Lieber Lukas, viele junge Sportler träumen davon, später einmal mit der Weltspitze mithalten zu können. Es gehört allerdings neben Talent so viel mehr dazu, dies auch tatsächlich zu schaffen. Ich habe eine Studie gefunden, bei der man untersucht hat, wie die Übergangsrate von jungen Sportlern der U18 in den Bereich der Erwachsenen aussieht. Sie zeigt, dass nur etwa 20 Prozent der Jugendlichen überhaupt noch im Seniorenbereich aktiv sind. Das liegt an zahlreichen Faktoren, die individuell stark variieren. Dazu gehören eine frühzeitige Spezialisierung, Verletzungen, Kosten-/Nutzen-Aufwand, weniger Freizeit für sportliche Betätigung infolge von Lebensveränderungen oder die Entwicklung ganz anderer Interessen.
Gehört man in der U18 jedoch zu den Top 50 der Welt, so ist laut der Studie statistisch gesehen die Wahrscheinlichkeit, auch im Erwachsenenalter unter diese Kategorie zu fallen, rund siebenmal höher, als wenn man einst nicht zu den Top-U18-Athleten gezählt hat. Erfolgreiche Jugendliche scheinen also den kleinen Vorteil zu haben, auch im späteren Leben gute Resultate zu erzielen. Die schnellsten Zeiten über die Mittelstrecken läuft man in der Regel allerdings zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr. Wer mit 16 Jahren schon sehr schnelle Zeiten rennt, hat also womöglich bereits früh angefangen, hart und spezifisch zu trainieren, und kann schon jetzt viel von seinem Potenzial abrufen. Eine frühe Entwicklung und anschließende Stagnation der Leistung ist aber aus gutem Grund einer der genannten Faktoren, warum junge Sportler ihre Karriere beenden. Wer über die Jahre immer ein bisschen besser wird, dem fällt es sicherlich leichter, motiviert zu bleiben. Außerdem wird derjenige wahrscheinlich auch weniger anfällig für Verletzungen oder Übertraining sein und kann somit konstanter trainieren. Wer als Jugendlicher weniger spezifisch trainiert, also auch andere Sportarten betreibt, und die Umfänge sowie Intensitäten vorsichtig steigert, mag zunächst vielleicht weniger schnelle Zeiten schaffen, hat aber noch viel Entwicklungspotenzial.
Ich habe einen erfahrenen Nachwuchstrainer in Berlin gefragt, was er auf deine Frage antworten würde, und auch er meinte, dass es sehr darauf ankommt, mit welcher Vorbereitung du diese Zeit gelaufen bist. Trainierst du hin und wieder mal ein bisschen Fußball, mal ein bisschen Laufen, dann ist das eine sehr gute Leistung. Solltest du aber schon seit Jahren täglich für diese spezifische Distanz trainieren, könnte es schwer werden, noch so viel aus deinem Körper herauszuholen, dass es einmal zur Weltspitze reicht.
Übrigens: Ich selbst hätte, bis ich etwa 25 Jahre alt war, nie gedacht, dass ich einmal an der Startlinie eines olympischen Marathons stehe. Damals hatte ich gerade angefangen, vom Modernen Fünfkampf zur Leichtathletik zu wechseln, und habe das Laufen geliebt und mich stetig verbessert. Ich habe hart, vor allem konsequent gearbeitet und mir immer wieder neue kleine Ziele gesetzt, die mich angetrieben, aber nicht überfordert haben. Ich bin mir sicher: Wenn du deine Entscheidung sorgfältig abwägst, wirst du dich für den richtigen Sport entscheiden!

Deborah „Debbie“ Schöneborn ist eine der schnellsten deutschen Marathonläuferinnen (Bestzeit: 2:24:54 Stunden) und hat an der Berliner Charité Medizin studiert. In unserer Kolumne beantwortet sie eure Fragen zu Gesundheit, Training und Ernährung.
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