Warum deine Pace im Sommer plötzlich schlechter wird

Wie viel langsamer laufen ist normal?
Schlechtere Pace im Sommer: Gründe und Tipps

ArtikeldatumVeröffentlicht am 11.07.2026
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Erschöpfter Läufer im Sommer
Foto: Getty Images

Bei sommerlichen Temperaturen fühlt sich Laufen oft zäh wie Kaugummi an. Trotz hohem Belastungsempfinden kommst du kaum vom Fleck: Deine Pace ist viel schlechter als sonst. Dabei hat deine Form bis vor Kurzem noch gestimmt und du warst guter Dinge. Bevor du aus Frust die Laufschuhe in die Ecke schmeißt, ist es gut zu wissen, was die Gründe für das langsamere Laufen bei Hitze sind und wie du trotzdem effektiv trainieren kannst.

Hitze zwingt deinen Körper zu einer Doppelbelastung

Beim Sommerlauftraining wendet dein Organismus nicht nur Energie für die Muskelarbeit auf, sondern auch für die Kühlung. Um die Körperkerntemperatur von rund 37 Grad aufrechtzuerhalten, muss er mehr Blut an die Körperoberfläche pumpen, wo die Wärme über die Haut abgegeben wird. Dafür erweitert er die Blutgefäße in der Haut und das Herz arbeitet stärker. Intensives Schwitzen sorgt zusätzlich für Verdunstungskühle.

Laufen und Thermoregulation belasten den Körper doppelt. Da weniger Blut zur Muskulatur gelangt, sinkt deren Sauerstoffversorgung und damit deine Ausdauerleistung. Obwohl du dein gewohntes Tempo läufst, fühlst du dich viel schneller erschöpft. Der Flüssigkeitsverlust durchs Schwitzen sorgt zusätzlich dafür, dass sich ein Hitzetraining deutlich anstrengender anfühlt als ein Lauf bei kühleren Bedingungen und deine Pace schlechter wird.

Warum dein Puls plötzlich höher ist

An warmen Tagen ist deine Herzfrequenz beim Laufen höher. Das ist ganz normal, schließlich arbeitet dein Herz-Kreislauf-System stärker, um die Doppelbelastung zu stemmen. Bei gleicher Pace kann der Puls um bis zu 20 Schläge zulegen. Mit jedem Grad Anstieg der Körperkerntemperatur erhöht sich die Herzfrequenz um etwa 8 bis 10 Schläge pro Minute. Dabei greifen mehrere Prozesse ineinander und verstärken sich gegenseitig:

  • Durch den Flüssigkeitsverlust sinkt dein Blutvolumen, das Blut wird dickflüssiger. Um die gleiche Menge Blut durch den Körper zu transportieren, muss dein Herz schneller schlagen.
  • Trotz konstantem Tempo steigt der Puls nach etwa 20 bis 30 Minuten kontinuierlich an, da die zunehmende Dehydration die Herzarbeit immer ineffizienter macht. Dieses Phänomen ist als Herzfrequenzdrift bzw. Cardiac Drift bekannt.
  • Durch die Erweiterung der Blutgefäße sinkt der Blutdruck, was dein Herz wiederum über eine höhere Schlagfrequenz ausgleicht.
  • Auch über die Atemluft gibt der Körper Wärme ab, die Atemfrequenz erhöht sich. Das treibt den Puls weiter nach oben.

Luftfeuchtigkeit macht alles noch schlimmer

Bei schwülem Wetter fällt es dir noch schwerer, deine gewohnte Laufleistung zu erreichen, als bei trockener Hitze. Grund ist der Kühlmechanismus des Körpers: Die Verdunstung des Schweißes auf der Haut funktioniert schlechter, wenn die Luft bereits mit Feuchtigkeit gesättigt ist. Durch die geringere Kühlwirkung steigt die Körpertemperatur noch schneller an, während du gleichzeitig immer mehr dehydrierst. Denn auf die steigende Körperkerntemperatur reagiert der Organismus mit noch mehr Schwitzen.

Die kombinierte Belastung aus Temperatur und Luftfeuchtigkeit wird sportphysiologisch mit dem sogenannten Wet Bulb Globe Temperature Index (WBGT) erfasst, der international als Referenzwert für Wettkampfabsagen oder Streckenverkürzungen herangezogen wird. Auch für deine Trainingsplanung solltest du nicht nur auf die Temperatur schauen, sondern auch auf die Luftfeuchtigkeit – und bei hoher Belastung lieber einen lockeren Dauerlauf als ein hartes Tempotraining durchführen.

Verlierst du im Sommer tatsächlich an Fitness?

Das meinen viele Läuferinnen und Läufer, aber zum Glück ist das nicht der Fall. Die schlechtere Pace im Sommer bedeutet lediglich, dass du dein Leistungsvermögen unter den aktuellen Bedingungen nicht voll abrufen kannst – es ist aber nicht verschwunden. Das antrainierte Lungenvolumen, die Kapillarisierung im Muskelgewebe und die aerobe Leistungsfähigkeit bleiben erhalten, sofern du weitertrainierst. Das siehst du zum Beispiel an deiner VO₂max, die sich nicht entscheidend verändert.

Der Eindruck eines Fitnessverlusts kommt oft durch den Vergleich mit Laufzeiten im Frühjahr oder Herbst. Diese erreichst du wieder oder übertriffst sie sogar, wenn es kühler wird. Das Sommertraining führt zu einer Hitzeanpassung, die unter anderem das Blutplasmavolumen erhöht. Und das ist gut für die Laufleistung.

Nach Pace zu laufen, ist im Sommer oft ein Fehler

Versuchst du, die gewohnte Geschwindigkeit bei Hitze auf Biegen und Brechen zu halten, steigt das Risiko für Überlastungen und hitzebedingte Beschwerden enorm. Außerdem verlängert sich oft die Regenerationszeit. Besser ist es, im Sommer auf eine Trainingssteuerung nach Puls und das eigene Belastungsempfinden zu setzen. Achte am besten gar nicht auf die Pace-Anzeige auf deiner Laufuhr, sondern auf die Herzfrequenzzonen. Den gewünschten Trainingsreiz setzt du auch, wenn du langsamer läufst.

Ein Beispiel veranschaulicht das gut: Dein Trainingsplan sieht einen lockeren Dauerlauf bei 6:00 min/km vor. An einem kühlen Oktobertag liegt deine Herzfrequenz dabei bei 130 bis 135 Schlägen pro Minute – also im Bereich der Grundlagenausdauer. An einem 30-Grad-Tag klettert dein Puls dagegen bei gleicher Pace auf 155 oder mehr – du trainierst faktisch in einem ganz anderen Intensitätsbereich. Trittst du jetzt nicht auf die Bremse, wird der Anteil an intensiven Einheiten im Wochenplan viel zu hoch.

So lange braucht dein Körper für die Hitzeanpassung

Am Anfang des Sommers reagierst du auf hohe Temperaturen viel empfindlicher als am Ende: Der Körper passt sich an, vorausgesetzt, du setzt ihn dem Hitzereiz auch wirklich aus. Du musst also bei Wärme laufen gehen, damit eine schrittweise Hitzeakklimatisierung stattfinden kann – ausschließlich in den kühlen Morgenstunden oder nur im schattigen Wald zu joggen, reicht leider nicht. Wenigstens ein paar Einheiten sollten teilweise bei unangenehmen Bedingungen stattfinden. Steigere ein solches Hitzetraining aber langsam: Starte mit reduziertem Umfang und geringer Intensität.

Auf diese Weise erhöht sich bereits nach 3 bis 5 Tagen langsam das Blutplasmavolumen, sodass mehr Flüssigkeit für die Schweißproduktion verfügbar ist. Nach etwa 7 Tagen sinkt die Salzkonzentration im Schweiß, wodurch sich dein Elektrolythaushalt stabilisiert. Nach 10 bis 14 Tagen hat sich das Herz-Kreislauf-System vollständig angepasst und die Herzfrequenz sinkt bei gleicher Belastung häufig wieder.

Wie viel langsamer Laufen ist normal?

Wie stark sich deine Pace im Sommer verschlechtert, hängt neben den externen Faktoren von der individuellen Hitzeverträglichkeit ab. Deshalb gibt es keine festen Tempoabstriche für alle, wohl aber typische Größenordnungen. Unsere Tabelle liefert dir Orientierungswerte, damit du deine Laufzeiten im Vergleich zu Einheiten bei optimalen Lauftemperaturen von etwa 10 bis 12 °C besser einordnen kannst:

7 Tipps für schnelleres und sichereres Laufen im Sommer

Trotz Hitze kannst du mit einigen Anpassungen deines Trainings und flexibler Zeitplanung effektiv trainieren. Diese sieben Maßnahmen helfen dir dabei:

1

Richtige Tageszeit wählen

2

Das Training flexibel gestalten

3

Kühle Strecken bevorzugen

4

Helle Funktionskleidung tragen

5

Kopf und Augen schützen

6

Vor dem Training runterkühlen

7

Aufs Trinken achten

FAQ zu schlechterer Pace im Sommer

Fazit