Lieber Philipp, Kryo- oder auch einfach Kältetherapie wird seit Jahrzehnten im Sport eingesetzt, um die Regeneration zu beschleunigen. Das Ziel ist, durch Kühlung von außen den Blutfluss zu reduzieren und damit Signalmoleküle, die für Schwellung, Schmerz und Entzündung sorgen, herunterzuregulieren. Behandlungsformen reichen von den klassischen Kühlpacks zur lokalen Anwendung über Kaltwasserbäder bis hin zur von dir erwähnten Ganzkörperkryotherapie.
Bei Letzterer wird die Sportlerin oder der Sportler für kurze Zeit extrem kalten Temperaturen (unter minus 100 Grad) in einer Kältekammer ausgesetzt. Die Muskeltemperatur wird um 3 bis 8 und die Körperkerntemperatur bis zu 2 Grad abgesenkt. Es gibt zahlreiche Studien, die zeigen, dass Kältetherapie Entzündungsparameter reduzieren kann und schmerzlindernd wirkt. Ob das langfristige Auswirkungen auf die allgemeine Verletzungsprävention hat, ist im Detail noch nicht geklärt. Die Protokolle für Kältetherapie sowie Art und Frequenz der Belastungen variieren stark, sodass ein Vergleich der Methoden oftmals uneinheitliche Ergebnisse zeigt. Aber fast alle Studien resümieren einen positiven Effekt auf die Stimmung, Lebensqualität und die wohltuende Betäubung.
Eine Studie an Rugby-Spielern zeigte außerdem, dass zwei Minuten Ganzkörperkältetherapie bei minus 110 Grad an fünf aufeinanderfolgenden Tagen zu einer erhöhten Menge an Markern für einen beschleunigten Knochenaufbau in ihrem Blut führte. Dies könnte der Kältetherapie eine Rolle bei der Prävention von und Heilung nach knöchernen Stressläsionen zukommen lassen, die zu den häufigsten Verletzungen im Laufsport zählen.
Auch wenn der individuelle Nutzen nicht immer ganz klar ist, Schäden scheinen die diversen Kältetherapien in der Regel nicht zu verursachen (außer nach dem Krafttraining!). Ich denke bei der Beantwortung dieser Frage an unsere Trainingslager in Sankt Moritz. Dort gibt es sehr viele superschöne Bergseen, die viele Athletinnen und Athleten regelmäßig zum Eisbad nutzen. Ich halte jeden Tag nach dem Laufen meine Füße für ein paar Minuten ins kalte Wasser. Die betäubende Wirkung des Wassers tut gut und der Blick auf die Berge dazu – das kann doch nur heilsam sein!

Deborah „Debbie“ Schöneborn ist eine der schnellsten deutschen Marathonläuferinnen (Bestzeit: 2:24:54 Stunden) und hat an der Berliner Charité Medizin studiert. In unserer Kolumne beantwortet sie eure Fragen zu Gesundheit, Training und Ernährung.
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