Hier bestellen: Coros Pace 4 Pro
Im Rahmen des Ultra-Trail du Mont-Blanc in Chamonix gab es eine Einladung von Coros. Es sollte um eine neue Uhr gehen. Ich ging von einem Trailrunning-Modell aus – schließlich waren wir beim bedeutendsten Rennen der Trailszene. Dass dann die Coros Pace 4 Pro vorgestellt wurde, überraschte mich – auch weil es keine Pace Pro mit den Ziffern 3 oder 2 im Namen gibt. Das Vorgängermodell ist die Pace Pro, die es seit rund zwei Jahren gibt.
Dass die neue Pro nun den Zusatz 4 trägt, liegt daran, dass Coros eine Einheitlichkeit mit der kleineren, günstigeren Pace 4 herstellen wollte. Es gibt also eine normale und eine „Pro“-Variante. Ich konnte die neue Uhr bereits zwei Wochen vor der Veröffentlichung testen.
Wie unterscheiden sich die Coros Pace 4 und die Coros Pace 4 Pro?
Vergleicht man die Pace 4 mit der Pace 4 Pro, fallen drei Dinge sofort ins Auge: Die Pro ist größer, wirkt wertiger und leuchtet heller. Die Pro hat im Vergleich zur Nicht-Pro eine rund 50 Prozent größere Displayfläche, die sich aus deiner Displaydiagonale von 1,47 zu 1,20 Zoll ergibt. Mit 3500 Nits ist die Uhr zudem 133 Prozent heller. Ihre Lünette besteht nicht aus Kunststoff, sondern aus Titan. Dank 100 Prozent mehr Arbeitsspeicher laden auch die Offline-Karten noch schneller – nicht, dass die Pace 4 durch Langsamkeit auffiel. Mit 60 Stunden soll die Akkulaufzeit 50 Prozent länger sein. Der Preis ist mit 449 statt 269 Euro allerdings auch 66 Prozent höher.

Liegen die Coros Pace 4 und die Coros Pace 4 Pro direkt nebeneinander, fällt der Größenunterschied deutlich auf.
Abgesehen von den genannten Hardware-Unterschieden sind sich die beiden Modelle aber sehr ähnlich. Beide haben das intuitive Bedienkonzept mit einer drehbaren Krone, um durch Menüs zu scrollen, einem zweiten Knopf, um im Menü einen Schritt zurückzugehen oder eine Runde zu nehmen, und einem dritten Knopf, den Coros Action-Button nennt. Diesen dritten Knopf kann man mit diversen Befehlen belegen: Beim Navigieren kann man zwischen Navigationsansicht und den Datenblättern wechseln, eine Markierung des aktuellen Standortes setzen oder eine Runde nehmen. Das Touchdisplay ist vor allem beim Navigieren hilfreich, wenn man den Kartenausschnitt verschieben möchte.
Die Coros Pace 4 Pro ist eine Multisportuhr und unterstützt eine lange Liste an Sportarten. Im Vergleich zur Pace 4 sind nun auch Wildwasser, Speedsurfen, Windsurfen und Skitour dabei. Ich habe die Uhr zu 90 Prozent beim Laufen, aber auch auf dem Rad und beim Krafttraining verwendet. Die einzelnen Sportprofile können bequem in der Coros-App an die eigenen Bedürfnisse angepasst werden. Bis zu 11 Datenfelder können dabei je Seite frei ausgewählt werden – bei der Pace 4 sind es aufgrund des kleineren Displays 8 Felder. Speziell für die Pace 4 Pro hat Coros auch eine Aktivitätsseite mit 13 vordefinierten Feldern kreiert (siehe Foto), die mehr Informationen liefert, als ich mit einem Blick verarbeiten kann. Top: Hatte man bereits eine Coros-Uhr, können deren Einstellungen ganz einfach übernommen werden und man findet sich sofort zurecht.
Auch bei den grundlegenden Funktionen ist die große Pace der kleinen nicht wirklich voraus. Einzig der eingebaute Lautsprecher ermöglicht es, dass man mit der Uhr bei verbundenem Smartphone telefonieren kann und während Aktivitäten eingestellte Warnungen/Alarme abgespielt werden.
Im Grunde ist die Coros Pace 4 Pro nur eine größere Pace 4 mit schönerem Display und längerer Akkulaufzeit.
Wie lange hält der Akku?
Trotz des neuen superhellen AMOLED-Displays ist die Akkulaufzeit eine echte Stärke der Pace Pro 4. Im genauesten Aufzeichnungsmodus (alle fünf Satellitensysteme und Dualband) sollen 40 Stunden Aktivitätsaufzeichnung möglich sein. Wenn man den Dualband-Modus ausschaltet, sollen maximal 60 Stunden möglich sein.
Die im Test ermittelten Werte lassen darauf schließen, dass Coros hier keine falschen Versprechungen macht. Im genauesten Modus nahm die Akkuanzeige je Trainingsstunde um 2 bis 3 Prozentpunkte ab. Zwei Wochen tägliche Nutzung mit ein bis zwei Stunden Sport sind drin, bevor man die Uhr mit dem kleinen proprietären USB-C-Adapter aufladen muss.
Um das zu erreichen, schaltet sich das AMOLED-Display standardmäßig aus. Es wird aktiviert, sobald man einen Knopf drückt oder den Arm hebt – Letzteres funktioniert zuverlässig und schnell, sodass ich inzwischen auch bei Aktivitäten das Display nicht mehr dauerhaft aktiviert habe. Wer mag, kann auch den Always-on-Modus einschalten, bei dem das Display dauerhaft eingeschaltet bleibt und sich nur abdunkelt.
Wie gut sind die Tracking- und Coachingfunktionen?
Die Uhr und die Coros-App werten sämtliche aufgezeichneten Daten ausführlich aus – darunter Alltags- und Schlafdaten ebenso wie sportliche Aktivitäten. Die Schlafanalyse erfasste in meinem Test zuverlässig, wann ich schlafen ging und wann ich aufstand. Auch die Bewertung des Schlafs passte meist zu meinem subjektiven Körperempfinden. Außerdem erfasst die Uhr nachts die Herzfrequenz und die Herzfrequenzvariabilität (HRV). Diese Werte sollen Aufschluss darüber geben, wie belastet und erholt der Körper ist. Anders als Modelle von Garmin und Suunto bietet Coros morgens keine Übersicht, die die wichtigsten Körperdaten zusammenfasst und Ratschläge zum Training und zur Erholung für den anstehenden Tag liefert. Hier muss man sich in den Widgets selbstständig die relevanten Parameter anschauen. Ein echtes Coaching bietet die Coros Pace 4 Pro nicht, aber sie liefert alle Daten, um selbst zu entscheiden.
Die Bewertung der Belastungsintensität und des Trainingseffekts stimmte bei meinen Einheiten durchgehend mit meinem persönlichen Körpergefühl überein. In der Coros-App sind die verschiedenen Werte wie Trainingsbelastung, Trainingsbereiche, VO₂max und Wettkampfprognose übersichtlich aufbereitet und leicht verständlich. Bei längerer Nutzung lässt sich dadurch gut einschätzen, in welchen Bereichen man trainiert und ob sich die eigene Fitness wie gewünscht entwickelt.
Voraussetzung für verlässliche Ergebnisse sind möglichst viele und präzise Daten. Nur mit einer soliden Datengrundlage können die Algorithmen aussagekräftige Ergebnisse liefern. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Herzfrequenz. Wie gut der optische Herzfrequenzsensor der Coros Pace 4 in der Praxis arbeitet, zeigt der nächste Abschnitt.
Wie genau misst die Uhr?
Die Uhr stellt innerhalb weniger Sekunden eine Verbindung zu den Navigationssatelliten her. Längere Wartezeiten entfallen dadurch. Im präzisesten Aufzeichnungsmodus greift sie auf fünf Satellitensysteme (GPS, GLONASS, Galileo, Beidou und QZSS) zurück und nutzt zusätzlich den Dualband-Modus (Multiband). Während des Tests stellte ich weder Aussetzer noch auffällige Messfehler fest. Ein spezieller Trackmodus erlaubt das metergenaue Aufzeichnen der Distanz und des Tempos auch auf einer Laufbahn.

Ein spezielles Datenblatt liefert 13 Felder – individuell können die Sportprofile mit bis zu 11 Feldern angepasst werden.
Der optische Herzfrequenzsensor hinterließ, wie bereits bei der kleineren Pace 4, einen guten Eindruck. Im Alltag erfasste die Uhr meine Herzfrequenz zuverlässig. Auch beim Laufen lag die Uhr meist richtig; die Abweichung betrug im Vergleich zur Referenzuhr mit Pulsgurt meist weniger als fünf Schläge pro Minute. Zu diesem Ergebnis trägt vermutlich die gute Passform bei: Die Uhr liegt eng auf der Haut und bewegt sich nur wenig. Zudem wirken die Fliehkräfte bei einem so leichten und kompakten Modell weniger stark. Wenn du besonders genaue Herzfrequenzwerte benötigst, empfehle ich trotzdem einen Pulsgurt, denn Aussetzer sind bauartbedingt nicht auszuschließen.
Wie gut ist die Navigationsfunktion?
Die Navigation mit der Coros Pace 4 Pro funktioniert einwandfrei. Mit diesem Satz könnte ich es belassen, denn das Navigieren mit der Uhr ist vom Herunterladen des kostenlosen Offline-Kartenmaterials über das Erstellen/Synchronisieren einer Route bis zum Nachlaufen der Strecke ein intuitives Vergnügen.
Der benötigte Kartenausschnitt kann in der Coros-App ausgewählt und dank WLAN superschnell auf die Uhr heruntergeladen werden – bei mir waren die Kartenausschnitte für ganz Deutschland in 84 Sekunden auf der Uhr. In der App können auch direkt Routen erstellt werden. Wer Drittanbieter-Apps wie Komoot und Strava mit dem Coros-Account verknüpft, kann dort gespeicherte Routen und Segmente ebenfalls auf die Uhr laden.
Routen können vor dem Start einer Aktivität geladen und auch währenddessen gestartet oder beendet werden. Es können sogar neue Routen während einer aktiven Aufzeichnung mit der Uhr synchronisiert und gestartet werden. Das ist praktisch, falls sich während eines Laufs die eigenen Pläne ändern. Die Uhr zeigt den Verlauf auf der Karte an und informiert zusätzlich mit optischen und akustischen Abbiegehinweisen. Besonders positiv fällt auf, wie schnell und flüssig sich die Karte mittels der drehbaren Krone oder des Touchdisplays verschieben und vergrößern oder verkleinern lässt. In dieser Hinsicht bietet derzeit keine andere Uhr eine bessere Bedienung.
Ein aktives Routing, bei dem die Uhr selbstständig eine Strecke berechnet, wenn man von der geplanten Route abweicht oder ein Ziel eingibt, ist bei Coros bislang nicht verfügbar. Persönlich vermisse ich diese Funktion, wie sie einige Modelle von Garmin und Amazfit bieten, allerdings auch nicht.

An- und Abstiege entlang der Route erkennt Coros und gibt unter der Funktion „Hügelwarnung“ Details wie Höhenmeter, Steigung/Gefälle und Distanz des jeweiligen Abschnitts an.
Seit diesem Jahr bieten Coros-Modelle aber eine Funktion, die Garmin mit ClimbPro bereits seit Jahren anbietet: einen Berg-Modus. Wer eine Route nachläuft, sieht nicht nur ein Höhenprofil, sondern erhält kurz vor Anstiegen und Abstiegen eine sogenannte „Hügelwarnung“ und es öffnet sich eine spezielle Datenseite mit Informationen über Länge, Steigung und zu bewältigende Höhenmeter. So weiß man stets, wo man sich bei Up- und Downhills befindet und was einen noch erwartet – ideal, um die eigenen Kräfte besser einzuteilen. Ich habe diese Funktion beim Lavaredo Ultra Trail in diesem Jahr mit einer Coros Apex 4 selbst genutzt und empfand sie als enorm hilfreich. Wer mag, kann die Funktion aber auch ganz einfach ausschalten.
Welche Funktionen fehlen?
Die Coros Pace 4 Pro bietet alle Funktionen, die man braucht, wenn man diverse Sportarten aufzeichnen und auch den Alltag sowie den Schlaf tracken möchte. Sowohl bei den grundlegenden Funktionen als auch hinsichtlich Größe und Preis konkurriert die Coros Pace 4 Pro mit der Garmin Forerunner 570 und der Suunto Race 2.
Lifestyle-Funktionen wie etwa einen Kreditkartenersatz oder einen echten Musikplayer bietet die Coros Pace 4 Pro nicht. Zwar gibt es 32 Gigabyte Speicherplatz, der mit Musikdateien (und Offline-Kartenmaterial) befüllt werden können, aber die Einbindung von Musikdiensten wie Spotify oder Apple Music fehlt.
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