Deutsches Marathon-Trio mit Medaillenchancen

Leichtathletik-EM Birmingham 2026
Deutsches Marathon-Trio mit Medaillenchancen

ArtikeldatumVeröffentlicht am 12.08.2026
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Richard Ringer
Foto: www.photorun.net

Mit außergewöhnlich guten Chancen starten die deutschen Marathonläufer am kommenden Sonntag bei den Leichtathletik-Europameisterschaften in Birmingham. Amanal Petros ist der schnellste Läufer im gesamten Feld, Samuel Fitwi und Richard Ringer haben ebenfalls Medaillenchancen. Eine so gute Ausgangsposition gab es im deutschen Männer-Marathon bei einer internationalen Meisterschaft wohl noch nie. Allerdings kann bei einem derartigen Titelrennen im Hochsommer sehr viel unvorhergesehenes passieren. Die Temperaturen dürften es in Birmingham nicht sein, die Probleme bereiten. Vorhergesagt sind zurzeit 14 bis 18 Grad Celsius. Der sehr hügelige, achtmal zu durchlaufende Rundkurs ist dagegen eine große Herausforderung. Längst nicht jeder Athlet kommt mit einer derartigen Strecke zurecht. Das Männerrennen wird am Sonntag um 8.10 Uhr Ortszeit (9.10 Uhr MESZ) gestartet. Für die Frauen fällt der Startschuss 40 Minuten früher. Beide Wettbewerbe finden auf der selben Strecke statt.

Mit seiner deutschen Rekordzeit von 2:04:03 Stunden führt der Vize-Weltmeister von Tokio 2025, Amanal Petros (Hannover 96), die EM-Startliste an. Hinter dem aus Kenia stammenden Türken Kaan Özbilen (Bestzeit: 2:04:16) und Maru Teferi - der in Äthiopien geborene Israeli hat Silbermedaillen bei der EM 2022 und der WM 2023 gewonnen - folgen bereits Samuel Fitwi (Silvesterlauf Trier/2:04:45) und der Europameister von München 2022, Richard Ringer (LC Rehlingen/2:04:47), an vierter und fünfter Stelle der Meldeliste.

Dass die drei deutschen Läufer in der Meldeliste derart weit vorne stehen, hängt aber auch damit zusammen, dass eine Reihe von europäischen Topläufern auf dieses EM-Rennen verzichtet. Von den schnellsten zehn derzeit aktiven Europäern ist nur die Hälfte am Start. Der Europarekordler Bashir Abdi (Belgien/2:03:36) fehlt ebenso wie die Nummer zwei in dieser Alltime-Liste, Morhad Amdouni (Frankreich/2:03:47). Auch der Italiener Iliass Aouani, der vor einem Jahr bei der Straßenlauf-EM den Marathon-Titel gewann, ist nicht dabei.

„We are ready“, schrieb Amanal Petros vor kurzem auf einem Social Media-Kanal, bezogen auf sich selbst aber auch auf das sechsköpfige deutsche Marathon-Team. Der 31-jährige Vize-Weltmeister, der vor einem Jahr bei der WM die Goldmedaille nur um Haaresbreite verpasst hatte und am Donnerstag drei Tage vor dem Start aus Kenia kommend in Birmingham erwartet wird, will seinen ersten internationalen Titel gewinnen. Auch Richard Ringer ist bereit: „Race day, I’m ready“, schrieb der Europameister von 2022. Knapp vier Wochen hat Richard Ringer zuletzt in St. Moritz in der Höhe trainiert. Im April war er auf der hügeligen Strecke des Boston-Marathons seine persönliche Bestzeit von 2:04:47 gelaufen. Dass er auf dem schweren Boston-Kurs so gut zurecht kam, dürfte ein gutes Zeichen für Birmingham sein. In St. Moritz trainierte Richard Ringer zusammen mit Samuel Fitwi, der ebenfalls im Frühjahr eine persönliche Bestzeit erreichte (2:04:45 in Hamburg). „Ich bin gespannt auf Birmingham. Mein Ziel ist es, auf einen Podest-Platz zu laufen. Ich möchte untere die Top drei“, sagte Samuel Fitwi. „Meine Trainingsergebnisse waren sehr gut. Die Form sollte stimmen, um das ambitionierte Ziel zu erreichen.“

Neben Kaan Özbilen und Maru Teferi sind noch fünf weitere Athleten mit Bestzeiten von unter 2:06:30 Stunden am Start. Sie dürften zu den stärksten Konkurrenten des deutschen Trios zählen, das dann am 25. Oktober auch beim Mainova Frankfurt-Marathon antreten wird.

In der Team-Wertung - dem früheren Marathon-Europa-Cup - sind die deutschen Läufer favorisiert. Die israelische Mannschaft, die vor vier Jahren in München vor Deutschland gewann, dürfte der stärkste Konkurrent sein. Die Briten haben ebenfalls Medaillenchancen.

Eine gute Einzel-Platzierung ist aus dem deutschen Team auch Simon Boch (Düsseldorf Athletics/Bestzeit: 2:08:55) zuzutrauen. Tom Thurley (Munich Athletics/2:11:02) und Erik Hille (Munich Athletics/2:12:09), der für den verletzten Hendrik Pfeiffer einsprang, laufen erstmals bei einer internationalen Meisterschaft.

Die schnellsten Läufer auf der Startliste mit ihren Bestzeiten

Amanal Petros GER 2:04:03

Kaan Özbilen TUR 2:04:16

Maru Teferi ISR 2:04:44

Samuel Fitwi GER 2:04:45

Richard Ringer GER 2:04:47

Gashau Ayale ISR 2:04:53

Suldan Hassan SWE 2:05:57

Emmanuel Roudolff FRA 2:05:58

Haimro Alame ISR 2:06:04

Mahamed Mahamed GBR 2:06:14

Felix Bour FRA 2:06:41

Pietro Riva ITA 2:06:46

Matthias Kyburz SUI 2:06:48

Samuel Tesfamariam SWE 2:06:51

Weynay Ghebresilasie GBR 2:06:59

Weitere Starter aus Deutschland, Österreich und der Schweiz

Simon Boch GER 2:08:55

Tom Thurley GER 2:11:02

Patrik Wägeli SUI 2:12:01

Erik Hille GER 2:12:09

Andreas Vojta AUT 2:13:43

Die Marathon-Europameister seit 1982

1982 Athen Gerard Nijboer NED 2:15:16

1986 Stuttgart Gelindo Bordin ITA 2:10:54

1990 Split Gelindo Bordin ITA 2:14:02

1994 Helsinki Martin Fiz ESP 2:10:31

1998 Budapest Stefano Baldini ITA 2:12:01

2002 München Janne Holmén FIN 2:12:14

2006 Göteborg Stefano Baldini ITA 2:11:32

2010 Barcelona Viktor Röthlin SUI 2:15:31

2014 Zürich Daniele Meucci ITA 2:11:08

2018 Berlin Koen Naert BEL 2:09:51

2022 München Richard Ringer GER 2:10:21

2025 Leuven/BEL Iliass Aouani ITA 2:09:05