Jo Schindler vom Frankfurt Marathon Mainova Frankfurt Marathon / Norbert Wilhelmi

Optimismus in Frankfurt nach zwei Jahren Pause

Interview mit Jo Schindler Optimismus in Frankfurt nach zwei Jahren Pause

Am 30. Oktober soll der Frankfurt-Marathon zurückkehren. Race-Direktor Jo Schindler ist optimistisch.

Jo Schindler ist der Race-Direktor des Mainova Frankfurt-Marathon. Das Rennen fand aufgrund der Corona-Pandemie zuletzt 2019 statt. Nach zwei Jahren Pause soll der Traditionslauf am 30. Oktober wieder gestartet werden. In diesem Interview spricht Jo Schindler über die Situation des Rennens.

Das Frühjahr ist für den Laufsport fast schon wieder eine Rückkehr zu früheren Verhältnissen - kann man jetzt davon ausgehen, dass auch der Mainova Frankfurt-Marathon im Herbst stattfinden wird?

Jo Schindler: Davon sind wir zutiefst überzeugt. Ich denke, dass es keine so gravierenden Maßnahmen mehr geben wird, die uns zu einer Absage des Rennens zwingen würden. Wir können natürlich nicht wissen, wie sich die Pandemie entwickelt, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass es wieder zu Veranstaltungsverboten kommen wird. Eventuell müssten Hygieneauflagen umgesetzt werden, wie zum Beispiel eine Maskenpflicht auf der Marathon-Messe. Das wird das Genehmigungsverfahren zeigen und dann werden wir natürlich darauf vorbereitet sein.

Könnte Ihr Zieleinlauf in der Festhalle gegebenenfalls zum Problem werden?

Jo Schindler: Nein, sicherlich nicht. Das Hallen-Finish ist kein Problem, die Halle ist groß genug, die Lüftungsanlage der Festhalle ist ausreichend dimensioniert. Und seit etwa zwei Wochen hat die Messe Frankfurt, zu der ja die Festhalle gehört, keinerlei Auflagen bei Veranstaltungen. Es gibt derzeit keine Kapazitätsbeschränkungen, alle Maßnahmen sind aufgehoben. Wir und die Messe Frankfurt sind also sehr zuversichtlich, dass wir einen Mainova Frankfurt-Marathon erleben werden, wie man ihn kennt. Mit einem großen Start und einen berauschenden Zieleinlauf in die Festhalle vor tausenden Zuschauern.

Können Sie schon absehen, wie das Rennen breiten- und spitzensportlich aussehen wird?

Jo Schindler: Das ist zum jetzigen Zeitpunkt noch ein bisschen zu früh. Unsere Meldezahlen sind derzeit wirklich gut. Und ich stelle mit großer Freude fest, dass die Frühjahrs-Rennen gut gebucht sind. Das zeichnet sich bei uns auch ab. Wir planen mit einem guten Eliterennen und haben ja auch das World Athletics Elite Label erhalten. Allerdings werden wir aus finanziellen Gründen nicht so große spitzensportliche Felder haben können wie vor der Pandemie. Unser Ziel ist es wieder ein einzigartiges Lauferlebnis für den Breiten- und Spitzensport gleichermaßen zu schaffen und am Ende des Tages in viele strahlende Gesichter zu blicken.

Es wird im Herbst drei Jahre her sein, dass das Rennen zuletzt stattfand - wie haben Sie sich über Wasser gehalten?

Jo Schindler: Die größte Unterstützung kam von unseren Teilnehmern, die weitestgehend auf eine Rückzahlung des Startgeldes verzichtet haben und Gutscheine für den nächsten Mainova Frankfurt-Marathon akzeptiert haben, dies waren im Jahr 2020 etwa 90 Prozent der gemeldeten Teilnehmer, 2021 immer noch gute 80 Prozent. Zusätzlich haben uns im ersten Jahr rund 1.000 und im zweiten Jahr rund 700 Läufer das Startgeld komplett geschenkt, wollten also auch keinen Gutschein. Diese Läufergruppe sind für uns die „Marathonretter“, die für den 30. Oktober eine goldene Startnummer erhalten werden. Für diese Unterstützung seitens der Läufer sind wir sehr dankbar. Dann gab es eine starke Unterstützung von der Stadt Frankfurt und vom Land Hessen, denn sie wollen natürlich, dass der Mainova Frankfurt-Marathon nicht aus dem Sportkalender verschwindet. Und auch unsere Sponsoren haben Verständnis gezeigt und uns finanziell unterstützt, natürlich nicht mit den vollen Sponsorshipbeträgen, aber doch – je nach Leistungsfähigkeit – im erheblichen Umfang. Zusätzlich haben wir, wie jedes Unternehmen der Veranstalterbranche, die staatlichen Überbrückungshilfen und Kurzarbeitergeld erhalten. Und ich habe einen Kredit der KfW-Bank aufgenommen, den wir über die nächsten vier Jahre hinweg zurückzahlen müssen. Und natürlich haben wir gespart, wo es nur ging, so habe ich natürlich auch mein Gehalt reduziert. So sind wir durch diese zwei harten Jahre gekommen.

Sie konnten vor einiger Zeit sogar einen neuen Sponsor präsentieren.

Jo Schindler: Ja, das war natürlich eine sehr schöne und ermutigende Geschichte, dass wir in dieser Zeit mit dem Sportartikel-Unternehmen Hoka ein größeres Sponsorpaket abschließen konnten. Hoka hat sich durch die Situation nicht abschrecken lassen. Dass dieser Vertrag über fünf Jahre läuft, ist ein wichtiges Signal für uns. Wir werden gemeinsam mit Hoka in diesen fünf Jahren den Frankfurt-Marathon weiterentwickeln, haben uns gemeinsame Ziele gesteckt. Das war wirklich ein gutes Signal für unser Rennen, aber auch für den gesamten Laufsport.

Wie ist die personelle Situation in Ihrem Team?

Jo Schindler: Wir sind ohne Personalabbau durch diese Zeit gekommen. Der eine oder andere hat uns zwischenzeitlich verlassen, was ich sehr bedauere. Aber es gab keine Reduzierung beim Personal, denn wir haben diese Stellen neu besetzt. Im Gegenteil, wir haben uns neu strukturiert, Aufgabenbereiche umverteilt und auch Bereiche, die wir vor einigen Jahren mal extern vergeben hatten wieder in die Agentur zurückgeholt, denn die Ergebnisse waren nicht vollends zufriedenstellend.

Wäre theoretisch noch ein weiterer Ausfall zu verkraften oder ist dies die letzte Chance für den Mainova Frankfurt-Marathon?

Jo Schindler: Darüber denke ich nicht nach, denn dieses Szenario wird es nicht geben. Für mich ist klar und das haben die beiden Corona-Jahre gezeigt: sollte es zu einer weiteren Pandemie-bedingten Absage kommen und wir würden dann von den Teilnehmern und unseren Partnern im gleichen Umfang unterstützt werden, dann wäre das nicht das Ende. Aber wir sind sehr sehr zuversichtlich, dass es dazu nicht kommt und der Mainova Frankfurt-Marathon am 30. Oktober stattfinden wird.

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