Norbert Wilhelmi

Das Rennen um Olympia beim NN Mission Marathon

Marathon in Enschede Das Rennen um die Olympiaplätze

Am Sonntag starten Katharina Steinruck und vier andere deutsche Athleten beim NN Mission Marathon in Enschede und kämpfen um die Olympia-Startplätze. Wir haben die letzten Infos und verraten, wo Sie das Rennen im Livestream sehen können.

Das Flugfeld von Twente bei Enschede ist am Sonntag der Schauplatz des nächsten Kapitels im Kampf um die olympischen Marathon-Startplätze. Fünf deutsche Athleten sind in Holland im Rennen: Tom Gröschel, Katharina Steinruck, Rabea Schöneborn, Laura Hottenrott und Anke Esser.

Für den Superstar im Feld geht es dagegen in erster Linie um ein gutes Testrennen in der Vorbereitung auf die Olympischen Spiele, die im Sommer in Japan stattfinden sollen: Der amtierende Olympiasieger Eliud Kipchoge (Kenia), der mit 2:01:39 Stunden den Weltrekord hält und in Wien in einem nicht rekord-konformen Rennen bereits 1:59:40,2 gelaufen ist, ist natürlich gesetzt für den Start in Japan. Das Männer-Elitefeld ist hochklassig besetzt. So wird auch Kipchoges Vorgänger laufen, der Marathon-Olympiasieger von 2012 Stephen Kiprotich (Uganda).

Vergleichsweise schwächer ist die Startliste der Frauen. Der weibliche Superstar des Rennens, Äthiopiens mehrfache Olympiasiegerin und Weltmeisterin Tirunesh Dibaba, ist zwischenzeitlich ausgefallen. Die einzige Afrikanerin im Rennen ist nun Gladys Chesir. Die Kenianerin geht mit einer persönlichen Bestzeit von 2:24:51 ins Rennen. Jedoch ist ihre Form nicht einzuschätzen, da sie mehrere Jahre nicht international gestartet ist.

Schwierige Startbedingungen

Auch einige andere Athleten haben in den letzten Wochen umdisponiert. In der Folge des Wechsels von Hamburg - hier bekam das Rennen keine Genehmigung der Behörden - nach Enschede und der Verschiebung um eine Woche stehen zurzeit noch 36 Männer und 22 Frauen sowie zusätzliche 21 Tempomacher auf der Startliste. Besonders die deutschen Athleten bedauern, dass der Marathon nicht wie geplant in Deutschland stattfinden konnte. Zwar hatte sich Dresden als kurzfristige Alternative angeboten - dort fanden in den vergangenen Monaten bereits zwei größere Eliterennen statt -, doch die dortigen Organisatoren von „Laufszene Events“ kamen nicht zum Zug. Statt dessen setzen die Veranstalter - das holländische Management Global Sports in Kooperation mit dem Haspa Marathon Hamburg sowie dem Enschede-Marathon - nun auf das Flugfeld von Twente. Aber auch die Auflagen der holländischen Behörden sind streng. So erhalten weder Trainer noch Manager oder andere Begleiter der startenden Athleten Zugang zu dem Rennen. Das ist für die betroffenen Läufer nicht ideal. Dafür allerdings sind die Wetterprognosen zurzeit sehr gut.

Kampf um Olympia

Besondere Spannung verspricht bezüglich des Kampfes um die drei deutschen Olympia-Startplätze das Frauen-Rennen in Holland. In der Pole-Position startet dabei Katharina Steinruck (Eintracht Frankfurt). Sie belegt zurzeit den dritten Startplatz mit einer Zeit von 2:27:26 Stunden und hat zuletzt viel versprechende Form gezeigt. Es wäre keine Überraschung, wenn sie die derzeit zweitplatzierte Deborah Schöneborn (LG Nord Berlin/2:26:55), die in der Folge eines blockierten Sprunggelenkes am Sonntag nicht starten kann, überholen würde. „Natürlich ist das eine gute Position, ich kann sehen, was die anderen machen“, sagt Katharina Steinruck. „Aber ich werde mein Rennen laufen, will eine gute Leistung zeigen und dabei auch möglichst weit nach vorne kommen.“ Katharina Steinruck plant, am Sonntag in der zweiten Gruppe mitzulaufen, für die ein Tempo im Bereich von 2:26 Stunden vorgesehen ist.

Die spannende Frage ist dann: Welche Zeit kann Rabea Schöneborn erreichen und könnte sie ihre Zwillingsschwester aus den Top drei herauskegeln oder sogar Katharina Steinruck gefährden? Nach ihrem überzeugenden Marathon-Debüt in Valencia, wo sie im Dezember auf Anhieb 2:28:42 erreichte, ist auch der Athletin der LG Nord Berlin eine Steigerung zuzutrauen. „Ich bin gut in Form, habe intensiv trainiert und freue mich, dass das Rennen nun stattfindet. Mein Ziel ist es, mich in der Rangliste zu verbessern und eine schnelle Zeit zu laufen“, sagt Rabea Schöneborn, die sich wohl ebenfalls der 2:26er-Gruppe anschließen wird. „Wir witzeln bezüglich der Zeit, die ich laufen werde“, erzählt Rabea Schöneborn, und Deborah, die sich das Rennen zu Hause in Berlin ansehen wird, ergänzt: „Rabea sagt, sie kommt in 2:26:54 ins Ziel, ich sage, es gibt eine 2:26:56! Die Wunschvorstellung ist natürlich, dass wir beide bei Olympia starten.“

Es wäre sensationell, wenn Anke Esser (Bayer Leverkusen/Bestzeit: 2:32:06) noch entscheidend in den Kampf um die Olympia-Tickets eingreifen könnte. Sie ist seit dem Nagoya-Marathon vor gut einem Jahr, als sie die Olympia-Norm von 2:29:30 angriff, dann aber einbrach und nach 2:39:19 ins Ziel kam, nicht mehr in Erscheinung getreten. Anders ist das bei Laura Hottenrott (PSV Grün-Weiß Kassel). Sie kann zwar bisher erst eine Bestzeit von 2:33:01 im Marathon vorweisen, hat sich aber im letzten halben Jahr zunächst im Halbmarathon und dann über 10 km auf 70:49 beziehungsweise 32:13 Minuten verbessert. Laura Hottenrott ist eine deutliche Steigerung zuzutrauen. Bis zur Olympia-Qualifikation ist es aber ein sehr großer Schritt.

Ganz klar ist die Situation für Tom Gröschel (TC Fiko Rostock) am Sonntag: Für den dritten olympischen Startplatz ist zurzeit ein Ergebnis von unter 2:10:18 Stunden nötig. Das ist die Zeit seines Trainingspartners Hendrik Pfeiffer, der durch einen krankheitsbedingten Trainingsausfall nicht auf dem Flugfeld von Twente laufen kann. Auf den ersten Blick erscheint eine Steigerung seiner aktuellen Bestzeit von 2:13:49 um gut dreieinhalb Minuten ein vielleicht zu großer Schritt für Tom Gröschel. Andererseits spiegelte dieser persönliche Rekord aus 2019 schon damals nicht ganz das eigentliche Leistungsvermögen von Tom Gröschel wider. 2018 war er bei der EM in Berlin in einem Hitzerennen als bester Deutscher auf einen beachtlichen elften Rang gelaufen.

„Das Training lief vielversprechend, ich bin in sehr guter Form und freue mich auf das Rennen“, sagt Tom Gröschel, der 2019 durch eine Fußverletzung zurückgeworfen wurde und sich nun mit einer guten Leistung zurückmelden möchte. Im Januar und im März war er im Trainingslager in Kenia und konnte seine wöchentlichen Kilometerumfänge deutlich steigern. „Früher waren es maximal 150 vor einem Marathon, jetzt kam ich auf bis zu 200.“ Dennoch hält sich Tom Gröschel zurück, wenn es um die Chance auf einen olympischen Startplatz geht. „Ich will in einer Gruppe laufen, die eine Halbmarathonzeit von 65:30 Minuten anstrebt“, sagt Tom Gröschel. Damit wäre eine Zeit von unter 2:10:18 noch nicht außer Reichweite. „Aber die Chance auf ein Olympia-Ticket sehe ich eher kritisch. Der Sprung zu Hendriks persönlicher Rekordzeit ist gewaltig. Da die Olympia-Norm von 2:11:30 auch die WM-Norm für 2022 ist, ist diese Zeit auch ein Ziel.“

Am Sonntag könnte sich einiges klären bezüglich der deutschen Olympia-Starter. Twente muss aber noch nicht das Ende des Kampfes um die Tickets nach Japan sein. Je nach Ausgang des Rennens könnte es im Mai noch Last-Minute-Qualifikationsversuche jener Athleten geben, die vielleicht am Sonntag verdrängt werden.

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