Alisa Vainio favorisiert, Fabienne Königstein im Medaillenrennen

Leichtathletik-EM Birmingham 2026
Vainio favorisiert, Königstein im Medaillenrennen

ArtikeldatumVeröffentlicht am 10.08.2026
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Vainio favorisiert, Königstein im Medaillenrennen
Foto: Victah Sailer

Zum vorerst letzten Mal finden am kommenden Sonntag in Birmingham im Rahmen der Leichtathletik-Europameisterschaften im Sommer Marathon-Wettbewerbe statt. Dabei geht im Rennen der Frauen die Finnin Alisa Vainio als Favoritin an den Start während Fabienne Königstein Medaillenchancen hat.

Die Rennen über die klassische Distanz waren seit Beginn der Titelkämpfe 1934 ein fester Bestandteil dieser EM. Die Frauen liefen 1982 erstmals über die 42,195 km. Doch der europäische Verband (EA) entschloss sich vor einigen Jahren, zukünftig separate kontinentale Straßenlauf-Meisterschaften zu veranstalten. Die erste Auflage fand bereits im vergangenen Jahr in Brüssel und Leuven statt, die nächste ist für den kommenden April in Belgrad angesetzt. Der EM-Titel im Marathon, um den es am nächsten Sonntag in England geht, ist also einer, der nach nur rund neun Monaten schon wieder neu vergeben wird. Verglichen zu dem früheren Vier-Jahres-Abstand der Titelkämpfe ist dies eine echte Degradierung. Kommerzielle Gründe haben für den kontinentalen Verband European Athletics bei der Kreation der Straßenlauf-EM sicherlich eine weitaus größere Rolle gespielt als die klimatischen eines Marathonlaufes im Hochsommer.

In Birmingham ist am nächsten Sonntag mit warmem Wetter zu rechnen, aber eher nicht mit einem Hitzerennen. Schwieriger als die Wetterbedingungen dürfte für viele das Streckenprofil sein. Denn auf der achtmal zu durchlaufenden 5-km-Runde - plus jeweils gut ein Kilometer vom Start beziehungsweise zum Ziel - geht es ständig auf und ab. Die kontinentalen Berglauf-Meisterschaften hat die EA aber nicht in das Rennen integriert. Die Strecke und die schwindende Bedeutung des EM-Marathons haben sicher einen Anteil daran, dass einige der erfolgreichsten und schnellsten Europäer in Birmingham nicht starten. Bei den Frauen sind die drei in der kontinentalen Alltime-Liste schnellsten derzeit aktiven Läuferinnen nicht am Start: Olympiasiegerin Sifan Hassan (Niederlande/Bestzeit: 2:13:44), Lonah Salpeter (Israel/2:17:45) und Joan Melly (Rumänien/2:18:04).

Im Feld der Frauen gibt es eine Favoritin: Alisa Vainio ist mit ihrer im vergangenen Winter gelaufenen Bestzeit von 2:20:39 Stunden die mit etwas Abstand schnellste Läuferin im Feld. Die 28-jährige Finnin, die übrigens die frühere Weltrekordlerin Ingrid Kristiansen (Norwegen/2:21:06) als schnellste skandinavische Läuferin aller Zeiten abgelöst hat, lief beginnend mit ihrem starken fünften Platz bei der WM in Tokio vor einem Jahr eine Kette von fünf hochklassigen Rennen über die 42,195 km. Die EM wird Marathon Nummer sechs binnen eines Jahres. Diese ungewöhnlich hohe Anzahl von Läufen birgt aber auch die Gefahr eines Rückschlages.

14 weitere Athletinnen gehen mit persönlichen Bestzeiten von unter 2:25:00 Stunden in Birmingham an den Start. Das Rennen um die Medaillen ist hier sehr offen, Überraschungen gib es bei derartigen Meisterschaftsrennen immer wieder. Die Nummer zwei hinter Alisa Vainio ist Fabienne Königstein (Hannover 96), die sich im vergangenen Jahr in Berlin bei ungewöhnlich hohen Temperaturen auf 2:22:17 verbesserte. Die 33-Jährige hat gezeigt, dass sie bei warmem Wetter gut zurecht kommt. Schon bei der EM 2018 in Berlin zeigte Fabienne Königstein übrigens eine überzeugende Leistung. In ihrem damals dritten Marathon war sie als Elfte die beste deutsche Läuferin.

Wenn Fabienne Königstein nun am Sonntag zum zweiten Mal bei einem internationalen Meisterschafts-Marathon an den Start geht, hat sie höhere Ziele: „Ich möchte mit einer Medaille nach Hause zu fahren - Team-Wertung und beziehungsweise oder Einzel-Rennen“, sagt Fabienne Königstein, die in den letzten Monaten ohne größere Probleme trainieren konnte und die Form ähnlich einschätzt wie vor dem Berlin-Marathon im vergangenen September. „Ich bin sehr zufrieden mit meiner aktuellen Form und schätze sie auf dem Niveau von vor Berlin ein. Die neue persönliche Bestzeit über 10 km am 1. August in Berlin, wo ich 31:57 Minuten gelaufen bin, unterstreicht das auch“, sagt Fabienne Königstein, die im Juni dreieinhalb Wochen in Livigno im Höhentraining war und sich auch auf die hügelige EM-Strecke vorbereitet hat.

Es sieht so aus als ob Fabienne Königstein in der Einzelwertung die besseren Medaillenchancen hat. Denn durch den verletzungsbedingten Ausfall von Domenika Mayer (LG Telis Finanz Regensburg) wird es voraussichtlich sehr schwierig für das deutsche Team. Laura Hottenrott (Düsseldorf Athletics) gehört mit ihrer Bestzeit von 2:24:32 zwar zu den 15 Athletinnen, die schon unter 2:25:00 gelaufen sind, jedoch kam sie an dieses Ergebnis in den letzten zweieinhalb Jahren nicht mehr heran. Als Berglauf-Spezialistin könnte ihr aber der hügelige Kurs entgegen kommen. Mit persönlichen Bestzeiten aus diesem Jahr gehen Nina Reuter (Laufteam Kassel/2:29:30), Tabea Themann (Hamburg Running/2:30:34) und Katharina Saathoff (Braunschweiger LC/2:30:52) an den Start. Spanien, Großbritannien und Italien haben mit ihren Teams voraussichtlich die besten Medaillen-Chancen.

Die schnellsten Läuferinnen auf der Startliste mit ihren Bestzeiten

Alisa Vainio FIN 2:20:39

Fabienne Königstein GER 2:22:17

Laura Luengo ESP 2:22:31

Rose Harvey GBR 2:23:21

Giovanna Epis ITA 2:23:46

Meritxell Soler ESP 2:23:49

Fatima Ouhaddou Nafie ESP 2:24:05

Abbie Donnelly GBR 2:24:11

Natasha Wilson GBR 2:24:21

Rebecca Lonedo ITA 2:24:28

Fabienne Schlumpf SUI 2:24:30

Ester Navarrete ESP 2:24:31

Laura Hottenrott GER 2:24:32

Carolina Robles ESP 2:24:56

Aleksandra Lisowska POL 2:24:59

Weitere Starterinnen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz

Nina Reuter GER 2:29:30

Katharina Saathoff GER 2:30:52

Tabea Themann GER 2:31:33

Julia Mayer AUT 2:26:08

Eva Wutti AUT 2:30:43

Andrea Meier SUI 2:36:34

Fabienne Vonlanthen SUI 2:35:29

Samira Schnüriger SUI 2:35:59

Die Marathon-Europameisterinnen seit 1982

1982 Athen Rosa Mota POR 2:36:03

1986 Stuttgart Rosa Mota POR 2:38:38

1990 Split Rosa Mota POR 2:31:27

1994 Helsinki Manuela Machado POR 2:29:54

1998 Budapest Manuela Machado POR 2:27:10

2002 München Maria Guida ITA 2:26:05

2006 Göteborg Ulrike Maisch GER 2:30:01

2010 Barcelona Anna Incerti ITA 2:32:48

2014 Zürich Christelle Daunay FRA 2:25:14

2018 Berlin Volha Mazuronak BLR 2:26:22

2022 München Aleksandra Lisowska POL 2:28:36

2025 Leuven/BEL Fatima Ouhaddou Nafie ESP 2:27:14