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Petition für EM-Startzeiten-Verlegung

Leichtathletik-EM 2022 Topläufer fordern mit Petition EM-Startzeiten-Verlegung

Statt mittags soll der EM-Marathon früh morgens oder abends stattfinden. Dies fordern deutsche Topläufer.

In einer einmaligen Aktion haben sich praktisch alle derzeitigen deutschen Top-Marathonläufer zusammengeschlossen, um gegen ein mögliches Hitze-Rennen bei den Europameisterschaften in München zu protestieren und eine Verlegung der Startzeiten in die frühen Morgenstunden oder den Abend zu erreichen. Wie berichtet, plant der europäische Leichtathletik-Verband (European Athletics), der die Titelkämpfe gemeinsam mit den „European Championships“ veranstaltet, am 15. August die Frauen um 10.30 Uhr und die Männer um 11.30 Uhr starten zu lassen. Damit laufen die Athleten in eine mögliche Mittagshitze.

Die deutschen Top-Läufer haben bei change.org eine Petition mit dem Titel #AthletesHealthFirstTeamGER initiiert, um mit möglichst vielen Unterschriften Druck auf die verantwortlichen Funktionäre von European Athletics auszuüben. Die Petition kann unter diesem Link eingesehen und unterstützt werden: https://www.change.org/p/gefährlichen-hitze-marathon-bei-der-em-in-münchen-verhindern-startzeiten-verschieben-european-athletics-europäischer-leichtathletik-verband-und-european-championships-athleteshealthfirstteamger?source_location=topic_page

In den letzten Jahren waren Hitzerennen in Ausdauersportarten ein heißes sportmedizinisches und -politisches Thema, nachdem bei diversen Wettkämpfen Athleten unter der Hitze zu leiden hatten. Für die Weltmeisterschaften, die in diesem Jahr nur einen Monat vor den europäischen Titelkämpfen in Oregon (USA) stattfinden, wurden daher die Startzeiten für die Marathonläufe auf jeweils 6.15 Uhr festgelegt.

Unterstützt wird die Petitionen bereits von verschiedenen Organisationen. Darunter sind die German Road Races (GRR), der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV), die Laufsport-Medien Runner’s World und laufen.de sowie mit dem Mainova Frankfurt-Marathon ein international bedeutender Laufveranstalter.

Melat Kejeta äußert sich kritisch

Deutschlands erfolgreichste Marathonläuferin seit vielen Jahren, die Olympia-Sechste Melat Kejeta, sagt: „Angesichts der zu erwartenden Temperaturen bei dieser Startzeit würde ich sagen, dass das gefährlich und nicht wirklich geeignet ist für die Athleten.“ Die Läuferin des Laufteams Kassel, die aufgrund einer Achillessehnenverletzung lange Zeit keine Wettkämpfe bestreiten konnte, im Sommer noch keinen Marathon laufen wird und somit auch nicht bei der EM startet, fügte hinzu: „Ich erinnere mich an die Rennen bei den Olympischen Spielen, und das waren keine schönen Bedingungen. Also ich würde abraten von diesen Startzeiten. Es wäre viel besser, viel früher zu starten.“

Auch ohne Melat Kejeta hätte das deutsche Frauen-Team bei der EM, bei der es im Marathon eine Europacup-Team-Wertung gibt, voraussichtlich Chancen auf eine Medaille. Doch Katharina Steinruck (Eintracht Frankfurt), die sich im vergangenen Jahr auf 2:25:59 Stunden steigerte und damit die schnellste deutsche Marathonläuferin war, warnt: „Wenn der europäische Leichtathletik-Verband nicht mit sich reden lässt bezüglich der Startzeiten, wird es darauf hinauslaufen, dass manche einen Start bei der WM vorziehen werden. Wir haben eigentlich ein sehr starkes Team, das ganz weit nach vorne kommen kann, doch durch die Bedingungen werden wir geschwächt.“ Katharina Steinruck will eigentlich bei der EM in München laufen, ist sich aber angesichts der Startzeiten nicht mehr sicher, ob nicht ein WM-Start die bessere Option wäre. „Mir geht es auch darum, in diesem Jahr eine schnelle Zeit zu erreichen. Ich will nicht nach 2:33 Stunden ins Ziel kommen und dieses Ergebnis dann als Jahresbestzeit zu stehen haben“, sagt die Läuferin, die bei Olympia Platz 31 belegt hatte. „Ein Marathon ist nun mal kein 1.500-Meter-Rennen, so dass man nicht zwei Wochen später wieder woanders starten kann.“

Ringer könnte WM der Heim-EM vorziehen

Johannes Motschmann, der sich im vergangenen Jahr auf 2:12:18 Stunden verbesserte, hat noch nicht entschieden, ob er bei den Europameisterschaften starten würde. Er läuft zunächst am 24. April den Hamburg-Marathon. „Ich verstehe diese Startzeiten nicht, denn morgens sind bei besseren Bedingungen ja auch viel bessere Leistungen möglich. Ich vertrage Hitze in einem Wettkampf eher nicht“, sagt Johannes Motschmann, der in Hamburg eine Zeit unterhalb der WM-Norm von 2:11:30 anstrebt.

Auch die derzeit besten deutschen Marathonläufer, der deutsche Rekordler Amanal Petros (TV Wattenscheid/2:06:27 Stunden) und Richard Ringer (LC Rehlingen/Bestzeit: 2:08:49), gehören zu den Initiatoren der Petition bei change.org. „Hier wird nicht an die Gesundheit der Athleten gedacht. Ich muss mir jetzt sehr genau überlegen, ob ich nicht doch besser bei der WM starte. Man kann sich als Athlet auch nicht alles gefallen lassen“, sagt Richard Ringer.

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