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Das etwas andere Glossar

Das lustige ABC des Laufens

Warum gibt es beim Marathon so wenig Dixi-Klos, aber so viele Bananen? Eine Nachhilfestunde zum Thema Laufen.

Haben Sie sich schon einmal gefragt, warum das Dehnen nach dem Laufen unvermeidbar ist? Wissen Sie, wozu es Kompressionsstrümpfe gibt und warum bei Marathon-Veranstaltungen wenig Dixi-Klos aufgestellt sind? Falls nicht, dann wird es Zeit für eine Nachhilfestunde mit unserem lustigen Lauf- ABC. Hier werden alle Themen von A wie Ausrüstung bis Y wie die Ypsilonfigur angesprochen, die Läufern unter den Nägeln brennen. Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Lesen und Schmunzeln!

AUSRÜSTUNG, die – Das Doping für Läufer

Der Läufer an sich braucht nur wenig Ausrüstung. Anders seine Kleidung: Diese wird mit antibakteriellen Stoffen behandelt, die selbst eine Klärgrube in einen aseptischen Zustand versetzen könnten. Steht eine Urlaubsreise in die Tropen an, wird Läufern daher empfohlen, rechtzeitig die eigenen Socken zu essen, um Cholera, Fleckfieber oder Milzbrand vorzubeugen. Wirkt die Behandlung nicht, hat der Läufer entweder versehentlich Nicht-Funktionsbekleidung gekauft oder die Bakterien haben sich ihren bereits resistenten Kumpels angeschlossen. Schade eigentlich.

BANANE, die – Das Wappenobst der Läufer

Statt eines Wappentiers pflegt die Läuferfamilie ihr Wappenobst, die Banane. Sie wird selten wirklich gemocht, aber aus alter Familientradition vor, während und nach dem Lauf verzehrt. Weil die Bananenlobby Läuferpublikationen fest im Griff hat, reißen die Meldungen über die Nützlichkeit der Affenspeise nicht ab. Volkslaufbananen sind immer steinhart und grün und wehren sich gegen das Zerteiltwerden mit Bissen, weshalb sie nur mit Handschuhen bearbeitet werden dürfen.

BRUSTWARZENPFLASTER, das – Ein Mini-Bh für Männer

Während laufende Frauen versuchen, sämtliche Oberkörperwölbungen mittels stramm straffender Textilien fest an den Rippen zu arretieren, beschränkt sich die Brustbekleidung bei Männern auf wenige Quadratzentimeter. Was darunter liegt, ist – obgleich beim Manne evolutionär nutzlos geworden – gemeinsam mit einigen Zentimetern im Schrittbereich das schützenswerteste Areal des Läufers. Das Laufshirt verwandelt sich durch Salzkristalle im Lauf des Laufs in Schleifpapier mit 30er-Körnung und verrichtet an zarten Männerkörpern ein blutiges Werk. Der rustikale Mann verwendet zum Nippel-Schutz Hansaplast Classic, der urban verspielte wählt Pflaster mit Winnie-the-Pooh-Motiven oder eigens für diesen Zweck hergestellte „Nipple Guards“.

DEHEN, das – Die Sache mit dem Dehnen hat ein Nachspiel

Dehnen ist eine Technik, die auch von Katzen mit abgebrochener Hauptschule mühelos korrekt ausgeführt wird, während Menschen grundsätzlich daran scheitern. Die häufigsten Fehler: erwarten, dass der Baum endlich zurückweicht, sich das Hinterteil durch eine schlammige Ferse beschmutzen, nach dem Ausfallschritt nicht mehr hochkommen und einschlafen. Wer nach dem Laufen nicht dehnt, surrt eines Tages auf die Größe einer Briefmarke zusammen und bewältigt einen Marathon künftig bereits nach 42,195 Zentimetern.

DIXI-KLO, das – Notdürftige Notdurftheimstatt mit schlangenbeschwörender Wirkung

Den Bedarf an Dixihäuschen berechnet ein Laufveranstalter üblicherweise wie folgt: Anzahl der Voranmelder durch die Anzahl derer, die voraussichtlich blaue Schuhe tragen, plus nachmeldende Frauen, geteilt durch die Quersumme aus der Anzahl der verwendeten Plastikbecher minus der Sponsorenlogos, die auf der Ausschreibung versehentlich zu klein gedruckt wurden. Oder auch anders. In jedem Fall aber spielt die Teilnehmerzahl eine untergeordnete Rolle.

FUSS, der – Der Fuß ist beim Lauf der Auftrittsort

Füße bestehen aus 26 Knochen, 29 Muskeln, 31 Gelenken sowie 107 Sehnen und Bändern. Aber sie wissen es nicht. Füße haben daher praktisch kein Selbstbewusstsein und lassen sich nicht artgerecht halten, ohne zu murren. In der Regel werden sie in der Logistikbranche zum raschen Transport schwerer Lasten eingesetzt, wobei Lenk- und Ruhezeiten häufig nicht eingehalten werden. Die Forderungen der Fußgewerkschaft lauten daher: besserer Geruch, auch nach 24 Uhr, regelmäßige Hornhautentfernung und mindestens zehn Stunden Hochlegen pro Tag.

GPS, das – Die Verbindung ins All

Läufer, die einen GPS-fähigen Armriemen tragen, orientieren sich nicht mehr nach vorn, sondern nach oben. Ihr Ziel ist ein Satellit, den es anzusteuern gilt. Eigene Bestzeiten werden unwichtig gegenüber den Zeiten, die eine hausgroße Unterarmelektronik braucht, um den Satelliten zu erreichen. Ohne das „Go“ von oben, ein göttliches Okay in Form eines Piepgeräuschs, macht der Läufer keinen Schritt mehr. Hernach zeigt er Gott und der Welt auf einer digitalen Landkarte, wo er war. Zumindest von der Welt ist bekannt, dass sie daran herzlich uninteressiert ist.

HAUSSTRECKE, die – Jeder Läufer hat eine Laufstrecke, die er liebt

Ähnlich wie der Hauswein im Restaurant besticht die Hausstrecke weniger durch Qualität als durch den geringen intellektuellen und finanziellen Aufwand, den sie erfordert. Erstaunlicherweise stets aushäusig angelegt, ist sie also im Grunde eher eine Außer-Haus-Strecke. Sie lässt sich auch dann belaufen, wenn der Weckvorgang nicht ganz geglückt ist, sich der Läufer also in weiten Teilen noch im Tiefschlaf befindet. Hausstrecken vermehren sich ungeschlechtlich durch Richtungswechsel: Wer einmal in umgekehrter Richtung startet, hat fortan eine weitere, vollkommen neue Hausstrecke im Repertoire.

HOPPHOPP, das – Zweifelhafte Zurufe vom Streckenrand

Mit dem Hopphopp möchten Zuschauer bei Laufveranstaltungen dem damit bedachten Läufer Beine machen. Ein fragwürdiges Ansinnen, denn er hat bereits welche. Zusätzliche Beine, etwa vorn und hinten, würden ihn nur behindern und keinesfalls beschleunigen – vom ästhetischen Aspekt ganz abgesehen. Man kann also sagen, dass das Beinemachen ebenso wie der dafür verwendete Hopphopp-Ruf niemandem nützt. Aus rätselhaften Gründen wird er dennoch gern verwendet.

KOMPRESSIONSSTRÜMPFE, die – Der Wadenschraubstock für Läuferbeine

Kompressionsstrümpfe haben die Aufgabe, den Läufer so zu formen, dass er sich wie ein Flaschengeist nach unten hin verjüngt, sich ab Kniehöhe hingegen aufwärts quellend entfaltet. Die Waden werden dabei bis zur Blutleere ausgewrungen, was sie leicht und fluffig macht. Sie sehen in Kompressionsstrümpfen allerdings nicht leicht und fluffig aus, sondern eher wie zwei hochkant gelagerte Walfisch- Leichen. Neue Kompressionsstrümpfe anzulegen, ist etwa so einfach wie durch einen Gartenschlauch zu schlüpfen.

LATSCHENKIEFER, die – Der Schuhbaum mit magischen Kräften

Immer wieder sieht man Läufer, die sich mit Latschenkiefer-Tinkturen einreiben. Diese werden aus dem gleichnamigen Baum gewonnen, der jedes Jahr im Spätsommer hübsche und sehr bequeme Hausschuhe hervorbringt. Die Tinktur soll das lässige Hausschuhfeeling auf den Läufer übertragen und ihm auch in straffen, ungedämpften Rennschuhen das Gefühl geben, in Latschen unterwegs zu sein. Die Latschenkiefer ist der bekannteste der Schuhbäume – seltener und weitgehend unbekannt sind die Slippereibe, die Schluffenulme und die Schlappenpappel.

LANGSAMER DAUERLAUF, der – Die Geduldsübung zur Marathonvorbereitung

Beim LDL, dem langsamen Dauerlauf, trottet der Läufer zwei bis drei Stunden vor sich hin und wird dabei von Menschen mit Rollatoren, zweibeinigen Hunden und auch dem ein oder anderen Denkmal überholt. Der LDL darf nicht zu zügig angegangen werden. Der Läuferkörper übt dabei auf einem kleinen Öfchen die rauchfreie Fettverbrennung, sodass beim Marathon später keine Dunstabzugshaube mitgeführt werden muss.

MARATHON,der – Der Ultramarathon des kleinen Mannes

Es gibt keinen 5-Kilometer-Marathon. Läufer wissen das. Ihr Umfeld leider oft nicht. Ein Marathon ist mindestens 42,195 Kilometer lang, die Streckenlänge nach oben praktisch unbegrenzt. Dann allerdings heißt der Marathon „Ultra“, benannt nach König Ultra, dem Langatmigen. Marathonläufer haben die Fähigkeit, T-Shirt Aufdrucke der vor ihnen Laufenden („Running Turtles Bad Fallingbostel“) als spannende Lektüre zu erleben und sich wie verrückt auf einen Plastikbecher voll lauwarmen Wassers zu freuen. Dergleichen üben sie im Training (siehe LDL). 83 Prozent der Marathonläufer beenden ihren Lauf mit einer Lüge. Sie lautet: „Nie wieder!“

PACEMAKER, der – Die fußgemachte Qualität, auch Tempomacher genannt

Nur an sehr wenigen Orten der Welt, unter anderem in einer kleinen Werkstatt im Sauerland, versteht man sich auf die Kunst des Tempomachens. Hochwertiges und langlebiges Tempo wird dort mit größter Sorgfalt und auf Basis alter Fußwerktradition hergestellt. Ein gut gemachtes Tempo erkennt der Fachmann sofort. Es ist gleichmäßig gearbeitet, wetterresistent und bricht auch unter Dauerbelastung nicht ein. Gute Tempomacher (englisch: Pacemaker) sind bis heute sehr gefragt, aber schwer zu bekommen. Alternative Versuche der Tempoherstellung durch Tiere (etwa mit Hasen) führen oft nicht zu einem hochwertigen Ergebnis.

SINGLET, das – Der praktische Einteiler für selbstbewusste Läufer

Das Singlet ist ein T-Shirt, das aufgrund einer Missbildung keine Ärmel hat. Weil es selbst nicht gut aussieht, möchte es auch nicht, dass sein Träger gut aussieht. Das gelingt ihm. Das Singlet ist oft „luftig“ geschnitten. Leiert es zusätzlich aus oder ist eine Nummer zu groß, verstört es den Betrachter nach dem Lauf durch den freien Blick auf einen großflächig verklebten Achselhaargarten und herabbaumelnde Brustwarzenpflaster. Die verstörendste Form des Singlets ist das inzwischen zu Recht vom Aussterben bedrohte Netzhemd.

TIGHT, die – Die Stumpfhose, nur ohne Strumpf

In dem unvergessenen Song „Hold Me Tight“ besangen die Beatles 1963 ihre Liebesbeziehung zu einer Laufhose. Tatsächlich ist es seit jeher deren Aufgabe zu halten, und zwar alles, was man zuvor hineingefüllt hat. Das gelingt jedoch nur unzureichend. Oft genug finden Beine durch die Hose hindurch früher oder später ins Freie. Männer sehen in langen Tights aus, als müssten sie die Strumpfhosen ihrer älteren Cousinen auftragen. Wer jedoch jemals versucht hat, in dem zu laufen, was man „Jogginghose“ nennt, singt fortan den Chorus des Beatles Songs.

VASELINE, die – Voll fett! Verhindert Wundstellen

Legt jemand im Drogeriemarkt eine Dose Vaseline aufs Kassenband, handelt es sich mit großer Wahrscheinlichkeit nicht um einen Pornodarsteller, sondern um einen Läufer. Vaseline, vor dem Laufen in der Nähe von Rundungen auf des Läufers Ecken und Kanten aufgetragen, verhindert erfolgreich Wundstellen (siehe Wolf). An den Füßen verjagt sie Tuten und Blasen. Aber Obacht! Greift der Läufer zu tief in den Topf, kommt es leicht zu einem marmeladigen Gefühl im Schuh und in den nach dem Lauf erhitzten Socken lässt sich problemlos der ein oder andere Dim Sum frittieren.

WOLF, der – Die aufreibende Fauna zwischen Läuferbeinen und Pobacken

Nicht nur in der Lausitz, auch zwischen Läuferbeinen und Pobacken ist der Wolf wieder heimisch geworden. Siedelt er dicht am Läuferkörper, ist er ein wenig schnäubisch und heult nicht mehr selbst. Er lässt heulen und zwar dann, wenn ihn ein Duschstrahl oder eine Wolke Duschgel trifft. Zur Rudelbildung neigt er auch hier, ein Wolf kommt selten allein. Das Refugium des im Alter krustigen Kerlchens ist beengt und dunkel, er möchte ungestört bleiben. Besonders bevorzugt er unmittelbar südlich des Taillenäquators liegende Bereiche.

YPSILONFIGUR, die – Sucht man bei Läufern vergeblich

Obwohl ein Athlet, sucht man die Ypsilon-Form beim Läufer vergebens. Der ideale Läufer ist ein weitgehend muskelfreier Hering, der sich im Supermarkt die Cornflakes-Packung herunterreichen lassen muss. Somit trifft die von Manfred Steffny erfundene Einteilung in „Bleistifte“ und „Radiergummis“ nur bedingt zu, es sei denn, es sind oft bespitzte Bleistifte gemeint. Der kräftige Läufer der Radiergummiform wird übrigens von Laien stets unterschätzt. Er vermag es oft mühelos, zerbräunte Abercrombie-&-Fitch- Körper mit wehendem Speck unter den Tisch zu laufen.

Autor: Heidi Schmitt

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