Ein offenes und spannendes Männerrennen wie selten ist beim BMW Berlin-Marathon am Sonntag zu erwarten. Mindestens ein halbes Dutzend Athleten haben Chancen, den spektakulärsten deutschen Straßenlauf zu gewinnen, nachdem Weltrekordler Sabastian Sawe verletzungsbedingt passen musste. Ohne den Kenianer, der aber als Ehrengast nach Berlin kommt, wird es zwar keine Jagd auf eine Zeit unter zwei Stunden geben, aber es ist trotzdem mit einem sehr schnellen Rennen zu rechnen. Der Streckenrekord von Eliud Kipchoge könnte dabei in Gefahr geraten. Kenias Superstar hatte den Berlin-Marathon 2022 mit der damaligen Weltrekordzeit von 2:01:09 Stunden gewonnen.
Fünf Athleten auf der Startliste weisen hochklassige persönliche Rekorde von unter 2:05:00 Stunden auf. „Ich erwarte ein spannendes Rennen und wir liebäugeln mit dem Streckenrekord. Das Tempo wird auf eine 2:01er-Zeit hinauslaufen“, sagte Race-Direktor Mark Milde. Auch in der Breite der Spitze ist das Rennen ein weiteres Mal außerordentlich stark besetzt. Insgesamt 26 Starter sind schon unter 2:08:00 Stunden gelaufen - eine Zeit, die vor gut 25 Jahren noch Weltklasse war und in Berlin erst 1995 erstmals unterboten wurde. Drei deutsche Läufer gehen mit Bestzeiten im Bereich zwischen 2:07:00 und 2:09:00 Stunden ins Rennen: Sebastian Hendel, Haftom Welday und der Newcomer Aaron Bienenfeld.
Über 56.000 Läufer aus 162 Nationen haben sich für die 52. Auflage des größten Marathons im deutschsprachigen Raum angemeldet.
Der schnellste Läufer auf der Startliste ist jetzt Gabriel Geay. Mit 2:03:00 hält er den nationalen Rekord von Tansania und steht mit dieser Zeit auf Platz 17 in der Liste der schnellsten Läufer aller Zeiten. „Ich bin froh, dass ich jetzt eine zweite Chance habe, in Berlin zu laufen“, sagte der 29-Jährige, der vor einem Jahr wie etliche andere Athleten aufgrund der hohen Temperaturen das Rennen aufgeben musste. „Ich bin in guter Form und hoffe auf eine sehr gute Zeit.“
Stark einzuschätzen ist eine Gruppe von äthiopischen Läufern. Guye Adola ist ein Athlet, der seine hochkarätige persönliche Bestzeit in Berlin aufstellte und zudem das Rennen auch schon gewann. Adola war 2017 Zweiter hinter Kenias Ausnahmeläufer Eliud Kipchoge. Er lief damals mit 2:03:46 einen inoffiziellen Debüt-Weltrekord, der weiterhin seine Bestzeit ist. 2021 siegte Guye Adola in Berlin und ließ dabei unter anderen Superstar Kenenisa Bekele hinter sich, der verletzungsbedingt am Sonntag nicht starten kann. „Ich bin sehr gut vorbereitet und in der besten Form meines Lebens“, sagte der 35-jährige Adola, der in diesem Frühjahr den Rotterdam-Marathon gewann und mit 2:03:54 so dicht an seine Bestzeit heran kam wie in keinem anderen Rennen. Zu seinen Trainingspartnern in Addis Abeba zählt unter anderen Yomif Kejelcha, der im April in London bei seinem Debüt als Zweiter mit einer Zeit von 1:59:41 für eine Sensation sorgte und vor kurzem den Halbmarathon-Weltrekord brach. „Bei unseren Trainingsläufen war ich nur etwas hinter Yomif“, sagte Guye Adola.
Eine deutliche Steigerung ist Selemon Barega in Berlin zuzutrauen. Der 10.000-m-Olympiasieger von Tokio 2021 wird am Sonntag seinen dritten Marathon laufen und erreichte bisher 2:05:00. „Ich habe gut trainiert und will mich in Berlin weiter steigern“, sagte der 26-Jährige. Zwei äthiopische Landsleute gehören ebenfalls zum Favoritenkreis: Getaneh Molla und Shura Kitata haben mit 2:03:34 beziehungsweise 2:03:59 hochkarätige Bestzeiten.
Gleich elf Japaner mit Bestzeiten zwischen rund 2:06 und 2:08 stehen auf der finalen Startliste. Es ist damit zu rechnen, dass diese starke Gruppe versuchen wird, den japanischen Rekord von 2:04:55 angreifen wird.
Die Dichte in diesem Zeitbereich könnte auch einigen deutschen Läufern helfen. Zwei deutsche Athleten kehren nach Berlin zurück. Zurückmelden will sich Sebastian Hendel (Marathon Team/SCC Berlin). Vor zwei Jahren hatte er hier mit einer starken persönlichen Bestzeit von 2:07:33 Stunden überrascht. Doch danach stoppten ihn immer wieder gesundheitliche Probleme und Verletzungen. „Ich bin noch nicht in der Form für eine Bestzeit, mit einer 2:09er oder 2:08er Zeit wäre ich zufrieden“, sagte Sebastian Hendel.
Haftom Welday (TB Hamburg Eilbeck) zeigte in diesem Jahr bereits viel versprechende Form, als er sich im März in Barcelona auf 2:08:13 verbesserte. „Ich bin fit und mein Ziel ist es, meine persönliche Bestzeit zu unterbieten“, sagte der 36-Jährige, der sich in Äthiopien auf das Rennen in Berlin vorbereitet hat.
Im Kampf um die Position des stärksten deutschen Läufers könnte Aaron Bienenfeld (Düsseldorf Athletics) der lachende Dritte sein. Er lief Ende April sein Marathon-Debüt in Hamburg und überzeugte auf Anhieb mit starken 2:08:47 Stunden. Damit erreichte Bienenfeld das schnellste Marathon-Debüt eines deutschen Läufers überhaupt. Jetzt will er sich weiter steigern und in den 2:06er- bis 2:08er-Bereich vordringen. „Ich habe besser trainiert als vor Hamburg, es war alles noch etwas professioneller“, sagte Aaron Bienenfeld, der rund drei Monate lang im Höhentraining in Flagstaff (USA) war.
Eliteläufer beim Berlin-Marathon
Gabriel Geay TAN 2:03:00
Getaneh Molla ETH 2:03:34
Guye Adola ETH 2:03:46
Shura Kitata ETH 2:03:59
Erick Sang KEN 2:04:30
Selemon Barega ETH 2:05:00
Taresa Tolosa ETH 2:05:17
Tadu Abate ETH 2:05:38
Asefa Boki ETH 2:05:40
Kenya Sonota JPN 2:05:59
Tsubasa Ichiyama JPN 2:06:00
Kiyoto Hirabayashi JPN 2:06:14
Yuhei Urano JPN 2:06:23
Hidekazu Hijikata JPN 2:06:26
Naoki Koyama JPN 2:06:33
Andamlak Belihu ETH 2:06:40
Kazuya Nishiyama JPN 2:06:45
Gemechu Dida ETH 2:06:45
Abel Kipchumba KEN 2:06:49
Daisuke Uekado JPN 2:06:54
Jie He CHN 2:06:57
Sebastian Hendel GER 2:07:33
Haftom Welday GER 2:08:13
Aaron Bienenfeld GER 2:08:47












