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Laufschuhsymposium 2016

Neue Lösungen für die Laufschuhberatung

Pronation ist out. Der Paradigmenwechsel in der Laufschuhberatung stiftet Verwirrung, bringt aber auch neue Lösungen. Beim Laufschuhsymposium 2016 wurden diese präsentiert.

Laufschuhsymposium 2016 +
Foto: RW

RUNNER’S-WORLD-Redakteur Urs Weber interviewt den Biomechanik-Experten Dr. Simon Bartold.

Laufexperten analysieren beim RUNNER’S WORLD Laufschuhsymposium 2016 die neuesten Trends und formulieren neue Anforderungen an Runningschuhe: Mit über 220 geladenen Gästen beim 3. Laufschuhsymposium von RUNNER’S WORLD bei der ISPO MUNICH war Saal 5 des ICM München restlos ausgebucht. Partner des Symposiums waren Currex, Salomon und Saucony. „Jünger, weiblicher, vernetzt“ – auf diesen Nenner brachte RUNNER’S-WORLD-Redakteur Urs Weber die aus seiner Sicht beherrschenden Trends in der Laufszene. Bei der zentralen Frage, wie man den richtigen Laufschuh findet, wurden einige überraschende neue Lösungen präsentiert: „Pronation ist out“, so ein Redner. Als Partner der Veranstaltung präsentierten Salomon, Saucony und Currex; hier eine Zusammenfassung der Inhalte.

Die Zielgruppe wird weiblicher

Die neuesten Marktanalysen bestätigen einige bekannte Trends – und neue Entwicklungen werden sichtbar: Im Gesamtdurchschnitt werden Läufer offenbar jünger, es wird mehr in der Stadt gelaufen, und es gibt mehr Frauen, die mit dem Laufen anfangen als Männer. „Die Zielgruppe Läufer wird jünger und weiblicher“, so das Fazit einer Analyse aktueller Marktzahlen. „Das Laufen wird immer mehr zu einer Freizeitsportart in den Städten; hier bilden sich Running-Crews, die sich via Social-Media vernetzen und ihre Laufstrecken quer durch die Städte legen: Läufer erobern die Stadt.“

Ein altes Thema in mattem Glanz

Das Dauerthema Pronation erfährt eine Neubewertung: So hielt man lange Zeit die übermäßige Pronation für gefährlich und sah sie als wesentliche Ursache von Verletzungen. „Stimmt nicht“, widersprach Dr. Simon Bartold in seinem Vortrag beim Laufschuhsymposium in München. „Das 40 Jahre alte Paradigma der Laufschuhindustrie ist ein Irrtum“, sagte der Biomechaniker aus Australien, der für den Laufschuhhersteller Salomon an neuen Konzepten forscht. „Überpronierer sind nicht häufiger verletzt als andere Läufer“, so Simon Bartold. Er betonte in seinem brillanten Vortrag, in dem er etliche historische Entwicklungen aufzeigte, dass das immer gleiche Bewegungsmuster beim Laufen auf der Straße die Hauptursache für die Entstehung von Verletzungen sei: „Es ist nicht das Laufen selbst, sondern dass die Läufer immer eintöniger laufen“, argumentierte Bartold. „Wenn man Abwechslung reinbringt, also zum Beispiel auf unterschiedlichem Untergrund läuft, dann sinkt das Verletzungsrisiko sofort.“

Rotation rückt in den Fokus

Auch Spencer White, Entwicklungschef bei Laufschuhhersteller Saucony, bekannte auf dem RUNNER’S WORLD Laufschuhsymposium: „Wir haben in der Vergangenheit nicht das Beste getan!“ Seine Konsequenz: „Wir müssen uns viel mehr auf die „Stride Dynamics“ konzentrieren.“ Das bedeutet, bei der Analyse des Laufstils eines Läufers nicht nur den Blick auf die Fußbewegung zu richten, sondern auf den ganzen Bewegungsablauf. Dazu gehören etwa die Rotation von Hüft- und Schulterachse, die gesamte Beinachse und der Aufsatzpunkt des Fußes in Relation zum Schwerpunkt des Körpers.

Praxistipps für Laufgeschäfte

Einen ganz konkreten Tipp hielt Spencer White für Laufgeschäfte parat: Statt die Videokamera bei der Laufanalyse von hinten auf den Läufer zu richten, sollte sie besser den Läufer von der Seite aufnehmen. Und auch er hatte einen wichtigen Tipp für Läufer: „Jeder Läufer profitiert am meisten, wenn er unterschiedliche Schuhe einsetzt“, so White. „Wer mindestens zwei verschiedene Modelle zum Laufen einsetzt, verringert seine Verletzungsanfälligkeit um 38 Prozent.“ Und zum Thema Pronation brachte er den Stand der Wissenschaft auf die Formel: „Es ist nicht die Frage, wie stark ein Läufer proniert, sondern wie der Körper mit dem Maß an Pronation umgehen kann.“

Knie sticht Fuß

In einem weiteren Vortrag auf dem RUNNER’S WORLD-Laufschuhsymposium trug Björn Gustafsson seine Erkenntnisse aus der Analyse und Beratung von Läufern vor. Der Gründer von Currrex (Hamburg) zitierte eine in der Forschung viel beachtete Studie, nach der „Pronierer“ weniger Verletzungen erleideten als „Normalfußläufer“. Gustafsson stellte klar: „Der Fuß ist ein Reaktor“, bei der biomechanischen Analyse sei nur der gemeinsame Blick auf Fuß, Knie und Beinachse erkenntnisreich. Wobei für die Currex-Analyse gilt: „Knie sticht Fuß.“ Das bedeutet: Bei der Auswahl des Schuhs und etwaiger Einlegesohlen ist vor allem die Analyse der Kniebewegung entscheidend. Auch Björn Gustafsson brachte es auf eine Formel: „Wenn wir den Komfort im Schuh erhöhen, reduzieren wir die Verletzungsanfälligkeit.“

Fazit: Fachkompetenz durch nichts zu ersetzen

Den Abschluss des Symposiums bildete eine Podiumsdiskussion, bei der sich alle Teilnehmer in einem Punkt einig waren: Die fachliche Beratung und Expertise ist bei der Laufschuhberatung unerlässlich. Derzeit sind weit über 1000 verschiedene Laufschuh-Modelle im Handel verfügbar – allein den Überblick zu behalten und die unterschiedlichen Produkte einzuschätzen, erfordere eine gewisse Erfahrung und einiges Fachwissen.
Foto: iStockphoto.com / Vernon Wiley (oben)
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