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Lauf-Einstieg
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Gesundheit geht vor Check-up vor dem Lauf-Einstieg

Einfach loslaufen? Besser nicht. Wer gesund laufen will, sollte seinen Körper vorher kräftigen und einem medizinischen Check-Up unterziehen.

Laufen ist dafür bekannt, dass es einfach ist, wenig Vorbereitung bedarf und kaum laufende Kosten verursacht. Ganz so einfach ist es aber doch nicht. Für einen gelungenen Start ins Läuferleben reicht es nicht immer, sich mit passenden Laufschuhen und neuen Sportklamotten auszurüsten, einen geeigneten Trainingsplan zu erstellen und einfach loszulaufen: Wer verletzungsfrei laufen und trotz vieler Kilometer gesund bleiben will, sollte seinen Körper vorher mit Kräftigungsübungen auf die Laufbelastung vorbereiten und sich einem Check-Up beim Sportmediziner unterziehen. Sinnvoll ist außerdem eine Lauf- oder Ganganalyse bei einem Physiotherapeuten oder Sportwissenschaftler, um Verletzungen durch einseitige Belastung oder Überlastung nach dem Lauf-Einstieg zu vermeiden.

Ein sportärztlicher Check-up vor den ersten Laufkilometern ist vor allem bei Übergewicht, Adipositas, chronischen Erkrankungen wie Asthma Bronchiale oder Diabetes und bekannten Vorerkrankungen oder gesundheitlichen Problemen wichtig. Besonders Lauf-Anfängern und Sport-Einsteigern über 35 Jahren rät Dr. Johannes Scherr vor dem Einstieg zu einem Check-up beim Arzt. Denn ab diesem Alter ist Arteriosklerose, also die Verhärtung der Arterien (umgangssprachlich: Schlagadern), die häufigste Ursache für einen Herzinfarkt, erklärt der erfahrene Sportmediziner vom Klinikum rechts der Isar in München. Ob dieses Risiko bei Ihnen besteht, sollten künftige Läufer vor Trainingsbeginn klären lassen.

Über eine Gang- oder Laufanalyse sollten Sie nachdenken, wenn Sie im Alltag unter Rückenschmerzen oder Schmerzen in Knie oder Hüfte leiden. Es ist ein Trugschluss, dass diese "einfach so" durch das Laufen besser werden. Lassen Sie sich von einem Physiotherapeuten oder Sportwissenschaftler durchchecken und erstellen Sie auf der Grundlage einer Bewegungsanalyse gemeinsam ein ergänzendes Athletik- und Kräftigungsprogramm, das sie schmerzfrei loslaufen lässt.

Wer braucht die sportärztliche Untersuchung wirklich?

Eine erste Orientierung, ob Sie eine sportärztliche Vorsorgeuntersuchung machen lassen sollten, ­liefert Ihnen beispielsweise der PAR-Q-Fragebogen (Physical Activity Readiness Questionnaire). Anhand einiger einfacher Fragen können Sie abschätzen, ob ein Check vor dem Lauf-Einstieg angebracht ist. Die grundlegende Untersuchung wird von jedem Hausarzt durchgeführt. Ab 35 wird dieser sogenannte Gesundheits-Check-up 35+ sogar von den gesetzlichen Krankenkassen als kostenlose Vorsorgeuntersuchung angeboten. Besser jedoch ist es für Lauf-Anfänger, direkt zu einem Arzt mit der Zusatzqualifikation des Sportmediziners zu gehen. Sicher können andere Läufer Ihnen einen Arzt in Ihrer Nähe mit ­einer Affinität zum Laufen empfehlen.

Der PAR-Q-Test: eine erste Orientierung

Beantworten Sie die unten stehenden Fragen nach bestem Wissen und Gewissen und mit etwas „gesundem“ Menschenverstand.

  • Hat Ihnen jemals ein Arzt gesagt, Sie hätten etwas am Herzen und Ihnen Bewegung und Sport nur unter ärztlicher Kontrolle empfohlen?
  • Hatten Sie im letzten Monat Schmerzen in der Brust in Ruhe oder bei körperlicher Belastung (Anstrengung)?
  • Haben Sie Probleme mit der Atmung in Ruhe oder bei körperlicher Belastung?
  • Sind Sie jemals wegen Schwindel gestürzt oder haben Sie schon jemals das Bewusstsein verloren?
  • Haben Sie Knochen- oder Gelenkprobleme, die sich unter körperlicher Belastung verschlechtern könnten?
  • Hat Ihnen jemals ein Arzt ein Medikament gegen hohen Blutdruck oder wegen eines Herzproblems oder Atemproblems verschrieben?
  • Kennen Sie irgendeinen weiteren Grund, warum Sie nicht körperlich/sportlich aktiv sein sollten?

Falls Sie eine oder mehrere Fragen mit JA beantwortet haben, sollten Sie, bevor Sie sportlich aktiv werden, Ihren Arzt aufsuchen und sich untersuchen und beraten lassen. Nehmen Sie den ausgefüllten PAR-Q-Test am besten mit zu Ihrem Arzttermin.

Das englisch-sprachige Original-Dokument finden Sie auf der Homepage der Canadian Society for Exercise Physiology unter Publications, PAR-Q-Forms. Dort gibt es außerdem den ausführlicheren, vierseitigen PAR-Q+-Fragebogen mit weiteren Fragen nach chronischen Erkrankungen.

Ein deutschsprachiger ausführlicherer Test, der auf dem PAR-Q-Fragebogen basiert, ist der PAPS-Test, der von Dr. med. Lars Brechtel (Abteilung Sportmedizin der Humboldt-Universität zu Berlin) und Jürgen Lock (SMS - Sport-Medizinischer Service, Berlin) in Zusammenarbeit mit der Berliner Akademie für Sportmedizin e.V. entwickelt wurde. Der SCC Berlin bietet den PAPS-Test unter www.paps-test.de als Online-Test an. Nachdem Sie alle Fragen beantwortet haben, können Sie das Ergebnis ausdrucken. Nehmen Sie den Ausdruck zu einer sportmedizinischen Untersuchung mit und zeigen Sie ihn Ihrem Arzt.

Was passiert bei einer sportärztlichen Untersuchung?

Bei der sportmedizinischen Untersuchung checkt der Arzt den Sport-Einsteiger körperlich durch und nimmt bisherige Beschwerden oder familiäre Risikofaktoren auf. Anhand eines Ruhe-EKGs prüft er, ob mit der Herzmuskel-Kontraktion des Lauf-Einsteigers alles in Ordnung ist. Nicht nur Herzrhythmusstörungen können so erkannt werden, sondern auch, ob es etwa Hinweise auf Verdickungen oder Entzündungen am Herzen gibt. Eine Herzmuskelentzündung kann beispielsweise aus einer verschleppten Erkältung oder einem Infekt entstehen und im schlimmsten Fall zum sogenannten Plötzlichen Herztod führen. Von Läufern und Sportlern im Allgemeinen wird das leider oft unterschätzt.

Großes Blutbild und Untersuchung des Herzens

Auch das Blut des Lauf-Einsteigers wird im Rahmen des sportmedizinischen Checks unter die Lupe genommen. Mithilfe eines großen Blutbildes werden etwa der Gesamtcholesterin-Wert sowie die LDL- und HDL-Werte untersucht. Durch einen zu hohen Cholesterinwert kann sich nämlich Cholesterin in den Blutgefäßen ablagern, was wiederum zu Arteriosklerose führt. LDL und HDL sind gewissermaßen die Transporter des Cholesterins. Das LDL bringt das Cholesterin von der Leber zum Gewebe, wo es in den Zellmembranen gebraucht wird. Das HDL transportiert überflüssiges Cholesterin wieder zurück, sodass es sich nicht in den Gefäßwänden ablagern kann und diese dadurch verhärten. Die Entzündungswerte, Leber- und Nierenwerte sollten ebenfalls zur „Generalinspektion“ eines jeden Läufers gehören. Gerade bei Frauen ist ein Blick auf die Werte Ferritin, Vitamin B12 und Vitamin D sinnvoll. Ein Defizit bei einem dieser Werte oder in Kombination kann Herzrasen, Schwäche und Schweißausbrüche beim Laufen verursachen und einen starken Einfluss auf die Laufperformance im Allgemeinen, aber auch im Alltag, haben. Falls erste Untersuchungen auf Probleme hinweisen oder Risikofaktoren vorliegen, kann sich der Arzt mit einem Ultraschall des Herzens oder auch der Halsschlagadern ein genaueres Bild machen. Dabei werden die Gefäßwände des Läufers auf Ablagerungen untersucht.

Belastungs-EKG und Leistungsdiagnostik

Sinnvoll für Lauf-Anfänger wie auch fortgeschrittene Läufer, ist ein Belastungs-EKG. Der minimale Standard ist der WHO-Test, bei dem die Belastung auf einem Ergometer alle drei Minuten gesteigert wird. Dieser Test ist in den meisten Fällen allerdings nur Puls-orientiert. Sportmediziner, Internisten und Sportwissenschaftler führen diesen Test durch.

Optimal wäre eine Leistungsdiagnostik. Hierbei laufen Sie auf einem Laufband, sind also sportartenspezifisch unterwegs. Die Intensität der Belastung wird stufenweise bis zur Erschöpfung bzw. bis zum freiwilligen Abbruch erhöht. Getestet werden Herzfrequenz und Laktatgehalt im Blut. Aus der Untersuchung ergeben sich die Intensitätsbereiche, in denen Sie danach trainieren sollten. Dadurch wird Ihr Training mit Pulsuhr erst wirklich effizient.

Wann ist eine Untersuchung des Bewegungsapparats sinnvoll?

Nach der sportmedizinischen Inspektion wissen Sie genau, ob mit Ihrem Motor und Getriebe alles okay ist. Was dabei aber nicht auf den Prüfstand gestellt wird, ist Ihr Bewegungsapparat. Ein entsprechender Check hilft bei der Wahl der richtigen Laufschuhe und der individuell wichtigsten Athletikübungen.

Die richtigen Laufschuhe

Wenn Sie mit Beinen und Füßen keine Probleme haben und normalgewichtig sind, reicht eine gute Beratung im Fachgeschäft. Falls Sie unter Gelenkproblemen oder einer Fußfehlstellung leiden, kann es sinnvoll sein, einen weiteren Experten zu befragen. Bei Fußproblemen wie etwa Senkfuß, Zehenschiefstand oder Überbein fertigt ein Orthopädietechniker oder Orthopädieschuhmacher Einlagen auch speziell für Ihre Laufschuhe an. Parallel dazu kann Ihnen ein Physiotherapeut oder ein Sportwissenschaftler Übungen für Läufer zeigen, mit denen Sie Ihre Füße kräftigen können.

Gang- und Laufanalyse: Verletzungsfrei laufen

Viele Knie- und Rückenprobleme bei Läufern entstehen aus einem ineffizienten oder unrunden Laufstil. Dieser entsteht, weil der Körper versucht, muskuläre Schwächen einzelner Körperbereiche mit Muskeln zu kompensieren, die für eine bestimmte Bewegung eigentlich gar nicht gemacht sind. Die Folge können Überlastungssyndrome wie Shin Splints, Achillessehnenschmerzen oder das Läuferknie sein.

Eine Bewegungsanalyse mit ausführlicher Bewegungsanamnese, Krafttests der wichtigsten Muskeln und eine Analyse von Gang- und Laufstil hilft Ihnen dabei, die Schwächen Ihres Bewegungsapparates aufzudecken. Gute Laufanalysen beinhalten eine Videoanalyse, bei der Ihnen der Physiotherapeut oder Sportwissenschaftler zeigt, wo Ihre Schwächen liegen. So bekommen Sie ein Gefühl für Ihren individuell richtigen Laufstil.

Fazit: Wer vorsorgt, läuft länger gesund und schmerzfrei

Sie sollten eine sportärztliche Untersuchung auf jeden Fall durchführen lassen und gegebenenfalls eine orthopädische Untersuchung in Anspruch nehmen, wenn einer der folgenden Aspekte auf Sie zutrifft:

  • Sie sind übergewichtig.
  • Sie haben ein Alter von 35 Jahren überschritten.
  • Sie haben Gelenkprobleme, Rückenschmerzen oder Fußprobleme.
  • Sie sind chronisch krank.

Ihr Arzt wird Ihnen helfen, entsprechende Maßnahmen zu treffen, damit Sie ohne große Risiken anfangen können, Sport zu treiben.

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