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Porträt Geoffrey Mutai will den Weltrekord

Geoffrey Mutai, der Sieger des Boston-Marathons 2011, im ausführlichen Interview über die zurückliegenden Rennen und neue Ziele.

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Foto: Victah Sailer

Ein verhinderter Weltrekordler: Geoffrey Mutai lief in Boston die schnellste Marathonzeit der Welt, die Strecke ist aber nicht rekordreif.

Bei Ihrem Sieg in Boston waren Sie 57 Sekun­den schneller als der aktuelle Weltrekord von Haile Gebrselassie. Die Zeit wird aber nicht als offi­zieller Rekord anerkannt, da die Bostoner Strecke nicht den Regularien des Interna­tionalen Leichtathletik-Weltverbands entspricht.
Sie wollen wohl wissen, ob ich das richtig finde. Ich will mir da­rüber keine Gedanken machen. Man muss aller­dings sagen, dass es selten so ideale Bedingungen gegeben hat wie in diesem Jahr. Aber die Strecke ist dennoch nicht leicht zu laufen, und eigentlich kann ich mir selbst nicht so recht erklären, wie ich dort so schnell sein konnte. Zu einem großen Teil war mein Sieg wohl ein Werk Gottes. Aber immer­hin weiß ich jetzt, dass ich den Weltrekord auch auf einer anerkannten Strecke verbessern kann. Und nicht nur ich: Es gibt noch viele andere Kenia­ner, die das können.

Zählen Sie auch Ihren Landsmann Moses Mosop zu den Läufern, die das draufhaben? Er kam ja nur vier Sekun­den hinter Ihnen ins Ziel. Hatten Sie eigent­lich geplant, das Rennen gemeinsam zu laufen?
Moses war Vierter der Olympischen Spiele über 10.000 Meter. Er hat eine Halbmarathonbestzeit von 59:20 Minu­ten und rennt in seinem ersten Marathon eine Zeit von 2:03:06 Stunden. Wenn er nicht vom offiziellen Rekord träumen darf, wer dann? Aber geplant war es nicht, dass wir das Rennen zusammen laufen. Ich wollte eigent­lich ab der Halbmarathon­marke von vorneweg mein eigenes Rennen machen. Als Moses mitging haben wir uns gegenseitig natür­lich enorm gepusht. Unterstützen kann man sich ja wenig – eher gegen­seitig antreiben.

Hatten Sie keine Angst, wie schon bei Ihren letzten beiden Marathons in Rotterdam und Berlin auf der Ziel­geraden den Kür­zeren zu ziehen?
Ja, doch. Die beiden knappen Niederlagen gegen Patrick Makau hatte ich am Schluss im Kopf. Aber ich habe im Training hart an mei­nem Finish gearbeitet, und als ich 600 Meter vor dem Ziel den Sprint anzog, spürte ich, dass das Training nicht umsonst war.

Es heißt, Sie hätten Ihre kenianischen Landsleute dafür kritisiert, dass der Welt­rekord nicht schon längst wieder in kenia­nischer anstatt in äthiopischer Hand ist. Stimmt das?
Nein, das war Paul Tergat, unser großes Vorbild, der 2003 den Marathon-Weltrekord nach Kenia geholt hat (in 2:04:55 Stunden in Berlin, Anm. d. Red.). Er hat gesagt, dass wir, die jüngere Generation von kenianischen Läufern, an uns und unsere Fähigkeit, den Weltrekord nach Kenia zurückzuholen, glauben sollen. Und ­genau das tue ich und erwarte ich auch von meinen Kollegen.

Sie haben in Boston 225.000 Dollar gewonnen, einschließlich ­einer Prämie von 75.000 Dollar für die Weltbestzeit. Sollten Sie jetzt nicht lieber Ihre Karriere beenden?
Ha, ha, guter Witz. In Geldfragen wenden Sie sich bitte an meinen Manager, Gerard van de Veen. Ich will den Weltrekord. Wenn ich dadurch noch mehr Geld verdiene ist das aber auch nicht schlimm.

Und wo werden Sie im Herbst den Weltrekord angreifen?
Das weiß ich noch nicht. Aber sicher werde ich nicht in Daegu bei den Weltmeisterschaften starten, sondern mich ganz auf die World Marathon Majors konzentrieren (Kombina­tionswertung der Marathons von London, Boston, Berlin, Chicago und New York, Anm. d. Red.). Also kommen nur Berlin, Chicago oder New York in Frage.

Interview:
Amby ­Burfoot
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23.06.2011
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