Amanal Petros gewinnt Marathon-EM-Gold

Leichtathletik-EM Birmingham 2026
Amanal Petros gewinnt Marathon-EM-Gold

ArtikeldatumVeröffentlicht am 17.08.2026
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Amanal Petros gewinnt Marathon-EM-Gold
Foto: European Athletics / Getty Images, Maja Hitij

Amanal Petros hat bei den Leichtathletik-Europameisterschaften in Birmingham seinen ersten großen Titel im Marathon gewonnen, nachdem er vor einem Jahr bei der WM ganz knapp geschlagen den zweiten Platz belegt hatte. Der 31-jährige deutsche Rekordhalter war auf der sehr schweren, hügeligen Strecke bei guten Wetterbedingungen eine Klasse für sich und siegte mit einer EM-Rekordzeit von 2:09:11 Stunden, nachdem er sich bereits nach rund 27 km von seinen Konkurrenten gelöst hatte. Amanal Petros (Hannover 96) ist in der langen Geschichte der Leichtathletik-Europameisterschaften, die 1934 begann, erst der zweite deutsche Marathon-Sieger. 2022 hatte Richard Ringer in München triumphiert.

Der Italiener Pietro Riva und der Israeli Gashau Ayale gewannen in 2:09:18 beziehungsweise 2:09:21 die Silber- und Bronzemedaille. Starke Rennen zeigten auch Samuel Fitwi (Silvesterlauf Trier) und Richard Ringer (LC Rehlingen), die in 2:09:47 beziehungsweise 2:10:05 die Ränge neun und zehn belegten. In der Team-Wertung gewann die deutsche Mannschaft hinter Israel und vor Frankreich die Silbermedaille. Amanal Petros, Samuel Fitwi und Richard Ringer, die drei derzeit besten deutschen Marathonläufer, werden am 25. Oktober alle beim Mainova Frankfurt-Marathon an den Start gehen.

Im Rennen der Frauen lief die favorisierte Alisa Vainio zu einem beeindruckenden Start-Ziel-Sieg. Die Finnin siegte mit der EM-Rekordzeit von 2:22:26 Stunden und hatte einen Vorsprung von fast fünf Minuten. Lili Anna Vindics-Toth (Ungarn) sicherte sich in 2:27:21 die Silbermedaille vor der Britin Abbie Donnelly, die nach 2:27:33 im Ziel war. Einen guten zehnten Platz belegte die Österreicherin Julia Mayer in 2:28:23. Beste deutsche Läuferin war etwas überraschend Laura Hottenrott (Düsseldorf Athletics) mit 2:31:15 auf Rang 16. Mit Medaillen-Ambitionen gestartet, brach Fabienne Königstein (Hannover 96) ein und gab das Rennen bei 36 km auf.

European Athletics / Chiara Montesano

Das Rennen der Männer

Auf einer der schwierigsten und zugleich unattraktivsten Strecken die es zumindest in den letzten Jahrzehnten bei Europameisterschaften gab, zeigte Amanal Petros eine Glanzleistung. Dabei war er von Beginn an auf dem achtmal  zu durchlaufenden Rundkurs, auf dem zudem parallel die Frauen rennen mussten, an der Spitze. Nach einer flotten 10-km-Durchgangszeit von 30:17 Minuten wurde das Tempo etwas langsamer. Eine 23-köpfige Spitzengruppe erreichte dann die Halbmarathon-Marke nach 65:03 Minuten. An der Spitze liefen zu diesem Zeitpunkt unter anderen Simon Boch (Düsseldorf Athletics), der bald darauf zurückfiel, am Ende auf Platz 21 in 2:12:55 ins Ziel lief und eine solide Leistung zeigte, und Amanal Petros. Richard Ringer und Samuel Fitwi hatten sich etwas weiter hinten in der Gruppe einsortiert, um Kräfte zu sparen.

Der Vize-Weltmeister Amanal Petros war klar der stärkste Läufer im Feld. Der Favorit, der mit seinem nationalen Rekord von 2:04:03 Stunden auch der schnellste Athlet auf der Startliste war, machte dann ab Kilometer 25 (1:16:55) Druck. Nach rund 27 km setzte sich Amanal Petros etwas ab und vergrößerte fortan seinen Vorsprung. Den Abschnitt zwischen 25 und 30 km (1:31:21) lief er in 14:26 Minuten (in etwa 2:02:00-Stunden Tempo) und dadurch lag er nun bereits 24 Sekunden vor der siebenköpfigen Verfolgergruppe mit Richard Ringer und Samuel Fitwi. In der Folge wuchs der Vorsprung von Amanal Petros zunächst auf knapp eine Minute an. Auf den letzten Kilometern konnte er das Tempo nicht mehr ganz halten, und am Ende lief er locker ins Ziel und genoss den größten Sieg seiner Karriere. Durch den Kampf um die Medaillen in der Verfolgergruppe und eine deutliche Tempoverschärfung von Pietro Riva, bei der auch Samuel Fitwi und Richard Ringer nicht mehr mithalten konnten, schrumpfte der Vorsprung am Ende auf sieben Sekunden. Doch Amanal Petros hatte alles unter Kontrolle.

„Im ersten Teil bin ich wechselnd mal vorne und mal etwas weiter hinten gelaufen. Das hat ein bisschen Energie gekostet, aber dann traf ich die richtige Entscheidung mit meinem Vorstoß. Die Strecke war die härteste, die ich gelaufen bin, und eine große Herausforderung. Es war nicht leicht, aber ich habe es geschafft und bin sehr froh darüber“, sagte Amanal Petros. „Jetzt werde ich mich erholen und mich über die Goldmedaille freuen.“ Seine 2:09:11-Stunden-Siegzeit ist die schnellste in der EM-Geschichte. 2018 hatte der Belgier Koen Naert in Berlin mit 2:09:51 den bisherigen Europameisterschafts-Rekord aufgestellt.

Deutsche EM-Medaillen im Marathon sind sehr selten. Neben den Siegen von Richard Ringer und Amanal Petros gab es nur zwei weitere Podest-Platzierungen: 1974 war Eckhard Lesse im Trikot der DDR Zweiter, 1986 lief Herbert Steffny auf Rang drei. Dreimal hat eine deutsche Frau bisher bei einer EM eine Marathon-Medaille gewinnen können: 2002 wurde in München Luminita Zaituc Zweite vor Sonja Oberem, und 2006 gewann Ulrike Maisch sensationell die Goldmedaille.

„Es war das härteste Rennen in meinem Leben, ich bin total müde, habe aber für das Team durchgezogen“, sagte Samuel Fitwi, der zum ersten Mal bei einer EM im Marathon startete. „Die Strecke bei den Olympischen Spielen in Paris war auch nicht einfach, aber nicht zu vergleichen mit dem Hoch und Runter hier in Birmingham. Klar hätte ich auch gern eine Einzelmedaille gewonnen und habe bis Kilometer 41 alles probiert. Aber es ging einfach nicht, die Beine waren total müde. Im Team wollten wir Gold holen, können uns aber auch über Silber freuen. Denn Israel war extrem stark.“

Richard Ringer zeigte ein weiteres starkes Meisterschaftsrennen, bekam aber im letzten Teil Probleme. „Leider ist bei mir ein Schmerz hinten in den Oberschenkel reingezogen. Der war so heftig, dass ich fast aufgehört hätte. Ohne Teamwertung weiß ich nicht, ob ich zu Ende gelaufen wäre. Es ist schade, dass es am Ende nicht ganz mit Team-Gold geklappt hat. So ist es Silber wie 2022 in München. Die Einzelplatzierung ist okay, wenn man die körperlichen Umstände bedenkt“, sagte Richard Ringer.

European Athletics / Getty Images, Maja Hitij

Das Rennen der Frauen

Eindrucksvoller hätte Alisa Vainio ihrer Rolle als Favoritin nicht gerecht werden können. Die 28-jährige Finnin, die vor einem Jahr bereits einen starken fünften Platz bei der WM in Tokio belegt hatte und in der Zwischenzeit ihren nationalen Rekord auf 2:20:39 Stunden verbessert hatte, stürmte schon unmittelbar nach dem Start davon. Trotz der enorm schweren Strecke schlug sie mit einer 5-km-Zwischenzeit von 16:21 Minuten zunächst ein 2:18-Stunden-Tempo ein. In der Folge beruhigte sich ihr Tempo etwas, doch ihr Vorsprung wuchs weiter kontinuierlich. Bei 10 km lag sie mit 32:58 bereits zwei Minuten vor der Konkurrenz. Alisa Vainio, die mit ihrem finnischen Rekord auch die uralte skandinavische Bestzeit der früheren Weltrekordlerin Ingrid Kristiansen (Norwegen/2:21:06) gebrochen hatte, passierte dann die Halbmarathon-Marke nach 70:40 und hatte nun fast dreieinhalb Minuten Vorsprung.

Zwar lief Alisa Vainio die zweite Hälfte etwas langsamer, doch die Finnin brach nicht ein und könnte nach dieser Leistung auch bei zukünftigen Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen eine Rolle spielen. Mit ihrer Siegzeit von 2:22:26 Stunden unterbot sie die bisherige EM-Bestzeit der Französin Chrsitelle Daunay, die in Zürich 2014 in 2:25:15 gewonnen hatte, um fast drei Minuten.

„Ich fühlte mich vom Start weg stark und bin einfach losgelaufen. Ich wusste, dass ich kämpfen musste, aber es fühlte sich relativ leicht an. Nur auf der letzten Runde tat mein linkes Bein weh. Eine Goldmedaille für Finnland gewonnen zu haben, bedeutet mir viel“, sagte Alisa Vainio.

Für die anderen Läuferinnen ging es in Birmingham nur noch um die Silber- und Bronzemedaille. Während die Marathon-Europameisterinnen der vergangenen Jahre - Aleksandra Lisowska (Polen/2022) und Fatima Ouhaddou Nafie (Spanien/2025) - auf den Plätzen 13 beziehungsweise 15 dieses Mal nicht in den Medaillenkampf eingreifen konnten, lief überraschend die Ungarin Lili Anna Vidics-Toth in 2:27:21 auf den zweiten Platz. Dritte wurde die Britin Abbie Donnelly mit 2:27:33.

Als beste deutsche Läuferin erreichte Laura Hottenrott das Ziel als 16. in 2:31:15 und damit immerhin noch unter den Top 20. Die Berglauf-Spezialistin lief bis zur Halbmarathon-Marke (74:02) in der großen Gruppe der Verfolgerinnen. Danach fiel sie zurück, machte aber auf den letzten zwölf Kilometern noch ein paar Plätze gut. „Ich habe auf jeden Fall alles gegeben und hart gekämpft. Der Kurs ist so schwer“, sagte Laura Hottenrott. Zweitbeste deutsche Läuferin war auf Platz 23 Tabea Themann (Hamburg Running) in 2:35:18. In der Team-Wertung blieb den deutschen Athletinnen nur Rang fünf von neun Nationen. Großbritannien siegte hier vor Italien und Spanien.

Vielleicht war es ein Moment der Euphorie, der Fabienne Königstein dazu verführte, nach dem Startschuss dem Tempo von Alisa Vainio zu folgen. Sie war die einzige Athletin, die das anfängliche 2:18-Tempo der Finnin mitging. Nach rund zehn Minuten verlor sie den Kontakt zu Vainio und ließ sich dann in die Gruppe der Verfolgerinnen zurückfallen. „Dass sie anfangs vorne mitgelaufen ist, dürfte ihr später auf die Füße gefallen sein“, sagte die frühere Marathon-Weltrekordlerin Paula Radcliffe, die das Rennen für die BBC kommentierte. Bis zur 25-km-Marke hielt Fabienne Königstein noch in der zu dieser Zeit zehnköpfigen Verfolgerinnen-Gruppe mit. Dann fiel sie weit zurück und gab schließlich nach rund 36 km auf.

„Ich hatte mir wirklich viel vorgenommen: Ich hatte eine super Vorbereitung, eigentlich hat alles gepasst. Aber irgendwie hat der Bewegungsapparat heute nicht mitgemacht. Ab der Hälfte wurde es einfach nur hart, und am Ende konnte ich gar keinen Schritt mehr drücken. Ich weiß nicht genau, was dazu geführt hat, dass ich so schief dastand und das Becken nicht da war, wo es sein sollte. Die Männer haben mich ordentlich angerempelt, als sie vorbei sind, vielleicht habe ich da einen Schlag abbekommen“, sagte Fabienne Königstein.

European Athletics / Chiara Montesano

Ergebnisse der Männer

  1. Amanal Petros GER 2:09:11
  2. Pietro Riva ITA 2:09:18
  3. Gashau Ayale ISR 2:09:21
  4. Suldan Hassan SWE 2:09:24
  5. Tadesse Getahon ISR 2:09:31
  6. Valentin Gondouin FRA 2:09:34
  7. Mahamed Mahamed GBR 2:09:34
  8. Haimro Alame ISR 2:09:45
  9. Samuel Fitwi GER 2:09:47
  10. Richard Ringer GER 2:10:05

17. Matthias Kyburz SUI 2:11:42

21. Simon Boch GER 2:12:55

26. Andreas Vojta AUT 2:15:34

28. Erik Hille GER 2:16:22

36. Patrik Wägeli SUI 2:18:38

37. Tom Thurley GER 2:18:56

Ergebnisse der Frauen

  1. Alisa Vainio FIN 2:22:26
  2. Lili Anna Vidics-Toth HUN 2:27:21
  3. Abbie Donnelly GBR 2:27:33
  4. Nora Szabo HUN 2:27:39
  5. Natasha Wilson GBR 2:27.54
  6. Rebecca Lonedo ITA 2:27:55
  7. Sofia Yaremchuk ITA 2:28:02
  8. Carolina Robles ESP 2:28:07
  9. Tereza Hrochova CZE 2:28:14
  10. Julia Mayer AUT 2:28:23

16. Laura Hottenrott GER 2:31:15

19. Fabienne Schlumpf SUI 2:32:11

23. Tabea Themann GER 2:35:18

32. Katharina Saathoff GER 2:39:34

41. Nina Reuter GER 2:42:34