Ein Aspekt, der dir nicht nur Entspannung schenkt und dich sowie gegebenenfalls auch andere glücklicher macht, sondern dir auch Lebensjahre schenken kann: Dankbarkeit.
Mein Rat lautet: Übe dich in Dankbarkeit! Und üben ist genauso gemeint: Dankbar sein kann nämlich jeder. Nur die wenigsten tun es, oder ziehen überhaupt in Betracht, dass so etwas „Banales“ wichtig sein kann. Die meisten Menschen meckern lieber, schauen stets auf das, was gerade nicht gut ist, lassen sich von schlechten Nachrichten runterziehen und, und, und. Erkennst du dich wieder? Okay, das ist doch schon eine wichtige Erkenntnis! Nun darfst du üben, deine Dankbarkeit auszubauen. Warum das sinnvoll ist und wie das geht, darum soll es in diesem Beitrag gehen.
Darum ist Dankbarkeit ein Lebenselixier
Wer entspannter lebt, lebt länger. Denn Menschen mit hohen Werten von Stresshormonen wie Cortisol haben ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die wiederum das Sterblichkeitsrisiko beeinflussen. Bei Untersuchungen mit einem Computertomographen wird es sichtbar: Wenn du dich aufregst, aktivierst du eher das Schmerzzentrum im Gehirn. Daraufhin schüttet dein Körper noch mehr Stresshormone aus – die eben auf Dauer krank machen. Wenn du dagegen dankbar bist, aktivierst du damit eher das Belohnungszentrum im Gehirn. Mit der Folge, dass dein Körper eher Glückshormone ausschüttet – sie vertreiben Stresshormone und lassen dich gesunden.
Ein schöner Nebeneffekt von Dankbarkeit: Wenn du dankbar bist, kannst du in dem Moment nicht schlecht drauf oder in Meckerlaune sein – beides gleichzeitig funktioniert nicht. Die Wissenschaft belegt die positive Wirkung von Dankbarkeitsgefühlen: Laut einer umfangreichen Studie1 kann Dankbarkeit die Lebenserwartung im Alter erhöhen. In der Untersuchung wurden knapp 50.000 Frauen (Durchschnittsalter 79 Jahre) mit bestimmten Aussagen wie „Ich habe im Leben sehr viel, wofür ich dankbar bin“ konfrontiert. Gut drei Jahre später zeigte sich, dass das Sterberisiko bei Teilnehmerinnen mit hoher Dankbarkeit um 9 Prozent niedriger war. In weiteren Untersuchungen kam raus, dass Dankbarkeit auch das Immunsystem stärkt, den Blutdruck senkt, den Schlaf verbessert und Stresshormone sowie Entzündungswerte2 reduziert.
Das sind schon mal handfeste Argumente, gleich mal für irgendwas „Danke“ zu sagen. Na los, probiere es aus! Atme ein, zwei Mal durch, dann sei dankbar. Für irgendwas. Da gibt es immer was. Notfalls, dass du eben Luft zum Atmen hattest. Dass du ein Dach über dem Kopf hast. Oder dass dir dein rechter Daumen gerade nicht wehtut. Das klingt möglicherweise banal, doch Dankbarkeit ist tatsächlich eine Fähigkeit mit dem Potenzial, dein Leben von Grund auf zu verbessern!
Welche Qualität soll jede Minute deines Lebens haben?
Die Idee von einem glücklichen, gesunden, langen Leben ist meiner Meinung nach grundsätzlich davon geprägt, möglichst viele Momente bzw. möglichst oft und lange glücklich beziehungsweise zufrieden zu sein, ausgeglichen, im Einklang mit sich selbst. Jeder (unnötige) Aufreger geht von der Lebenszeit ab, und wirkt auch nachweislich noch Stunden nach – das sind die eben erwähnten Stresshormone, die dann erst mal durch deinen Körper schwirren.
Auch in deinem Kopf führt regelmäßige Dankbarkeit auf Dauer zu einer neuen Ordnung. Rund 6000 Gedanken denkst du am Tag, und in der Regel ist ein Gedanke immer abhängig vom vorher Gedachten. Die einfache Rechnung: Je mehr du meckerst und grollst, desto mehr Gedanken (und damit Gefühle) sind finster. Je mehr du dankbar bist, desto positiver werden die Gedanken und damit deine Gefühle sein.
Du wirst die Welt mit anderen Augen sehen. Denn all das, was du früher nicht wahrgenommen oder für selbstverständlich gehalten hast, hat plötzlich das Potenzial, in dein Leben zu treten und dir gute Gefühle zu machen: das singende Rotkehlchen beim Öffnen des Fensters, die schönen Wolkenformationen an einem stürmischen Tag, das Lächeln der Kassiererin, die grüne Welle beim Autofahren, die Wärme der ersten Sonnenstrahlen des Tages auf deiner Haut… Nichts davon ist selbstverständlich. Und alles davon ist ein Grund, dankbar zu sein.
Das Leben ist nicht nur eitel Sonnenschein – doch Dankbarkeit bringt ein neues Licht in die Dinge
Und klar, das Leben kann auch mal richtig mies sein, das sollst und kannst du nicht verleugnen. Nur dein Fokus wird ein anderer sein, und Dinge, die dich früher so richtig aufgebracht oder runtergezogen haben, nimmst du jetzt mit einem Achselzucken oder vielleicht sogar mit einem Lächeln hin.
Ich kann das von mir sagen: Jahrelang habe ich mich über Dinge aufgeregt, die ich nicht ändern konnte: Regen, Stau, die Unzuverlässigkeit von manchen Menschen – richtig reingesteigert habe ich mich manchmal! Und in den meisten Fällen wurde das Gefühl dann immer schlimmer. Wenn eine Sache schiefgegangen ist, habe ich mich derartig aufgeregt, dass gleich noch etwas schiefgegangen ist … Denn eine (ungeschriebene) Gesetzmäßigkeit ist: Wenn du erst einmal schlecht drauf bist, ist dein Fokus auf das Negative ausgerichtet, und die Wahrscheinlichkeit ist sehr hoch, dass du sofort wieder etwas zum Aufregen findest. So habe ich manche schlechten Tage in richtig mieser Stimmung verbracht. Was für eine Menge an verschenkter Zeit und Energie! Und in keiner Weise hätte mir irgendjemand sagen können: Sei doch mal dankbar für das Rotkehlchen. An das Kehlchen wäre ich ihm oder ihr gegangen vor Rage …
Deshalb ist es wichtig, die zarte Pflanze Dankbarkeit zu kultivieren, auch in Momenten, in denen es vielleicht gar nicht notwendig erscheint. Und nach meiner Erfahrung wirkt diese Fähigkeit des Dankbarseins auch mehr, als zu meditieren oder Atemübungen durchzuführen. Das ist alles vollkommen sinnvoll, keine Frage. Doch nur mit der Dankbarkeit (und ähnlichen Qualitäten wie Vergebung und Akzeptanz, dazu in anderen Beiträgen später mal mehr) setzt du direkt an der „Glücksbasis“ an. Denn du veränderst damit wie gesagt grundsätzlich deinen Blick auf die Welt, die fortan weniger Auslöser für Ärger oder schlechte Laune bereithält.
So kannst du deine Dankbarkeit kultivieren
Am Ende ist es nur eine Frage deiner Aufmerksamkeit. Nimm dir einfach so oft es geht vor, dankbar zu sein. Versuche, mit einer Brille durch die Welt zu gehen, durch die du immer mehr Dinge wahrnimmst, für die du dankbar sein kannst.
Damit es dir gelingt, Momente in deinen Alltag zu integrieren, in denen du dich um deine Dankbarkeit kümmerst, können die folgenden Strategien für dich hilfreich sein. Am Ende entscheidest du, wie erfolgreich du dabei bist, eine Gewohnheit daraus zu machen, wie Zähneputzen oder Joggen gehen.
- Gleich nach dem Aufstehen: Was wird toll heute? Morgens noch vor dem Aufstehen überlege dir drei Dinge, für die du dankbar bist oder auf die du dich an dem Tag freust („Wie schön wäre es, wenn…“).
- Abends vor dem Einschlafen: Für was bin ich heute dankbar? Schreibe vor dem Zubettgehen in ein Dankbarkeitstagebuch. Notiere dabei drei Dinge, für die du an dem erlebten Tag dankbar bist. Und vielleicht schreibst du auch gleich noch drei Dinge auf, auf die du dich morgen freust.
- Hol dir schöne Erinnerungen hervor. Bringe bei dir in der Wohnung oder im Büro Fotos an von schönen Momenten oder liebevollen Menschen aus deinem Leben (Urlaub, Geburtstag, Kinder, Familie etc.): Immer, wenn dein Blick drauf fällt, wird dich ein positives Gefühl an die Situation durchströmen – sage dann „Danke“.
- Überrasche dich mit deiner eigenen Dankbarkeit. Schreibe einen Brief an dich selbst, in dem du wenigstens 50 verschiedene Dinge auflistest, für die du dankbar bist. Stecke diesen Brief dann in einen Umschlag, adressiere ihn an dich und kleb die passende Briefmarke drauf. Dann gibst du den Brief einem Freund und bittest ihn, den Brief frühestens ein halbes Jahr später abzuschicken. Du kannst jetzt schon für deine positive Reaktion auf diesen Brief, der dich vollkommen überraschen wird, dankbar sein!
- Dankbarkeit auf Schritt und Tritt. Nutze einen täglichen kurzen Weg (zum Auto, zum Bäcker, vom Bus zur Arbeitsstelle…) und sage bei jedem Schritt „Danke“.
Dieser Text wurde zuerst als Ausgabe 4 unseres Longevity-Sondernewsletters veröffentlicht, den alle Leserinnen und Leser des RUNNER’S-WORLD-Newsletters alle 14 Tage zusätzlich kostenlos erhalten. Die Sonderausgabe versorgt dich so regelmäßig mit News und Infos für ein langes, gesundes und glückliches Leben.





