Der schon sicher wirkende und am Ende aufgrund einer Achillessehnenverletzung von Tigst Assefa doch noch verpasste Weltrekord fügte der facettenreichen Geschichte des BMW Berlin-Marathons ein weiteres dramatisches Kapitel hinzu, das lange in Erinnerung bleiben wird. Auf dieses hätten in erster Linie die äthiopische Ausnahmeläuferin aber auch die Veranstalter und alle anderen Beteiligten gerne verzichtet. Aber so hart kann der Spitzensport sein, und Dramen gehören schon seit jeher zum Marathon wie zu kaum einer anderen Disziplin.
Doch trotz des Schocks kurz vor dem Ziel und der verletzungsbedingten Absage von Kenias Superstar, Titelverteidiger und Weltrekordler Sabastian Sawe einige Wochen vor dem Start, sah Berlin wieder ein Ausnahmerennen mit höchster Qualität. Ins Ziel humpelnd, erreichte Tigst Assefa immer noch einen Streckenrekord und die drittbeste je gelaufene Zeit mit 2:11:04 Stunden. Rechnet man dieses Ergebnis mit der hochkarätigen 2:02:50-Siegzeit des Äthiopiers Guye Adola zusammen, ergeben sich 4:13:54 Stunden - und damit war der 52. Berlin-Marathon trotz aller Widrigkeiten der zweitschnellste Marathon aller Zeiten.
Hätten sich weder Sabastian Sawe noch Tigst Assefa verletzt, hätte dieses Rennen ein spitzensportlich unglaubliches Spektakel werden können. Aber es sollte in diesem Jahr nicht sein. Eines wurde auch am Sonntag wieder offensichtlich: Berlin bietet das Pflaster für außergewöhnliche Marathon-Leistungen.
So war es für den Race-Direktor Mark Milde, der in Berlin für das Elitefeld verantwortlich ist, eine sehr gemischte Gefühlswelt. „Aber das Leben geht weiter. Wir werden im nächsten Jahr einen neuen Anlauf nehmen und sagen uns: we come back stronger“, sagte Mark Milde. „Es gab ja auch einige sehr erfreuliche Leistungen am Sonntag.“
Bauen kann Mark Milde sicherlich auch in der Zukunft auf die zurzeit stärkste Marathon-Trainingsgruppe der Welt. Am Sonntag kamen die Siegerin Tigst Assefa, die drittplatzierte Dera Dida, der Männer-Sieger Guye Adola und der zweitplatzierte Gemechu Dida alle aus dieser einen Trainingsgruppe, die in Addis Abeba von Gemedu Dedefo gecoacht wird.
Dabei haben die Berliner einen entscheidenden Vorteil, denn adidas ist einerseits der traditionelle Sportsponsor des größten deutschen Marathons und zugleich auch der Ausrüster und Sponsor der Management-Gruppe des Italieners Gianni Demadonna sowie seiner Partner Eric Lilot und Monica Pont Chafer. Die Athleten dieses Trios sind auch jene, die bei Gemedu Dedefo trainieren.
In Kenia wiederum wird das Trainingscamp des Management-Trios in Kapsabet von Claudio Berardelli geleitet. Der italienische Coach trainiert dort unter anderen Sabastian Sawe.
Es spricht einiges dafür, dass der Berlin-Marathon weiterhin eine starke Zukunft hat – irgendwann kommt dann auch die nötige Portion Glück wieder hinzu.












