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Githae gewinnt letzten Fukuoka-Marathon

Fukuoka-Marathon 2021 Githae gewinnt letzten Fukuoka-Marathon

1947 fand der erste Fukuoka-Marathon statt. Nun ging das Elite-Rennen in seine letzte Runde.

Ein echter Marathon-Klassiker gab am Sonntag seine Abschieds-Vorstellung: Zum letzten Mal wurde in Japan der Fukuoka-Marathon gestartet, der einst zu den weltweit führenden Rennen über die 42,195 km zählte. Bei der 75. Auflage des reinen Männer-Elite-Marathons gewann der Kenianer Michael Githae mit einer persönlichen Bestzeit von 2:07:51 Stunden vor dem Japaner Kyohei Hosoya, der nach 2:08:16 im Ziel war. Dritter wurde James Rungaru (Kenia) in 2:08:25. Acht Läufer erzielten in Fukuoka Zeiten von unter 2:10 Stunden.

In Japan mussten in den letzten Jahren immer mehr traditionelle, reine Elite-Marathonrennen die Segel streichen. Im besten Fall gingen sie in einen der neu formierten Massenläufe über, wie zum Beispiel beim Tokio-Marathon. Fehlende Sponsoren und ein hoher Kostenaufwand für die TV-Live-Übertragungen sind meist die Gründe für das Aus der Traditions-Marathonläufe in Japan. Das gilt auch für Fukuoka.

Der Fukuoka-Marathon war nicht nur einer der hochklassigsten sondern auch einer der ältesten Top-Marathonläufe der Welt. 1947 fand das erste Rennen statt, das der Japaner Toshikazu Wada in 2:45:45 Stunden gewann. Binnen gut 60 Jahren wurde der Streckenrekord auf 2:05:18 Stunden gesteigert. Mit dieser Zeit gewann Tsegay Kebede 2009 das Rennen. Der Äthiopier wird nun wohl auf Ewigkeit diese Bestzeit halten.

Zweimal wurde beim Fukuoka-Marathon der Weltrekord gebrochen beziehungsweise die Weltbestzeit (damals wurden Weltrekorde über die 42,195 km aufgrund der unterschiedlichen Strecken noch nicht offiziell vom internationalen Leichtathletik-Verband anerkannt). 1969 wurde dabei in Fukuoka eine signifikante Zeit-Barriere durchbrochen: Der Australier Derek Clayton gewann das Rennen in 2:09:36 und erzielte damit die erste Zeit unter 2:10 Stunden. Davor stand die Weltbestzeit bei 2:12:00. Derek Clayton sorgte in Fukuoka für einen der größten Schritte bei der Entwicklung der Bestzeit während der letzten 100 Jahre. 1981 war es Rob de Castella (Australien), der in Fukuoka die globale Bestmarke auf 2:08:18 verbesserte.

Sensationell hatte 2017 der Norweger Sondre Moen den Fukuoka-Marathon mit einer Europa-Rekordzeit von 2:05:48 Stunden gewonnen. Die Siegerliste des Rennens liest sich wie ein „Who is Who“ des Marathonlaufes. Weitere große Sieger des japanischen Elitelaufes waren Bill Adcocks (Großbritannien/1968), Frank Shorter (USA/1971 bis 1974), Bill Rodgers (USA/1977), Josiah Thugwane (Südafrika/1997), Gezahegne Abera (Äthiopien/1999, 2001 und 2002), Haile Gebrselassie (Äthiopien/2006), Sammy Wanjiru (Kenia/2007) und Patrick Makau (Kenia/2014 und 2015).

Nie hätte man noch vor einigen Jahren vermutet, dass der Fukuoka-Marathon verschwinden könnte. Doch der Berliner Physik-Professor im Ruhestand, Helmut Winter, - ein Fachmann für den japanischen Laufsport, der bei vielen Rennen in Japan und auch in Fukuoka immer wieder vor Ort war - schrieb auf seiner Laufsport-Seite run.hwinter.de zur Situation: „In der Historie war einmal der Fukuoka-Marathon das Non-Plus-Ultra der globalen Marathonszene, bis man in den letzten Jahrzehnt(en) von den Entwicklungen überrollt wurde und angesichts landestypischer Sturheit sowie Arroganz und Verkennung der Tatsachen ein Ende immer absehbarer wurde. Und dieses steht nun am 5. Dezember vor der Tür. Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, wenn am gleichen Tag der Valencia-Marathon mit beeindruckender Konsequenz und hochklassigen Elitefeldern den weiteren Aufstieg in die absolute Eliteliga der Laufszene vollzieht, den man auf der Insel Kyushu über die letzten Jahre schlichtweg verschlafen hat.“

Fukuoka kann so gesehen auch ein warnendes Beispiel sein: Wer sich auf seinen Lorbeeren ausruht und aktuelle Entwicklungen verpasst beziehungsweise nicht mehr über das Personal mit dem nötigen Know-how verfügt, kann einen spektakulären Absturz erleben.

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