Wie eine Smartwatch mein Bewegungsleben verändert hat

Vom Couchpotato zur Sportlerin
Wie eine Smartwatch mein Bewegungsleben verändert hat

ArtikeldatumVeröffentlicht am 03.07.2026
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Erfahrungsbericht Britta Badura: Wie eine Smartwatch mein Bewegungsleben verändert hat
Foto: privat

Vor dem Sommer 2025 las ich, dass Rosie Huntington-Whiteley drei Personaltrainer habe. Am Abend lag ich mit meinem Mann auf der Couch und meinte, wenn ich drei Personaltrainer hätte, würde ich auch anders aussehen. Knapp danach schenkte er mir eine Garmin Lily2active (ich nenne sie Lily too active) – und plötzlich trug ich meine eigene Personaltrainerin am Handgelenk! Diese Smartwatch trackt nun seit einem Jahr meine Vitalfunktionen und speichert sportliche Aktivitäten.

Ich liebe Challenges

Ich habe einige Wochen gebraucht, um die verschiedenen Challenges in der Garmin-App zu entdecken, doch seitdem trage ich mich zu allen möglichen machbaren sowie auch etwas engagierteren Challenges ein. Das geht von vier Stunden Krafttraining im Monat bis zum virtuellen Jakobsweg (ein bisschen mehr als eine Million Schritte). Da kann man nämlich Punkte sammeln und auf höhere Levels einsteigen, was mein Spielerherz liebt! (Möglicherweise ist es vorgekommen, dass ich nur deshalb manchmal 10 Kilometer laufe, weil es eine zeitlich begrenzte Challenge ist …)

Erfahrungsbericht Britta Badura: Wie eine Smartwatch mein Bewegungsleben verändert hat
privat

Ich nutze die vielfältigen Challenges, um Punkte zu sammeln – im nicht ernst gemeinten Wettstreit mit meinem Mann, der manchmal spontan einfach so einen Marathon läuft (ungelogen!). Und dann wieder gigantische 20 Punkte vor mir ist, weil er 8 Punkte für den Lauf der Monsterdisziplin sowie 8 Punkte für 60.000 Schritte an einem Tag und 4 Punkte für was weiß ich erhalten hat. Ich ziehe ihn dann als Streber oder Spielverderber auf, doch im Grunde meines Herzens muss ich zugeben, dass mich das enorm motiviert und anstachelt, es ihm gleichzutun. Naja, ein Marathon wird’s vermutlich trotzdem nie werden, doch never say never

Jeden Tag 30 Minuten Bewegung und 10.000 Schritte

Seit über 120 Tagen schaffe ich es, jeden Tag eine Bewegungseinheit von mindestens 30 Minuten einzubauen, was für mich der größte Erfolg überhaupt ist. Ich habe in meinem Leben immer wieder ein bisschen Sport gemacht, doch nie regelmäßig. Im Bestreben, den Streak zu halten, gibt es in meinem Fall diese Bewegungsmöglichkeiten: Ich gehe zwei- bis dreimal die Woche laufen, am Dienstagabend habe ich ein Piloxing-Workout und gleich im Anschluss eine Stunde Pilates, am Freitagmorgen gehe ich zu BodyArt und manchmal praktiziere ich Yoga zur Entspannung und zur Dehnung der Beinmuskeln auf der Matte daheim. Ebenfalls über vier Monate lang halte ich mein Tagesziel von 10.000 Schritten und gehe generell viel mehr zu Fuß, warte auf keine Straßenbahn mehr und nehme keinen Lift.

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Neue Rituale

Wenn wir am Morgen eine Laufrunde drehen (meistens getrennt, da mein Mann viel schneller läuft als ich), haben wir sowohl unser 30-Minuten-Ziel als auch die Schritte erreicht. An Nicht-Lauftagen machen wir meistens am Morgen aus, wann wir abends gemeinsam spazieren gehen, um die 10.000 Schritte zu schaffen. Hier versuchen wir bewusst, Gespräche über rein Organisatorisches zu vermeiden, sondern über Träume, Wünsche und Möglichkeiten zu reden. Manchmal kombinieren wir diese Abendspaziergänge mit einem kleinen Einkauf für die hungrige Brut daheim oder trinken noch ein Soda Zitron (ein in Österreich übliches Erfrischungsgetränk, das nur aus Sprudelwasser und Zitronensaft besteht). Früher hätten wir stattdessen ein Glas (manchmal zwei Flaschen) Wein auf der Terrasse getrunken …

Virtuelle Trails vom Rheinsteig bis zum Grand Canyon

Meine Beine haben letztes Jahr fast 4000 Kilometer gemacht, davon bin ich über 700 Kilometer gelaufen. Virtuell bin ich unter anderem den Rheinsteig, den Milford Track, den West Higland Way oder den Rim Train am Grand Canyon marschiert (zügigst natürlich!). Auch den gesamten Jakobsweg habe ich schon hinter mir – allerdings ohne spirituelle Erleuchtung und nasse Nächte im Zelt.

Durch die Uhr habe ich auch ein Archiv über alle meine sportlichen Aktivitäten (und somit Erinnerung an Erlebnisse) sowie einen Überblick über meine persönliche Entwicklung: Im Juni 2025 habe ich mit dem Laufen bei Null begonnen und lief am 26. Juli 2025 meine ersten 10 Kilometer am Stück. Meine 15-km-Laufpremiere schaffte ich in einem Urlaub in Spanien entlang der Atlantikküste bei Barreiros am 23. Oktober. Und in der App habe ich auch notiert, dass wir in Porto abends 5 Kilometer nach einem portugiesischen Hotdog und zwei Bier gelaufen sind – nicht unbedingt empfehlenswert ;-)

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Fails

Ich habe trotz mehr Sport nicht abgenommen. Denn einerseits esse ich zu gerne mit meinen Teenagern, die Unmengen in sich hineinschlingen können. Und andererseits weiß ich, dass Kalorienzufuhr für meinen Körper besser ist als Crashdiäten. Gerade zu Beginn der Wechseljahre können zu viel Sport und zu wenig Essen Stressreaktionen hervorrufen, sodass das mit der Bikinifigur fix nichts wird. Ich kann auch noch immer nicht die zehn Liegestützen und den einen Klimmzug, den sich die Teenager wünschen, um mich endlich ernst zu nehmen – was hauptsächlich daran liegt, dass ich nicht dafür trainiere (dafür kann ich wirklich lang in verschiedenen Varianten von Planks verharren).

Ich nehme Regeneration endlich ernst

Mein Arzt des Vertrauens sagt zwar immer, Smartwatches seien für Menschen, die sich selbst nicht spüren, doch ich persönlich habe dadurch mehr über meine persönlichen Stressfaktoren und mein Schlaf- und Ruhebedürfnis gelernt. Durch die Smartwatch weiß ich inzwischen, was mich wirklich stresst und in welchen Momenten ich mich erhole – das nutze ich vermehrt. Ich sehe in der App, wann sich meine Bodybattery auflädt (Lesen auf der Couch) und wann sie sich entleert (Videokonferenzen). Sie zeigt mir deutlich, dass zu spätes Essen meinem Schlaf nicht zuträglich ist und dass eine Piloxingeinheit am Abend für meinen Körper ebenso anstrengend ist wie ein 8k-Lauf am Morgen. Die Smartwatch erlaubt mir, die über Generationen in Mütter eingepflanzten Glaubenssätze zur Seite zu schieben, und die eigene Regeneration als wichtiger zu betrachten als die eintrudelnden E-Mails, das Hungerbedürfnis der Teenager sowie den nie enden wollenden Wäscheberg.

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Benefits auch im Leben abseits des Sports

Auch abseits vom Sportverhalten bewegte sich einiges: Als ich sah, wie konsequent ich einen Trainingsplan einhalten kann, gab mir das genügend Selbstvertrauen, dass ich mein in der Schublade schlummerndes Manuskript an einen Verlag schickte – dieses Buch erschien tatsächlich im April 2026! Generell haben sich mein Selbstbewusstsein, meine Körperkraft, meine Stressresistenz und mein Schlaf durch mehr Sport signifikant verbessert.

Wichtigste Challenge: My best Future Self

Jahrelang habe ich mir eingeredet, dass ich nicht sportlich bin. Und wenn ich schon Sport mache, soll niemand die Anstrengung bemerken. Ich saß dem Glaubenssatz auf, dass es mühelos aussehen müsse und kein Schweiß rinnen dürfe.

Heute rede ich mir gottseidank nicht mehr ein, dass ich unsportlich bin – ich habe Sport als das erkannt und angenommen, was er ist: mein Ticket in eine fitte Zukunft, mein Verbündeter beim Gesund- und Starksein, mein verlässlicher Freund zum Stressabbau, ein Entfaltungs- und Experimentierraum für meinen Körper, der noch unbedingt Tango tanzen lernen will.

Jetzt gibt es kein „Ich warte auf den perfekten Moment für Sport“ mehr – sondern: „Ah, mir fehlen noch 30 Minuten Aktivität – was geht sich da gut aus?“ Wenn ich zu wenig Energie für einen Lauf oder keinen Sportkurs habe, schiebe ich halt mal die langweiligen Physiotherapie-Übungen für den unteren Rücken auf der Matte im Wohnzimmer ein. Mein zukünftiges Ich wird mir das hoffentlich danken!

Deshalb liebe ich meine Smartwatch, die oft Anreiz ist, ein bisschen mehr zu machen, als dem inneren Schweinehund lieb ist – und weil ich meinen Mann frotzeln kann, wenn er an einem Tag weniger Schritte als ich geschafft hat.

Meine 7 Tipps für mehr Sport und Bewegung

1

Such dir einen Trainingsbuddy

2

Sei offen für gänzlich neue Sportarten

3

Leg deine Sportsachen schon am Vorabend bereit

4

Mach Termine mit dir selbst

5

Lass das Auto stehen

6

Geh nicht immer den bequemsten Weg

7

Hab Spaß

Über die Autorin

Britta Badura (geb. 1980) lebt, liebt und läuft in Graz. Sie leitet persönlichkeitsstärkende Schreibwerkstätten, begleitet Menschen durch Textprojekte und ist Patchworkmutter von fünf Kindern im Alter zwischen 15 und 19 Jahren. Sie staunt immer noch darüber, welch großen Teil Sport mittlerweile dank der Smartwatch in ihrem Leben einnimmt.

Britta Badura nach dem Ladies Run in Graz mit einer Freundin