Hier bestellen: Polar Street X (249,90 Euro)
„Die Polar Street X ist die City-Sportuhr für alle, die in der Stadt leben, arbeiten und trainieren“ – so steht es auf der Website der finnischen Sportuhren-Pioniere. Was eine Uhr für Stadtmenschen von einer Uhr für die Landbevölkerung unterscheiden soll, ist mir zwar absolut nicht klar, aber in diesem Testbericht soll es nicht um Marketingaussagen gehen, sondern darum, was die Uhr kann – und was nicht. Darum habe ich die Uhr eine Woche lang ausgiebig getestet, um euch zu verraten, ob ihr 249,90 Euro für die Polar Street X ausgeben solltet oder nicht.
Starkes Design
Was mir gefällt, ist die Gestaltung des Gehäuses, das es in Schwarz, Weiß und Olivgrün gibt. Es erinnert an die G-Shock-Modelle, die in den 2000er-Jahren jeder haben wollte. Und genau wie jene Uhren-Klassiker – zumindest die meisten Modelle – besteht auch die Street X vollständig aus Kunststoff. Trotz der robusten Optik dürfte der ein oder andere Kratzer an der Lünette unvermeidbar sein, wobei die grundsätzliche Verarbeitungsqualität und auch der Druckpunkt der fünf Knöpfe gefällt.
Die Steuerung über fünf Tasten und das Touchdisplay orientiert sich am typischen Polar-Prinzip und funktioniert insgesamt sehr zuverlässig. Das System reagiert schnell auf Eingaben, egal, ob man die Knöpfe drückt oder das Display antippt. Einen Fehler, der sich sicherlich durch ein Firmware-Update beheben lässt, habe ich dann aber doch gefunden: Um eine Einheit zu beenden, muss man das „Beenden“ einige Sekunden lang mit der rechten mittleren Taste oder über das Display bestätigen. Doch immer, wenn ich auf das Display tippe, springt die Anzeige woanders hin. Aber weil Knöpfe generell besser sind, ist das nicht weiter schlimm.
Wie bei AMOLED-Sportuhren üblich, schaltet sich das Display, das übrigens 1,28 Zoll (3,25 Zentimeter) groß ist und mit 412 x 412 Pixeln auflöst, nach kurzer Zeit ab, um Strom zu sparen. Auch im Always-On-Modus wird es aus Effizienzgründen deutlich gedimmt. Hebt man den Arm, reagiert die Uhr entsprechend und aktiviert – je nach Einstellung – das zuvor ausgeschaltete oder abgedunkelte Display. Das funktioniert meist schnell und zuverlässig, aber gelegentlich bleibt die Anzeige dunkel, sodass man den Arm noch einmal anheben muss. Das passiert aber wirklich selten. Allerdings braucht das Display bei direkter Sonneneinstrahlung einen Moment, um so hell zu leuchten, dass es auch ablesbar ist.
Mit einem Durchmesser von 45 Millimetern und einer Dicke von 13,8 Millimetern ist die Polar Street X weder klein noch groß. Wer die generelle Optik mag, wird sie auch an eher schmalen Unterarmen mögen. Der Sitz ist durch das geringe Gewicht von nachgewogenen 47 Gramm sehr angenehm.

Die LED-Taschenlampe hilft im Alltag, kann aber auch beim Laufen die Sichtbarkeit im Dunkeln erhöhen.
Ein wirklich cooles Feature ist die LED-Taschenlampe. Während die meisten Uhren im Lampenmodus das Display nutzen, verfügt die Street X über echte Leuchtdioden. Diese sitzen oben im Gehäuse und können in drei Stufen weiß und in einer Stufe rot leuchten. Um im Dunkeln das Schlüsselloch zu finden oder die eigene Sichtbarkeit beim Laufen zu erhöhen, finde ich das sehr, sehr praktisch. Um die Taschenlampe einzuschalten, reicht es, die obere linke Taste zu drücken.
Smarte Funktionen (Telefonfunktion, Kreditkartenersatz, Musikplayer) sucht man indes vergebens. Die Street X kann bei verbundenem Smartphone lediglich Notifications anzeigen und die Medienwiedergabe steuern.
Starkes Tracking
Wer die Uhr einige Tage beim Training und im Alltag getragen hat und mit der Polar Flow App auf dem Smartphone koppelt, erfährt ziemlich viel über Schlafverhalten, Aktivitätsstatus und Fitnesszustand. Wichtig sind hierbei natürlich möglichst genaue Messdaten, allen voran der Herzfrequenz. Der optische Sensor der Polar Street X konnte mich nicht überzeugen. Bei einem gesteigerten Dauerlauf ermittelte er über den gesamten Zeitraum eine Herzfrequenz von knapp 160 Schlägen. In Wirklichkeit lag mein Puls anfangs bei rund 140 und stieg dann allmählich auf über 170 Schläge an. Und auch bei wirklich intensiven Einheiten, hat der ermittelte Wert nichts mit der Realität zu tun. Das ist aber ein verbreitetes Problem der meisten Uhren mit optischer Herzfrequenzmessung.

Die Uhr schlägt basierend auf der individuellen Trainingsbelastung Kardio-, Athletik- und Mobilitätseinheiten vor.
Da die Herzfrequenz der wichtigste Messwert für die körperliche Belastung ist, können die Algorithmen der Uhr mit falschen Werten natürlich keine belastbaren Analysen und Aussagen treffen. Daher bin ich nach ein paar Tagen dazu übergegangen, die Uhr mit einem Pulsgurt zu benutzen. Wer dann noch seine Herzfrequenzzonen kennt oder diese mittels des integrierten Lauftests bestimmt, erhält eine Polar-typisch gute und individuelle Auswertung der Trainingsbelastung, des Fitnesszustandes und des Erholungsstatus. So kann die Uhr dabei helfen, das eigene Training zu steuern. Darauf basierend schlägt die Uhr auch allgemeine Trainingseinheiten zur Verbesserung der Fitness vor. Wer sich von Polar ganz gezielt auf ein Trainingsziel oder einen Wettkampf trainieren lassen möchte, kann für 9,99 Euro monatlich das Polar Fitnessprogramm buchen. Hier unterscheidet sie die Street X nicht von anderen Polar-Modellen wie der Vantage M3 und der Grit X2.
Veraltetes GPS

Die Polar Street X (links) verliert unter einer kurzen Unterführung das Satellitensignal und springt. Hingegen zeichnet eine Uhr mit Dualband-Sensor (rechts) genau die gelaufene Strecke nach.
Das Signal der globalen Navigationssatelliten (GNSS) findet die Polar Street X zuverlässig, aber nicht ganz so schnell wie andere aktuelle Modelle – zehn Sekunden dauert es schon, bis der Pfeil auf dem Display grün ist und Bereitschaft signalisiert. Das liegt sicherlich auch daran, dass die Uhr keinen Dualband- bzw. Multiband-Sensor hat. Ich weiß gar nicht mehr, wann ich das letzte Mal eine Uhr getestet habe, die die Satellitensignale nicht auf zwei statt nur einer Frequenz empfangen konnte – drei, vier Jahre ist das sicherlich her. Aber es ist nicht nur nicht zeitgemäß, sondern auch nicht ideal für die Umgebung, für die die Street X gemacht sein soll: Städte. Und tatsächlich sieht man in den Aufzeichnungen der Uhr, dass Gebäude und Tunnel die Streckenaufzeichnung doch ziemlich aus der Ruhe bringen (siehe oben). Auch die Anzeige der aktuellen Pace springt deutlich mehr hin und her, als es bei neuen Uhren mit einem Dualband-Sensor der Fall ist. In meinen Augen wäre es sinnvoll gewesen, die wenigen Euro, die ein Dualband-Sensor in der Beschaffung mehr gekostet hätte, zu investieren, und die Uhr 10 Euro teurer zu verkaufen. So bekommt man Technologie aus 2021 im Jahr 2026. Hier wurde in meinen Augen am falschen Ende gespart.
Und noch ein Marketing-Claim stößt mir auf: Polar bewirbt die Street X gezielt als ideal für die Navigation in der Stadt. Und ja, die Uhr hat eine Navigationsfunktion, allerdings muss diese ohne Kartenmaterial klarkommen – und vor allem in der Stadt, mit vielen Straßen und Wegen, ist Kartenmaterial unglaublich hilfreich. Man findet zwar auch mit der simplen Wurmnavigation ans Ziel, aber auf dem Weg dorthin verläuft man sich ständig, weil man dann doch in die falsche Straße abgebogen ist. Dass die Polar Street X für 250 Euro keine Offline-Karten unterstützt, ist nicht schlimm. Ich kritisiere lediglich, dass Polar so tut, als wäre die Uhr ideal für die Navigation.
Okaye Akkulaufzeit
Einer meiner größten Kritikpunkte bei den letzten Polar-Modellen, die ich getestet habe, war der schwache Akku – und dass es elend lange dauerte, ihn aufzuladen. Selbst Outdoor-Modelle wie die Grit X 2, die eigentlich für lange Abenteuer gedacht sind, würde ich nicht für einen Ultralauf wählen. Die Polar Street X hinterlässt hier einen besseren Eindruck. Der Akku lädt schneller auf (nach weniger als zwei Stunden ist er voll) und hält länger durch. Polar verspricht im genauesten Aufzeichnungsmodus bis zu 43 Stunden. In der Praxis dürften es aber eher 25 bis 30 Stunden sein. Zumindest sinkt die Anzeige der verbleibenden Akkukapazität um rund 3 bis 4 Prozent je Stunde. Top: Nach der Auswahl einer Sportart zeigt die Uhr die verbleibende Laufzeit in Stunden an, sodass man gut abschätzen kann, ob die Uhr lieber kurz aufgeladen werden sollte.
Im Alltag, bei täglich rund einer Stunde GPS-Aktivität plus normaler Nutzung, muss man die Uhr nach fünf bis acht Tagen aufladen. Das geht für eine Uhr in diesem Preissegment voll in Ordnung und dürfte den Ansprüchen der allermeisten Läuferinnen und Läufer gerecht werden.












