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Ausprobiert Wie fühlt es sich an, einen Marathon zu skaten?

Inlineskating wird als gutes Alternativtraining für Läufer angepriesen. Wie es ist, gleich einen ganzen Marathon lang zu rollen, hat unsere Mitarbeiterin Jana getestet.

Ausprobiert Skating +
Foto: Norbert Wilhelmi

Laufen vs. Skaten: Bei Kilometer 38 kann Jana noch lachen.

Die Bedingungen:

1. Das Experiment fand im Rahmen eines offiziellen Rennens, des Berlin Marathons statt.

2. Die gesamten 42,195 Kilometer wurden geskatet.

3. Die Probandin durfte zwar trainieren, verfügt aber über keine nennenswerten Vorkenntnisse.


„Jana, wenn du auf Inlineskates nicht den Marathon-Weltrekord im Laufen unterbietest, darfst du dich hier nicht mehr blicken lassen.“ In der Redaktionskonferenz ist die Meinung klar: Skaten kann im Vergleich zum Laufen ja nicht so anstrengend sein. Schließlich rollt man ja nur, dementsprechend sollten die 42 Kilometer eine flotte Geschichte sein. Ich bin mir da nicht so sicher. Immerhin gibt es ja auch noch den Aspekt der Technik. Meine letzte Skating-Erinnerung liegt 15 Jahre zurück und beinhaltet eine Straße mit Gefälle, versagende Bremsfähigkeit und eine T-Kreuzung am Ende (ist zum Glück glimpflich ausgegangen). Jetzt habe ich also zugestimmt, beim Berlin Marathon, einem der größten Inlineskating-Events Deutschlands, anzutreten. Wie sich das für eine Läuferin wohl anfühlt?

DAS TRAINING: VORSICHT VOR BERGEN UND ANDEREN VERKEHRSTEILNEHMERN

Ungefähr sechs Wochen Zeit habe ich, um mich auf den Skate-Marathon am Samstag vor dem großen Berlin Marathon vorzubereiten. Und diese Vorbereitung unterscheidet sich klar vom Laufen. Während sich beim Laufen schon alles um die Fragen dreht ‚Wie lang?‘ und ‚Wie schnell?‘, frage ich mich beim Skaten vor allem: ‚Wo?‘. Die Kriterien wenig Verkehrsteilnehmer, asphaltiert und guter baulicher Zustand treffen nur auf wenige Rad- und Wirtschaftswege in der Umgebung zu. Außerdem versuche ich Bergabfahrten zu vermeiden – für das Tempo, das die Rollerblades dort draufhaben, reichen meine Bremskünste nicht aus. Ich finde schließlich zwei Routen von etwa zehn Kilometern Länge. Diese fahre ich nun so oft es geht ab – ohne Zeitziel, einfach um ein Gefühl für das Rollen zu bekommen.

Bezogen auf die Trainingsintensität erscheint mir das Skaten insgesamt recht entspannt. Ich habe nicht das Gefühl, damit eine Laufeinheit ersetzen zu können. Vielmehr ist es eine lockere Belastung an lauffreien Tagen bzw. ein angenehmer abendlicher Ausgleich, wenn ich morgens schon laufen war. Mein Puls ist deutlich niedriger als beim Laufen, lediglich der Rücken macht sich am Ende mancher Runden bemerkbar. Gut – meine längste Skating-Einheit ist auch nur knapp 20 Kilometer lang und aus Respekt vor dem Verkehr skate ich nicht übermäßig schnell: Es besteht also die Möglichkeit, dass ich beim Marathon böse überrascht werde.

Hier gibt es ausführliche Trainingsvideos und Workouts für Skater, hier gibt es Tipps für den ersten Skate-Marathon und Profis verraten ihre Technik-Geheimnisse.
Inlineskating Detail 2 +
Foto: Henning Lenertz

Lockeres Einrollen bei einer Trainingsrunde auf dem Tempelhofer Feld während der Marathonmesse.

DER WETTKAMPF: TECHNIK SCHLÄGT AUSDAUER

Meter für Meter rolle ich den abschüssigen Weg neben der Straße des 17. Juni und hoffe inständig, dass bald das Schild für Startblock E auftaucht. Zwischen anderen Skatern, Kinderwägen, Hunden und querliegenden Kabeln war ich auf dieser Sand-Piste schon mehrfach knapp vor einem Sturz. Der Weg in den Startblock ist auf Skates schon mal um einiges aufregender, als bei einem Laufwettkampf. Ist man aber einmal angekommen, ist eigentlich alles gleich: Man mustert die Mitstreiter, die in ihren Rennanzügen alle sehr professionell wirken und die Gefühle schwanken zwischen Konzentration und Nervosität. Startblock für Startblock werden dann die insgesamt 5.000 Skater auf die Strecke entlassen. Da beim Berliner Rennen auch der World Inline Cup und der German Inline Cup ausgetragen werden, ist die Weltelite der Speedskater am Start – entsprechend rabiat geht es in den ersten Reihen zu.

Typische Phänomene beim Skate-Marathon

Bei uns ist dann alles etwas kollegialer. Nach einigen hundert Metern habe ich so viel Platz, dass ich in meine Rennhaltung und meinen Rhythmus finden kann. Aber schon kurz hinter der Siegessäule wird mir klar: Das wird mich beides nicht weit bringen. In aerodynamischer Haltung, mit den Armen auf dem Rücken verschränkt, zieht ein Skater nach dem anderen mühelos an mir vorbei. Mehrfach versuche ich, ebenfalls diese Haltung einzunehmen, den Oberkörper zu beugen, tief in die Knie zu gehen und die Arme anzulegen. Aber kaum kommt ein Riss im Asphalt, sind meine Arme reflexartig wieder vorne, bereit mich abzufangen. Ich verbleibe also in meiner dilettantisch-aufrechten Position und notiere mir geistig: Beim Skaten ist nicht die Ausdauer der limitierende Faktor, sondern die Technik.

Neben der speziellen Körperhaltung, erlebe ich beim Inlineskating-Marathon noch ein weiteres typisches Skater-Phänomen: Das Fahren im Verbund, um den Windschatten auszunutzen. Vielleicht ist das ja eher was für mich. Ich hänge mich also an das Ende einer kleinen Gruppe, die in einem ähnlichen Tempo unterwegs ist. So kann ich zwar sehen, welches Gel mein Vordermann in der Rückentasche stecken hat, merke aber viel zu spät, dass es in eine Kurve geht. Ich muss ausscheren und der Verbund zieht davon. Scheinbar bin ich in eine nicht sehr mitteilsame Gruppe geraten, denn eigentlich gibt es dafür Kommunikationsmittel. Kommt eine Kurve, strecken alle Skater beide Arme in die entsprechende Richtung, kommt eine gefährliche Stelle, zum Beispiel die Straßenbahnschienen, werden die Arme gehoben. Auch durch Rufen warnt man sich oft gegenseitig und kündigt Überholmanöver an. Diese Gemeinschaftlichkeit macht einen Skate-Marathon zu einem deutlich kommunikativeren Erlebnis als einen Lauf-Marathon.

Zeitlich näher an Eliud Kipchoge als an Bart Swings

Am Ende überrolle ich die blaue Zielmatte – glücklicherweise ohne Sturz und schneller als der Lauf-Weltrekord. Mit meinen 1:53 Stunden bin ich dann allerdings doch deutlich näher an Eliud Kipchoge, als an Bart Swings, der mit 57:58 Minuten schnellster Skater wird. Nach einem Becher Wasser und einem Stück Banane setze ich mich auf einen Bordstein und ziehe die Skates aus. Von der Geschwindigkeit (durchschnittlich 22 km/h) vibrieren meine Füße noch, aber neben einem leichten Ziehen im Rücken ist das das einzige, was mein Körper von sich gibt. Nicht zu vergleichen mit der Erschöpfung nach einem Lauf-Wettkampf.

FAZIT: SKATEN IST WAS FÜR DIE TEMPO-JUNKIES UNTER DEN LÄUFERN

Für jeden halbwegs gut trainierten Läufer dürfte ein Marathon auf Rollen ausdauertechnisch keine große Herausforderung bedeuten. Ist man sicher auf den Skates unterwegs, spricht nichts dagegen, die klassische Laufdistanz mal aus einer anderen Perspektive zu erleben. Denn es macht unleugbar Spaß, in hohem Tempo über die breiten, freien Straßen zu brausen. Wer schnelle Zeiten fahren will, muss sich im Training allerdings die technischen Grundlagen beibringen. Und das kann – sofern man geeignete Infrastruktur zur Verfügung hat – durchaus ein spaßiges und nicht zu intensives Alternativtraining sein.
Inlineskating Detail +
Foto: Henning Lenertz

Auf Skates mit drei Rollen sind Fortgeschrittene schneller und effizienter auf den langen Strecken unterwegs.

TIPP: DIE RICHTIGEN SKATES FINDEN

Grundvoraussetzung für einen Marathon auf Rollen sind natürlich die Skates. Von Rollerblade bekomme ich für den Berlin Marathon zwei Modelle geschickt: Den Macroblade 84 ABT mit vier kleineren Rollen und den Macroblade 110 3WD mit drei größeren Rollen. Das Fahrgefühl unterscheidet sich bei beiden Modellen ziemlich stark.

Sicher und bequem auf vier kleinen Rollen

Meine ersten Skateversuche mache ich auf dem Macroblade 84 mit fest montierter Bremse und gut gepolstertem Schaft. Generell gilt, dass Skates mit kleinen Rollen (76 bis 84 mm Durchmesser) besser für Anfänger geeignet sind, da sie sich direkter und besser kontrollierbar fahren. Meine Erkenntnis eins: Mit dem Skaten ist es offenbar wie mit dem Fahrradfahren – verlernt man nicht so schnell. Erkenntnis zwei: Es fühlt sich auch genauso an wie früher: Spaßig auf glattem Asphalt, aber sobald enge Kurven, Unebenheiten oder unvorhergesehen Bremsgründe auftauchen muss ich doch ganz schön mit den Armen rudern. Schaffe ich es dann, ein hohes Tempo aufzubauen, werden die kleinen Rollen merklich instabiler.

Schnell und effizient auf drei großen Rollen

Große Rollen mit Durchmessern von 85 bis 125 Millimetern werden eher fortgeschrittenen Skatern empfohlen. Vor allem deshalb, weil sie speziell für schnellere und längere Fahrtdistanzen gemacht sind. Vom Fahrgefühl ist der der Macroblade 110 für mich – als nicht übermäßig versierte Skaterin – dann aber eine Offenbarung: Durch die große Rollenhöhe gleitet man ruhig und elegant über Unebenheiten und dank der langen Schiene, die hinten und vorne über den Fuß hinausreicht, verliere kaum noch das Gleichgewicht. Neben der besseren Tempo-Stabilität zeichnen sich Skates mit drei großen Rollen vor allem auch durch ihre Effizienz aus: Während mir nach meiner 10-Kilometer-Runde auf vier Rollen der Schweiß unter dem Helm herausrinnt, fühlt sich die gleiche Runde auf drei Rollen wie ein Spaziergang an.

Eine Einkaufsberatung, welches das richtige Paar Skates für die eigenen Ziele ist, gibt es (auf Englisch) hier: Choose Your Skates For Your Style.
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Autor: Jana Wagner 20.11.2018
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