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Niedriger BMI als Risikofaktor? Laufen mit Untergewicht

Ein niedriger BMI steht für Untergewicht. Wir erklären, warum der Body-Mass-Index für Sportler nicht immer aussagekräftig ist.

Ein geringes Körpergewicht im Laufsport bedeutet schnelle Zeiten im Wettkampf. Zumindest sieht es auf den ersten Blick erstmal so aus. Und an der Weltspitze mag das stimmen. Schaut man jedoch bei Volksläufen an die Startlinie, so erblickt man sowohl männliche als auch weibliche Teilnehmer, bei denen man zuerst "Warum steht der so weit vorne?!" denkt und ihn nach der dritten Kurve nicht mal mehr aus der Ferne sehen kann. Was hinsichtlich Leistungsfähigkeit und Gesundheit zählt, ist also nicht ausschließlich die Zahl, die auf der Waage steht und das Körpergewicht anzeigt, sondern vor allem die Gesamtkonstitution des Sportlers. Mit diesen Gedanken im Hinterkopf sollte man demnach auch das Thema "Untergewicht" und die Aussagekraft des zugrunde liegenden Body-Mass-Index (BMI) betrachten.

Was bedeutet Untergewicht?

Wer einen BMI von weniger als 18,5 hat, gilt als untergewichtig. Ein durch Zahlen wie den BMI belegtes Untergewicht geht allerdings gerade bei Läufern nicht zwangsläufig mit körperlichen Problemen einher. Trotzdem gelten Untergewichtige hinsichtlich ihrer Gesundheit ebenso wie Sportler mit Übergewicht als eine Risikogruppe.

Was ist der Body-Mass-Index und welche Bedeutung hat er?

Eines vorweg: Der BMI ist lediglich eine Orientierungshilfe, die gerade bei Ausdauer- und Spitzensportlern nur eine begrenzte Aussagekraft hat. Der BMI berechnet sich aus dem Körpergewicht in Kilogramm geteilt durch die Körpergröße in Metern zum Quadrat. Rechnen Sie Ihren BMI aus, ergibt sich eine Zahl zwischen 17 und 39. Der BMI berücksichtigt keine Unterschiede in der Körperzusammensetzung wie beispielsweise Fett, Muskelgewebe und Wasseranteil.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat für Männer und Frauen eine Tabelle zur orientierenden Einordnung des BMI erstellt.

Einordnung des BMI bei Frauen

unter 17,49 = Untergewicht

17,5 bis 23,99 = Normalgewicht

24 - 26,49 = Übergewicht Stufe 1

26,5 - 28,99 = Übergewicht Stufe 2

29 - 31,49 = Adipositas Grad 1, Stufe 1

31,5 bis 33,99 = Adipositas Grad 1, Stufe 2

34 bis 36,49 = Adipositas Grad 2, Stufe 1

36,5 bis 38,99 = Adipositas Grad 2, Stufe 2

über 39 = Adipositas Grad 3

Einordnung des BMI bei Männern

unter 18,49 = Untergewicht

18,5 bis 24,99 = Normalgewicht

25 bis 27,49 = Übergewicht Stufe 1

27,5 bis 29,99 = Übergewicht Stufe 2

30 bis 32,49 = Adipositas Grad 1, Stufe 1

32,5 bis 34,99 = Adipositas Grad 1, Stufe 2

35 bis 37,49 = Adipositas Grad 2, Stufe 1

37,5 bis 39,99 = Adipositas Grad 2, Stufe 2

über 40 = Adipositas Grad 3

Der BMI ist nicht immer aussagekräftig

Es gibt viele Personengruppen, bei denen die Berechnung des BMI möglich, aber nicht sinnvoll oder aussagekräftig ist. Grundsätzlich bestehen zwischen einzelnen Ländern bereits Unterschiede: Äthiopier und Chinesen haben unabhängig von ihrer sportlichen Aktivität durchschnittlich einen geringeren BMI als Menschen, die in Deutschland leben. Diese wiederum weisen einen niedrigeren BMI auf als Afroamerikaner. Unterschiede bestehen auch bei besonders kleinen oder besonders großen Menschen: Kleine Menschen haben einen im Vergleich höheren BMI als sehr große Menschen. Schließlich bleibt die Organmasse nahezu gleich. Und wer im Kraftsport aktiv ist, besitzt deutlich mehr Muskelmasse als ein Ausdauersportler auf dem gleichen Leistungsniveau. Nach einer Berechnung des BMI würde sich jedoch herausstellen, dass der Kraftsportler übergewichtig und der Ausdauersportler untergewichtig ist. Für beide Sportler hätte die Berechnung des BMI dementsprechend keinerlei Aussagekraft.

Bei geringem BMI vor Trainingseinstieg zum Check-Up

"Sind Sie untergewichtig, sollten Sie sich einer umfassenden ärztlichen Untersuchung unterziehen, bevor Sie mit dem regelmäßigen Laufen starten," empfiehlt Gesundheitsexperte Dr. med. Roger Hofmann. Das Ziel des Arztbesuches ist es, schwerwiegende Erkrankungen auszuschließen, die zu einem dauerhaften Gewichtsverlust führen. Wichtig ist deshalb, ob Sie schon immer sehr schlank waren (genetisch bedingt) oder erst kürzlich Gewicht verloren haben. Zu einer ausführlichen Untersuchung gehören außerdem die klinische Überprüfung des Ganzkörperstatus, insbesondere des Bewegungsapparates und Herz-Kreislaufsystems (am besten einschließlich einer Belastungs-Ergometrie) sowie ein großes Blutbild, um mögliche Mangelerscheinungen feststellen und behandeln zu können. Im Zusammenhang mit niedrigem Körpergewicht sollten zudem der Magen-Darm-Trakt und die Schilddrüse untersucht werden (Stuhl-, Labor- und Ultraschall-Untersuchung). Bei Frauen ist eine ergänzende gynäkologische Abklärung sinnvoll. Nach etwa 12 Wochen kontinuierlichen Trainingseinheiten hilft eine Leistungsdiagnostik, die zukünftigen Trainingsbereiche festzulegen und das Training effizienter zu gestalten, damit Sie Ihre Ziele schneller erreichen.

Untergewicht und Lauftraining schließen sich nicht aus

Sofern sämtliche Ergebnisse unauffällig sind, steht dem Laufsport grundsätzlich nichts entgegen. Eine kritische, fachlich-objektive Beurteilung Ernährungsgewohnheiten kann dabei unterstützen, einen weiteren ungewollten Gewichtsverlust durch den steigenden trainingsbedingten Kalorienverbrauch zu vermeiden.

Überprüfen Sie regelmäßig Ihr Körpergewicht und protokollieren Sie die Entwicklung, am besten in Kombination mit Ihren Trainingskilometern, damit Sie eine weitere Gewichtsreduktion frühzeitig erkennen und dann – nach Rücksprache mit Ihrem Arzt – schnell gegensteuern können. Unter diesen Bedingungen gilt dann auch in Ihrem Fall: Laufen ist gesund!

Vollwertige Ernährung gegen Mangelerscheinungen und Gewichtsverlust

Sorgen Sie für eine ausreichende, dem Verbrauch entsprechende, Fett-, Eiweiß- und Kohlenhydrat-Zufuhr. Mittels reichlicher Flüssigkeits-, Obst- und Gemüse-Anteile decken Sie den Vitamin-, Spurenelemente- und Mikronährstoffbedarf. Achten Sie bei Gemüse, Obst, Fisch und Fleisch auf eine hochwertige Qualität, indem Sie wenig verarbeitete und regionale Produkte ohne Zusatzstoffe kaufen.

Falls in Ihrem Blutbild ein Mangel an einzelnen Spurenelementen oder Mineralstoffen aufgefallen sind, sollten Sie diesen in Absprache mit Ihrem Arzt mit Nahrungsergänzungsmitteln behandeln. Dann ist eine Kontrolle in regelmäßigen Abständen von drei bis sechs Monaten nach dem Laufeinstieg sinnvoll.

Fazit: Laufen geht auch mit Untergewicht!

Wenn Sie sich vorher gut vom Arzt durchgecheckt haben und darauf achten, dass Sie ausreichend und vollwertig essen, schließen sich Laufen und Untergewicht nicht gegenseitig aus. Betrachten Sie Ihr Körpergewicht immer im Zusammenhang mit Ihren Trainingskilometern und schreiten Sie ein, sobald sich Ihr Gewicht stark nach unten verändert.

Ein Satz sei generell zum Laufen mit Untergewicht noch gesagt: Wer trotz Untergewicht des Laufens wegen mit dem Laufen startet, bewegt sich durchaus im gesunden Bereich. Wer jedoch trotz Untergewicht läuft, um das Untergewicht zu halten oder weiter Gewicht zu verlieren, sollte sich unbedingt medizinischen Rat einholen, Stichwort "Magersucht", "Sportsucht" und "Anorexia Nervosa".

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