Sportmedizinische Untersuchung: Check-up für Läufer

Sportmedizinische Untersuchung
Check-up vor dem Lauf-Einstieg

ArtikeldatumZuletzt aktualisiert am 02.07.2026
Als Favorit speichern
Check-up vor dem Lauf-Einstieg
Foto: iStockphoto

Laufen ist dafür bekannt, dass es einfach ist, wenig Vorbereitung bedarf und kaum laufende Kosten verursacht. Ganz so einfach ist es aber doch nicht. Für einen gelungenen Start ins Joggen reicht es nicht immer, sich mit passenden Laufschuhen und neuen Sportklamotten auszurüsten, einen geeigneten Trainingsplan zu erstellen und einfach loszulaufen: Wenn du verletzungsfrei laufen und trotz vieler Kilometer gesund bleiben willst, solltest du deinen Körper vorher mit Kräftigungsübungen auf die Laufbelastung vorbereiten und dich einem Check-up beim Sportmediziner unterziehen. Sinnvoll ist außerdem eine Lauf- oder Ganganalyse bei einem Physiotherapeuten oder einer Sportwissenschaftlerin, um Verletzungen durch einseitige Belastung oder Überlastung nach dem Lauf-Einstieg zu vermeiden.

In diesem Artikel erklären wir, wieso es so wichtig sein kann, eine sportmedizinische Untersuchung zu machen, und wie sie genau abläuft.

Was ist eine sportmedizinische Untersuchung?

Eine sportmedizinische Untersuchung ist ein medizinischer Check‑up, der speziell auf die Bedürfnisse von Sportlerinnen und Sportlern zugeschnitten ist. Anders als bei einem allgemeinen Gesundheitscheck geht es hier nicht nur darum, Krankheiten auszuschließen, sondern die körperliche Leistungsfähigkeit zu analysieren, Risiken zu erkennen und individuelle Trainingshinweise abzuleiten.

Im Zentrum stehen das Herz‑Kreislauf‑System, die Atmung, die Muskulatur und die Stoffwechselreaktionen unter Belastung. Die Untersuchung umfasst sowohl Ruhetests als auch Belastungstests wie ein Belastungs-EKG oder eine Leistungsdiagnostik. Ziel ist es, sicherzustellen, dass der Körper sporttauglich ist und die geplanten Belastungen – etwa ein Marathon – sicher bewältigen kann.

Für wen ist eine sportmedizinische Untersuchung sinnvoll?

Ein sportärztlicher Check-up vor den ersten Laufkilometern ist vor allem bei Übergewicht, Adipositas, chronischen Erkrankungen wie Asthma Bronchiale oder Diabetes und bekannten Vorerkrankungen oder gesundheitlichen Problemen wichtig. Besonders Lauf-Anfängern und Jogging-Einsteigerinnen über 35 Jahren rät Dr. Johannes Scherr vor dem Einstieg zu einem Check-up beim Arzt. Denn ab diesem Alter ist Arteriosklerose, also die Verhärtung der Arterien (umgangssprachlich: Schlagadern), die häufigste Ursache für einen Herzinfarkt, erklärt der erfahrene Sportmediziner vom Klinikum rechts der Isar in München. Ob dieses Risiko bei dir besteht, sollten künftige Läuferinnen und Läufer vor Trainingsbeginn klären lassen.

Über eine Gang- oder Laufanalyse solltest du nachdenken, wenn du im Alltag unter Rückenschmerzen oder Schmerzen in Knie oder Hüfte leidest. Es ist ein Trugschluss, dass diese „einfach so“ durch das Laufen besser werden. Lass dich von einer Physiotherapeutin oder einem Sportwissenschaftler durchchecken und erstelle auf der Grundlage einer Bewegungsanalyse gemeinsam ein ergänzendes Athletik- und Kräftigungsprogramm, das dich schmerzfrei loslaufen lässt.

Eine erste Orientierung, ob du eine sportärztliche Vorsorgeuntersuchung machen lassen solltest, liefert dir der PAR-Q-Fragebogen (Physical Activity Readiness Questionnaire). Anhand einiger einfacher Fragen kannst du abschätzen, ob ein Check vor dem Lauf-Einstieg angebracht ist.

Der PAR-Q-Test: eine erste Orientierung

Beantworte die unten stehenden Fragen nach bestem Wissen und Gewissen und mit etwas „gesundem“ Menschenverstand.

  • Hat dir jemals ein Arzt gesagt, du hättest etwas am Herzen und dir Bewegung und Sport nur unter ärztlicher Kontrolle empfohlen?
  • Hast du im letzten Monat Schmerzen in der Brust in Ruhe oder bei körperlicher Belastung (Anstrengung) gehabt?
  • Hast du Probleme mit der Atmung in Ruhe oder bei körperlicher Belastung?
  • Bist du jemals wegen Schwindel gestürzt oder hast du schon jemals das Bewusstsein verloren?
  • Hast du Knochen- oder Gelenkprobleme, die sich unter körperlicher Belastung verschlechtern könnten?
  • Wurde dir jemals ein Medikament gegen hohen Blutdruck oder wegen eines Herzproblems oder eines Atemproblems verschrieben?
  • Kennst du irgendeinen weiteren Grund, warum du nicht körperlich/sportlich aktiv sein solltest?

Falls du eine oder mehrere Fragen mit JA beantwortet hast, solltest du, bevor du sportlich aktiv wirst, deine Ärztin oder deinen Arzt aufsuchen und dich untersuchen und beraten lassen. Nimm den ausgefüllten PAR-Q-Test am besten mit zu deinem Arzttermin.

Der PAPS-Test

Ein deutschsprachiger, ausführlicherer Test, der auf dem PAR-Q-Fragebogen basiert, ist der PAPS-Test, der von Dr. med. Lars Brechtel (Abteilung Sportmedizin der Humboldt-Universität zu Berlin) und Jürgen Lock (SMS - Sport-Medizinischer Service, Berlin) in Zusammenarbeit mit der Berliner Akademie für Sportmedizin e.V. entwickelt wurde. Der SCC Berlin bietet den PAPS-Test unter www.paps-test.de als Online-Test an. Nachdem du alle Fragen beantwortet hast, kannst du das Ergebnis ausdrucken. Nimm den Ausdruck zu einer sportmedizinischen Untersuchung mit und zeige es deinem Arzt.

Wer macht sportmedizinische Untersuchungen?

Die grundlegende Untersuchung wird von jeder Hausärztin und jedem Hausarzt durchgeführt. Ab 35 wird dieser sogenannte Gesundheits-Check-up 35+ sogar von den gesetzlichen Krankenkassen als kostenlose Vorsorgeuntersuchung angeboten. Besser jedoch ist es für Laufanfängerinnen und -anfänger, direkt in eine Praxis mit der Zusatzqualifikation Sportmedizin zu gehen. Sicher können andere Läuferinnen und Läufer dir eine Ärztin in deiner Nähe mit einer Affinität zum Laufen empfehlen.

Welche Untersuchungen gehören typischerweise dazu?

Bei der sportmedizinischen Untersuchung checkt die Ärztin den Laufanfänger körperlich durch und nimmt bisherige Beschwerden oder familiäre Risikofaktoren auf. Anhand eines Ruhe-EKGs prüft sie, ob mit der Herzmuskelkontraktion des Laufeinsteigers alles in Ordnung ist. Nicht nur Herzrhythmusstörungen können so erkannt werden, sondern auch, ob es etwa Hinweise auf Verdickungen oder Entzündungen am Herzen gibt. Eine Herzmuskelentzündung kann beispielsweise aus einer verschleppten Erkältung oder einem Infekt entstehen und im schlimmsten Fall zum sogenannten plötzlichen Herztod führen. Von Läufern und Sportlerinnen im Allgemeinen wird das leider oft unterschätzt.

Großes Blutbild und Untersuchung des Herzens

Auch das Blut des Sporteinsteigers wird im Rahmen des sportmedizinischen Checks unter die Lupe genommen. Mithilfe eines großen Blutbildes werden etwa der Gesamtcholesterin-Wert sowie die LDL- und HDL-Werte untersucht. Durch einen zu hohen Cholesterinwert kann sich nämlich Cholesterin in den Blutgefäßen ablagern, was wiederum zu Arteriosklerose führt. LDL und HDL sind gewissermaßen die Transporter des Cholesterins. Das LDL bringt das Cholesterin von der Leber zum Gewebe, wo es in den Zellmembranen gebraucht wird. Das HDL transportiert überflüssiges Cholesterin wieder zurück, sodass es sich nicht in den Gefäßwänden ablagern kann und diese dadurch verhärten. Die Entzündungswerte, Leber- und Nierenwerte sollten ebenfalls zur „Generalinspektion“ eines jeden Läufers gehören. Gerade bei Frauen ist ein Blick auf die Werte Ferritin, Vitamin B12 und Vitamin D sinnvoll. Ein Defizit bei einem dieser Werte oder in Kombination kann Herzrasen, Schwäche und Schweißausbrüche beim Laufen verursachen und einen starken Einfluss auf die Laufperformance im Allgemeinen, aber auch im Alltag, haben. Falls erste Untersuchungen auf Probleme hinweisen oder Risikofaktoren vorliegen, kann sich die Ärztin mit einem Ultraschall des Herzens oder auch der Halsschlagadern ein genaueres Bild machen. Dabei werden die Gefäßwände des Läufers auf Ablagerungen untersucht.

Belastungs-EKG und Leistungsdiagnostik

Das Belastungs‑EKG ist einer der wichtigsten Bestandteile der sportmedizinischen Untersuchung. Es zeigt, wie das Herz unter körperlicher Belastung arbeitet und ob es zu Rhythmusstörungen, Durchblutungsproblemen oder ungewöhnlichen Reaktionen kommt. Für Läuferinnen und Läufer ist das besonders relevant, da Herz‑Kreislauf‑Erkrankungen oft unbemerkt bleiben und erst unter hoher Belastung sichtbar werden. Ein Belastungs‑EKG kann daher lebenswichtige Hinweise liefern und ist ein zentraler Baustein der Sporttauglichkeitsuntersuchung.

Der minimale Standard ist der WHO-Test, bei dem die Belastung auf einem Ergometer alle drei Minuten gesteigert wird. Dieser Test ist in den meisten Fällen allerdings nur Puls-orientiert. Sportmediziner, Internistinnen und Sportwissenschaftler führen diesen Test durch. Optimal wäre eine Leistungsdiagnostik. Hierbei läufst du auf einem Laufband, bist also sportartenspezifisch unterwegs. Die Intensität der Belastung wird stufenweise bis zur Erschöpfung bzw. bis zum freiwilligen Abbruch erhöht. Getestet werden Herzfrequenz und Laktatgehalt im Blut. Aus der Untersuchung ergeben sich die Intensitätsbereiche, in denen du danach trainieren solltest. Dadurch wird dein Training mit Pulsuhr erst wirklich effizient.

Kann eine sportmedizinische Untersuchung Verletzungen verhindern?

Direkt verhindern kann eine sportmedizinische Untersuchung Verletzungen nicht. Sie kann jedoch das Risiko für Verletzungen deutlich reduzieren. Durch die Analyse von Trainingsbereichen und Belastungsreaktionen lassen sich Überlastungen früh erkennen. Wer seine individuellen Trainingszonen kennt, läuft weniger im unproduktiven Bereich, der weder regenerativ noch leistungssteigernd ist, aber das Verletzungsrisiko erhöht.

Fehlhaltungen oder muskuläre Dysbalancen können im Rahmen einer zusätzlichen Laufanalyse erkannt und gezielt behandelt werden. Dabei wird die Laufbewegung betrachtet, um eventuelle Fehlstellungen und -belastungen festzustellen. Es lohnt sich also, sich auch einmal näher mit der eigenen Laufbewegung und den passenden Laufschuhen zu befassen.

Gang- und Laufanalyse: Verletzungsfrei laufen

Viele Knie- und Rückenprobleme bei Läuferinnen und Läufern entstehen aus einem ineffizienten oder unrunden Laufstil. Dieser entsteht, weil der Körper versucht, muskuläre Schwächen einzelner Körperbereiche mit Muskeln zu kompensieren, die für eine bestimmte Bewegung eigentlich gar nicht gemacht sind. Die Folge können Überlastungssyndrome wie Shin Splints, Achillessehnenschmerzen oder das Läuferknie sein.

Eine Bewegungsanalyse mit ausführlicher Bewegungsanamnese, Krafttests der wichtigsten Muskeln und eine Analyse von Gang- und Laufstil hilft dir dabei, die Schwächen deines Bewegungsapparates aufzudecken. Gute Laufanalysen beinhalten eine Videoanalyse, bei der dir ein Physiotherapeut oder eine Sportwissenschaftlerin zeigt, wo deine Schwächen liegen. So bekommst du ein Gefühl für deinen individuell richtigen Laufstil.

Die richtigen Laufschuhe

Wenn du mit Beinen und Füßen keine Probleme hast und normalgewichtig bist, reicht eine gute Beratung im Lauf-Fachgeschäft. Falls du unter Gelenkproblemen oder einer Fußfehlstellung leidest, kann es sinnvoll sein, einen weiteren Experten zu befragen. Bei Fußproblemen wie etwa Senkfuß, Zehenschiefstand oder Überbein fertigt eine Orthopädietechnikerin oder ein Orthopädieschuhmacher Einlagen auch speziell für deine Laufschuhe an. Parallel dazu kann dir ein Physiotherapeut oder eine Sportwissenschaftlerin Übungen für Läufer zeigen, mit denen du deine Füße kräftigen kannst.

Wann sollte man eine Untersuchung vor einem Wettkampf machen?

Wenn du sehr leistungsorientiert bist, kannst du eine sportmedizinische Untersuchung vor deinem Wettkampf einbauen, um eine realistische Zielzeit, Herzfrequenz und Pace zu ermitteln. Idealerweise erfolgt die Untersuchung einige Monate vor deinem Marathon oder Halbmarathon. So bleibt ausreichend Zeit, deine Trainingsbereiche anzupassen und eventuelle Auffälligkeiten zu behandeln. Wer zum ersten Mal einen Wettkampf läuft, sollte die Untersuchung unbedingt einplanen. Auch erfahrene Läufer profitieren, da sich die Belastbarkeit des Körpers über die Jahre verändert.

Was kostet eine sportmedizinische Untersuchung?

Das ist ganz davon abhängig, was du alles testen lässt. Die Grunduntersuchung kostet im Normalfall zwischen 150 und 200 Euro. Eine umfassende Leistungsdiagnostik mit Laktattest, Belastungs‑EKG und Trainingsplanerstellung kann zwischen 150 und 300 Euro kosten. Manchmal übernehmen auch die Krankenkassen einen Teil der anfallenden Kosten. Um genaue Informationen zu bekommen, lohnt es sich, bei deiner Krankenkasse diesbezüglich nachzufragen.

Wie oft sollten Läufer zur Untersuchung?

Pauschal beantworten lässt sich die Frage der Häufigkeit einer sportmedizinischen Untersuchung nicht. Die optimale Frequenz hängt stark davon ab, wie intensiv du trainierst, welche Ziele du verfolgst und welche gesundheitlichen Voraussetzungen du mitbringst. Für Freizeitläufer, die zwei‑ bis dreimal pro Woche laufen, moderate Umfänge absolvieren und keine ambitionierten Wettkampfziele verfolgen, reicht in der Regel ein Rhythmus von alle ein bis zwei Jahre. Dieser Zeitraum ist sinnvoll, weil sich die körperliche Leistungsfähigkeit, die Herz‑Kreislauf‑Belastbarkeit und orthopädische Faktoren über die Zeit verändern können.

Wenn du ambitionierter trainierst, also strukturiert nach Trainingsplan läufst, Intervalltraining absolvierst, hohe Wochenumfänge erreichst oder gezielt auf Bestzeiten hinarbeitest, solltest du mindestens einmal pro Jahr eine sportmedizinische Untersuchung einplanen. Intensives Training bedeutet höhere Belastung für Herz, Kreislauf, Muskulatur und Stoffwechsel. Ein jährlicher Check hilft dabei, die Trainingsbereiche präzise zu bestimmen, die Regenerationsfähigkeit zu beurteilen und mögliche Risiken frühzeitig zu erkennen. Besonders ein Belastungs‑EKG oder ein Laktattest liefern dir wertvolle Daten, die du für eine optimale Trainingssteuerung benötigst.

Checkliste vor dem Termin

Mit folgender Checkliste kannst du gut vorbereitet und weniger aufgeregt in deine sportmedizinische Untersuchung gehen.

💡 Gesundheitsinfos: Notiere alle Medikamente, die du einnimmst, sowie bekannte Vorerkrankungen, frühere Verletzungen oder aktuelle Beschwerden. Je vollständiger das Bild, desto präziser kann die Untersuchung ausfallen. Falls du Arztberichte oder Befunde hast, nimm sie ebenfalls mit.

💡 Trage bequeme Sportkleidung, in der du dich gut bewegen kannst. Da ein Belastungs‑EKG meist auf dem Laufband oder Ergometer durchgeführt wird, sind deine gewohnten Laufschuhe ideal. Ein kleines Handtuch ist ebenfalls sinnvoll.

💡 Ernährung: Ein leichtes Frühstück oder eine kleine Mahlzeit vor dem Termin sind empfehlenswert, damit du während der Belastung nicht unterzuckerst. Verzichte jedoch auf sehr fettige oder schwer verdauliche Speisen. Trinke ausreichend Wasser, aber nicht übermäßig viel direkt vor dem Termin.

💡 Falls eine Blutabnahme geplant ist, wirst du vorher informiert, ob du nüchtern erscheinen musst.

💡 Überlege dir vorab, welche sportlichen Ziele du verfolgst. Ist dein Ziel, überhaupt mit dem Laufen zu beginnen, einen Halbmarathon laufen, deine 10‑km‑Zeit zu verbessern oder einfach gesund und regelmäßig zu trainieren? Auch langfristige Pläne sind relevant. Je klarer du deine Ziele formulierst, desto besser kann die sportmedizinische Untersuchung dir helfen, passende Trainingsbereiche und Empfehlungen zu erhalten.

💡 Sammle Laufumfänge, Pace-Entwicklung, Herzfrequenzwerte. Falls du schon Sport treibst, lohnt es sich, vor der sportmedizinischen Untersuchung deine Trainingsdaten zu sammeln. Diese Infos helfen, dein aktuelles Leistungsniveau besser einzuschätzen und typische Belastungsmuster zu erkennen.

FAQ: Sportmedizinische Untersuchung

Fazit