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Fit für den Marathon
Langer Lauf in der Marathonvorbereitung iStockphoto

Marathontraining: Häufige Fehler vermeiden

Noch drei Wochen bis zum Marathon Häufige Fehler und Tipps zur Vermeidung

Diese typischen Fehler in den letzten drei Wochen vor dem Marathon sollten Sie unbedingt vermeiden.

Es geht in die letzten drei Wochen vor Ihrem Marathonrennen – die heiße Phase. Nun sollten Sie nichts verkehrt machen. Mit den folgenden Hinweisen packen Sie die letzten Wochen und laufen einen guten Marathon.

Fehler Nr. 1: Der Drang, weiter Kilometer zu „fressen“

Der plötzliche, unvernünftige Drang, zusätzliche Kilometer, noch mehr lange Läufe, Tempotraining und ähnlich intensive Trainingseinheiten in die letzte Phase des Marathontrainings zu packen. Sie haben das Gefühl, Sie müssten Training nach bzw. aufholen. Die Ursache: Marathonläuferinnen und Läufer sind häufig sehr fixiert und zielstrebig. Wenn sie eine Stress-Situation wie zum Beispiel einem anstehenden Marathon ausgesetzt sind, greifen sie auf Handlungsweisen zurück, die sich in der Vergangenheit als erfolgversprechend erwiesen haben. In der Schulzeit war das das geballte Lernen vor einer Klassenarbeit. Doch während die ganze zusätzliche Lernerei kurz vor der Prüfung damals zu einem guten Klausurergebnis geführt haben mag, bewirkt zusätzliches Training in der Tapering-Phase nur Ermüdungserscheinungen, wenn es Zeit für den Wettkampf ist.

Die Lösung des Problems

Hier ist Vernunft gefragt: Halten Sie sich vor Augen, dass zusätzliche Kilometer und härteres Training zu diesem Zeitpunkt nur Schaden für den Marathon anrichten, statt ihm zu nutzen. Forschungen haben ergeben, dass diejenigen, die das Tapering vor dem Marathon richtig durchführen, bessere Ergebnisse erzielen als diejenigen, die bis zum Wettkampftag durchtrainieren. Um sich selbst davon zu überzeugen, dass Sie soviel getan haben, wie nötig war, nehmen Sie sich Ihr Trainingstagebuch vor und gehen Sie all die Wochen mit hohen Kilometerumfängen, langen Läufen und intensiven Trainingseinheiten noch mal durch.

Fehler Nr. 2: Leistungsdruck

Bei Ihnen kommt jetzt Angst auf, dass das vorgenommene Zeitziel, auf welches Sie fleißig hintrainiert haben, nun doch viel zu ehrgeizig gesteckt ist: „Was habe ich mir bloß dabei gedacht?“. Was ist die Ursache dafür? Sobald Ihre Hauptvorbereitungsphase vorüber ist, trauen Sie sich allmählich immer weniger zu, Ihr Renntempo aufrecht erhalten zu können. Manche Marathonläuferinnen und -läufer sind völlig besessen von den fünf oder zehn Minuten, die sie möglicherweise von ihrem eigentlichen Zeitziel abweichen könnten. So kommt zum Beispiel eine erreichte Zeit von 4:09 Stunden statt der geplanten 3:59 Stunden für manche dem Versagen gleich.

Die Lösung des Problems

Bauen Sie einfach ein paar Kilometer im Renntempo in Ihre Trainingsläufe während der Tapering-Phase ein (z. B. 4 bis 5 Kilometer in der Mitte eines 12-Kilometer-Laufes), um sich zu vergewissern, dass Sie diese Geschwindigkeit noch drauf haben. Außerdem sollten Sie sich nicht nur auf das eine Zeitziel fokussieren, sondern sich auch eine zweite, akzeptable Zielzeit ausdenken, die etwas über Ihrem eigentlich angestrebten Idealziel liegt. Schließlich kann es am Wettkampftag passieren, dass das Wetter oder Ihr Körper nicht so mitspielen, wie Sie sich das vorgestellt hatten.

Fehler Nr. 3: Der Körper ist so gut erholt, dass Sie glühen

Gut eine Woche vor dem Marathon, also zur Hälfte der Tapering-Phase fühlen Sie sich kraftvoll und fit. Ihr Körper kribbelt vor Wettkampflust und Sie würden gerne täglich eine Bestzeit aufstellen. Daran liegt’s: Wenn Sie nach der letzten harten Trainingswoche den Kilometerumfang allmählich zurückschrauben, fängt der Körper an, sich zu erholen. Die intensiven Trainingsmonaten haben sowohl Ihren Körper, als auch Ihr Selbstvertrauen gestählt, und in der jetzigen Ruhephase strotzen Sie nur so vor Energie.

Die Lösung des Problems

Egal, wie gut Sie sich fühlen: Setzen Sie nicht Ihre monatelange Marathonvorbereitung aufs Spiel, nur um im Training Geschwindigkeitsrekorde aufzustellen oder gar bei einem 10-Kilometer-Volkslauf eine neue Bestzeit zu erlangen. Zu groß ist die Gefahr, dass Sie sich als unerwünschten Nebeneffekt etwa die Muskulatur verspannen, worunter Sie dann womöglich während des gesamten Marathonlaufes zu leiden haben. Falls Sie unbedingt unter Läufern sein müssen, melden Sie sich bei einem Volkslauf in Ihrer Umgebung als Streckenposten oder Helferin am Verpflegungsstand. Die Geschäftigkeit dort gibt Ihnen Antrieb, ohne jedoch Ihre Chancen auf einen guten Marathonlauf zu ruinieren.

Fehler Nr. 4: Sie nehmen Phantomschmerzen zu ernst

Ein völlig neuer Schmerz befällt plötzlich Ihren Fuß, Ihr Knie, Ihren Rücken – oder fügen Sie ein beliebiges Körperteil ein, das wie aus heiterem Himmel getroffen wird. Die Ursache: Stiche und vorübergehende Schmerzen gehören allesamt zum Regenerationsprozess des Körpers. Während der Umgewöhnungsphase beim Tapering kommt es durch mikroskopisch kleine Heilungen des Gewebes zu Stichen und manchmal sogar zu Krämpfen in der Muskulatur. Je weniger wir laufen und je mehr wir uns über den anstehenden Marathon Gedanken machen, desto schneller werden außerdem alltägliche Wehwehchen, die wir normalerweise ignorieren würden, bis an den Rand des Wahnsinns überinterpretiert.

Die Lösung des Problems

Verstehen Sie alle Phantomschmerzen als Zeichen des Körpers, der Ihnen sagt, dass er sich gerade im Heilungsprozess befindet und Sie für den Marathon bereit macht. Da Ihre Laufeinheiten nun weniger Zeit in Anspruch nehmen, haben Sie mehr Zeit für die Körperpflege: Sind Sie ein Fan von Whirlpools, langen Wannenbädern oder Massagen? Die dürfen Sie nun genießen. Ist der Schmerz jedoch zu groß und hält mehrere Tage an, könnte er genauso gut von einer Überlastung herrühren. Die Regel: Hält ein Schmerz mehrere Tage an, müssen Sie ihn ärztlich abklären lassen!

Fehler Nr. 5: Panikattacken

Jedes Mal, wenn Sie Schmerzen verspüren oder in irgendeiner Weise über den anstehenden Marathon nachdenken, malen Sie sich eine Katastrophe aus („Den Berg bei Kilometer 19 überlebe ich nicht!“). Die meisten Panikattacken zeugen von fehlendem Selbstvertrauen und von der Angst vor dem Unbekannten. Dieses Problem haben besonders Marathon-Neulinge. Wenn Sie noch nie einen Marathon gelaufen sind oder eine bestimmte Strecke neu für Sie ist, können Sie auch auf keinerlei Erfahrung zurückgreifen, die Ihr Selbstvertrauen stärkt.

Die Lösung des Problems

Informieren Sie sich ausführlich anhand von Ausschreibungen, Websites sowie persönlichen Eindrücken anderer Läuferinnen und Läufer, die dort bereits in früheren Jahren gelaufen sind, über die Strecke. Wenn Sie die Gelegenheit haben, laufen oder fahren Sie Teilstücke bzw. die komplette Strecke vorher ab. Bei einigen Marathonläufen werden ein oder zwei Tage vor dem Rennen sogar geführte Bustouren über die gesamte Strecke angeboten. Machen Sie sich im Vorfeld schon mal Gedanken über mögliche Problemsituationen, die während des Marathons auftreten könnten: Was tue ich, wenn ich eine Blase oder Seitenstechen bekomme? Sie haben dann die Gewissheit, dass Sie für jede Herausforderung gewappnet sind.

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