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Projekt 19/19
Anthony Horyna Projekt 19/19 Projekt 19/19

Projekt 19/19 Grüße aus Frankfurt

Anthony Horyna läuft von Konstanz nach Flensburg, 45 Marathons in 45 Tagen. Hier verrät er, wie die ersten 14 Tage liefen.

Seit dem 28.07. läuft das Projekt 19/19 . Anthonys Plan: einmal „nonstop“ durch Deutschland laufen. 1900 Kilometer. 1 Marathon am Tag. 45 Tage hintereinander. Inzwischen hat Anthony ein Drittel der Strecke geschafft. Hier lest ihr, was ab Tag 6 passierte.

Tag 6 von 45 / Schönwald - Hark

Ein wunderschönes Monster mit derben Höhenmetern. Der Lauf beginnt sehr entspannt gemeinsam mit Jule, die mich auf den ersten 5 Kilometern begleitet. Gut laufbar alles. Doch kaum macht sie kehrt um zurück zum Wagen zu laufen startet meine bis dato „härteste“ Etappe. Wunderschön hier mitten im Schwarzwald, aber heftig. Immer wieder geht es steil hinauf auf Anhöhen und steil hinab in Täler. Ich weiß gar nicht woher das rührt, aber gefühlt bin ich heute ewig unterwegs. Dabei laufe ich unter anderem sogar durch einen Windpark. Also unter bzw. an Windrädern vorbei. Ein ganz irres Gefühl. Und immer wieder hoch und runter. Doch alle Anstrengungen werden durch die Landschaft und Weitblicke wettgemacht. Das hier ist ein Traum. Und erdet sehr. Irgendwann komme ich schließlich in Hark an, wo sich kurze Zeit später auch mein guter Freund Jörg einfindet. Extra aus Köln angereist wird er die nächsten drei Tage mit mir/uns laufen und campen. Was mich immens freut. Spät nachts sitze ich dann noch mit Jule auf unseren Campingstühlen und wir betrachten den unfassbar schönen und klaren Sternenhimmel.

Anthony Horyna Projekt 19/19
Projekt 19/19
Alle Anstrengungen werden durch die Landschaft und Weitblicke wettgemacht.

Tag 7 von 45 / Hark - Ochsentall/Mummelsee

Gut geschlafen. Ausgeruht. Motiviert die neue Etappe anzugehen. Beim gemeinsamen Frühstück mit Jule und Jörg stößt Lara zu uns. Sie hat uns kontaktiert und will ca. 20 Kilometer gemeinsam mit uns laufen. Da sie hier aus der Gegend kommt, ist das eine Art Heimspiel für sie. Und das zeigt sich auch ganz schnell. Läuferisch sehr stark, gibt sie ein bisschen auch das Tempo vor. Was uns nur recht ist. Im Gegensatz zur gestrigen „allein“-Etappe verfliegt die Zeit heute geradezu. Im Lauf. Im Gespräch. Bei Kilometer 20 treffen wir wieder auf Jule. Hier steigt Jörg wie vorher geplant für heute aus und läuft zu seinem Auto zurück. Lara entscheidet sich noch ein wenig weiter mitzulaufen. Und irgendwann bis zum Mummelsee mitzukommen. Was am Ende 40 Kilometer sind und wie ich ganz nebenbei erfahre, ihre längste Laufdistanz bis dato. Wie irre ist das denn bitte? Am Mummelsee laufen wir beide nicht nur (wie verabredet) Jule und dem Reporter der Badische Neueste Nachrichten (für ein Interview) in die Arme. Wir werden von einer ganzen Gruppe super fröhlicher und begeisterter Picknicker empfangen, die im Retrobus hier zum Mummelsee gereist sind. Ein großes „Hallo“ allerseits. Wir kommen darüber, warum wir das mit Projekt 19/19 machen, mit den unterschiedlichsten Menschen ins Gespräch. Und es zeigt sich, dass Depressionen uns alle in irgendeiner Form betreffen oder berühren. Nach einem kurzen und sehr tollen Interview mit der Zeitung und der Verabschiedung von Lara, mache ich mich an den letzten Anstieg und die letzten 5 Kilometer für heute. Um dann schlussendlich am Ochsenstall anzukommen.

Tag 8 von 45 / Ochsentall/Mummelsee - Dobel

Für heute haben Jörg und ich geplant, dass ich den ersten Etappenteil alleine angehe und er ab der zweiten Hälfte dazu stößt. Gesagt getan. Nach ausgiebigem Frühstück (ich gewöhne mir gerade an, die 2- bis 3-fache Menge meines üblichen Frühstücks zu mir zu nehmen) mache ich mich auf den Weg über superbe Singletrails und Waldwege. Läuft gut heute. Auf dem Weg steige ich noch den Friedrichsturm hinauf und treffe ganz oben zwei Hobby-Funker, mit denen ich ins Gespräch komme. Irgendwann weiter läuft plötzlich ein anderer Läufer neben mir her. Mit der Eröffnungsfrage – nach einem etwas kritischen Blick auf meinen Rucksack – „Bist heute länger unterwegs?“ lerne ich Marcel auf seiner Homerun-Runde kennen. Super sympathischer Typ mit dem es richtig Spaß macht die Trails runter zu brettern. Gemeinsam laufen wir bis nach Forbach rein, wo mich Jule und Jörg erwarten.

Mit Jörg geht es dann bei starker Sonne und heftigsten Anstiegen aus Forbach raus und mit Höhenmetern satt auf die nächsten knapp 24 Kilometer. Ist ziemlich kräftezerrend. Aber gleichzeitig auch echt super. Denn mit Jörg zu laufen ist immer super, wie ich finde. Ist einfach ein klasse Kerl. Ich meine, er ist extra aus Köln den ganzen Weg hergekommen, um das Projekt 19/19 mit uns voranzubringen. Stark so etwas!

Tag 9 von 45 / Dobel - Stein

Letzter Tag mit Jörg. Und mit Laufbesuch aus Wiesbaden. Morgens in Dobel sind wir mit Samsara und Gabriel aus Wiesbaden verabredet. Auch zwei Menschen, die die Aktion so toll finden, dass sie den weiten Weg gemacht haben, nur um gemeinsam mit uns einen Teil zu laufen. Mit Jörg und den beiden geht es dann los und läuft. Einzig das Wetter macht uns allen ein wenig zu schaffen. Nachdem es die Nacht durchgeregnet hat, ist es ziemlich drückend. Wieder vergeht die Zeit wie im Flug. Das sind die ganzen Impulse und Gespräche und Eindrücke denke ich. Irgendwann laufen wir nämlich schon nach Pforzheim hinein. Hier trennen sich vorerst die Wege von Jörg und mir. Ich weiß aber, dass er zu einem späteren Zeitpunkt nochmals zum Projekt 19/19 dazu stoßen wird und freue mich schon jetzt darauf. Mit Samsara und Gabriel geht es direkt und mitten durch Pforzheim hindurch. Das ist nach den ganzen Tagen im Schwarzwald und in der Natur schon auch ein „Kultur“-Schock. Vielleicht ist es nicht ganz so klug den Fernwanderweg straight durch ein Bahnhofsviertel laufen zu lassen, aber sei’s drum. Gabriel dirigiert uns dank Navi und innerem Kompass zielsicher wieder da heraus. Ich bin so dankbar dafür, dass er dabei ist. Ich alleine hätte sicherlich eine Stunde und viele Nerven mehr benötigt, um wieder auf den richtigen Weg zu finden. Danke dir, falls du das hier lesen solltest. Ehrlich! Auch unsere Wege trennen sich schließlich und ich laufe die letzten knapp 12 Kilometer alleine zum Zielpunkt. Und fühle mich sowohl körperlich als auch mental richtig fit. Nach dem Lauf fahren Jule und ich zu meinem Bruder und seiner Familie. Wir genießen es sehr bekocht zu werden, uns auszutauschen und im familiären Umfeld die Nacht zu verbringen. Soll heißen: in richtigen Betten.

Tag 10 von 45 / Stein - Östringen

Morgens treffen wir Lutz, der mich heute für ca. 30 Kilometer begleiten möchte. Und heute startet auch Jule wieder mit. Zu dritt also verbringen wir die ersten 10 Kilometer gut gelaunt und mit starkem Lauf. Dann dreht Jule ab um zum Wagen zurückzukehren und mit diesem an den Zielort zu fahren. Lutz und ich laufen beständig weiter. Auch wieder tief in Gesprächen. Leider aber auch sehr exponiert, denn heute haben wir sehr viele Feldwege. Und die Sonne ist ausgerechnet heute „gnadenlos“. Als VP dient uns ein Supermarkt, denn wir einzig mit dem Ziel betreten eiskalte Getränke zu kaufen. Was für eine Wohltat eine kalte Limo doch sein kann. So gestärkt machen wir uns weiter auf den Weg. Durch die Sonne. Dann, ähnlich wie bei Lara (Tag 7//45) läuft heute Lutz seine längste Distanz überhaupt. Er knackt die 40 Kilometer, dann den Marathon, und zum Ende hin läuft Lutz seinen ersten Ultra. 49,6 Kilometer. Aus dem Stand heraus. Und egal wer was sagt, das ist ein Ultra. Und bei den Bedingungen heute eine echte Ultraleistung. Congrats Lutz! Mega!

Tag 11 von 45 / Östringen - Wilhelmsfeld

Heute extra aus Mainz angereist stößt Gundi zu uns. Gundi kenne ich vom Wispo 25-Stunden-Lauf aus Wiesbaden, bei dem wir beide als Sololäufer gemeldet und unterwegs waren. Tolle Frau. Wahnsinnig herzlich und positiv. Toller Lauf heute. Jede Menge Spaß gehabt. Mit tiefen Gesprächen, mit tollem Austausch, mit ganz tollen Stimmungsmomenten. Und zum ersten Mal beim Lauf mit richtig heftigen Regen. Aber so erfrischend. So befreiend. Ja, ich laufe bei jedem Wetter (OK, nicht unbedingt bei Gewitter). Mir macht Regen nix aus. Gundi auch nicht. Und so haben wir einen echt klasse Tag draußen. Und dankbarerweise auch wieder auf richtige Trails und laufbaren Pfaden und Wegen unterwegs.

Außerdem war heute der SWR mit der Landesschau zu Besuch. Sie drehten einen kleinen Beitrag über den „Marathonmann“ der 45 Marathons durch Deutschland läuft. Auch eine super Sache, denn so werden wieder ganz andere Menschen auf uns und unser Thema aufmerksam. Und darum geht es hierbei ja auch und vor allem: Aufmerksam machen.

Anthony Horyna Projekt 19/19
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Schlechtes Wetter hält Anthony nicht auf.

Tag 12 von 45 / Wilhelmsfeld - Felsenmeer (Reichenbach)

Heute laufe ich mit Freddy und seinem Sohn (als Fahrradbegleiter). Die beiden sind speziell für Projekt 19/19 aus ihrem Urlaub zu uns gekommen. Freddy ist einer der echt guten Kerle, die ich kenne. Und nicht nur beruflich super engagiert. Auch privat. So gehört Freddy mit zur Truppe, die den Bleiloch-Lauf ermöglichen. Einer – meiner Meinung nach – der schönsten, familiärsten und menschlich tollsten Läufe, die es in Deutschland gibt. Und heute ist er extra für uns da. Und gibt ein super Lauf vor. Hab Freddy jetzt schon länger nicht mehr gesehen und so haben wir natürlich auch eine Menge zu reden, und dass bei ordentlichem Tempo und schon auch einigen Anstiegen. Ich muss gestehen, und es mag ein wenig irritierend klingen, aber gerade fühlt es sich so an, als würde ich, je länger ich laufe auch immer laufstärker werden. Habe keine Ermüdungserscheinungen. Keine mentalen Aussetzer oder Hürden. Ich fühle mich zu jedem Lauf immer wieder gut und frisch. Das liegt vor allem daran, dass es eben kein Wettkampf ist. Kein Lauf gegen etwas (und sei es die innere Uhr). Sondern ein Lauf für etwas. Das wissen und teilen auch alle Beteiligten.

Bei Kilometer 26 ist für Freddy und seinen Sohn leider schon Schluss, da sie noch heute weiterreisen müssen. Aber echte Qualitätszeit gehabt mit den beiden. Stark. Bei Kilometer 26 wartet schon Gundi wieder auf mich, die es sich nicht nehmen lassen wollte, auch einen Teil von Projekt 19/19 bei gutem Wetter mitzulaufen. Wie toll. Und was für entspannte und schöne Laufkilometer wir noch sammeln bis zum Schluss. Dort treffe ich auch wieder auf Robert (von Tag 2//45) vom VitaminBerge Podcast und wir nehmen ein Podcast-Interview auf.

Tag 13 von 45 / Felsenmeer (Reichenbach) - Dreieichenhain

Am Felsenmeer morgens treffen wir Tom, der hier aus der Nähe – Bensheim – kommt und mit uns sowohl das Felsenmeer als auch einen Großteil der Strecke machen will. Ich war noch niemals am Felsenmeer und bin entsprechend angetan. Auch, dass Jule wieder ein längeres Stück mit von der Partie ist, freut mich ungemein, denn ohne sie würde dieses Projekt so gar nicht stattfinden. Mit Tom habe ich heute einen sehr netten Begleiter, der sich auch auf vielerlei Wegen für Charitys stark macht und engagiert. Er betreibt den Querfeldein Blog und richtet sogar einen eigenen Lauf aus. Super! Und findet wiederrum unser Projekt19/19 so stark, dass er sich kurzfristig entschlossen hat mich zu begleiten. Weil auch ihm das Thema und die Aufklärung wichtig ist. Der Lauf selbst verfliegt ein wenig. Wir laufen einfach. Und streifen irgendwann sogar Darmstadt. Und sehen auf einer Anhöhe schon die Wolkenkratzer von Frankfurt „noch“ in der Ferne. Bei Kilometer 35 steigt Tom aus und ich laufe den Rest des Weges alleine weiter. Was auch OK ist. Denn ich fühle mich wie schon die Tage zuvor richtig fit und gut. Und freue mich am Zielpunkt Jule wiederzusehen und den Abend vor Frankfurt entspannt auf einem Campingplatz zu verbringen.

Tag 14 von 45 / Dreieichenhain - Hohemark

Was für ein toller Tag mit ganz tollen Menschen, tollen Gesprächen und einem Lauf zum Teil direkt durch Frankfurt am Main. Also wirklich mitten durch. Das war schon eine ganz eigene Nummer. Vor allem, weil zum Startpunkt rund 20 Leute gekommen sind. Alle zum Mitlaufen. Unfassbar. Ich habe mich immens über jeden einzelnen gefreut. Und der Tag hatte echte Highlights, denn zwei Läufer haben heute gemeinsam mit uns ihren längsten Lauf überhaupt gemacht. Eine Läuferin hat sogar ihre ganz persönliche Bestzeit auf 10 Kilometer gerockt. Echt stark! Und zeigt wieder, dass es egal ist was man läuft, wie man läuft. Am Ende sind wir alle Läufer. Das zu wissen und in Momenten wie diesen vollends zu erleben, ist sehr bereichernd. Und wieder die besonderen Begegnungen am Wegesrand. „Alte“ Kollegen, die extra vorbeigekommen sind, um „Hallo“ zu sagen. Freunde, die ich nur selten sehe, die ihren eigenen „Schweinehund“ überwunden haben, um ein paar Kilometer durch die City mitzulaufen. Großartig.

Der Lauf selbst? Ich habe mich in Frankfurt verlaufen (Gruppe verloren) und bin mitten im Samstäglichen Flohmarkt am Main gelandet :) Noch lustiger oder vielmehr denkwürdiger aber: der E1 Fernwanderweg (und damit die Route von Projekt19/19) führte uns direkt durch das Nordwestzentrum Frankfurt. Was für ein Szenerien-Wechsel. Ganz komisch. Aus Frankfurt heraus aber ging es dann über Felder und Wiesen hoch zur Hohemark und zum heutigen Zielpunkt. Das war ein ganz besonderer Tag für mich. Mit vielen ganz unterschiedlichen Begegnungen. Unterschiedlichen Läufern. Unterschiedlichen Geschichten und Beweggründen Projekt 19/19 zu unterstützen. Ich bin jeder und jedem dankbar mit dabei gewesen zu sein. Das bedeutet so viel. Und ist ein tolles Signal und Zeichen. Und ich hoffe sehr, dass es diese Momente sind, die auch andere dazu bewegen, etwas zu unternehmen. Sei es miteinander zu reden, zu laufen oder ein eigenes Projekt – egal wie klein es auch erscheinen mag – ins Leben zu rufen.

Ich würde mich freuen, wenn ihr mich begleitet

Ich hoffe einige von euch irgendwo auf der Strecke auch zu begegnen. Wo genau ich unterwegs bin, könnt ihr bei Strava sehen. Und bis dahin laufe ich einfach weiter!

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