Nach einer Covid-19-Erkrankung ist Verletzungsrisiko erhöht und die Leistungsfähigkeit vermindert iStockphoto

Folgen einer Covid-19-Erkrankung

Folgen einer Coronainfektion Erhöht Covid-19 das Verletzungsrisiko?

Läuferinnen und Läufer, die Covid-19 durchgemacht haben, sollen anschließend anfälliger für Verletzungen sein. Und selbst bei einem milden Verlauf können langfristige Leistungseinbußen die Folge sein. Der Versuch eines Überblicks über mögliche Corona-Folgen.

Nach einer überstandenen Covid-19-Erkrankung sollten Sie beim Laufen erstmal langsam machen – selbst, wenn Sie keine oder nur milde Symptome hatten. Denn die Ergebnisse einer Studie deuten darauf hin, dass das Verletzungsrisiko bei Läuferinnen und Läufern erhöht ist, nachdem sie eine Coronainfektion durchgemacht haben.

Rund 2.000 Läuferinnen und Läufer nahmen an der Studie teil. Von jenen mit einer nachgewiesenen Covid-19-Erkrankung gaben im Untersuchungszeitraum (März bis September 2020) 30,9 Prozent an, dass sie nach der Erkrankung eine Laufverletzung hatten. Im Vergleich gaben nur 21,3 Prozent der Proband*innen ohne nachgewiesene Coronainfektion eine durchs Laufen indizierte Verletzung an. Das Verletzungsrisiko in Folge einer Covid-19-Erkrankung soll demnach 1,66-mal so hoch sein.

„Ich war nicht überrascht, dass es einen Unterschied in der Verletzungsrate gab, aber ich habe nicht damit gerechnet, dass der Unterschied derart groß ist“, sagte Studienautor Brett Toresdahl, Mediziner am Hospital for Special Surgery in New York City, unseren Kollegen der US-amerikanischen RUNNER’S WORLD.

Wieso ist das Verletzungsrisiko nach Covid-19 größer?

Die Studienautoren geben an, dass Sie weder zum Verlauf der Covid-Erkrankung noch zum Auftreten, Dauer und Art der Laufverletzung Daten sammelten. Somit ist letztlich kein kausaler Zusammenhang zwischen einer überstandenen Covid-19-Erkrankung und einem gesteigerten Verletzungsrisiko belegt.

Die Vermutung liegt allerdings nahe, dass die sportliche Zwangspause, meist verbunden mit einer Quarantäne, bei der körperliche Aktivität kaum möglich ist, oder gar einer stationären Behandlung, zu einer Degeneration der Muskulatur, Schwächung des Bewegungsapparates sowie Einbußen bei der Herz- und Lungenkapazität führt.

Fängt man nach einer längeren Pause wieder mit dem Training an – und möchte eventuell gar verpasstes Training wieder aufholen – ist der Körper noch gar nicht bereit dafür. Klassische Überlastungserscheinungen am Bewegungsapparat können die Folge sein.

Kurzum: Nicht unbedingt das Virus erhöht die Verletzungsanfälligkeit, sondern das geringere Fitnessniveau infolge der Zwangspause. Wer eine Covid-19-Erkrankung durchgemacht hat, sollte also vorsichtig wieder ins Training einsteigen und den Körper erst wieder an die Belastung gewöhnen. Im Zweifel müssen gesteckte Ziele verschoben werden.

Grundsätzlich raten Sportmediziner im British Journal of Sports Medicine dazu, während einer Covid-19-Erkrankung mindestens zehn Tage keinen Sport zu machen und frühestens nach sieben Tagen ohne jegliche Symptome (Kurzatmigkeit, Husten, Fieber, Verdauungsbeschwerden, veränderter Geruchs- und Geschmackssinn) wieder mit leichter Belastung einzusteigen. Lassen Sie sich Zeit, bis Sie wieder mit normalem Training beginnen und versuchen Sie nicht, verpasstes Training nachzuholen.

Long-Covid: Leistungseinbußen und Organschäden

Unterschätzen sollte man eine Covid-19-Erkrankung aber auch in Folge nicht – selbst, wenn sie vermeintlich überstanden scheint. Verschiedene Untersuchungen zeigen, dass zwischen einem Drittel und der Hälfte aller Covid-19-Erkrankten Wochen oder Monate nach der Infektion immer noch oder plötzlich an Atemnot und Erschöpfung leiden. Auch Schlafprobleme, Angstzustände, Depressionen und Konzentrationsschwäche werden berichtet.

Eine Erklärung könnten organische Schäden sein. So fanden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Universitätsklinikums Eppendorf (UKE) jüngst heraus, dass selbst Monate nach Covid-19-Krankheitsverläufen ohne (schwere) Symptome, Schädigungen an den Organen feststellbar sind. Für ihre Studie untersuchten sie 443 Personen mit einer nachgewiesenen SARS-CoV-2 Infektion ohne, mit milden oder nur mäßigen Symptomen. Im Vergleich zur gesunden Normalbevölkerung zeigte sich bei den Proband*innen, dass sie über ein drei Prozent geringeres Lungenvolumen verfügten und der Atemwegswiderstand höher war. Neben einer um bis zu zwei Prozent geringeren Pumpkraft des Herzmuskels, stellten sie überdies eine 41-prozentige Erhöhung eines Markerproteins im Blut fest, welches Auskunft über die Belastung des Herzens gibt. Ebenfalls wurden häufiger Anzeichen einer Beinvenenthrombose und eine Verschlechterung der Nierenfunktion nachgewiesen.

Impfen ist die beste Vorsorge

Wirklich viel weiß man über diese inzwischen als Long-Covid bezeichnete Folgeerkrankung nicht, außer: Frauen sind deutlich häufiger betroffen als Männer. Risikofaktoren wie starkes Übergewicht und hohes Alter können eine Rolle spielen. Doch oft erwischt es auch junge, sportliche Menschen. Wieso aber die einen eine Coronainfektion schadlos überstehen und die anderen mit Spätfolgen kämpfen, ist letztlich unklar.

Was feststeht: Den besten Schutz vor einer Coronainfektion sowie den Long-Covid-Folgen verspricht derzeit eine Schutzimpfung. Zwar können sich auch geimpfte Menschen mit SARS-CoV-2 infizieren, allerdings ist der Verlauf nach einer solchen Durchbruchsinfektion meist deutlich milder. Zusätzlich haben geimpfte Menschen seltener mit langanhaltenden Symptomen zu kämpfen. Da die schützende Wirkung der Impfung mit der Zeit nachlässt, ist die Vorbeugung mittels einer Auffrischungsimpfung (Booster-Impfung) zu empfehlen, was zudem besser vor Virusvarianten wie etwa Omikron schützt.

Weiterführende Informationen zu Covid-19 und dem Coronavirus SARS-CoV-2 finden Sie auf der Seite des Robert Koch-Instituts.

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