonders auf ihr Aufsetzen achten: Kommst du mit deinem Fuß vorne, mittig oder hinten auf? Setzt er erkennbar vor deinem Körperschwerpunkt oder eher unter deinem Körper auf? Wie stark pronierst du beim Landen? Eine unsaubere Landung kann zu Fehlbelastungen der Bänder und Gelenke führen und das Risiko einer Verletzung erhöhen.

Beine

Anschließend betrachtest du deine Beine. Wie hoch führst du dein Knie? Wie stark ist das Anfersen ausgeprägt? Betrachte außerdem deine Schrittlänge sowie -frequenz. Ist deine Schrittfrequenz zu niedrig, machst du zu große Schritte und setzt mit deinem Fuß zu weit vor deinem Körperschwerpunkt auf, sodass deine Gelenke stärker belastet werden.

Becken und Hüfte

Nun nimmst du Becken und Hüfte unter die Lupe. Verkürzte Hüftbeuger können zu einer versteiften Haltung führen, wodurch es zu Einbußen der Laufdynamik kommen kann. Beim Becken solltest du darauf achten, dass es nicht zu weit nach vorn gekippt ist. Dein Rücken gerät so ins Hohlkreuz, was nicht nur für einen Leistungsverlust sorgen, sondern auch Schmerzen verursachen kann. Bringe dein Becken dementsprechend in eine gerade Stellung und deine Hüfte bewusst in Streckung und nach vorn. Das ermöglicht ein effizienteres und schnelleres Laufen.

Oberkörper

Achte beim Oberkörper zunächst auf dessen Haltung: Ist er aufgerichtet oder schlaff? Ist er möglicherweise zu weit nach vorn oder hinten geneigt? Idealerweise ist dein Oberkörper gerade und aufrecht und leicht nach vorn geneigt. Stimmt die Haltung nicht, musst du mehr Energie aufbringen und belastest Gelenke und Sehne stärker als nötig. Daneben solltest du auch deinen Schultern Aufmerksamkeit schenken. Diese sollten locker sein, aber nicht hängen gelassen werden, da es dadurch ebenfalls zu Einschränkungen der Laufökonomie kommen kann.

Arme

Schaue als Erstes auf die Position deiner Arme. Diese sollten locker an deinem Oberkörper liegen – nicht zu eng, aber auch nicht zu weit weg – und ungefähr in einem 90-Grad-Winkel gehalten werden. Als Nächstes kannst du auf die Armbewegung während der Laufbewegung achten: Schwingen deine Arme parallel zur Laufrichtung und passend zum Laufrhythmus? Überkreuzen sie sich vor der Brust oder bilden sie eine gedachte Linie? Auch eine unsaubere Armtechnik kann zu einem ineffizienten Laufstil führen, der im schlimmsten Fall auch Schmerzen bedingen kann.

Kopf

Dein Kopf bildet eine Verlängerung deines Oberkörpers und wirkt sich dementsprechend auf dessen Haltung aus. Achte bei der Analyse also darauf, ob dein Kopf geradeaus gerichtet ist und sich über deinen Schultern befindet und nicht zu weit davor. Richtest du beispielsweise deinen Blick stets nach unten, schiebt sich dein Kopf nach vorn, sodass sich auch dein Oberkörper zu weit nach vorn neigt. Das begünstigt nicht nur eine unsaubere Landung, sondern auch Verspannungen im Schulter- und Nackenbereich.

Selbstanalyse regelmäßig nutzen und Entwicklungen messen

Den eigenen Laufstil genauer unter die Lupe zu nehmen, kann unter Umständen ernüchternd sein und frustrieren. Die gute Nachricht ist jedoch, dass sich fast alles mithilfe von gezielten und regelmäßig durchgeführten Übungen korrigieren lässt! Diese lassen sich beispielsweise ganz einfach in Form von Übungen aus dem Lauf-ABC in dein Lauftraining integrieren oder auch als gesondertes Work-out nach deinem Lauf absolvieren.

Waren etwa Überlastungsbeschwerden oder auch wiederkehrende Verletzungen Anlass der Selbstanalyse durchzuführen, ist ihr Ausbleiben schon ein erster Hinweis auf Verbesserung. Solltest du außerdem merken, dass dich das Training weniger anstrengt und du prinzipiell effizienter läufst, wird es Zeit für eine neue Laufanalyse. Indem du dich regelmäßig beim Laufen filmst und anschließend deine Technik auswertest, kannst du nicht nur deinen Fortschritt sehen, sondern deinen Laufstil immer weiter optimieren. Somit wird dein Laufen Schritt für Schritt effizienter und das Risiko einer Überlastung oder auch Verletzung minimiert.

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Fazit