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Startet Philipp Pflieger in Berlin in den zweiten Frühling?

Berlin-Marathon 2021 Startet Philipp Pflieger in Berlin in den zweiten Frühling?

Der 34-jährige Philipp Pflieger hofft beim Berlin-Marathon 2021 auf eine neue persönliche Bestzeit.

Philipp Pflieger hat mit Kenenisa Bekele etwas gemeinsam: Der einzige deutsche Top-Marathonläufer im Feld wird so wie der äthiopische Superstar am Sonntag zum vierten Mal beim BMW Berlin-Marathon starten. Bei keinem anderen Marathon lief der inzwischen 34-jährige Regensburger so oft wie in Berlin - gleiches gilt auch für Kenenisa Bekele. Dabei hält Philipp Pflieger einen Zwei-Jahres-Rhythmus ein: 2015, 2017 und 2019 lief er bisher bei diesem Rennen. Nach einem starken Berlin-Debüt 2015 war das Rennen für ihn allerdings keine Erfolgsgeschichte mehr. 2017 und 2019 kam der Regensburger, der für LT Haspa Marathon Hamburg startet, nicht ins Ziel. Doch dieses Mal soll es wieder anders laufen. Dafür hat Philipp Pflieger einiges in seinem Umfeld verändert.

„Ich bin guter Dinge, auch wenn ich vor drei Wochen im Trainingslager aufgrund eines Infektes eine Woche Training verpasst habe“, sagte Philipp Pflieger, der sich Ende 2020 in Valencia auf 2:12:15 verbessert hatte. „Mein Ziel ist es jetzt, zumindest unter 2:12 Stunden zu laufen und vielleicht auch eine Zeit knapp unter 2:11 zu erreichen.“

Vor sechs Jahren hatte Philipp Pflieger beim BMW Berlin-Marathon als bester deutscher Läufer mit 2:12:50 Stunden überrascht. Diese Zeit sollte später ausreichen für die Olympia-Nominierung. Das Berliner Rennen war als erster von mehreren Schritten in Richtung erweiterte europäische Spitze gedacht. Doch Philipp Pflieger geriet ins Stolpern, der zweite Schritt passierte nie wirklich. Statt dessen folgten immer wieder verletzungsbedingte Probleme, auch vor seinem Start bei den Spielen in Rio, und Rückschläge bei den Saisonhöhepunkten bis hin zu einem Knock-out in Berlin 2017 knapp zehn Kilometer vor dem Ziel und einem erneuten Aus bei dem Rennen zwei Jahre später. Dazwischen war er auch beim EM-Marathon in Berlin nicht ins Ziel gekommen. Manches passte offensichtlich nicht mehr zusammen bei der Weiterentwicklung von Philipp Pfliegers Karriere.

Zwischenzeitlich hatte Philipp Pflieger schon an ein Karriereende gedacht. Doch dann machte er den mutigsten Schritt seiner Karriere: Philipp Pflieger zog die „Notbremse“. Der Läufer verließ Ende 2019 seinen Verein, die LG Telis Finanz Regensburg, und seinen langjährigen Trainer Kurt Ring, der ihn in die nationale Spitze geführt hatte. Zunächst stand er dabei buchstäblich im Regen, da ein zunächst avisierter Vereinswechsel nicht zustande kam. Zwar fand er mit dem Laufteam Haspa Marathon Hamburg einen Klub, jedoch fehlte ihm zunächst ein Trainer.

Mangels Coach trainierte er sich selber und setzte dann im Februar 2020 in Barcelona ein Achtungszeichen: Mit 62:50 gelang ihm erstmals eine Halbmarathonzeit von unter 63 Minuten - ein Ergebnis, dem er zuvor vier Jahre lang vergeblich hinterhergejagt war. Die „Notbremse“ hätte er wohl schon eher ziehen müssen. „Vielleicht hätte ich diesen Schritt zwei Jahre früher machen sollen“, sagt Philipp Pflieger. „Aber wäre ich dann bei Renato Canova gelandet? Wahrscheinlich nicht.“ So könnten sich die eigentlich verspäteten Änderungen am Ende doch noch positiv auswirken, da er jetzt von dem italienischen Top-Trainer gecoacht wird.

Als Philipp Pflieger im Winter 2020 ohne Coach im kenianischen Iten trainierte, traf er Sondre Moen. Der Norweger hatte sich unter Renato Canova zu einem europäischen Top-Marathonläufer entwickelt und 2017 mit einer Zeit von 2:05:48 Stunden sogar einen Kontinentalrekord aufgestellt. So kam die Verbindung zu dem italienischen Coach zustande. „Das Trainingspensum von Renato ist eine große Herausforderung. Aber er hat eine absolut positive Aura und ich habe viele neue Impulse bekommen. Oft komme ich an Grenzen, aber drei Wochen später geht es dann doch darüber hinaus. Das war früher unmöglich“, erzählt Philipp Pflieger, der sich dann beim Valencia-Marathon 2020 auf 2:12:15 steigerte. „Vielleicht habe ich mir früher Grenzen gesetzt, die keine Berechtigung haben.“

Mut machen Philipp Pflieger sicherlich auch die vielen anderen Athleten, die sich unter Renato Canova während seiner jahrzehntelangen Trainer-Tätigkeit nach und nach enorm verbessern konnten. Neben Sondre Moen gilt dies zum Beispiel auch für Arne Gabius. Als er in Frankfurt 2014 ein sensationelles Marathon-Debüt lief und ein Jahr später dann dort mit 2:08:33 Stunden den deutschen Rekord brach, war es auch Renato Canova, der ihm die Trainingspläne schrieb. Arne Gabius ist aus einem anderen Grund noch ein gutes Beispiel für Philipp Pflieger: Mit 34 Jahren ist immer noch Zeit für Erfolge im Marathon. Als Arne Gabius seinen deutschen Rekord über die 42,195 km lief, war er 34. Danach rannte er noch einige Jahre auf hohem Niveau.

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