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Frankfurt-Marathon 2019 Gelingt Homiyu Tesfaye die nächste Überraschung?

Bei seinem Marathondebüt soll gleich die Olympianorm fallen. Homiyu Tesfaye will in Frankfurt offensiv angehen.

Für eine Überraschung hat Homiyu Tesfaye schon im Vorfeld des Mainova Frankfurt-Marathons gesorgt: Nämlich durch die kurzfristige Ankündigung seines Marathondebüts. Ob ihm auch eine sportliche Überraschung gelingt? Es wäre nicht das erste Mal bei einem Straßenrennen. Der für Eintracht Frankfurt startende 1.500-m-Spezialist freut sich auf sein Heimspiel: „Es gibt nichts Besseres, als zu Hause in Frankfurt meinen ersten Marathon zu probieren. Ich liebe Frankfurt, Frankfurt ist meine Stadt. Es werden viele Freunde und Bekannte an der Strecke stehen, was mich zusätzlich motiviert. Ich bin sehr gespannt, was ich in der Lage bin zu laufen.“

Nach 64:00 Minuten möchte Tesfaye die Hälfte geschafft haben

Über 1.500 m feierte der aus Äthiopien stammende und seit Juni 2013 für Deutschland startberechtigte Läufer seine größten Erfolge, doch auch über 10 km und am Halbmarathon hat Homiyu Tesfaye bereits mit starken Bestzeiten von 27:54 und 61:20 Minuten auf sich aufmerksam gemacht. Der Umstieg von Mittelstreckenläufern auf den Marathon ist immer mit Unsicherheit verbunden. Sein Ziel lässt aufhorchen. Er will auf Anhieb die Olympianorm von 2:11:30 Stunden unterbieten. „Es ist möglich für mich, am Sonntag 2:11 Stunden zu laufen. Man braucht Erfahrung für den Marathon, deshalb gehe ich mit Respekt und etwas Angst in das Rennen. Den Beginn will ich in der Gruppe laufen, die ein Halbmarathontempo von 64:00 Minuten plant. Ich werde es probieren und schaue, was passiert“, sagt Homiyu Tesfaye.

Christoph Kopp rät Tesfaye zu defensiver Taktik

Sollte es ihm gelingen, als erstem deutschen Läufer die internationale Norm zu unterbieten, wäre das eine famose Leistung beim Debüt. „In den vergangenen zwei Wochen ist meine Nervosität gestiegen: Was passiert bei mir bei der Halbmarathonmarke, was passiert kurz vor dem Ziel?“ Christoph Kopp, der Sportliche Leiter des Mainova Frankfurt Marathons, rät ihm zu einer vorsichtigen Herangehensweise: „Homiyu Tesfaye schickt sich an, in die deutsche und vielleicht sogar europäische Spitze zu laufen. Bei ihm ist die Frage, wie er das Rennen angeht. Er muss sich am Anfang zurückhalten. Das Rennen beginnt erst bei Kilometer 35 richtig. Hier muss er noch Energie haben.“

Vom Bahnläufer zu einem der schnellsten

2010 als Flüchtling aus Äthiopien gekommen, führte ihn zunächst Trainer Wolfgang Heinig in Frankfurt in die internationale Spitze über 1.500 m. Als 20-Jähriger war er bereits Fünfter bei den Weltmeisterschaften in Moskau 2013. Ein Jahr später steigerte er sich auf hochklassige 3:31,98 Minuten über die 1.500-m-Distanz und wurde Fünfter bei den Europameisterschaften. Doch der Höhenflug über die Mittelstrecke setzte sich aus unterschiedlichen Gründen nicht fort. Im vergangenen Jahr qualifizierte sich Homiyu Tesfaye für die Europameisterschaften in Berlin, doch im 1.500-m-Finale kam er nicht über Rang 13 hinaus. Das brachte ihn zum Nachdenken: „Auf der Bahn waren meine Zeiten immer unter den Schnellsten in Europa, aber ich habe keine Medaille gewinnen können. Daher habe ich überlegt, ob nicht Potenzial auf einer anderen Strecke vorhanden ist.“

Seit der EM in Berlin ist er bei keinem Rennen mehr an den Start gegangen. Insofern ist seine Form schwer einzuschätzen. Doch Homiyu Tesfaye hat gerade auf der Straße schon mehrmals überrascht. 2015 lief er beim Paderborner Osterlauf als Sieger die 10 km sensationell in 27:54 Minuten. Damit wurde er auf Anhieb zum drittschnellsten deutschen Läufer aller Zeiten über diese Strecke und verpasste den deutschen Rekord von Carsten Eich um lediglich sieben Sekunden. Zwei Jahr später war seine Form nach einer langen Wettkampfpause ebenso wie jetzt in Frankfurt nicht einzuschätzen: Doch beim Berliner Halbmarathon überzeugte Homiyu Tesfaye mit Platz sieben und etablierte sich mit einer Zeit von 62:58 Minuten in der deutschen Halbmarathon-Spitze. Noch besser war das, was er im März 2018 über die 21,0975 km zeigte: In Den Haag wurde er Sechster und erzielte mit 61:20 Minuten die schnellste Zeit eines Deutschen im Halbmarathon seit über 20 Jahren. Er ist damit Nummer fünf in der deutschen Alltime-Liste.

Wöchentlich 250 Kilometer sollen sich in Frankfurt auszahlen

Gelingt Homiyu Tesfaye nun am Sonntag die nächste dicke Überraschung? Ähnlich wie vor seinen Halbmarathonläufen bereitete er sich in Äthiopien auf das Rennen vor. Sechs Wochen lang trainierte er dort in der Trainingsgruppe von Haji Adilo, zu der auch Kenenisa Bekele zählt. Seine längsten Läufe führten über 36 Kilometer. Insgesamt hat er sich vier Monate lang vorbereitet. Marathon sei „zu 50 bis 60 Prozent Kopfsache“, sagt er. „Das Training mit 250 Kilometern je Woche ist härter als das Rennen selbst.“

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