Marathonfieber zwischen Olympischen Bergen

Sarajevo-Marathon 2024
Marathonfieber zwischen Olympischen Bergen

ArtikeldatumVeröffentlicht am 19.05.2024
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Zwischen den Bergen Trebevic, Igman, Bjelasnica und Jahorina gelegen, ist der Geist der Olympischen Spiele 1984 in Sarajevo, der Hauptstadt von Bosnien und Herzegowina, noch heute, 40 Jahre danach, deutlich spürbar. Hierzu trägt nicht nur das allseits präsente Maskottchen der damaligen Winterspiele, der Wolf Vučko, bei. Zwischen den genannten Bergen, an denen vor nunmehr vier Jahrzehnten zahlreiche Olympische Wettbewerbe ausgetragen wurden, wurde auf einer in Anbetracht der durchaus nennenswerte Berge, die sich besonders unter Wintersportlern nach wie vor großer Beliebtheit erfreuen, vergleichsweise flachen Strecke zum fünften Mal der Sarajevo-Marathon veranstaltet. Am Start des Rennens waren in diesem Jahr über 2.400 Läufer, sodass das eigentliche Teilnehmerlimit für vereinzelte Distanzen sogar etwas überschritten wurde.

Die schönsten Bilder vom Sarajevo-Marathon 2024 finden Sie hier:

Vor der Vijećnica, dem ehemaligen Rathaus sowie Sitz der Nationalbibliothek von Bosnien und Herzegowina, wurde am Rande der Altstadt Sarajevos der Hauptstadt-Marathon um 8:00 Uhr gestartet. Dabei gingen die Teilnehmer aller Distanzen gleichzeitig auf die Strecke. Neben den Kinderläufen, die am Sonntagmittag anstanden, zählten die Rennen über die volle und halbe Marathondistanz sowie ein 5-Kilometer-Lauf zum Wettkampfangebot.

Im Schatten der Berggipfel führte die Strecke des Sarajevo-Marathons die ersten 15 Kilometer in Richtung Westen. Hierbei ging es mehrheitlich etwas bergab, wenngleich die Läufer durch leichten Gegenwind minimal ausgebremst wurden. In Hrasnica wurde südlich des Flughafens die Halbmarathon-Marke erreicht. Während die 757 gemeldeten Halbmarathonläufer von hier aus mit dem Bus zurückgefahren wurden, wartete auf die Marathonläufer eine anstrengendere zweite Hälfte. Einerseits galt es auf den zweiten 21,1 Kilometer den ein oder anderen Anstieg zu meistern, andererseits hatten sich die Wolken verzogen, sodass die Temperaturen nun recht deutlich über 20 Grad Celsius gestiegen waren. Dies demotivierte die Läufer jedoch nicht. Stattdessen freuten sie sich auf den stimmungsvollen Zieleinlauf und das Durchlaufen des 16.100 Zuschauer fassenden Stadions Grbavica, in dem der FK Zeljeznicar Sarajevo seine Heimspiele austrägt. Die 5-Kilometer-Läufer liefen derweil die ersten fünf Kilometer der Marathonstrecke.

Hastor siegt vor Müller und Stevanovic

An der Spitze des Marathonfeldes formierte sich nach rund sechs Kilometern eine vierköpfige Spitzengruppe. Neben den einheimischen Läufern Emir Hastor (AK Gorazde) und Mladen Stevanovic zählten hierzu auch der Kroate Dejan Radanac (RC Kotlich Dive SB/AK Sljeme) und der Deutsche Jonas Müller (Roadrunners Südbaden). Bis Kilometer 18 lief das Quartett gemeinsam, dann musste Radanac abreißen lassen. Die Halbmarathonmarke passierte das Führungstrio in der Folge gemeinsam mit dem Drittplatzierten des Halbmarathons, Alen Memic (Capital Runners 387), nach 1:17:10 Stunden.

Kurz darauf erhöhte Hastor das Tempo etwas. Stevanovic und Müller ließen ihn ziehen und setzten ihr Rennen als Duo gemeinsam fort. Durch die steigenden Temperaturen und die nun zu absolvierenden Höhenmeter litt stellenweise das Tempo, was Hastor für sich zu nutzen wusste. Auf Kilometer 35 wartete dann der nennenswerteste Anstieg auf der gesamten Marathonstrecke. Innerhalb von 500 Metern ging es rund 30 Höhenmeter hinauf. Während Hastor an der Spitze inzwischen einen beruhigenden Vorsprung hatte, waren Stevanovic und Müller nach wie vor gemeinsam unterwegs. Kurz darauf konnte Stevanovic mit Müller, der seinen Mitstreiter noch mehrfach motivierte ihm zu folgen, dann jedoch nicht mir Schritt halten. Knapp fünf Kilometer vor dem Ziel war die Lücke beim Durchlaufen des Stadions Grbavica schon rund 100 Meter groß, im Ziel sollte der Abstand später über eine Minute betragen.

Unter der bosnischen Sonne kam Emir Hastor bald darauf nach 2:33:49 Stunden als Sieger des 5. Sarajevo-Marathons ins Ziel. Unter dem Jubel der Zuschauer finishte an seinem 30. Geburtstag nach 2:36:37 Stunden Jonas Müller auf Rang zwei. Mladen Stevanovic freute sich nach 2:37:58 Stunden über den dritten Platz. In 2:39:05 Stunden blieb dahinter auch der Viertplatzierte Dejan Radanac noch unter 2:40 Stunden.

Größer waren die Abstände bei den schnellsten Frauen. Hier verpasste die kroatische Siegerin Marija Vrajic (AK Maksimir) eine Zeit von unter drei Stunden um 50 Sekunden. Nichtsdestotrotz gewann sie in Sarajevo hochverdient in 3:00:49 Stunden. Den kroatischen Doppelsieg perfekt machte gut fünf Minuten später Ines Jozic (Ultramaraton Klub Marator). Sie benötigte 3:06:04 Stunden, was sie auf den Silber-Rang brachte. Komplettiert wurde das Marathon-Gesamtpodest durch die erste Läuferin aus Bosnien und Herzegowina, Amela Trozic (AK Sana, 3:21:09 Stunden).

Sarajevo-Marathon 2024
RUNNER'S WORLD

Knappe Entscheidung beim Halbmarathon

Auch über die halbe Marathondistanz war ein interessantes Rennen zu sehen. Ilija Jukic (AK Puls Tomislavgrad) und Snezan Obradovic (Rogatica) enteilten den weiteren Läufern deutlich und machten am Ende den Sieg unter sich aus. Obradovic erreicht das Ziel nach erstklassigen 1:11:53 Stunden, musste sich aber mit Platz zwei begnügen. Schließlich finishte Jukic bereits nach 1:11:43 Stunden und siegte so mit einem geringen Vorsprung von nur zehn Sekunden. Alen Memic sicherte sich nach 1:17:10 Stunden Platz drei. Als erste Frau folgte nach 1:25:49 Stunden die Serbin Aleksandra Kostadinovic (AK Srem Sremska Mitrovica). Auf dem zweiten Platz landete die montenegrinische Lauflegende Sladjana Pejovic. Die 40-jährige Olympionikin lief in Sarajevo 1:29:11 Stunden. Dritte wurde Lucija Stefanic aus Kroatien (Ultramarathon Klub Mazator, 1:32:46 Stunden).

Das höchste Tempo war an diesem Tag jedoch beim 5-Kilometer-Rennen, an dem über 800 Läufer teilnahmen, zu sehen. Der in Sarajevo lebende Amerikaner Caleb Greenwich (CR 387) ging von Beginn an sehr hohes Tempo und finishte so bereits nach 15:21 Minuten. Dahinter kamen fast zeitgleich Berin Musanovic (AK Bosna, 16:13 Minuten) und Dzemal Bukvic (AK Puls Tomislavgrad, 16:13 Minuten) auf die Plätze zwei und drei. Nur um acht Sekunden am Podest vorbei lief derweil Milan Kukulicic aus Montenegro (AK Mornar, 16:21 Minuten). Auf hohem Niveau präsentierten sich auch die schnellsten Frauen. Nachdem zu Beginn Natalie Wangler (Roadrunners Südbaden) in Führung lag, übernahm Emina Alagic (CR 387) nach rund zwei Kilometern die erste Position. Diese gab sie bis ins Ziel, das sie nach 17:59 Minuten erreichte, nicht mehr ab. Wangler wurde drei Wochen nach ihrem erfolgreichen Start beim London Marathon in 18:17 Minuten Zweite. Die Serbin Jovana Subatlija (Atletski Klub Srem Sremska Mitrovica, 18:29 Minuten) durfte sich über Platz drei freuen.