Alles war angerichtet für ein großes Fest des Laufsports, dann kam es in St. Leonhard zu Beginn der Marathon-Woche jedoch zum Murenabgang und plötzlich wurden nicht nur die Organisatoren und alle, die in irgendeiner Weise dazu beigetragen hatten, dass der 20. Pitztaler Gletscher-Marathon am ersten Juli-Wochenende zu einem solch großartigen Event werden würde, wie alle Beteiligten es verdient hatten, unruhig. Wenngleich jegliche Maßnahmen zu Beginn selbstverständlich in erster Linie darauf abzielten, dass es den vorübergehend im Tal eingeschlossenen Menschen gut ging, spielte das immer näher rückende Gletschermarathon-Wochenende, zu dem Laufbegeisterte aus aller Welt anreisten, ebenfalls eine zentrale Rolle.
Die schönsten Bilder vom Pitztaler Gletscher-Marathon 2026 findet ihr in den Galerien oberhalb, inmitten sowie unterhalb dieses Artikels.
Dank des immensen Einsatzes der örtlichen Feuerwehren, der Einsatzkräfte sowie freiwilliger Helfer wurde die auf mehreren hundert Metern massiv beschädigte Straße zuerst durch eine Umfahrung, später und gleichzeitig sogar noch vor dem Marathontag durch eine fix gebaute Hilfsstraße ersetzt. So konnten die Marathon- und Halbmarathonstarter am Ende zur Überraschung vieler – mit Ausnahme von rund 200 Metern, die quasi parallel zur eigentlichen Straße verliefen – doch auf der Originalstrecke laufen. Dafür fand Philipp Stöfelz, Geschäftsführer des Tourismusverbandes Pitztal, dankende Worte: „Der reibungslose Ablauf des 20. Gletscher-Marathons ist der beste Beweis für die großartige Gemeinschaft, die das Pitztal auszeichnet. Ein großer Dank geht an alle Beteiligten, die den widrigen Umständen getrotzt und in Knochenarbeit die Durchführung unseres runden Jubiläums ermöglicht haben.“ Mit welch Ruhe, Sachverstand und Kommunikationsgeschick das Organisationsteam die herausfordernde Situation löste und gegenüber über 1.200 gemeldeten Läuferinnen und Läufern, vielen weiteren Interessierten und den Medien kommunizierte, beeindruckte selbst die erfahrensten Teilnehmenden.

Auch die Zuschauerinnen und Zuschauer waren glücklich, dass der Pitztaler Gletscher-Marathon 2026 wie geplant stattfinden konnte.
Nachwuchsläufer eröffnen das Jubiläum
Wie schon im Vorjahr fand die Startnummernabholung am Samstag, dem Vortag des Marathons, an der Talstation der Hochzeiger-Bergbahn in Jerzens statt. Mit der in der Startnummer inkludierten Berg- und Talfahrt konnten die Laufbegeisterten kostenlos hinauf zur Mittelstation fahren, um sich dort im Zeigerrestaurant bei Sonnenschein mit einer ebenfalls inkludierten Portion Pasta zu stärken. Parallel gaben wenige Meter entfernt über 100 Stars von morgen bei Pitzi’s Kinderlauf ihr Bestes und freuten sich im Ziel voller Stolz über ihre wohlverdiente Finisher-Medaille.
Die schönsten Bilder von Pitzi's Kinderlauf
Jonas Müller stürmt viertem Sieg in Folge entgegen
Zu früher Stunde begrüßte Moderator Günther Leitgeb im Marathon-Startbereich nahe der Talstation der Rifflsee-Bergbahn in Mandarfen mehrere hunderte Marathonstarter, die sich pünktlich um 8:00 Uhr und somit noch bevor die Sonne erstmals über die hohen umliegenden Berggipfel strahlte auf den 42,195 Kilometer langen Weg zur Gruabe Arena in Arzl machten. Von der ersten Sekunde an ergab sich an der Spitze des Marathonfeldes ein Bild, das schon bei den drei vergangenen Ausgaben zu sehen war: Gletscher-Marathon-Rekordsieger Jonas Müller (Roadrunners Südbaden) schlug ein hohes Tempo an und enteilte rasch. Dahinter sortierte sich das Feld auf den beiden Einführungsrunden hinauf zur Gletscherbahn nach und nach. Als sich die ersten Läufer nach gut 5,5 Kilometern unter dem Applaus einiger Zuschauer aus Mandarfen verabschiedeten, betrug Müllers Vorsprung bereits rund eine Minute. Bei den Frauen führte zu diesem Zeitpunkt die Australierin Anna Woodcook knapp vor der Tschechin Eva Drábeková (BK Louny).

Stärken hat der Pitztaler Gletscher-Marathon viele, eine ist die einmalige Tiroler Alpen-Kulisse.
Nach 16 Kilometern wartete in Piösmes die 2025 eingeführte Zusatzschleife von etwas mehr als drei Kilometern Länge. Diese brach mit ihren landwirtschaftlichen Wegen und kurzen Anstiegen den Rhythmus etwas. Bei einigen Läufern hatte man dabei jedoch auch das Gefühl, dass sie sich nochmals neu sammeln würden, um in der Folge noch stärker aufzulaufen – so etwa Eva Drábeková, die inzwischen die Frauen-Konkurrenz anführte und fortan ihre Verfolgerinnen immer deutlicher distanzierte. Bei den Männern setzte sich derweil Drábekovás Landsmann Jan Prokop (Votrex) im Rennen um Platz vier von seinem deutschen Mitstreiter Florian König ab.
Nachdem es am Start noch angenehme Temperaturen von zwölf Grad Celsius hatte, stieg das Thermometer mit dem Erreichen der Halbmarathonmarke spürbar an. Nicht heiß, aber für einen Marathon durchaus warm war es inzwischen. Davon ließen sich die vielen Marathonläuferinnen und Marathonläufer aber nicht beirren und gaben weiterhin ihr Bestes. Gerade da auf den finalen elf Kilometern noch mehrere längere, intensive Anstiege wartete, zahlte es sich aus, dass das Organisationsteam vor Wenns für eine zusätzliche Verpflegungsstelle gesorgt hatte. So wurde der fordernde Anstieg hinauf nach Wenns mit bereits über 35 Kilometern in den Beinen für alle erträglicher.
Die schönsten Bilder von der Strecke
Schnellste Marathon-Siegzeiten seit 2012
Inzwischen vollständig auf der Jagd nach schnellen Zeiten gingen gerade die späteren Sieger Eva Drábeková und Jonas Müller trotz des weit fortgeschrittenen Rennverlaufs nach wie vor beeindruckendes Tempo, wenngleich auch dahinter noch einmal die letzten Kraftreserven mobilisiert wurden. Nach den letzten 5,5 Kilometern von Wenns nach Arzl, die der Strecke des 5,5-Kilometer-Laufs glichen, welcher um 10:00 Uhr gestartet wurde, wurde es kurz vor 10:30 Uhr in der gut gefüllten Gruabe Arena laut. Günther Leitgeb kündigte den ersten Marathonläufer an. Vor dem Start von Leitgeb noch als Mann, den es nach den letzten Jahren zu schlagen galt, genannt, führte auch im vierten Jahr in Folge kein Weg am 32-jährigen Jonas Müller vorbei. In 2:28:27 Stunden lief Müller, der gut zwei Monate zuvor beim London-Marathon in 2:26:21 Stunden zweiter Deutscher geworden war, nochmals 22 Sekunden schneller als im Vorjahr und sorgte so für die schnellste Siegzeit seit 2012. Nach kurzem Jubel dankte er im Interview mit Günther Leitgeb auf dessen Fragen einging allen Beteiligten: „Was das gesamte Orga-Team gemeinsam mit den vielen freiwilligen Helfern hier mit vollem Einsatz und ganz viel Herz auf die Beine stellt, ist ganz besonders. Danke Euch allen für einen solch einmaligen Jubiläums-Marathon!“

Für Jonas Müller war es der vierte Marathon-Sieg beim Gletscher-Marathon in Folge. Dieses Mal war er schon nach 2:28:27 Stunden im Ziel.
Bis mit Steffen Schlegel (LSG Weiher), der 2023 und 2024 auf dem Bronze-Rang gelandet war, nach 2:46:01 Stunden der Zweitplatzierte ins Ziel kam, vergingen wie im vergangenen Jahr gut 17:30 Minuten. Dann jubelten die Zuschauer im Zielbereich Schlegel jedoch begeistert zu. Dahinter folgte Tobias Grüner, der zu Beginn noch auf dem zweiten Platz gelegen hatte, nach 2:48:50 Stunden als Dritter. Das Top-5-Gesamtpodest komplettierten der hierüber sichtlich erfreute Tscheche Jan Prokop (2:50:52 Stunden) sowie Florian König (2:54:08 Stunden). Sechs Sekunden vor König finishte nach 2:54:02 Stunden zuerst aber die verdiente Siegerin Eva Drábeková, der das Strahlen auch Stunden danach nicht aus dem Gesicht weichen wollte. Ebenso wie Jonas Müller ließ auch sie es im wahrsten Sinne des Wortes richtig krachen und lief so passend zum großen Jubiläum ebenfalls die schnellste Gletscher-Marathon-Siegzeit seit 2012. Die Australierin Anna Woodcock, die auf den ersten Kilometern noch geführt hatte, durfte sich am Ende in schnellen 3:02:29 Stunden über den Silber-Rang freuen. Mit dieser Klasse-Zeit hätte Woodcock in den vergangenen zehn Jahren achtmal gewonnen. Dieses Mal gehörte die ganz große Bühne jedoch der ausgezeichnet aufgelegten Eva Drábeková. Hinter den beiden Top-Läuferinnen sicherten sich die Österreicherinnen Nora Kugler (Bike & Run Imst, 3:10:43 Stunden) und Marie-Therese Reich (Lechtaler Naturparklauf, 3:13:02 Stunden) sowie die Tschechin Sylvia Hradocka (Vortex, 3:16:23 Stunden) die verbleibenden Gesamtpodestplätze.
Die schönsten Bilder der Zieleinläufe
Wangler und Thomas krönen schottische Halbmarathon-Dominanz
Beim im Pitztal 21,388 Kilometer langen Halbmarathon von Eggenstall nach Arzl ging es wie gehabt ab 9:00 Uhr rund. In Abwesenheit des ursprünglich vorangemeldeten Vorjahressiegers Simon Bong aus Hamburg richteten sich die Blicke besonders auf Rekordsiegerin Natalie Wangler, die von 2023 bis 2025 durchweg gewinnen und so ebenfalls Gletscher-Marathon-Geschichte schreiben konnte. Auch dieses Mal ging die an der Edinburgh Napier University in Schottland promovierende und für die Roadrunners Südbaden startende Athletin mit guten Siegchancen ins Rennen. Für die große Halbmarathon-Show sorgte sie an diesem Tag jedoch nicht allein, wenngleich sie einen zentralen Teil dazu beitrug.
Vom Start weg machte der 18-jährige Schotte Lachlan Thomas (Ross County Athletics Club) Druck, sodass nur Zsombor Zvekán (Tiszakécske VSE) aus Ungarn ansatzweise folgen konnte. Dahinter positionierten sich mit Lachlan Thomas Zwillingsbruder Kaeden Thomas (Ross County Athletics Club) und Iain Mc Donald (Cambuslang Harriers) zwei weitere schnelle schottische Läufer. Bei den Frauen lief einmal mehr Natalie Wangler allen davon und befand sich so vom ersten Meter an auf dem Weg zum Start-Ziel-Sieg. Während Lachlan Thomas Vorsprung in Schön kurz vor der Hälfte des Rennens eine Minute betrug, lag Natalie Wangler schon zweieinhalb Minuten vor der Ungarin Diána Sass, die später aussteigen musste.

Seit 2023 hieß die Halbmarathon-Siegerin beim Pitztaler Gletscher-Marathon stets Natalie Wangler.
Trotz der nun strahlenden Sonne, vor der die Läuferinnen und Läufer immer weniger Schattenschutz fanden, zeigten einige der Schnellsten beim Halbmarathon auch hinauf nach Wenns und darüber hinaus hervorragendes Durchhaltevermögen. So lief die ebenfalls aus Ungarn stammende Eszter Nadasdi (Futazas.hu) noch von Platz vier auf Platz zwei vor und finishte in 1:29:38 Stunden noch vor Ablauf der ersten eineinhalb Rennstunden. Zu diesem Zeitpunkt strahlte Natalie Wangler allerdings schon gemeinsam mit Marathonsieger und Partner Jonas Müller nach deren historischem vierten Doppelsieg in Folge für die Kameras. In dieses Mal 1:25:00 Stunden sicherte sie sich einen weiteren überaus verdienten Sieg, mit dem sie ein weiteres Kapitel ihrer Erfolgsgeschichte im Pitztal schreiben konnte. Mit Michelle Gitzel (LG Emsdetten, 1:31:48 Stunden) landete eine weitere Deutsche unter den Top 3. Das auch über die Halbmarathon auf fünf Athletinnen und Athleten erweiterte Gesamtpodest der Frauen komplettierten die Österreicherin Sabrina Mayerhofer (SC Zwickl Zwettl, 1:36:18 Stunden) und Allyson Lightfoot aus Kanada (1:37:48 Stunden).
Bei den Männern war der diesjährige Halbmarathon ein Rennen der Schotten. Zwar hatte sich im Schuh von Sieger Lachlan Thomas, der sich mit seinem Bruder auf einer fünfwöchigen Reise durch Europa befindet, auf den ersten Kilometern ein Stein unglücklich verhakt, der sich über die restliche Renndauer durch die komplette Sohle bis in seinen Fuß bohrte, den Mann aus den Highlands hinderte dies trotz aller Schmerzen aber nicht, seinen Sturmlauf bis zum letzten Meter fortzusetzen. So siegte er in beeindruckenden 1:08:54 Stunden vor Zsombor Zvekán (1:09:19 Stunden) und seinem Bruder Kaeden (1:13:02 Stunden). Iain Mc Donald wurde nach einem einsamen Rennen in 1:18:05 Stunden Vierter und war über die große Präsenz in Schottland geborener oder lebender Läufer überrascht und erfreut zugleich. Rang fünf ging an Christoph Tantius (LG Osterwieck/Active Team Erdinger, 1:21:30 Stunden). Insgesamt erreichten 329 Laufbegeistere das Halbmarathon-Ziel.

Natalie Wangler und Lachlan Thomas gewannen beim Pitztaler Marathon-Jubiläum über die Halbmarathon-Distanz.
Pitztal begeistert durch einmalige herzliche Atmosphäre
Gerade bei Einsteigern sehr beliebt war beim Pitztaler Gletscher-Marathon 2026 auch der 5,5-Kilometer-Lauf, der vor dem Gemeindezentrum Wenns gestartet wurde. Nach Platz zwei 2025 und mehreren Siegen über die 5,5 Kilometer zuvor schlug dieses Mal wieder die Stunde von Markus Holzer (Viva con Agua). Er stürmte in nur 18:01 Minuten von Wenns in die Gruabe Arena und war so deutlich schneller als alle anderen. Henk de Keukelare (Azw) aus Belgien folgte in 19:09 Minuten auf Platz zwei. Dritter wurde Bence Kover (Futazas.hu, 20:06 Minuten), Vierter Enzo Sommavilla (ULC Bludenz, 20:13 Minuten) und Fünfter Julian Praxmarer (WSV Ötz Skiclub, 20:17 Minuten). Bei den Frauen freuten sich Ann Parmentier (Azw, 20:30 Minuten) und Lien De Keukelaere (Azw, 22:11 Minuten) über einen belgischen Doppelsieg. Dahinter durften mit Lisa Gabl (ÖRHB Imst, 22:50 Minuten), Bernadette Heimel (SC Austrian Airlines, 24:06 Minuten) und Sabine Wahrner (24:13 Minuten) drei Österreicherinnen jubeln. Aber auch unter allen, die es nicht zur Gesamtsiegerehrung schafften, herrschte gute Laune, schließlich hatten alle Beteiligten einen Lauftag erlebt, der so noch lange in bester Erinnerung bleiben dürfte.

Die 5,5 Kilometer erwiesen sich einmal mehr als perfekte Distanz für Einsteiger und Kurzstrecken-Liebhaber.
Welch besonders herzliche Stimmung den Gletscher-Marathon auch bei seiner 20. Ausgabe begleitete, zeigte sich während der laufenden Siegerehrung, die für den Zieleinlauf des letzten Marathonläufers unterbrochen wurde. Sofort stürmten zahlreiche Laufbegeisterte die Stufen hinauf, um Olaf Pfund zu applaudieren. Und selbst die, deren Beine einen kurzen Treppensprint nach anstrengenden Laufkilometern verhinderten, stimmten mit ein und feierten den letzten Marathonläufer nach knapp sechs Stunden genauso wie rund dreieinhalb Stunden zuvor mit Jonas Müller der Marathonsieger bejubelt wurde. Nur ein Grund dafür, weshalb der Pitztaler Gletscher-Marathon 2026 restlos ausgebucht war.





