Die Laufkolumne von Dieter Baumann
Dieters Kolumne: Mein Lauf der Woche
Laufen / Leichtathletik  Erbe - Lauf Tuebingen 2014 picture alliance

Baumanns Lauf der Woche Der Mann wird langsam verrückt

Dieter Baumann fragt sich: Wann dürfen wir wieder laufen? Gegeneinander, miteinander. Und er träumt von einem Radevent.

Lauf der Woche
Donnerstag 04.06.2020
Tübingen
Traumhafter-Rad-und-Partnerloser-Dauerlauf

Ich melde mich vom Dauerlaufen heute mit einem Traum. Ich träumte von einer Sportveranstaltung. Einer Radsportveranstaltung. Ich befand mich in einer irrsinnig großen Messehalle. Überall Radsportmenschen. Wir standen in einzelnen, auf den Boden aufgemalten Kreisen. Sie hatten einen Abstand von fünf Meter.

Innerhalb dieser Kreise standen die Menschen mit ihrer Ausrüstung: Rennräder, verschiedene Scheibenräder, transportable Rennradrollen, um sich warm zu fahren, Helme, Kleidung, Trinkflaschen. In meinem Kreis war nichts. Kein Rennrad, kein Helm. Ich stand ganz alleine da. Auf dem Boden stand ein Paar Laufschuhe, sonst nichts.

Plötzlich hörte ich eine Durchsage: „Dieter Baumann zum Start!“

Ich schaute mich um. Zu welchem Start? Da entdeckte ich ein Schild mit der Aufschrift „Start“. Daneben war ein Pfeil, der nach oben in Richtung Hallendach zeigte. Das Schild war unglaublich weit entfernt. Ich konnte es kaum lesen.

„Wo ist denn der Start?“, rief ich meinem Kreisnachbarn über fünf Meter Entfernung zu und deutete auf das Schild. „Oben auf der Brücke“, rief er zurück. „Auf welcher Brücke?“ „Ja auf der Brücke. Wegen der Aerosole. Wegen des Windes. Wir brauchen doch den Wind. Aber sag mal, Sportsfreund, wo ist denn dein Partner?“ „Welcher Partner?“ „Wir dürfen doch nur zu zweit fahren. Dafür hat man sie doch gebaut. Zwei Fahrspuren. Zwei Leute. Die Brücke.“

Wieder hörte ich die Durchsage: „Dieter Baumann zum Start“. Ich schnappte meine Laufschuhe und machte ich mich auf den Weg. Ohne Rennrad, ohne Partner. Erst beim Durchqueren der Halle fiel mir auf, dass in jedem Kreis tatsächlich immer zwei Leute standen. Jeder mit seinem Partner, mit Rennrädern.

Plötzlich, aus dem Nichts, stand die Veranstalterin vom Küstenmarathon Otterndorf vor mir. „Dieter, wir warten auf Dich. Komm schnell, es geht los!“ Sie führte mich im Zickzack-Kurs durch diese irrsinnig große, nie enden wollende Messehalle. Vorbei an vielen tausend Menschen, die in weißen auf den Boden aufgemalten Kreisen auf ihren Start warteten. „Wo ist denn mein Rad?“, fragte ich, „und mein Partner?“

Wieder kam die Durchsage: „Dieter Baumann zum Start“.

„Komm jetzt, wir haben keine Zeit mehr“, sagte Annette, „dein Start-Slot schließt gleich.“ „Start-Slot?“ Ohne zu antworten drängte sie mich auf eine lange Rolltreppe, die zum Hallendach führte. „Ich muss hier bleiben.“ Mit diesem Satz schob sie mich auf die erste Stufe der Rolltreppe, die mich erfasste und nach oben zum Hallendach fuhr. „Der Start ist in fünf Minuten. Fünf Minuten! Hörst du?“.

„Ja, aber wo ist mein Rad?“ rief ich zurück, „und mein Partner?“ Die Rolltreppe führte mich hinauf zum Hallendach in Richtung eines winzigen kleinen Loches. Der Ausgang zum Start, auf die Brücke. Die Menschen unter mir wurden immer kleiner. In der Hand hielt ich meine Laufschuhe.

Wieder hörte ich die Durchsage: „Dieter Baumann zum Start“.

Ich brauche ein Rennrad und einen Partner, dachte ich noch, dann wachte ich auf.

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