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Lauflabor Wie sieht die optimale Renngestaltung aus?

Eine neue Studie weist darauf hin, dass sich ein schnelleres Starttempo gegenüber einem gleichmäßig geführten Rennen auszahlen kann.

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Foto: Norbert Wilhelmi

Die Spitzengruppe kurz nach dem Startschuss beim Weltrekord-Marathon 2013 in Berlin.

Es gibt eine langjährige Debatte darüber, ob ein gleichmäßiges Renntempo über längere Distanzen (das heißt ab 1.500 Meter aufwärts) am effektivsten ist. Physiologisch gesehen ist es einleuchtend - aber wenn man sich die tatsächlichen Tempo-Muster von Weltrekorden anschaut, neigen sie fast alle dazu, eine umgekehrte U-Form zu bilden: ein etwas schnellerer Start, gleichmäßig in der Mitte und zum Ende hin wieder beschleunigend.

Eine aktuelle Studie, die gerade im European Journal of Applied Physiology von Forschern der Northumbria University veröffentlicht wurde, eröffnet ein paar neue, interessante Ansätze zu dieser Frage. In der Studie absolvierten 15 gut trainierte Radfahrer, jeder für sich, mehrmals ein 20-km-Zeitfahren. Zuerst sollten die Probanden die 20 Kilometer in ihrem eigenen Tempo fahren, mit dem Ziel, die Distanz so schnell wie möglich zu beenden. Danach absolvierten sie zwei weitere Testeinheiten in gleichmäßigem Tempo:

In der ersten Testeinheit wurde eine gleichmäßige Tempovorgabe in das Ergometer eingegeben, die der durchschnittlichen Leistung der Probanden während ihres Referenzzeitfahrens im eigenen Tempo entsprach. Dieses gleichmäßige Tempo sollte bis zur Erschöpfung gefahren werden. Wurde es länger als 20 Kilometer aufrechterhalten, wies dies darauf hin, dass ein gleichmäßiges Tempo effizienter war; konnte es nicht über die gesamte Distanz durchgehalten werden, deutete das darauf hin, dass die Strategie, sich am eigenen Tempo zu orientieren, effizienter war.

Die zweite Testeinheit unterschied sich nur leicht von der ersten. Die Teilnehmer wurden diesmal nur angewiesen, die Tempovorgabe gleichmäßig über die 20 Kilometer zu halten, aber die tatsächliche Leistung des Ergometers variierte je nach Trittfrequenz des Radfahrers. Insofern waren die Probanden auch mental gefordert, ihre Tempoleistung beizubehalten. Im Grunde diente dieser Test nur als Kontrolle, um sicherzustellen, dass die Ergebnisse der vorangegangenen Einheit nicht zufällig waren.

Die Ergebnisse: Neun der Radfahrer haben vor Beendigung der Distanz, zwischen Kilometer 10,3 und 15,3, aufgegeben. Nur sechs Radfahrer haben es über die 20 Kilometer hinaus geschafft. Hier wird es interessant: Die Forscher gingen noch einmal zurück und analysierten die allererste Testeinheit, in der das Tempo nach eigenem Ermessen gewählt wurde und verglichen die Gruppe der Aussteiger mit der Gruppe, welche die volle Distanz geschafft hatte.
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Foto: runnersworld.com

Die durchgezogene Linie zeigt die Renngestaltung der Gruppe von Radfahrern, die bei der ersten Testeinheit ausgestiegen sind. Die gestrichelte Linie zeigt die Leistung der Gruppe, welche die volle Distanz bewältigt hat.

Hier springt sofort ins Auge, dass diejenigen Radfahrer, die in der ersten Testeinheit aufgegeben haben, in ihrem Referenzzeitfahren mit einem schnelleren Tempo gestartet sind als sie beibehalten konnten und somit im Mittelteil langsamer wurden, um dann hinten heraus die Einheit hart zu beenden – ähnlich wie im Weltrekordmuster. Wie gesagt, dies war eine erfolgreiche Strategie: Sie waren so schnell, dass sie im nachfolgenden Versuch bei gleichmäßigem Tempo nicht mehr im Stande waren, die Leistung zu wiederholen.

Die andere Gruppe startete dagegen konservativ, blieb relativ gleichmäßig im Mittelteil und zog gegen Ende an. Das war kein optimaler Ansatz, weil sie danach in der Lage war, diese Leistung noch einmal zu wiederholen, teilweise sogar deutlich darüber hinaus (ein Radfahrer von dieser Gruppe schaffte in der ersten Testeinheit 27,4 Kilometer im Durchschnittstempo seines Referenzzeitfahrens).

Was lernen wir daraus? Sicher wird keiner bestreiten, dass ein relativ gleichmäßiges Tempo der beste Ansatz ist. Aber feine Abweichungen - in diesem Fall ausgehend von nur 1 – 2 % schnellerem Tempo auf den ersten 6 Kilometern – scheinen bessere Leistungen zu erzeugen. Die Forscher erklären dies damit, dass die muskuläre Erschöpfung in der ersten Hälfte von längeren Einheiten vorherrscht, während die zentralen Erschöpfungszustände (des Gehirns) die zweite Hälfte dominieren. Da die Muskeln in der Mitte des Rennens ermüden, ist es vermutlich effizienter, dem Körper ein wenig Erholung zu erlauben, statt dem Gehirn zu befehlen, noch mehr Muskelkraft zu aktivieren, was die Erschöpfung nur weiter vorantreiben würde.

Dies ist eine Debatte, die wahrscheinlich auch in absehbarer Zeit noch nicht beigelegt sein wird. Und dies soll ganz sicher keine Lizenz zum Sprint-Start bei Ihren kommenden Wettkämpfen sein, denn es gibt eine ganze Menge an Literatur, die zeigt, dass Spitzenläufer meist ein gleichmäßigeres Tempo wählen als weniger erfahrene Athleten. Wie gesagt, das letzte Wort ist hier noch nicht gesprochen.
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Autor: Alex Hutchinson 22.11.2013
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