Welche Bedeutung die nächtliche Regeneration deines Körpers für die Gesundheit und Leistungsfähigkeit hat, ist unumstritten. Jetzt häufen sich auch die wissenschaftlichen Erkenntnisse, die den lebensverlängernden Effekt gesunden Schlafs herausstellen.
Eine aktuelle Studie1 zeigt, dass schon 5 Minuten mehr Schlaf pro Nacht einen positiven Effekt haben! Wie du konkret zu mehr (qualitativ hochwertiger) Schafzeit kommst, dazu gleich mehr. Die größte Wirkung erzielst du laut den Wissenschaftlern, wenn du neben dem Ausbau deines Schlafs deine Ernährung optimierst und dich täglich mehr bewegst.
Ein paar einfache Kniffe und etwas Achtsamkeit im Umgang mit deinem Schlafverhalten reichen bereits, um nicht nur ab sofort erholter in jeden einzelnen Tag zu starten, sondern auch Gesundheit, Leistungsfähigkeit und Langlebigkeit zu pushen. Wie geht das genau?
Fast 5 Jahre länger leben durch guten Schlaf
Zunächst die Ausgangslage: Rund zwei Drittel aller Deutschen geben in einer Untersuchung aus dem Jahr 2024 an, Schwierigkeiten mit dem Ein- oder Durchschlafen zu haben. Ein Drittel aller Deutschen bezeichnet die eigene Nachtruhe als „schlecht“. Schlafprobleme sind also weit verbreitet – dabei gibt es viele Stellschrauben, selbst die eigene Schlafqualität zu verbessern. Wenn du gelegentlich mal nicht so gut schläfst, musst du dir keine Gedanken machen. Nur chronisch sollten deine Schlafstörungen nicht werden. Wo da der Übergang ist, verdeutlicht eine umfassende Harvard-Langzeit-Studie2, die sich mit über 170.000 Menschen beschäftigt hat. Die Forschenden haben im Zuge der Untersuchung 5 Faktoren rund um den Schlaf herausgearbeitet, die deutlichen Einfluss auf die Lebenserwartung (und also auch auf die Gesundheit) haben können:
- Einschlafprobleme: Die sollten maximal 1–2 Mal pro Woche vorkommen, sonst geht es auf Kosten der Lebenserwartung.
- Durchschlafprobleme: Gleiches gilt hierfür – an höchstens 1–2 Tagen pro Woche darf das vorkommen.
- Schlafdauer: Als ausreichend bezeichnen die Forscher zwischen sieben und acht Stunden pro Nacht.
- Verzicht auf Schlafmittel: Du solltest auf keinen Fall regelmäßig Schlafmittel einnehmen.
- Erholt fühlen nach dem Aufwachen: Das sollte an wenigstens fünf Tagen pro Woche der Fall sein.
Wenn bei dir alle fünf Faktoren erfüllt sind, hast du statistisch gesehen ein bis zu 30 Prozent geringeres Risiko, verfrüht zu sterben, als diejenigen, bei denen keiner oder nur einer dieser Faktoren zutrifft. Das ist das Ergebnis aus dem fünfjährigen Beobachtungszeitraum der Studie. Dabei profitieren Männer überraschenderweise deutlich mehr als Frauen: Ihre Lebenserwartung stieg im Maximum um 4,7 Jahre, die der Frauen nur um bis zu 2,4 Jahre.
Deine Longevity-Strategie: 12 perfekte Schlaf-Routinen
Natürlich gibt es auch medizinische Ursachen für Schlafstörungen, oder Auslöser wie die Menopause bei Frauen mit entsprechenden Hormonverschiebungen, die du nicht vollends selbst in der Hand hast. Und dennoch ist dein Einfluss auf deine Schlafqualität viel größer als du wahrscheinlich denkst. Denn dein Lebensstil spielt eine zentrale Rolle: Bewegungsmangel, ungesundes, zu spätes Essen, chronischer Stress ohne mentalen Ausgleich, Bildschirmnutzung am Abend – all das geht auf Kosten der Schlafqualität. Du machst es ab sofort besser – ich habe dir hier 12 der erfolgversprechendsten Schlafhygiene-Regeln zusammengestellt, die deinen Schlaf aus dem Stegreif verbessern!
1. Feste Einschlaf- und Aufstehzeiten
Wenn du immer wieder zu verschiedenen Zeiten ins Bett gehst, stört das den Schlafrhythmus und geht auf Kosten des Tiefschlafs. Versuche, immer etwa um dieselbe Zeit ins Bett zu gehen und aufzustehen.
2. Möglichst gleiche Schlafdauer
Auch die Länge des Schlafs sollte regelmäßig in etwa dieselbe sein. Wer in der Woche nur 5 Stunden schläft, um dann am Wochenende 2-3 Stunden draufzuschlagen, hat zwar Schafmangel kompensiert, allerdings nichts dafür getan, dass der Körper sich auch langfristig ausreichend Schlaf holt. Und nach dem Ausschlaf-Wochenende wieder nach nur 5 Stunden aus dem Bett zu kommen, ist auch kein Spaß.
Übrigens: Auch wenn 7-8 Stunden Schlaf optimal sind, kommt es nicht nur auf die Dauer an. Die beschriebene Regelmäßigkeit zählt ebenfalls und fördert auch die alles entscheidende Schlafqualität.
3. Die perfekte Schlafumgebung schaffen
Auf vier Dinge kommt es an: Dunkelheit (nutze Verdunklungsrollos oder eine Schlafbrille und schalte alle noch so kleinen Lichtquellen im Schlafzimmer ab), Ruhe (notfalls zu Ohropax greifen), Kühle (das Schlafzimmer ist optimal temperiert zwischen 16 und 19 Grad), Sauerstoff (entweder einmal 5 Minuten Stoßlüften vor dem Schlafen oder nachts das Fenster leicht auflassen).
4. Keine Bildschirm-Zeiten mehr vor dem Zubettgehen
Mindestens eine Stunde, besser 90 Minuten vor dem Schlafengehen solltest du dich von Handy, iPad, Rechner, Fernseher und Co. verabschieden – dann dringt kein blaues Licht mehr ans Auge, was die Melatonin-Bildung hemmt. Und keine bewegten Bilder bringen deine Körpersysteme mehr in Aufruhr.
5. Entspannungs-Routine vor dem Zubettgehen
Anstelle des TV- oder Handykonsums führe eine möglich gleiche, entspannende Abendroutine ein, die die letzten 60-90 Minuten vor dem Schlafen prägt: Meditiere, lies ein Buch, schreib in ein Dankbarkeitstagebuch, geh noch mal 10 Minuten langsam um den Block – all das schwingt den Körper und auch insbesondere den Geist auf die Nachtruhe ein, und das parasympathische System schüttet beruhigende Hormone aus.
6. Kein intensives Training mehr am Abend
Auch das würde dein Nervensystem sowie deinen Stoffwechsel überaktivieren. Allerspätestens 3 Stunden vor dem Zubettgehen solltest du mit deinem Training durch sein.
7. Abends kein schweres Essen mehr
Die letzte richtige Mahlzeit sollte etwa 4 Stunden vor dem Schlafen stattfinden – ansonsten gehst du mit einer intensiv arbeitenden Verdauung ins Bett. Falls du es absolut nicht ohne schaffst, sollte ein letzter leichter Snack (ohne Kohlenhydrate, besser: ein paar Nüsse) spätestens eine Stunde vor dem Schlafen erfolgen.
8. Kein Koffein mehr zu fortgeschrittener Stunde
Der Wachmacher stört die Produktion von Schlafhormonen. Deshalb nimm etwa 6 Stunden vor der Schlafenszeit kein Koffein mehr zu dir.
9. Möglichst kein Alkohol
Alkohol geht nachweislich auf Kosten der Schlafqualität, stört insbesondere den Tiefschlaf.
10. Gleich zu Beginn des Tages raus ans Tageslicht
Insbesondere Sonnenlicht mit seiner starken Leuchtkraft pusht die innere Uhr – nach dem Motto: Je aktiver deine Körpersysteme den Tag und die Wachphase wahrnehmen, desto leichter kommt der Körper abends auch zur Ruhe. Auch mittags ist es anregend und hilfreich, zumindest für eine Viertelstunde an die frische Luft zu gehen.
11. Zwei Stunden vorm Schlafen keine größeren Mengen mehr trinken
Denn Toilettengänge sind der Hauptgrund für Schlafunterbrechungen.
12. Direkt vorm Schlafengehen heiß duschen
In der letzten Viertelstunde vor dem Schlafengehen noch erlaubt: Zähneputzen, ein letzter Toilettengang – sowie eine kurze heiße Dusche oder ein warmes Fußbad: Der "Abkühleffekt" nach dem warmen Wasser senkt die Kerntemperatur des Körpers, was wiederum förderlich fürs Einschlafen ist.
Schau doch mal, welche der genannten Punkte du gleich heute Abend umsetzen kannst!
Dieser Text wurde zuerst als Ausgabe 2 unseres Longevity-Sondernewsletters veröffentlicht, den alle Leserinnen und Leser des RUNNER’S-WORLD-Newsletters alle 14 Tage zusätzlich kostenlos erhalten. Die Sonderausgabe versorgt dich so regelmäßig mit News und Infos für ein langes, gesundes und glückliches Leben.
1Koemel N, Biswas R, Ahmadi M et al.: Minimum combined sleep, physical activity, and nutrition variations associated with lifeSPAN and healthSPAN improvements: a population cohort study; eClinicalMedicine, 2026; 92
2American College of Cardiology. "Getting good sleep could add years to your life." ScienceDaily. ScienceDaily, 24 February 2023





