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So werden Sie zum Läufer!
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Check-up vor Trainingsbeginn Check-up vor dem Lauf-Einstieg

Bevor Sie als Anfänger mit dem Laufen starten, ist eine Inspektion sinnvoll. Lassen Sie beim Sportmediziner einen Check-up machen, bevor Sie loslegen.

Für einen gelungenen Start ins Läuferleben reicht es nicht immer, sich mit passenden Laufschuhen, neuen Sportklamotten und dem geeigneten Trainingsplan auszurüsten. Sie sollten eine sportärztliche Untersuchung wahrnehmen, wenn Sie übergewichtig sind, eine chronische Krankheit oder sonstige gesundheitliche Probleme haben.

Besonders Lauf-Anfängern und Sport-Einsteigern über 35 Jahren rät Dr. Johannes Scherr vor dem Einstieg zu einem Check-up beim Arzt. Denn ab diesem Alter ist Arteriosklerose, also die Verhärtung der Arterien (umgangssprachlich: Schlagadern), die häufigste Ursache für einen Herzinfarkt, erklärt der erfahrene Sportmediziner vom Klinikum rechts der Isar in München. Ob dieses Risiko bei Ihnen besteht, sollten künftige Läufer vor Trainingsbeginn klären lassen.

Der PAR-Q-Fragebogen als erste Orientierung

Eine erste Orientierung, ob Sie eine sportärztliche Vorsorgeuntersuchung machen lassen sollten, ­liefert Ihnen beispielsweise der PAR-Q-Fragebogen (Physical Activity Readiness Questionnaire). Anhand einiger einfacher Fragen können Sie abschätzen, ob ein Check vor dem Lauf-Einstieg angebracht ist. Die grundlegende Untersuchung wird von jedem Hausarzt durchgeführt. Ab 35 wird dieser sogenannte Gesundheits-Check-up 35+ sogar von den gesetzlichen Krankenkassen als kostenlose Vorsorgeuntersuchung angeboten. Besser jedoch ist es für Lauf-Anfänger, direkt zu einem Arzt mit der Zusatzqualifikation Sportmedizin zu gehen. Sicher können andere Läufer Ihnen einen Arzt in Ihrer Nähe mit ­einer Affinität zum Laufen empfehlen.

Beantworten Sie die unten stehenden Fragen nach bestem Wissen und Gewissen und mit etwas „gesundem“ Menschenverstand.

PAR-Q-Test

  • Hat ihnen jemals ein Arzt gesagt, Sie hätten etwas am Herzen und Ihnen Bewegung und Sport nur unter ärztlicher Kontrolle empfohlen?
  • Hatten Sie im letzten Monat Schmerzen in der Brust in Ruhe oder bei körperlicher Belastung (Anstrengung)?
  • Haben Sie Probleme mit der Atmung in Ruhe oder bei körperlicher Belastung?
  • Sind Sie jemals wegen Schwindel gestürzt oder haben Sie schon jemals das Bewusstsein verloren?
  • Haben Sie Knochen- oder Gelenkprobleme, die sich unter körperlicher Belastung verschlechtern könnten?
  • Hat Ihnen jemals ein Arzt ein Medikament gegen hohen Blutdruck oder wegen eines Herzproblems oder Atemproblems verschrieben?
  • Kennen Sie irgendeinen weiteren Grund, warum Sie nicht körperlich/sportlich aktiv sein sollten?

Falls Sie eine oder mehrere Fragen mit JA beantwortet haben, sollten Sie, bevor Sie sportlich aktiv werden, Ihren Arzt aufsuchen und sich untersuchen und beraten lassen. Nennen Sie Ihrem Arzt die Antworten auf die Fragen des PAR-Q-Tests.

Das englisch-sprachige Original-Dokument finden Sie auf der Homepage der Canadian Society for Exercise Physiology unter Publications, PAR-Q-Forms. Dort gibt es außerdem den ausführlicheren, vierseitigen PAR-Q+-Fragebogen mit weiteren Fragen nach chronischen Erkrankungen.Ein deutschsprachiger ausführlicherer Test, der auf dem PAR-Q-Fragebogen basiert, ist der PAPS-Test, der von Dr. med. Lars Brechtel (Abteilung Sportmedizin der Humboldt-Universität zu Berlin) und Jürgen Lock (SMS - Sport-Medizinischer Service, Berlin) in Zusammenarbeit mit der Berliner Akademie für Sportmedizin e.V. entwickelt wurde. Der SCC Berlin bietet den PAPS-Test unter www.paps-test.de als Online-Test an. Nachdem Sie alle Fragen beantwortet haben, können Sie das Ergebnis ausdrucken. Nehmen Sie den Ausdruck zu einer sportmedizinischen Untersuchung mit und zeigen Sie ihn Ihrem Arzt.

Was passiert bei einer sportärztlichen Untersuchung?

Bei der sportmedizinischen Untersuchung checkt der Arzt den Sport-Einsteiger körperlich durch und nimmt bisherige Beschwerden oder familiäre Risikofaktoren auf. Anhand eines Ruhe-EKGs prüft er, ob mit der Herzmuskel-Kontraktion des Lauf-Einsteigers alles in Ordnung ist. Nicht nur Herzrhythmusstörungen können so erkannt werden, sondern auch, ob es etwa Hinweise auf Verdickungen oder Entzündungen am Herzen gibt. Eine Herzmuskelentzündung kann im schlimmsten Fall zum sogenannten Plötzlichen Herztod führen.

Auch das Blut des Lauf-Einsteigers wird im Rahmen des sportmedizinischen Checks unter die Lupe genommen. Dabei werden etwa der Gesamtcholesterin-Wert sowie die LDL- und HDL-Werte untersucht. Durch einen zu hohen Cholesterinwert kann sich nämlich Cholesterin in den Blutgefäßen ablagern, was wiederum zu Arteriosklerose führen kann. LDL und HDL sind gewissermaßen die Transporter des Cholesterins. Das LDL bringt das Cholesterin von der Leber zum Gewebe, wo es in den Zellmembranen gebraucht wird. Das HDL transportiert überflüssiges Cholesterin wieder zurück, sodass es sich nicht in den Gefäßwänden ablagern kann und diese dadurch verhärten. Ein Blutbild und die Messung von Entzündungswerten, Leber- und Nierenwerten sollten ebenfalls zur „Generalinspektion“ eines jeden Läufers gehören.

Falls erste Untersuchungen auf Probleme hinweisen oder Risikofaktoren vorliegen, kann sich der Arzt mit einem Ultraschall des Herzens oder auch der Halsschlagadern ein genaueres Bild machen. Dabei werden die Gefäßwände des Läufers auf Ablagerungen untersucht. Sinnvoll für Lauf-Anfänger wie auch fortgeschrittene Läufer ist außerdem ein Belastungs-EKG. Dieses können Sie beim Sportmediziner durchführen lassen können. Fragen Sie den Sportmediziner auch nach den Intensitätsbereichen, in denen Sie trainieren sollten. Nur wenn Sie die kennen, macht es auch Sinn, mit einer Pulsuhr zu laufen.

Wann ist eine Untersuchung des Bewegungsapparats sinnvoll?

Nach der sportmedizinischen Inspektion wissen Sie genau, ob mit Ihrem Motor und Getriebe alles okay ist. Was dabei aber nicht auf den Prüfstand gestellt wird, ist Ihr Bewegungsapparat. Ein entsprechender Check hilft bei der Wahl der richtigen Laufschuhe. Wenn Sie mit Beinen und Füßen keine Probleme haben und normalgewichtig sind, reicht eine gute Beratung im Fachgeschäft. Falls Sie unter Gelenkproblemen oder einer Fußfehlstellung leiden, kann es sinnvoll sein, einen weiteren Experten zu befragen. Bei Fußproblemen wie etwa Senkfuß, Zehenschiefstand oder Überbein fertigt ein Orthopädietechniker oder Orthopädieschuhmacher Einlagen auch speziell für Ihre Laufschuhe an. Parallel dazu kann Ihnen ein Physiotherapeut oder ein Sportwissenschaftler Übungen für Läufer zeigen, mit denen Sie Ihre Füße kräftigen können.

Fazit

Sie sollten eine sportärztliche Untersuchung auf jeden Fall durchführen lassen und gegebenenfalls eine orthopädische Untersuchung in Anspruch nehmen, wenn einer der folgenden Aspekte auf Sie zutrifft:

  • Sie sind übergewichtig.
  • Sie haben ein Alter von 35 Jahren überschritten.
  • Sie haben Gelenkprobleme, Rückenschmerzen oder Fußprobleme.
  • Sie sind chronisch krank.

Ihr Arzt wird Ihnen helfen entsprechende Maßnahmen zu treffen, damit Sie ohne große Risiken anfangen können, Sport zu treiben.

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