Fehler beim Long Run: Die häufigsten Patzer – und wie du sie vermeidest

Die häufigsten Patzer
10 Fehler beim Long Run – und wie du sie vermeidest

ArtikeldatumVeröffentlicht am 08.08.2026
Als Favorit speichern
Läuferin beim Long Run
Foto: Getty Images

An einem langen Lauf kommt fast kein Läufer vorbei. In der Vorbereitung für Halbmarathon und Co. hilft dir der Long Run, dich auf die bevorstehenden Distanzen vorzubereiten. Aber ganz so einfach wie „einfach lange laufen“ ist es nicht. Lange Läufe falsch anzugehen, kann schnell zu Erschöpfung, Übertraining und Verletzungen führen. Damit du den Long Run so effektiv wie möglich gestalten kannst, verraten wir in diesem Artikel die häufigsten Patzer. Wenn du sie vermeidest, läuft’s bei dir!

Das Wichtigste zuerst: Long Run richtig – in 7 Regeln

1

Planung

2

Pace

3

1x pro Woche

4

Ernährung

5

Regeneration

6

Geduld

7

Reflektion

Fehler #1: Den Long Run zu schnell laufen

Lange Läufe läufst du deutlich langsamer als dein normales Tempo. Denn hier geht es darum, die Ausdauer zu verbessern, den Bewegungsapparat zu stärken und die Fettverbrennung zu optimieren. Der Körper soll sich an längere Distanzen gewöhnen. Wenn du eine zu schnelle Pace läufst, besteht die Gefahr, dich zu überlasten. Wir empfehlen gerade beim Long Jog die Belastungssteuerung nach Puls. Wenn du unter 75 Prozent deiner HFmax bleibst, stimmt das Tempo. Wer ohne Pulsmessung läuft oder seinen Maximalpuls nicht kennt, wählt das Quasseltempo: Du solltest dich noch in ganzen Sätzen unterhalten können.

Fehler #2: „Je länger, desto besser“ – falsche Länge & falsche Progression

Auch wenn es sich gut anfühlt, nach einem langen Lauf die Kilometerzahl auf der Uhr zu sehen, solltest du die Distanz auf keinen Fall zu schnell steigern. Dein erster Long Run sollte nur ungefähr 5 Minuten länger sein als der längste Lauf der letzten drei Monate. Danach kannst du die Distanz erhöhen – aber niemals um mehr als 10 Prozent. War dein längster Lauf bislang 10 Kilometer, steigerst du auf 11. Kannst du schon 20 laufen, darfst du 2 Kilometer drauflegen. Alle drei bis vier Wochen solltest du die Strecke wieder etwas reduzieren, um ein Übertraining zu vermeiden.

Fehler #3: Immer gleiche Strecke, immer gleiches Terrain

Es ist einfach, stets dieselbe Strecke zu laufen. Das solltest du aber aus mehreren Gründen vermeiden.

  • Abwechslung: Veränderung in der Strecke ist besonders bei langen Läufen über mehrere Stunden sinnvoll, um Abwechslung zu schaffen und die mentale Belastung zu reduzieren.
  • Technik: Läufst du auf unterschiedlichen Untergründen und auch mal leicht profiliiert, kannst du deine Lauftechnik verbessern und reduzierst nebenbei das Risiko für Überlastungsprobleme.
  • Trainingseffekt: Mit mehr Abwechslung in der Route kannst du dich auf verschiedene Rennbedingungen vorbereiten. Schließlich ist nicht jede Rennstrecke gleich.

Außerdem: Plane deine Strecke im Voraus! Laufe nicht einfach drauflos, sondern überlege dir genau, wie dein Training aussehen soll. Passe die Strecke also an deine Trainingsziele an. Das heißt: Wenn der kommende Lauf ein besonders starkes Höhenprofil hat, solltest du dich mit deinem Long Run darauf vorbereiten. Zudem solltest du die Gegebenheiten der Strecke kennen, nicht dass du für die gesamte Einheit in der prallen Sonne oder mit Gegenwind laufen musst.

Fehler #4: Falsche Kleidung

Auch über deine Kleidung und Ausrüstung solltest du dir Gedanken machen, bevor du losläufst. Schließlich ist nichts unangenehmer, als nach einem Viertel der Strecke festzustellen, dass der Schuh drückt oder es viel wärmer ist, als du dachtest. Es gibt drei Aspekte, auf die du achten solltest:

  • Temperaturen: Ziehe dich nicht zu warm oder zu kalt an. Die Faustregel lautet hier: Reale Temperatur + 10 Grad = Temperatur, für die du dich beim Joggen kleiden solltest. Bedenke dazu auch, dass sich die Temperatur über die Länge deines Laufs verändert. Wenn du beispielsweise morgens startest, steigt die Temperatur im Laufe der Zeit an.
  • Wetterumschwung: Vergewissere dich, wie das Wetter werden soll, und passe deinen Lauf daran an. Wenn es regnen soll, nimm eine Regenjacke mit. Wenn die Sonne scheinen soll, creme dich ein.
  • Flasche Ausrüstung: Deine Laufschuhe sollten weder zu alt noch nagelneu sein. Beides kann zu Reibung oder Fehlbelastung führen. Dasselbe gilt auch für den Rest der Ausrüstung: Neue Socken oder Sport-BHs können schnell reiben oder drücken. Nutze am besten Ausrüstung, mit der du bereits ohne Beschwerden laufen warst, um unangenehme Überraschungen zu vermeiden.

Fehler #5: Ungeschützt vor Blasen und Scheuerstellen

Eine häufige Ursache für Schmerz während langer Läufe ist das Wundscheuern. Oft wird das von falscher Kleidung verursacht. Zu enge Sport-BHs, Socken, die Falten werfen, oder reibende Laufwesten. Achte deshalb im Training darauf, wie sich deine Kleidung am Körper anfühlt. So kannst du herausfinden, welcher Schnitt, welcher Stoff und welche Naht für dich am besten ist. Für deinen Long Run solltest du auf reibende Kleidungsstücke verzichten. Und auch bei deinen Schuhen solltest du vorsichtig sein. Je nach Passform, Material und der Schweißmenge am Fuß kann es zu Reibung und Blasenbildung kommen. Nutze also keine brandneuen Schuhe für deinen Long Run und klebe besonders empfindliche Stellen ab. Wichtig sind auch spezielle und sehr gut sitzende Laufsocken.

Scheuerwunden können auch durch den Kontakt von Haut auf Haut entstehen. Diese Körperstellen kannst du vor deinem Lauf mit speziellen Cremes, Vaseline oder Öl einreiben oder mit einem Pflaster schützen.

Fehler #6: Zu spät oder zu wenig essen

Das richtige Fueling ist beim langen Lauf entscheidend! Zwei bis drei Stunden, bevor du dich auf den Weg machst, solltest du eine kohlenhydratreiche Mahlzeit essen, um deine Glykogenspeicher zu füllen. Genauso wichtig ist es aber, deinem Körper auch während der Einheit genug Energie zur Verfügung zu stellen. Während des Laufs solltest du etwa alle 30 bis 40 Minuten eine Kleinigkeit zu dir nehmen – häufigere, kleinere Snacks sind auch okay. Leichtverdauliche Kohlenhydrate eignen sich dafür besonders, weil sie sehr schnell Energie liefern. Ob du Gels, Riegel, Sportgetränke oder Bananen nutzt, ist dir überlassen. Probiere am besten verschiedene Möglichkeiten aus, um am Renntag eine sichere Fueling-Strategie zu haben und Magenprobleme zu vermeiden.

Fehler #7: Zu wenig trinken/zu wenig Salz – oder blind nach Schema

Neben Essen darf auch Trinken nicht zu kurz kommen. Durch das Laufen schwitzt der Körper viel. Fülle deine Flüssigkeitsspeicher bis etwa eine Stunde vor dem Lauf auf, aber übertreibe es nicht. Heller Urin ist ein gutes Zeichen. Das beim Training verlorene Wasser und die Elektrolyte musst du durch gezielte Flüssigkeitsaufnahme ersetzen. Auch hier gibt es eine Faustregel: Etwa alle 15 bis 20 Minuten 100 bis 200 Milliliter aufnehmen. Wie viel Wasser du tatsächlich verlierst, hängt aber von der Temperatur, der Luftfeuchtigkeit und deiner individuellen Schweißrate ab. Höre also auch auf dein Bauchgefühl.

Fehler #8: Kein Cool-down – und schwere Beine am nächsten Tag

Ein Long Run ist ein langer, langsamer Dauerlauf mit dem Ziel, die aerobe Leistung zu verbessern. Wenn du ihn aber falsch angehst und beendest, kann es schnell unangenehm werden. Darum gibt es rund um den Long Run einiges zu beachten.

Dass man sich vor dem Laufen aufwärmen sollte, um Verletzungen zu vermeiden, ist den meisten bekannt. Das Pendant zum Warm-up, das Cool-down, wird jedoch oft vergessen – obwohl es dich bei der Regeneration unterstützt.

Wenn du deinen Long Run also erfolgreich absolviert hast, solltest du dich nicht sofort auf die Couch legen. Beende deinen Lauf stattdessen, indem du dich langsam ausgehst und dehnst. Denn das senkt die Herzfrequenz langsam, reduziert Schwellungen, beruhigt das Nervensystem und fördert den Blutfluss, um Nährstoffe zu Muskeln und Gelenken zu bringen und Giftstoffe von diesen abzutransportieren.

So vermeidest du die schweren Beine am nächsten Tag. Dennoch solltest du die nächsten 24 Stunden auf intensives Training verzichten. Beende deinen Long Run außerdem mit Flüssigkeit und einer ausgewogenen Mahlzeit – am besten innerhalb der ersten Stunde nach deinem Lauf.

Fehler #9: Das Drumherum zerstört den Effekt (Tag davor & danach)

Bevor du einen Long Run antrittst, musst du sicherstellen, dass er in deinen Trainingsplan passt. Besonders wichtig ist, dass du in der Zeit vor und nach dem Lauf keine intensiven Trainingseinheiten absolvierst. So bist du für den Lauf fit und dein Körper kann sich ausreichend erholen. Genug Ruhe ist wichtig, damit die Muskeln eventuelle Mikrorisse, die durch die Belastung entstanden sind, reparieren können. Setze deshalb auf leichte, erholsame Aktivitäten, wie Spazieren, lockeres Joggen, Schwimmen oder Radfahren. Absolvierst du deinen Long Run zwischen mehreren langen oder harten Trainingseinheiten, riskierst du, deinen Körper zu überlasten.

Fehler #10: Warnsignale ignorieren (Schmerz ist nicht normal!)

Schmerzen solltest du auf keinen Fall ignorieren. Denn mit ihnen zeigt dir dein Körper, dass du es übertrieben hast und dein Training reduzieren solltest. Sie können ein Zeichen dafür sein, dass du die Intensität deines Trainings zu schnell gesteigert oder zu einseitig trainiert hast. Das belastet deine Muskeln, Sehnen und Bänder und kann sogar dazu führen, dass Zellen und Bindegewebe geschädigt werden. Um das zu vermeiden, ist dann eine Trainingspause ratsam.

Verspürst du nur leichte Schmerzen, die mit dem Laufen verschwinden, ist das meist die Nachwirkung eines vorherigen intensiven Trainings. Eine leichte Belastung verbessert die Durchblutung und mindert so die Schmerzen. Ein Long Run ist aber trotz des langsamen Tempos keine leichte Belastung. Verschiebe ihn, bis du schmerzfrei und ausreichend erholt bist.

Reflektiere am besten bei jedem Lauf, wie sich dein Körper gefühlt hat. So kannst du frühe Warnzeichen erkennen und dein Trainingspensum reduzieren, bevor es zu starken Schmerzen oder sogar einer Verletzung kommt.

Long-Run-Blueprint: 3 Beispiel-Läufe

Den langen Lauf kannst du individuell an dein Trainingsziel anpassen. So kannst du dich am besten auf den bevorstehenden Lauf vorbereiten. Dabei wird zwischen der Lauferfahrung und dem jeweiligen Trainingsziel unterschieden.

Long Jogs, um fit zu werden/bleiben

Du willst Long Runs nutzen, um deine Ausdauer beizubehalten, oder willst dich verbessern, ohne ein konkretes Ziel im Blick? Auch hier können lange Läufe sinnvoll sein. Dabei kommt es aber auf die Lauferfahrung an.

  • Einsteiger: Long-Run-Neulinge sollten sich eher an der Laufzeit als an einer konkreten Distanz orientieren. Besonders als Anfänger sollten Zahlen nicht die Leistung bestimmen. Versuche also erst einmal, 5 Minuten länger als der längste Lauf der letzten drei Monate durchzuhalten. Auf dieser Basis kannst du dich dann steigern.
  • Fortgeschrittene: Die Trainingserfahrung ermöglicht es, die Long Runs strukturierter und umfangreicher zu gestalten. So werden auch die Distanzen immer länger. Typisch ist eine Streckenlänge von 18 bis 28 Kilometern. Wichtig ist aber, die Entfernung nicht zu schnell zu steigern, sonst wächst das Risiko für Verletzungen.

Lange Läufe in der Halbmarathonvorbereitung

In der Vorbereitung für den Halbmarathon geht es darum, sich an die finale Renndistanz zu gewöhnen. Anders als bei der Marathonvorbereitung ist es hier möglich, die volle Streckenlänge und sogar darüber hinaus zu trainieren.

Distanz des längsten Trainingslaufs:

  • mindestens 21 km
  • maximal 28 km
  • Neulinge, die das Schaffen der Distanz als Ziel haben, brauchen vorher nur 2:00 Stunden als längsten Lauf absolvieren

Long Runs für den Marathon

Besonders an einer Marathonvorbereitung – anders als bei kürzeren Rennen – ist, dass du die finale Distanz bis zum Start noch nicht voll trainierst. Mit den langen Läufen in den Wochen davor tastest du dich lediglich an die 42 Kilometer heran.

Distanz des längsten Trainingslaufs

  • mindestens 30 km
  • maximal 38 km

FAQ: Haufige Fragen zum Long Run

Fazit