Die Makkabiade ist ein internationaler Wettkampf mit rund 45 Disziplinen, zu dem jüdische Athletinnen und Athleten aus der ganzen Welt nach Israel reisen. Im Juli 2026 findet die Makkabiade zum 22. Mal statt. Hier erfährst du Wissenswertes über die Entstehungsgeschichte, die Entwicklung und das Sport- und Rahmenprogramm für 2026.
Was ist die Makkabiade?
Die Makkabiade (eng. Maccabiah Games, heb. מכביה) versteht sich seit der ersten Stunde als ein international ausgerichteter Sportwettkampf, der speziell die jüdische Diaspora anspricht. Unter der Schirmherrschaft des internationalen Verbands der Makkabi-Sportbewegung kommen jüdische Sportler und Sportlerinnen aus der ganzen Welt nach Israel, um ihr athletisches Können in über 45 Disziplinen zu messen.
Was in den frühen 1930ern ganz bescheiden und fast noch provisorisch begann, hat sich mittlerweile zum drittgrößten Sportevent weltweit etabliert, das die jüdische Gemeinschaft verbindet und dabei auch Olympioniken und Weltrekordhalter in seinen Reihen zählt. Die zwei Wettkampfwochen bieten traditionell ein buntes Rahmenprogramm für die Sportlerinnen und Sportler sowie die vielen Besucher. Dabei gibt es Rundreisen und Workshops im ganzen Land, um die kulturellen Wurzeln zu entdecken.
Erstmals zur Makkabiade 2026 finden in der Maccabiah City Expo zusätzlich Konzerte, E-Sports und eine Messe sowie Meet-and-Greet-Events mit den Stars der Makkabiade – den israelischen Olympioniken – statt.
Geschichte der Makkabiade: Von den Anfängen bis heute
Als der internationale Makkabi-Sportverband 1929 in der Tschechoslowakei tagte, präsentierte Joseph Yekutieli, in der jüdischen Sportwelt kein Unbekannter und angereist als Makkabi-Repräsentant des unter britischer Mandatsverwaltung stehenden Palästina/Eretz Israel, seine Idee für einen Wettkampf, der die jüdische Diaspora im noch jungen Tel Aviv zusammenbringen sollte – wie eine Olympiade aufgebaut, jedoch gedacht für die auf der ganzen Welt verteilte jüdische Gemeinschaft. Inspiration für seine Idee lieferten die Olympischen Spiele 1912, über die der jugendliche Yekutieli im selben Jahr in einer Broschüre gelesen hatte.
Die ersten Spiele fanden 1932 statt, nach drei Monaten intensivster Vorbereitung und mit gerade einmal 390 Athletinnen und Athleten aus 18 Nationen. 1935 folgten die zweiten Spiele, die bereits gezeichnet waren von der Verfolgung und weiteren Ausgrenzung der jüdischen Bevölkerung Europas. Viele der angereisten Sportler und Sportlerinnen traten erstmals die Heimreise nicht an und blieben im britisch verwalteten Palästina. Die dritte Makkabiade konnte erst 1950 wieder stattfinden; die Lage in Europa, aber auch im Mandatsgebiet selbst, machten die Spiele nach 1935 unmöglich. Seit 1950 finden die Spiele im festen Vier-Jahres-Rhythmus statt, angelehnt an den olympischen Rhythmus.
Die Promotouren für die erste Makkabiade fanden übrigens auf Motorrädern statt, denn damals war Marketing noch Handarbeit: Drei motorisierte Teams brachen aus Tel Aviv auf, um in jüdischen Gemeinschaften in Europa für die Wettkämpfe zu werben. Von Tel Aviv fuhren sie über Ägypten nach Belgien, Deutschland, Frankreich und England.
Von Komfort oder einem Sportlerdorf nach olympischem Vorbild konnten die meisten Athletinnen und Athleten der ersten Makkabiade nur träumen. Ihre Unterbringung erfolgte in aller Bescheidenheit überwiegend in Zelten und Privatunterkünften in und um Tel Aviv, wenige logierten in Hotels oder kamen bei Familienangehörigen unter. Zur 5. Makkabiade 1957 wurde das Sportlerdorf „Kfar Maccabiah“ in Ramat Gan nördlich von Tel Aviv errichtet, das auch heute noch genutzt wird.
Jüdische Winterspiele seit 2023 wieder dabei
Um auch die Wintersportdisziplinen endlich wieder einzubeziehen, wie einst zu den ersten zwei Makkabiaden, sollte die Winter-Makkabiade nach 85 Jahren Pause wieder regelmäßig stattfinden – allerdings witterungsbedingt wie auch vormals schon nicht in Israel, sondern in Europa. 2023 waren Ruhpolding und Kitzbühel Austragungsorte und damit zugleich ein Ereignis von historischer Bedeutung. Gastgeber Makkabi Deutschland e.V. konnte rund 400 jüdische Sportlerinnen und Sportler aus über 20 Nationen begrüßen.
Wo und wie oft findet die Makkabiade statt?
Alle vier Jahre reisen Sportlerinnen und Sportler aus aller Welt nach Israel, um sich eineinhalb bis zwei Wochen lang in 45 Disziplinen zu messen. Teilnahmeberechtigt sind Jüdinnen und Juden aus der Diaspora sowie israelische Staatsbürger und Staatsbürgerinnen jedweder Religionszugehörigkeit.
Waren die ersten Spiele 1932 und 1935 noch auf Tel Aviv und Haifa beschränkt, so finden die 22. Spiele 2026 im ganzen Land statt. Tel Aviv und Jerusalem sind dabei ebenso Austragungsorte wie Haifa im Norden und Sderot im Süden des Landes.
Welche Sportarten gibt es bei der Makkabiade?
Die Makkabiade umfasst eine ausgesprochen große Anzahl von verschiedenen Sportarten: über 45 verschiedene Disziplinen. Die Makkabiade hat somit noch mehr Sportarten als die Olympischen Spiele in ihrem Programm, weil ihre Sportdisziplinen nicht zwingend olympisch sein müssen.
Es gibt etliche Disziplinen aus den Bereichen Ausdauersport und Leichtathletik sowie Para-Leichtathletik. Im Bereich Ausdauersport sind unter anderen die Sportarten Orientierungslauf, Radfahren (auch Para-Cycling) und Triathlon im Programm. Zudem gibt es Wassersport wie Schwimmen (alle Lagen und auch Para-Schwimmen), Open‑Water‑Swimming und Wasserball. Des Weiteren bietet die Makkabiade eine Auswahl an vielen Ballsportarten und Kraftsport sowie Kampfsport, darunter auch nichtolympische Disziplinen wie zum Beispiel Karate. Dazu Golf, Reiten, Bowling sowie Schach – die beiden Letzteren ebenfalls nicht olympisch. Das sind aber noch lange nicht alle.
Der Halbmarathon ist der Klassiker der Makkabiade für den Langstreckenlauf. Neu ist der Maccabi Run – eine Serie aus vier unterschiedlichen Laufwettbewerben in vier verschiedenen Städten. Der Run, der erstmals 2026 ausgetragen wird, umfasst den Halbmarathon, den 10-km-Lauf, den 5-km-Lauf und die Meile (1,6 km). Wer alle vier Läufe als Serie absolviert, erhält den Titel „Maccabi Run Finisher“. Zudem gibt es einen Sprint-Triathlon (750 Meter Schwimmen, 20 Kilometer Rad, 5 Kilometer Laufen).
Die Fackel der Makkabiade wird übrigens genau wie die Olympische Flamme um die Welt getragen, nur dass sie bei der Makkabiade von Israel aus startet und durch jüdische Gemeinden weltweit getragen wird, um pünktlich am 1. Juli zur Eröffnung der Makkabiade wieder in Israel anzukommen. Die Makkabiade dauert rund zwei Wochen und endet mit der Abschlussfeier.
Mehr Infos zur Makkabiade mit einer Liste aller Sportarten für Juli 2026 und allen Events der Makkabiade auf einen Blick.
Wer darf teilnehmen? Qualifikation und Nationen
Die Makkabiade ist die drittgrößte Sportveranstaltung weltweit und die größte jüdische Sportveranstaltung der Welt. Die Teilnahme daran ist eingeschränkt, nicht jede Sportlerin und jeder Sportler kann mitmachen.
Für diese Profisportler, deren Trainer sowie Begleiterinnen ist die Teilnahme geöffnet:
- Jüdische Athletinnen und Athleten aus allen Ländern, unabhängig von deren Leistungsniveau (denn es gibt Open, Junior und Masters).
- Nichtjüdische Athleten, aber nur in bestimmten Fällen, denn Israel darf auch nichtjüdische Staatsbürgerinnen und Staatsbürger nominieren, wenn sie im israelischen Sport aktiv sind.
- Nichtjüdische Trainerinnen, Betreuer und Teams zur Begleitung der Sportler: Delegationen dürfen nichtjüdische Coaches oder Staff‑Mitglieder entsenden.
Wie qualifiziert man sich für die Makkabiade?
Die Qualifikation erfolgt über die nationalen Makkabi‑Verbände in den unterschiedlichen Ländern weltweit. In Deutschland gibt es den Makkabi Deutschland e. V. mit vielen Ortsvereinen (je nach Stadt und Region).
So kann man sich qualifizieren:
- Je nach Sportart, bei Leistungssportarten über Normen, Ranglisten, Tryouts oder Nominierung durch den Verein bzw. Verband.
- Im Breitensport und bei den Masters gibt es niedrigere Hürden und teilweise eine offene Anmeldung, sodass jede und jeder teilnehmen darf.
Die Makkabiade hat übrigens vier Altersklassen, in denen Wettkämpfe ausgetragen und gewertet werden. Dazu gehören die Jüngsten, die Juniors (U16/U18), die Open Division (Leistungssport), die Masters (30+, 40+, 50+ je nach Sport) und die Para‑Maccabiah (nur für Athleten mit Handicap).
Welche Nationen machen mit?
Die Makkabiade ist eine der größten Multisportveranstaltungen der Welt. Viele Länder nehmen daran teil – fast alle, die einen Makkabi‑Verband haben oder eine Delegation stellen.
An der Makkabiade nehmen in der Regel über 80 Nationen teil, darunter Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Ukraine, Russland, USA, Kanada, Australien, Südafrika, Argentinien, Brasilien, Mexiko und natürlich das Gastgeberland Israel.
Bedeutung der Makkabiade für Sport und die jüdische Identität
Es ist kein Zufall, dass der Grundstein für die Makkabiade 1929 gelegt wurde. Jüdische Sportvereine gab es in Europa bereits seit Ende des 19. Jahrhunderts, als jüdischen Menschen zunehmend die Mitgliedschaft in nichtjüdischen Sportclubs verwehrt wurde. Die Makkabi-Vereinigung gewann bereits ab 1903 an Bedeutung, als Theodor Herzl in Basel einmal mehr sportliche Ertüchtigung in den jüdischen Gemeinden forderte, um dem antisemitisch geprägten Klischee vom ängstlichen Ghettojuden entschieden zu begegnen.
Zusammenhalt der jüdischen Gemeinschaft und Israel als Mittelpunkt jüdischen Lebens
Die Idee für eine jüdische Olympiade wurde auf dem Makkabi-Weltkongress 1929 in der Tschechoslovakei vorgetragen und genehmigt. Denn die Zunahme antisemitischer Tendenzen in Europa und Gewalt gegen Juden im britisch kontrollierten Mandatsgebiet Palästina-Eretz Israel gaben letztendlich den Impuls, durch sportliche Wettkämpfe und Clubs das Gemeinschaftsgefühl und Selbstbewusstsein zu stärken. Nach den Ereignissen vom 7. Oktober 2023 und angesichts der anhaltend schwierigen Lage in der Region steht die von 2025 auf 2026 verschobene Makkabiade unter dem Motto „More than ever“.
3 Fragen zur Makkabiade
Das variiert von Veranstaltung zu Veranstaltung. In der Regel sind es aber über 80 Nationen, deren Sportlerinnen und Sportler sich füs das Event qualifizieren.
Ja, die gibt es. Bei den Masters spielen die Altersklassen eine besonders große Rolle: Hier gibt es ja nach Sportart 30+, 40+, 50+, aber auch weitere bis ins hohe Seniorenalter.
Ja, auch die gibt es, genau wie bei den Olympischen Spielen. Sie gehören seit 2009 offiziell zur Makkabiade.
Makkabiade versus Olympische Spiele – die wichtigsten Unterschiede
Diese beiden internationalen Sportveranstaltungen haben viele Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede.
Doch es gibt auch zahlreiche Gemeinsamkeiten, denn schließlich waren in der Entstehungsgeschichte der Makkabiade die Olympischen Spiele das Vorbild. Beide Veranstaltungen sind international ausgerichtet und führen Spitzensport aus aller Welt zusammen, damit die Sporttreibenden sich messen können. Beide umfassen etliche Sportdisziplinen und finden im Vierjahres-Rhythmus statt. Bei beiden Events gibt es Eröffnungs- und Abschlussfeiern mit kulturellen Darbietungen zum Einzug der Nationen. Beide finden rund zwei Wochen lang statt und haben zum Ziel Austausch, Gemeinschaft und den Frieden zu fördern.
Hinweis: Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit mit Anissa Stettner für Recherche und Anfertigen des Textes.
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