Wer einen Marathon laufen will, bereitet sich oft monatelang darauf vor. Bis zu 12 Wochen lang trainieren Läuferinnen und Läufer ihrer Zielzeit entgegen, um am Renntag ihr Bestes geben zu können. Für den Durchschnitt der Marathonläuferinnen und -läufer ist das eine Zielzeit von etwa 4:30 Stunden. Die Profis laufen am selben Tag doppelt so schnell und stellen dabei auch immer wieder neue Rekorde auf. Wer steckt hinter den schnellsten Marathonzeiten der Geschichte? Wir haben eine Liste für dich erstellt.
Aktuelle Marathon-Weltrekorde
Der Rekordhalter der Männer: Sabastian Sawe (1:59:30)
Erst vor wenigen Monaten stellte der Kenianer in London einen neuen Weltrekord auf. Nach nur 1:59:30 Stunden erreichte Sawe die Ziellinie und schrieb damit Sportgeschichte. Als erster Athlet schaffte er es, bei einem offiziellen Marathon die 2-Stunden-Marke zu knacken. Das Besondere: Am selben Tag schaffte es auch Yomif Kejelcha, in weniger als 2 Stunden das Ziel zu erreichen – nur 11 Sekunden nach dem Weltrekordläufer Sawe.
Die Rekordhalterin der Frauen: Ruth Chepngetich (2:09:56)
2024 schaffte es die Läuferin aus Kenia, den Marathon in 2:09:56 Stunden zu bewältigen. Damit unterbot sie in Chicago die vorherige Rekordhalterin Tigst Assefa um fast 2 Minuten.
Aktuell ist die Athletin jedoch wegen einer auffälligen Dopingkontrolle gesperrt. 2025 wurde ein verbotenes Entwässerungsmittel in ihrem Urin festgestellt. Dieses kann für die Verschleierung leistungssteigernder Substanzen genutzt werden. Die Sperre gilt für drei Jahre.
Die Top 10 der schnellsten Marathonzeiten aller Zeiten
Die 10 schnellsten Männer im Marathon
Die 10 besten Frauen im Marathon
Wie haben sich die Weltrekorde entwickelt?
Offiziell anerkannt werden Marathon-Weltrekorde erst seit 2003. Zwar wurden Spitzenzeiten zuvor bereits dokumentiert, diese werden jedoch nicht vom internationalen Verband für Leichtathletik gewertet.
Bei den Männern lag der erste offizielle Weltrekord bei 2:04:55 Stunden und wurde von dem Kenianer Paul Tergat in Berlin aufgestellt. Die allererste (inoffizielle) Bestzeit von 2:55:18 Stunden lief 1908 John Hayes. Erst knapp 60 Jahre später wurde die 2:10-Stunden-Marke von Derek Clayton in in Fukuoka geknackt. Seitdem haben sich die Läufer immer mehr den 2 Stunden angenähert. Bis 2026 sogar zwei Athleten, Sebastian Sawe und Yomif Kejelcha diese in London unterboten.
Bei den Frauen wurde die erste (inoffizielle) Bestzeit von 3:40:22 Stunden 1926 durch Violet Piercy in London aufgestellt. Mit Naoko Takahashi wurde 2001 in Berlin dann das erste Mal die 2:20-Stunden-Marke gebrochen. Den ersten offiziellen Weltrekord von 2:17:18 Stunden stellte Paula Radcliffe 2002 in Chicago auf und unterbot diesen nur ein Jahr später in London um fast 2 Minuten. Diesen Rekord hielt sie 16 Jahre lang, bis er 2019 von Brigid Kosgei in Chicago gebrochen wurde. Die derzeitigen Top-Athletinnen, angeführt von Ruth Chepngetich, laufen den Marathon nun in unter 2:10 Stunden.
Warum werden Marathonläufer immer schneller?
Es spielen viele Faktoren eine Rolle, wenn es darum geht, warum Marathonläuferinnen und -läufer ständig neue Rekorde aufstellen. Ein großer Faktor ist aber vor allem der ständige Fortschritt im Bereich Trainingswissenschaften, Ausrüstung und Ernährung.
- Das richtige Schuhwerk: Laufschuhe haben sich über die Jahre stark entwickelt und Carbon-Schuhe sind mittlerweile weit verbreitet. Diese helfen dabei, längere Distanzen schneller zu laufen, indem sie die erbrachte Energie effizienter einsetzen und – je nach Läufer – die Laufökonomie deutlich verbessern.
- Die richtige Ernährung: Auch der Stellenwert der optimalen Kohlenhydratzufuhr während des Laufs hat sich verändert. So nehmen Elite-Athletinnen und -Athleten bis zu 120 Gramm pro Stunde über Gels oder Getränke auf. Aber auch die Ernährung vor und nach dem Rennen ist auf die Profis angepasst, um maximale Leistung zu erzielen und den Körper optimal zu versorgen.
- Trainingswissenschaften: Für jeden Athleten wird ein passender Trainingsplan entworfen, der mit einer Mischung aus Dauerläufen, Tempodauerläufen, Intervalltraining, Höhentraining und Regeneration das Beste herausholen soll. Mitlerweile weiß man: Nicht jedes Training führt zum selben Ziel.
In unserem Podcast haben wir übrigens mit Sportwissenschaftler Prof. Dr. Billy Sperlich genau darüber gesprochen. Er führte bei Sabastian Sawe eine Leistungsdiagnostik durch und verrät, welche Trainingsprinzipien der Profis du für dein Training adaptieren kannst. Hier geht’s zur Folge:
Warum zählt nicht jede Rekordzeit?
Damit eine Bestzeit als Weltrekord gewertet wird, müssen das Rennen und die Strecke besonderen Anforderungen gerecht werden. So dürfen Ziel und Start nicht weiter als 50 % der Streckendistanz voneinander entfernt sein. Zusätzlich darf die Strecke insgesamt nur leicht bergab verlaufen – nämlich höchstens 1 Meter Höhenunterschied pro Kilometer. Aus diesen Gründen können beispielsweise die Bestzeiten des Boston-Marathons nicht als Weltrekord gewertet werden. Dort ist das Gefälle zwischen Start und Ziel mit insgesamt 140 Metern zu stark – ganze 3,33 Meter pro Kilometer. Zusätzlich liegen Start und Ziel des Marathons zu weit voneinander weg.
Auch Eliud Kipchoges Marathonzeit von unter 2 Stunden, die er 2019 in Wien aufstellte, zählt nicht als Weltrekord. Dabei handelte es sich nämlich nicht um ein offenes Rennen – das Ergebnis wurde also nicht unter üblichen Marathonbedingungen erreicht. Denn Kipchoge wurde von etlichen Pace-Makern unterstützt. Diese gaben ihm Windschatten und gaben ihm die optimale Geschwindigkeit vor. Zudem fand der Lauf auf einer Rundstrecke statt und nicht auf einem üblichen Marathonkurs.
Welche Marathons sind besonders schnell?
Manche Marathonstrecken sind besser für Bestzeiten geeignet als andere. Ausschlaggebend sind unter anderem diese Punkte:
- Steigungen: Wie flach bzw. hügelig ist die Strecke?
- Streckenführung: Wie zahlreich und eng sind die Kurven, wie windanfällig ist der Kurs?
- Jahreszeit und Geografie: Welche Temperaturen und Wetterbedingungen herrschen zum Rennzeitpunkt?
- Stimmung: Wie sehr treibt das Publikum die Läuferinnen und Läufer auf dem gesamten Streckenverlauf und besonders im schweren letzten Viertel an?
So eignen sich beispielsweise die Marathons in Berlin und Valencia durch ihre flache Streckenführung und ideale Wetterbedingungen im September und Dezember besonders gut für neue Spitzenzeiten. Ebenfalls sehr flach sind die Strecken in London und Chicago. Dort konnten die aktuellen Rekordhalterin Sabastian Sawe (London) und Ruth Chepngetich (Chicago) ihre Bestzeiten aufstellen.
FAQ: Häufige Fragen zu den Marathon-Bestzeiten
FAQ: Häufige Fragen zur Marathon Bestzeit
Mit 2:04:02 Stunden stellte Amanal Petros 2025 in Valencia die deutsche Bestzeit der Männer auf. Die schnellste deutsche Frau auf der Marathondistanz ist Irina Mikitenko mit einer Zeit von 2:19:19 Stunden, die sie 2008 in Berlin lief.
Marathon-Weltrekordhalter sind im Schnitt 28 bis 31 Jahre alt. So ist der aktuelle Weltrekordhalter Sebastian Sawe 31 Jahre. Einer seiner Vorgänger Eliud Kipchoge war zum Zeitpunkt seines Marathon-Rekords 34 Jahre alt.
Die amtierende Weltrekordhalterin Ruth Chepngetich erreichte die Marathon-Spitzenzeit im Alter von 30 Jahren. Die zuvorige Rekordhalterin Tigist Assefa war 27 Jahre alt.
Beim Berlin-Marathon 2003 schaffte es der Kenianer Paul Tergat als erster Athlet, die 2:05-Stunden-Marke zu durchbrechen. Das Ziel erreichte er mit einer Zeit von 2:04:55 Stunden.





